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Wandern Zugspitz Region: Reintalangerhütte

Anspruch:
leicht
Dauer:
09:30 Std.
Aufstieg:
900 m
Abstieg:
900 m

Ohne Schweiß kein Preis. Das gilt für den Besuch der im hintersten Winkel des Wettersteins versteckten Reintalangerhütte ganz besonders. Jetzt könnte man sich fragen: Muss man diesen längsten aller Zustiege auf sich nehmen? Nein, muss man nicht, aber man wird es sicher nicht bereuen!

Beschreibung

Die flatternden Gebetsfahnen, die nahe Uferzone der Partnach und die im Westen aufragenden, teils schneebedeckten Berge geben dieser Hütte ein einmaliges Ambiente. Neben der Reintalangerhütte liegt die erste Angerhütte, sie wird heute noch als Winterraum genutzt. Die Hütte kann übrigens aufgrund des fehlenden Fahrweges nur mit dem Hubschrauber versorgt werden, daher sollte man nicht alle Annehmlichkeiten erwarten. Die Hütte hat zahlreiche Schlafplätze, doch sei eine Voranmeldung zumindest für das Wochenende auf jeden Fall empfohlen. Wer eines der wenigen Zimmer buchen möchte, sollte sogar Monate im Voraus buchen.

Seit 1985 sorgt ein Wasserkraftwerk kurz unterhalb des Partnach-Ursprungs für eine umweltfreundliche Stromversorgung der Hütte.

Magische Schönheit im einsamen Reintal 

Zwischen den Felsfluchten von Jubiläumsgrat, der sich von der Zugspitze nach Osten erstreckt, und Wettersteinkamm weiter südlich ragen die gewaltigen Wände rund um das Reintal auf. Es sind die höchsten Berge Deutschlands, und sie lassen der Sonne bereits Ende Herbst keinen Zutritt zum Tal mehr. Das Reintal ist in seiner Abgeschiedenheit das Herz des Wettersteingebirges. Es entstand vor mehreren Hunderttausend Jahren durch die Eismassen des Inngletschers. Dieser längste Gletscher der Ostalpen hobelte die Felswände zu einem typischen Trogtal aus. Das einsame und wilde Reintal könnte auch irgendwo in Kanada liegen oder in Tibet. Zumindest flattern um die Reintalangerhütte und über der Partnach viele tibetische Gebetsfahnen, dazu gesellen sich Liegestühle am »Lido«, dem Partnach-Strand, und natürlich bayerische Bierbänke. Alles Zutaten für einen entspannten Tag nach dem mühsamen Anstieg oder nach einer Zugspitzbesteigung. Etwa einen Kilometer oberhalb der Reintalangerhütte sprudelt eine Quelle, die landläufig alsPartnach-Ursprung bezeichnet wird. Tatsächlich handelt es sich aber um das versickerte Wasser des Schneeferners am Zugspitzplatt.

Traumhütte am »Lido« 

Zu einer besonderen Hütte gehört auch eine originelle Hüttencrew. Tatsächlich wird auch die viel gelobt, und sie bläst nach wie vor den musikalischen Weckruf am Morgen, der von Charly Wehrle, einer echten Hüttenlegende, einst eingeführt wurde. Charly schaffte es während seiner 20 Jahre als Hüttenwirt, dass die Besucherzahlen wieder auf 4000 im Jahr anstiegen und damit erneut das hohe Niveau der 1920er-Jahre erreichten. Aber auch seine Nachfolger treten in seine großen Fußstapfen: »Traumlage am Partnach-Strand, legendärer musikalischer Weckruf, sehr gemütliche Atmosphäre, schöne Zimmer«, oder: »Erste Übernachtung in einer DAV-Hütte. Wurde als ›Neuling‹ super und sehr freundlich vom Team eingewiesen. Es folgte ein gemütlicher Abend im Gastraum. Großes Lob an das Team! Das Matratzenlager ist sehr schmal, aber i. O. Originell: Weckruf mit Live-Musik«. Diese aktuellen Hüttenbewertungen lassen sich im DAV-Hüttentest nachlesen.

