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Der Elbrus: Europas höchster Berg?

Mit 5642 Metern ist der Elbrus der höchste Berg Russlands. Je nach Definition der Kontinentalgrenzen gilt der erloschene Vulkan im Kaukasus auch als höchster Berg Europas. Hier erfährst du alles über den Elbrus.

Der schneebedeckte Doppelgipfel des Elbrus im rosafarbenen Morgenlicht.
Der Elbrus mit seinem Doppelgipfel (Westgipfel: 5642 m, Ostgipfel: 5621 m) ist der höchste Berg Europas.© Adobe Stock / mazurevanasta

Der Elbrus oder doch der Mont Blanc? Welcher der beiden Berge als höchster Berg Europas gilt, hängt ganz davon ab, wie man die Kontinentalgrenzen definiert. Mit 5642 Metern ist der russische Elbrus jedenfalls 833 Meter höher als sein französischer Konkurrent Mont Blanc (4809 m). Dieser Artikel beantwortet dir folgende Fragen:

Russlands Süden: Hier liegt der Berg Elbrus

Der Elbrus (Эльбрус) liegt im Kaukasus-Gebirge, das sich zwischen dem Schwarzen Meer im Westen und dem Kaspischen Meer im Osten erstreckt. Genauer gesagt befindet sich der Elbrus im zentralen Teil des Kaukasus, in der Region Kabardino-Balkarien, nahe der Grenze zwischen Europa und Asien.

Eine Karte des Kaukasus, wo man die Lage des Elbrus in Russland an der Grenze zu Georgien sehen kann.
Der russische Berg Elbrus liegt im Kaukasus an der Grenze zu Georgien.© Adobe Stock / bogdanserban

Die genaue geografische Lage des Elbrus ist etwa 20 Kilometer südlich des Hauptkamms des Kaukasus und etwa 10 Kilometer nordwestlich der Grenze zu Georgien. Die umliegende Landschaft ist von einer beeindruckenden Vielfalt geprägt, darunter tiefe Täler, grüne Almen, kristallklare Flüsse und majestätische Gletscher.

Das Dorf Terskol im Kaukasus, nahe dem höchsten russischen Berg Elbrus.
Das Dorf Terskol (Терскол) liegt nahe des Elbrus und dient als Ausgangsbasis für viele Touren zu den hohen Gipfel des Kaukasus.© Adobe Stock / pdeminhiker

Der nächstgelegene Ort zum Berg Elbrus ist Terskol (Терскол), der als Ausgangspunkt für viele Bergsteiger dient. Terskol liegt etwa 10 Kilometer nordwestlich des Elbrus und bietet Unterkünfte, Restaurants und andere Dienstleistungen für Besucher und Bergsteiger. Die Lage des Dorfes am Rande des Kaukasus-Gebirges bietet eine ideale Ausgangsbasis für Bergsteiger, um sich zu akklimatisieren und ihre Expeditionen zu planen.

Elbrus oder Mont Blanc: Welcher ist der höchste Berg Europas?

Den Titel als "Höchster Berg der Alpen" kann dem Mont Blanc keiner mehr nehmen. Doch ob er auch als höchster Berg Europas gilt, ist umstritten – und vor allem eine Frage der Definition. Da die innereurasische Grenze nicht wie bei anderen Plattengrenzen klar vom Meer gekennzeichnet ist, gibt es verschiedene Auffassungen. Und die allgemeine Frage: Muss ein Kontinent eigentlich immer vollständig von Wasser umgeben sein?

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Der Bosporus hat sich historisch als klare Grenze zwischen Europa und Asien durchgesetzt. Doch wie diese Grenze  auf der anderen Seite des Schwarzen Meers weiterläuft, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Viele folgen der Theorie der Wasserschneiden: Wo das Wasser des Elbrus in Richtung Norden abläuft, handelt es sich um Europa, wo es in Richtung Süden abfließt, um Asien. Somit wäre der Elbrus ein Teil Europas. Ein anderer Ansatz ist die Grenzziehung entlang der Manytschniederung. Sie ist eine ausgedehnte Tiefebene, die oft als natürliche Grenze zwischen Europa und Asien angesehen wird. Hier wäre der Elbrus nicht mehr in Europa.

