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Vergessene / Entdecker Pfade
wandern

Wandern Schwarzwald: Eine runde Sache – ab Bachheim

Anspruch:
mittel
Dauer:
05:00 Std.
Länge:
14.6 km
Aufstieg:
600 m
Abstieg:
600 m

Ungewohnter Einstieg in die Wutachschlucht. Die Wutachschlucht zählt zu den unangefochtenen Klassikern im Schwarzwald. Als Wanderer muss man sich dabei entscheiden: Entweder läuft man der Wutach entgegen und damit von der Wutachmühle flussaufwärts bis zur Schattenmühle, oder man wählt die andere Richtung. Doch es geht auch ganz anders ...

Beschreibung

Mit dem Wanderbus von einem Ende der Schlucht ans andere zu fahren und die bekanntesten 13 Kilometer der Wutach dann ganz gemütlich abzuwandern, ist natürlich eine tolle Sache. Wer das so macht, wird jedoch merken, dass ihm nach dem ersten Drittel der Strecke zunehmend mehr Wanderer entgegenkommen. An schönen Wochenenden kann es im mittleren Abschnitt der Wutachschlucht sogar richtig voll werden. Um diesem Trubel zu entgehen, starten wir erst mittags, und zwar beim Wanderparkplatz nahe der Drei-Schluchten-Halle in Bachheim.

Ungewohnter Einstieg

Nach wenigen Schritten in Richtung Drei-Schluchten-Halle biegen wir scharf links ab und folgen der gelben Raute hinunter zur Wutachhalde. Wo der Waldweg nach 500 Metern auf einen anderen trifft, biegen wir rechts ab und wandern oberhalb der Wutach an den Hasengraben. Damit geht es wieder ein gutes Stück bergauf, bis der Weg mit dem Hirschgrabenweg zusammentrifft.

Weiter geht es auf dem Hirschgrabenweg, bis dieser auf die Kiesstraße trifft. Dieser folgen wir links ein paar Schritte, wechseln in der nächsten Kurve aber auf einen Waldpfad. Wo der Pfad in einen breiteren Weg mündet, geht es links zurück zur Kiesstraße und weiter geradeaus auf dem Grenzweg bis zu einem Abhang, dann rechts leicht bergan in Richtung der Kiesgrube Reiselfingen.

Wo der Grenzweg das Rosenbächle kreuzt, trennen uns rechts wenige Schritte von der Zufahrt zur Kiesgrube Reiselfingen. Durch den fortschreitenden Betrieb kann sich die Wegführung ändern. Seit Veröffentlichung der dritten Auflage ist es möglich, die Kiesgrube auf der Zufahrt östlich zu umgehen. Wo der Fahrweg endet, biegen wir links ab und kommen so auf einen seit Jahren ortstreuen, mit gelber Raute gekennzeichneten Wanderweg.

Ungewohnte Aussicht

Nachdem der Pfad eine Rechtskurve beschreibt, kommen wir das erste Mal an den oberen Rand der Wutachschlucht. Mehrere Lücken zwischen den Bäumen ermöglichen Blicke auf das Flussbett, die Felsengalerie und das vom Schluchtensteig nicht einsehbare Hochland oberhalb der Felsen.

Der nächste Abschnitt ist im Frühjahr sehr schön, wenn die hier häufigen Schlüsselblumen, Sumpfdotterblumen und Buschwindröschen blühen. Nachdem der Weg den bewaldeten Bereich Stieräcker passiert hat, treffen wir auf einen mit der blauen Raute markierten Wanderweg. Hier biegen wir links ab, sodass wir nach einem Kilometer die Wutachschlucht und damit den wohl am meisten begangenen Teil des Schluchtensteigs erreichen.

Wer um 13 Uhr gestartet ist, sollte um etwa 16 Uhr beim ehemaligen Bad Boll ankommen und, wenn alles gut geht, eine schöne Überraschung erleben: Denn weil die meisten Wanderer – auch bedingt durch den Busfahrplan – ihre Tour durch die Wutachschlucht am Vormittag starten, haben sie den Mittelteil um diese Zeit für gewöhnlich bereits hinter sich. Wo noch wenige Stunden zuvor ganze Heerscharen den Rastplatz Bad Boll belagerten, herrscht damit tote Hose. Ein gemütliches Plätzchen für eine ausgiebige Rast zu finden, sollte damit kein Problem sein.