Erstbesteigung der Zugspitze 

Die Nutzung der Reintalangeralpe als Alm ist bereits für das Jahr 1485 nachgewiesen. Damals trieben Tiroler Bauern über das Ehrwalder Gatterl ihr Vieh ins grüne Tal hinab. Auch die Erstbesteigung der Zugspitze 1820 durch Josef Naus fand auf dem damals wie heute leichtesten Anstieg durch das Reintal statt. Berühmt ist auch der Tagebucheintrag des Leutnants in der Nacht vor der Erstbesteigung: Er berichtet darin, dass er in der Hirtenhütte dergestalt von Flöhen gemartert wurde, dass er die halbe Nacht mit der Tötung derselben verbrachte und zu guter Letzt im Freien schlief. Auch die deutschen Spitzenbergsteiger der damaligen Zeit wie Welzenbach, Merkl oder Heckmair waren im Reintal zu Hause – lag doch mit 1400 Metern eine der höchsten Felswände, die Hochwanner-Nordwand, direkt vor der Haustüre. Die gewaltigen Wandfluchten des Hoch- und des Kleinwanner galten in den 1920er- und 1930er-Jahren außerdem als das ideale Trainingsgelände für Klettertouren in den Westalpen.

Der Hüttenzustieg 

Der schönste Weg zur Reintalangerhütte führt natürlich von Garmisch durch die Partnachklamm. Direkt hinter dem Skistadion in Garmisch stehen Fiaker bereit, mit denen man bis zur Klamm fahren kann – damit lässt sich der lange Weg um zwei Kilometer abkürzen. Die Klamm ist ein feuchter, schattiger und mit bizarren Felsformationen versehener Ort. Und damit so ganz anders als der Rest des Weges. Deshalb sollte man sie unbedingt »mitnehmen«, auch wenn der Weg (immerhin 17 km!) dadurch nicht kürzer wird. Nach der Klamm bleiben wir am Flussbett mit seinem klaren blauen Wasser, bis wir am Mitterklammgraben wieder etwas ansteigen müssen. Hier hat man dann einen Blick auf die wilde Schönheit dieser Klamm mit den felsigen Schrofen darüber.

Nach der Brücke über den Oberreintalbach liegt die schöne neue Bockhütte (12 km) auf einer kleinen Lichtung, nur wenige Meter von der glasklaren Partnach entfernt. Bis September erhält man hier warme und kalte Gerichte und Getränke (keine Übernachtung).

Wir folgen dem Weg weiter nach Westen und parallel zum Lauf der Partnach. Viel Wald und Schuttreißen begleiten uns auf dem kiesigen Wanderweg. Die sehr schöne Badegelegenheit an der Blauen Gumpe wurde leider bei einem Erdrutsch verschüttet. Man hört ihn, bevor man ihn sieht, den 80 Meter hohen Wasserfall der Partnach. Er scheint geradezu mitten aus dem Fels herauszustürzen, so tief hat er sich eingegraben. Der Fluss hat auffallend schönes klares Wasser mit einem starken Blauton. Dieser wird noch verstärkt durch den hellen, kalkigen Kies darunter. Die schweren Unwetter von 1986, 1988 und 1992 beschädigten mit ihren Wassermassen den Reintalweg und zerstörten ihn teilweise. Im Augenblick ist er aber in einem sehr guten Zustand, selbst Biker nutzen ihn häufig.

Dann steigt der Weg noch einmal kräftiger an. Wir überqueren auf einer Brücke einen Nebenfluss der Partnach und erreichen endlich die grünen Anger bei der Reintalangerhütte.

Rückweg 

Zurück nehmen wir den gleichen Weg hinunter nach Garmisch. Die Zugspitze-Aspiranten wandern weiter hinauf durchs Reintal in Richtung Knorrhütte und dann über das Zugspitzplatt zum Münchner Haus und auf den Gipfel von Deutschlands höchstem Berg.

Touren-Charakter

Sehr lange Wanderung; Weg durch die Klamm feucht und eng, dann aber gute Wege, am Ende viel Auf und Ab vor der Hütte

Ausgangspunkt

Parkplatz am Olympiaskistadion in Garmisch

Endpunkt

Parkplatz am Olympiaskistadion in Garmisch
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