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Langschläfer
wandern

Wandern Schwäbische Alb: Unterwegs am Hochbergsteig

Anspruch:
mittel
Dauer:
03:00 Std.
Länge:
8 km
Aufstieg:
337 m
Abstieg:
337 m

Auf dem Balkon von Bad Urach. Alle, die es gemütlicher lieben, blättern jetzt bitte weiter. Auch wenn der Hochbergsteig »nur« 7,7 Kilometer lang ist, hat er es doch in sich und mancher Langschläfer schwitzt dabei mehr, als ihm lieb ist. Dafür belohnen tolle Ausblicke auf die Alb die Spätaufsteher.

Wer sich an einen der Grafensteige wagt, muss richtig ausgerüstet sein und eine gute Kondition haben.wandern, mittel
Wer sich an einen der Grafensteige wagt, muss richtig ausgerüstet sein und eine gute Kondition haben.© Uli Wittmann
Beschreibung

Lockende Premiumstrecke

»Mir müsset hoim zum Mittagesse!«, erklärt ein älteres Ehepaar. Die beiden packen am Wanderparkplatz beim Sportplatz Zittelstatt akkurat die Trekkingstöcke und Wanderschuhe in den staubfreien Mercedes-Kofferraum. Es ist noch nicht einmal elf Uhr und die beiden haben den Hochbergsteig bereits hinter sich. Unglaublich. Was ein notorischer Spätaufsteher ist, dem fehlen in einer solchen Situation die Worte. Um zügig den Hochbergsteig bei Bad Urach zu wandern, braucht man mindestens zweieinhalb Stunden. Er gehört zu den fünf Grafensteigen, die rund um Bad Urach ausgeschildert sind. Diese fünf Rundwege sind sogar als Premiumwanderwege prämiert, das bedeutet ausgezeichnet wandern sozusagen. Konditionell stellen alle fünf Grafensteige Ansprüche und das auch an die Ausrüstung. Mit Turnschuhen braucht sich niemand an den Hochbergsteig wagen. Wenn es geregnet hat, ist es besser, auf andere Wanderwege auszuweichen. Dann sind die Grafensteige an manchen Stellen zu rutschig. Um zu sehen, was einen beim Hochbergsteig erwartet, steht am Wanderparkplatz (P18) eine Übersichtstafel. Davon trieb es schon manchem munteren Wanderer den Schweiß auf die Stirn, bevor er überhaupt losging. Zuerst wandern wir an den Fußball- und Tennisplätzen vorbei. Rechts im Wald zeugt eine Naturtribüne vom schwäbischen Erfindergeist. Anstatt eine teure Tribüne zu errichten, bauten die Sportfreunde diese in den vorhandenen Hang. Das leicht ansteigende Terrain im idyllischen Wiesental täuscht: Diese Tour hat noch einige Höhenmeter parat!

Anstiege im Wald

Wir biegen rechts ab und gehen hinauf zur Wassersteinhöhle. Unterwegs steht eine Tafel vom Verschönerungsverein Bad Urach. Hier befand sich einmal die Naturskisprungschanze. Über 12000 Zuschauer kamen hierher, um den Skispringern zuzusehen. Steiler geht es einen Waldweg hinauf zur Wassersteinhöhle. Diese ist etwa 22 Meter lang und soll früher ein beeindruckendes Sinterbecken mit glasklarem Wasser gehabt haben. Nun ja, Langschläfer sind es gewohnt, zu spät zu kommen. Gemütlich flach, wie es Spätaufsteher lieben, geht es auf der Hochebene vom Hochberg weiter.

Ein Wiesenpfad führt am Waldrand entlang und zum höchsten Punkt dieser Wanderung mit 726 Meter Seehöhe. Nun halten wir uns links und folgen den Wegweisern zum Hirschplatz. Sanft führt der Hochbergsteig bergab. Bald ist der Kunstmühlefels erreicht. 25 Meter erhebt sich der Kalkfelsen aus dem Wald heraus. Alle Felsen auf dieser Wanderung sind um die 150 Millionen Jahre alt und sichtbare Überbleibsel von der Zeit, als die Schwäbische Alb unter dem lauwarmen Wasser des tropischen Jurameeres lag. Nun bietet sich vom Kunstmühlefelsen ein beeindruckender Blick in das Seeburger Tal. Auf einem Pfad geht es auf der Nordseite des Hochberges hinunter.