Historisches Bad Boll

Auf dem Rastplatz erinnern aufgestellte Tafeln an die wechselhafte Geschichte des einst renommierten Kurhotels Bad Boll. Möglich wurde der Badebetrieb durch eine Mineralquelle, welche schon um das Jahr 1600 von den Bewohnern der Umgebung aufgesucht wurde, um Hautkrankheiten zu lindern. Im 18. und frühen 19. Jahrhundert war dann keine Rede mehr von einem Badebetrieb, sondern nur noch von einem landwirtschaftlichen Anwesen mit Fischzucht. Mit dem aufkommenden Tourismus erweckte der damalige Besitzer, Anton Kromer, den Badebetrieb 1840 wieder zu neuem Leben und errichtete ein staatlich genehmigtes Badehaus. Nachdem 1852 bereits 900 Bäder und Kuren im Bad Boll verabreicht wurden, erwarb 1894 der »Bad Boll Fishing Club Limited London« den Kurbetrieb. Die englischen Sportangler waren es auch, welche maßgeblich an der Erschließung der Wutachschlucht für Wanderer beteiligt waren.

Nachdem das Hauptgebäude 1975 abbrannte und die Nebengebäude abgetragen wurden, ist die Kapelle am Rand der Lichtung heute eines der wenigen Zeugnisse des Kurbads. Dabei war ihr Abriss bereits beschlossen, und nur dem Einsatz der Ortsgruppe Bonndorf des Schwarzwaldvereins und einer Bürgerinitiative sowie einer denkmalfachlichen Bewertung ist es zu verdanken, dass sich die Politik im September 2014 dazu entschied, die 1889 errichtete Kapelle nun doch zu erhalten.

Felsengalerie und Schurhammerhütte

Nach dem Studium der Tafeln folgen wir dem Schluchtensteig Richtung Wutachmühle. Damit passieren wir zuerst eine mit Pestwurz bestandene Lichtung und kommen dann zum Tann­egger Wasserfall. Wenige Minuten später steigt der Weg zur Felsengalerie an. Der Weg entlang der steil aufragenden Muschelkalkwand ist mit Drahtseilen und Treppen gesichert und bietet uns eine imposante Sicht über einen längeren Abschnitt der Wutach.

Nach drei Kilometern (ab Bad Boll) bietet dann der Rastplatz bei der Schurhammerhütte eine zweite schöne Gelegenheit für eine ausgiebige Pause. Hermann Schurhammer (1881–1952) ist es zu verdanken, dass die Gauchach- und die Wutachschlucht bereits 1935 unter Naturschutz gestellt wurden.

Rümmele-Steg und Inselwirtskeller

Weiter flussabwärts überqueren wir die Wutach beim neuen Rümmele-Steg. Von der Brücke aus sind die Reste des historischen Rümmele-Stegs zu sehen. Er wurde 1903/04 als einer von vier baugleichen Eisenstegen errichtet und ist als Einziger noch im Originalzustand erhalten. Allerdings wurde der linke Auflagepfeiler vom Hochwasser zerstört, und die laufende Verbreiterung des Flussbetts hat 1995 dazu geführt, dass der Steg nicht mehr genutzt werden kann. Die Ortsgruppe Bonndorf erhält den historischen Rümmele-Steg als Beispiel für die Dynamik der Wutach.

Auf der anderen Seite des Stegs ist es nicht mehr weit bis zum Inselwirtskeller. Hier verlassen wir den Schluchtensteig und folgen der gelben Raute die letzten knapp zwei ­Kilometer hinauf zum Wanderparkplatz in Bachheim, wo diese wenig bekannte Möglichkeit, die Wutachschlucht zu erleben, ihren Ausgang nahm.

Touren-Charakter

Dieser Zugang in die Wutachschlucht verläuft über Forstwege sowie auf teils steilen, wenig markierten Pfaden und bietet ungewohnte Einblicke in die Landschaft rund um die Wutach. Die Schlucht ist mit Treppen und Drahtseilen gut gesichert.

Beste Jahreszeit

Mai bis Oktober

Ausgangspunkt

Wanderparkplatz (724m) nahe der Drei-Schluchten-Halle in Bachheim

Endpunkt

Wanderparkplatz (724 m) nahe der Drei-Schluchten-Halle in Bachheim

Route

Wanderparkplatz - Ausblick Wutachschlucht 1.45-2Std. - ehem. Bad Boll 1-1.15Std. - Schurhammerhütte 1Std. - Wanderparkplatz 1.15Std.; insgesamt 5-5.30Std.

Höchster Punkt

Südlich vom Stieräcker (740 m)

Mein Tipp

Der Schluchtensteig verläuft über 119km von Stühlingen durch die Wutachschlucht zum Schluchsee und weiter über St.Blasien und die Hochflächen von Dachsberg und Ibach bis nach Todtmoos und schließlich durch das Wehratal bis nach Wehr. Der Steig ist in 6 Etappen untergliedert, die den Wanderer sowohl durch Schluchten, enge Täler und dunkle Tannenforste als auch über Hochmoore und Weidfelder bringen. Dabei steuert der Schluchtensteig auch einige Felskanzeln und Gipfel an, die herrliche Aussichten von den Schwarzwaldbergen bis hin zu den Schweizer Alpen eröffnen (www.schluchtensteig.de).

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