Der Elbrus und der Mont Blanc im Vergleich
Der russische Elbrus (links) ist 833 Meter höher als der französische Mont Blanc (rechts). © Adobe Stock / evgenyshch, Adobe Stock / Philto

Die gängige Mehrheitsmeinung, vor allem auch in Bergsteigerkreisen, argumentiert heute anhand der Wasserschneiden und findet: Der Elbrus ist der höchste Berg Europas. Bezieht man auch kulturelle und historische Faktoren in die Diskussion um die innereurasische Grenze mit ein, so lässt sich diese Auffassung noch weiter untermauern. Faktisch falsch ist es dennoch nicht, den Mont Blanc als höchsten Berg Europas zu bezeichnen. Es kommt nur darauf an, wie man es begründet.

Der Elbrus: Ein Teil der Seven Summits?

Warum die Frage nach dem höchsten Berg Europas gerade unter Profibergsteigern so wichtig ist, lässt sich schnell erklären. Es geht um die "Seven Summits". Für ambitionierte Alpinisten, die sich diesem Großprojekt verschrieben haben, stellt sich also die konkrete Frage: Muss ich den Mont Blanc oder den Elbrus bezwingen?

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Die Seven Summits sind die höchsten Berge auf jedem der sieben Kontinente. Die gängige Liste sieht aus wie folgt:

  1. Asien: Mount Everest – 8848 m
  2. Südamerika: Aconcagua – 6961 m
  3. Nordamerika: Denali (Mount McKinley) – 6190 m
  4. Afrika: Kilimandscharo – 5895 m
  5. Europa: Elbrus – 5642 m
  6. Antarktis: Vinson-Massiv – 4892 m
  7. Australien/Ozeanien: Puncak Jaya – 4884 m

Zwei Gipfel in der Liste sind hauptsächlich aufgrund von geografischen und kulturellen Debatten über die Definition von Kontinenten umstritten: Einerseits, wie oben beschrieben, der Elbrus, der bisweilen von Mont Blanc (4809 m) ersetzt wird. Andererseits steht auch der indonesische Puncak Jaya mit dem australischen Mount Kosciuszko (2228 m) in Konkurrenz.

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Elbrus: Die Erstbesteigung

Am 22. Juli 1829 erreichte Kilar Chatschirow, ein karatschaischer Hirte und Träger, den Gipfel des Elbrus-Ostgipfels (5621 m). Er stieg vom Lager des russischen Generals Georgi Emmanuel auf der Nordseite des Elbrus aus zum Gipfel auf. Diese Besteigung, obwohl dokumentiert, wurde in der Vergangenheit gelegentlich angezweifelt. Die Expedition umfasste auch eine wissenschaftliche Abteilung unter der Leitung des Physikers Emil Lenz, der bis zu einer Felsgruppe in 4800 Meter Höhe aufstieg.

Ein Mann steht auf dem Gipfel des Elbrus und blickt in die Ferne.
Der Weitblick vom Gipfel des Elbrus ist in die Aufstiegsmühen wert.© Adobe Stock / greenlex

Am 26. Juli 1874 gelang es den Engländern Frederick Gardiner, Florence Crauford Grove und Horace Walker sowie deren Schweizer Führer Peter Knubel, den 5642 Meter hohen Westgipfel des Elbrus zu besteigen. Diese Expedition markierte einen historischen Meilenstein in der Geschichte der Besteigung des Elbrus. Die erste Ski-Touren-Besteigung wurde im Sommer 1914 durchgeführt.

Der Elbrus als Macht-Symbol im Zweiten Weltkrieg

Im Sommer 1942 erhielten deutsche Gebirgsjäger den Befehl, den Kaukasus zu überqueren, um die Hafenstadt Sochumi am Schwarzen Meer einzunehmen. Ihr Ziel war es, der sowjetischen Schwarzmeerflotte einen wichtigen Stützpunkt zu entziehen und die große Fernstraße am Nordufer zu kontrollieren. Mehr aus propagandistischen Gründen als aus strategischer Überlegung entschied man sich dann auch den Elbrus zu erobern.

"Eine Kompanie von ausgewählten Soldaten einer schwäbisch-bayerischen Gebirgsdivison hat es sich zur Aufgabe gemacht, auf dem Gipfel dieses 5630 Meter hohen Bergriesen die Reichskriegsflagge zu setzen." – Originalkommentar einer Berichterstattung aus der Zeit

Am 21. August 1942 wehte schließlich die Reichskriegsflagge auf dem Gipfel des Elbrus – militärisch eine sinnlose Aktion, die in Deutschland nicht unbedingt Begeisterung hervorrief. Adolf Hitler war von der Bergtour wenig angetan und schimpfte über den "idiotischen Ehrgeiz, einen idiotischen Gipfel zu besteigen". Dennoch wurde die Bezwingung des Elbrus als Heldentag in "schneidender Kälte" inszeniert.