Bald ist das Michelskäppele erreicht, ein winziger Holzpavillon, von dem die Wanderer auf die Dächer von Bad Urach sehen können. Unterhalb dieses Aussichtspunktes stand bis 1534 eine dem Erzengel Michael geweihte Kapelle. Die Gläubigen pilgerten dorthin. Nach der Reformation verfiel das kleine Gotteshaus. Der Bad Uracher Verschönerungsverein errichtete an der heutigen Stelle zur Jahrhundertwende einen Pavillon, zu dem schon damals die Uracher und Sommerfrischler aus Stuttgart hinaufstiegen. 2006 brachen freiwillige Helfer das marode Gebäude ab und ließen im September 2006 ein neues Holzhaus einfliegen: Am Haken eines Transporthubschraubers schwebten die Bauteile heran. Über tausend Schaulustige sahen dem Spektakel zu. Noch heute erzählt man sich in Bad Urach davon. Ein schöner Ort, um eine kurze Pause einzulegen, ist das Michelskäppele.

In etlichen Serpentinen geht es nun hinunter ins Tal zum Sportplatz Zittelplatz mit seiner Naturtribüne. Zeit lassen beim Abstieg! Wer unsicher ist, nimmt Trekkingstöcke mit oder improvisiert mit Holzstöcken aus dem Wald. Unten angekommen, geht es zurück zum Wanderparkplatz. Das fleißige Ehepaar vom Vormittag, welches so früh aufgestanden ist, hat zu Hause sicher schon das Mittagessen verspeist und sitzt jetzt bei Kaffee und Kuchen. Egal. Auch Langschläfer haben ihren Spaß am Leben!

Touren-Charakter

Alle Fünfe! Wer sich Bad Urach erwandern will, geht auf den fünf Grafensteigen. Schöne Aussichten auf das Seeburger Tal und Bad Urach bietet diese mittelschwere Wanderung.

Beste Jahreszeit

Frühling, Sommer und Herbst

Ausgangspunkt

Wanderparkplatz P18 am Sportplatz Zittelstatt

Endpunkt

Wanderparkplatz P18 am Sportplatz Zittelstatt

Information

Besonderes

Toller Ausblick auf Bad Urach

Tollkühne Skispringer

Von 1934 bis 1969 gab es in Bad Urach die Zittelstatt-Schanze, ab 1955 Hermann-Greiner-Schanze genannt. Sie gehörte zu den größten Naturschanzen Baden-Württembergs. 46 Meter sprang 1935 Ottmar Malm aus Reutlingen. Da packte Hermann Greiner der Ehrgeiz. Als Abteilungsleiter für den Skilauf in Bad Urach engagierte er Heini Klopfer. Der ehemalige Weltklassespringer entwarf über 250 Schanzen! Hubert Wittig aus Garmisch stellte am 25. Januar 1959 den Schanzenrekord auf. Dieser hielt nicht lange. Bereits ein Jahr später raste der nordische Kombinierer Georg Thoma über den Schanzentisch und flog 75 Meter weit. Zwei Wochen später gewann Thoma als erster Nichtskandinavier in Squaw Valley (Kalifornien/USA) die Goldmedaille in der Nordischen Kombination. Weniger goldig erging es der Schanze in Bad Urach. Der 17. Februar 1969 wurde nach 35 Jahren für sie zum Schlusspunkt.

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Bitte beachten!

Für die Richtigkeit und Aktualität der Angaben kann trotz größtmöglicher redaktioneller Sorgfalt keine Haftung übernommen werden. Insbesondere bei GPS Daten können Abweichungen nicht ausgeschlossen werden.
Sicher unterwegs: Ein glücklicher und erfolgreicher Tag in der Natur setzt nicht nur die richtige Vorbereitung, sondern auch auch verantwortungsbewusstes Handeln auf Tour voraus. Das solltet ihr bei der Tourenplanung immer beachten.