"Der Elbrus ist bezwungen. Unsere Gebirgsjäger haben damit eine kämpferische und zugleich alpinistische Großtat vollbracht." – Originalkommentar einer Berichterstattung aus der Zeit

Nur ein paar Monate später haben die Sowjets den Gipfel zurückerobert.

Elbrus-Besteigung: Die Normal-Route

Der Elbrus liegt im Prielbrussje-Nationalpark. Durch die äußerst kalten Winter wird der Berg meist nur zwischen Mai und September bestiegen. Im Schnitt verunglücken jährlich 15 bis 30 Bergsteiger. Die meisten davon sind alleine unterwegs oder kaum vorbereitet. Auch geben sich viele nicht ausreichend Zeit, um sich an die Höhe anzupassen.

Die häufigste Route auf den Elbrus, auch bekannt als die Normalroute, wird von der Südseite des Berges aus begangen. Diese Route ist die am besten erschlossene und am häufigsten begangene Route für Bergsteiger, die den Gipfel des Elbrus erreichen möchten. Hier sind einige Merkmale dieser Route:

  1. Ausgangspunkt: Die Route beginnt oft in der Nähe des Dorfes Terskol im Baksan-Tal, das sich am Fuße des Elbrus befindet. Von dort aus fahren Bergsteiger mit Geländefahrzeugen oder Seilbahnen zu höhergelegenen Ausgangspunkten.
  2. Barrels (Fässer): Eine der ersten Stationen entlang der Route ist das Lager "Barrels" (Fässer), benannt nach den Fass-förmigen Hütten, die als Unterkünfte für Bergsteiger dienen. Dieses Lager liegt auf etwa 3.800 Metern Höhe.
  3. Pastukhov Rocks: Weiter auf dem Weg befinden sich die Pastukhov Rocks, Felsen, die bergaufwärts Richtung Gipfel führen und oft als Zwischenstation für die Akklimatisierung und Rast genutzt werden.
  4. Saddle (Sattel): Der Sattel, auch bekannt als die "Saddles" (Sättel), ist ein Punkt auf etwa 5.300 Metern Höhe, der den Übergang zwischen den beiden Gipfeln des Elbrus markiert.
  5. Gipfel: Schließlich erreichen Bergsteiger den Gipfel des Elbrus, der auf etwa 5.642 Metern Höhe liegt. Der Weg zum Gipfel ist oft steil und erfordert Ausdauer und Technik im Bergsteigen.
Schutzhütten in Fass-Form, die sogenannten "Barrels", auf dem Weg auf den Elbrus.
Schutzhütten in Fass-Form, die sogenannten "Barrels", auf dem Weg auf den Elbrus.© Adobe Stock / Влад Астанин

Die Normalroute auf den Elbrus ist bei Bergsteigern beliebt, da sie vergleichsweise gut markiert und technisch nicht so anspruchsvoll ist wie einige der anderen Routen auf den Berg. Dennoch erfordert die Höhe und die Wetterbedingungen am Elbrus eine angemessene Vorbereitung und Ausrüstung, sowie die Beachtung der individuellen körperlichen Verfassung und Akklimatisierungsfähigkeit. Ein erfahrener, ortskundiger Bergführer lohnt sich in jeden Fall.

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Über den Autor

Tom Englram

Bergsport- und Outdoor-Experte

Seit 2023 ist Tom Englram in den Online-Redaktionen von Planet Outdoor und Bergsteiger tätig. Seine Aufgabenbereiche: Tourentipps, Outdoor-Ratgeber und Produkttests. Für den Bergsteiger schreibt er zudem im Print-Magazin. Im Rahmen seiner vorherigen Stationen sammelte er Erfahrungen im Übersetzen und im Copywriting. Außerdem hat er eine Ausbildung zum Wilderness First Responder auf Island absolviert und längere Zeit auf der Insel verbracht. Der Wildnis-Wanderer und Freund von Fremdsprachen ist gerne unterwegs und viel draußen. Im Rucksack immer mit dabei: Stift und Papier.


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