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Langschläfer
wandern

Wandern Hessen: Vom Bahnhof Römisches Theater zur Laubenheimer Höhe

Anspruch:
mittel
Dauer:
02:45 Std.
Länge:
10 km
Aufstieg:
125 m
Abstieg:
125 m

Mainzer Landpartie. Wir starten mit einem römischen Bühnenstück, passieren 300Jahre Festungsgeschichte und 30Millionen Jahre Erdgeschichte und enden mit einer Landpartie und einem Biergarten mitten im Weinberg. Eine historisch wie landschaftlich abwechslungsreiche Stadtwanderung!

Beschreibung

Militär- und Kulturgeschichte

Wer mit dem Zug ankommt, kann hinter den Glasscheiben an Gleis 4 schon die Relikte des römischen Theaters erkennen. Unser Weg startet direkt am A Gleis 1. Der Bahnsteig in Richtung Tunnel mündet auf den Zitadellenweg, der uns hinter dem Parkhaus scharf links hoch zur Festung führt, vorbei am kleinen Prominentenweinberg der Stadt Mainz. Die Zitadelle, kurfürstlicher Bau aus dem 17. Jahrhundert, ist eines der Zeugnisse der Mainzer Festungsgeschichte. Wer will, kann einen Abstecher hinein machen. Sehenswert ist der römische Drususstein von 9 v. Chr., Denkmal dankbarer Soldaten für ihren früh verunglückten Feldherren. Vorbei am Zitadellentor, stehen wir nach wenigen Schritten am oberen Ausgrabungsrand des  römischen Bühnentheaters. Einst war es das größte Bühnentheater nördlich der Alpen und bot rund 10 000 Zuschauern Platz. Die Ausmaße muss man sich vorstellen: 116 Meter Durchmesser, die Bühne 42 Meter breit, die Ränge hoch bis oberhalb der jetzt dort stehenden Lutherkirche. Über die Bühne läuft heute leider nur noch ein Stück, der Zugverkehr.

Vom Park zum Fluss

Wir gehen links die Salvatorstraße hinunter, überqueren sie bei der Einmündung Abtsgasse und gelangen in den Stadtpark mit seinem alten Baumbestand. Am Flamingoteich bleiben wir geradeaus, ca. 70 Meter weiter biegen wir vor der Wiese links und gelangen bergauf zum Vogelhaus. Dahinter bringt uns eine Fußgängerbrücke auf die andere Straßenseite in den Volkspark. Wir wenden uns gleich rechts und wieder links, passieren Spiel- und Liegewiesen und durchschreiten bald das Tor des ehemaligen  Forts Weisenau, einst südliches Bollwerk der Stadt. Links hindurch und nach rechts, verlassen wir an der Jugendherberge den Volkspark, halten uns am Parkplatz geradeaus und gehen ein paar Stufen treppab und durch die Straße (Am Fort Weisenau). Hinter den Häusern sehen wir den Rhein blitzen. Am Grenzweg geht es kurz links/rechts durch einen Fußweg zur Burgstraße, dort links und rechts (An der Kirche) zum Gelände der  Kirche Mariä Himmelfahrt. Unser Weg führt am Eingangsportal vorbei und rechts hinunter in die alten Weisenauer Gässchen, im Zickzack und dann treppab auf die Hohlstraße, die wir überqueren, um links zum Tanzplatz zu gelangen. Über den Platz und die Fußgänger-/Fahrradbrücke erreichen wir die Rheinfront und biegen nach links auf den als Rad- und Fußweg ausgebauten Leinpfad ein. Nach wenigen Metern können wir dem Radverkehr ausweichen, parallel führt ein Fußpfad am Ufer entlang, markiert mit dem Wanderzeichen des Rheinterrassenwegs.

Erdgeschichte zum Anfassen

Bald stoßen wir auf altes Industriegebiet und nehmen gleich die Wendeltreppe zur Fußgänger-/Fahrradbrücke rechts über die Wormser Straße. Am Brückenende bleiben wir geradeaus und folgen dem  Schild »Geopfad«, dessen Beginn wir nach wenigen Metern erreichen. Wir verabschieden uns kurz vom Rheinterrassenweg und betreten nach links das Gelände. Bis 2004 wurde hier Kalkstein abgebaut, heute bietet der rekultivierte Steinbruch Schutz für seltene Tiere und Pflanzen sowie erdgeschichtliche Einblicke für interessierte Besucher. Die steilen Abbrüche geben immer noch Fossilien von Muscheln und Schnecken frei. Der Kiesweg steigt zum Steinbruchrand an. Oben in der Rechtskurve verlassen wir ihn kurz und gehen geradeaus auf einem Wiesenweg, an Hecken vorbei und dann nach rechts – denn von hier haben wir einen unverstellten Blick auf die gegenüberliegende Steilwand. Weiter geradeaus und rechts, sind wir bald zurück auf dem Geopfad, der uns in zwei Kehren aus dem Gelände herausführt.

Hoch oben die Felder

Oben wenden wir uns nach links und folgen für rund 1 Kilometer wieder dem Rheinterrassenweg: vor der Autobahn rechts, dann links über die Brücke und am Rand des Wohngebiets bergauf zur Straße (Zur Laubenheimer Höhe). Das Wanderzeichen verlassend, überqueren wir sie und gehen auf grasbewachsenem Feldweg geradeaus, am Querweg links und gleich wieder rechts. Ein Stück geradeaus, biegen wir an der dritten Kreuzung auf den befestigten Feldweg nach links ein. Hier oben auf der Laubenheimer Höhe haben wir einen grandiosen Rundumblick. Vor uns liegen der Rhein und die Rhein-Main-Ebene. Wir erkennen von links nach rechts Großen Feldberg und Altkönig, die Frankfurter Skyline, den Flughafen, Rüsselsheim mit dem Opelwerk, Darmstadt und den Odenwald. Ganz rechts schmiegen sich Bodenheim und Nackenheim in die rheinhessischen Hügel. 150 Meter weiter gehen wir kurz rechts und links und erreichen den Rastplatz Laubenheimer Polderblick. Er lenkt unsere Aufmerksamkeit auf das Thema Hochwasser. Die Rückhalteflächen können geflutet werden, sind aber meist saftig grün.

Aussicht zum Abschluss

Mit Blick zum Rhein auf dem Höhenweg nach links geht es nun durch die Weinberge. Unter uns liegt der Stadtteil Laubenheim, weiter vorne die stark frequentierte Weisenauer Autobahnbrücke – ein starker Kontrast zur Idylle hier. Die vierte Abzweigung nach links bringt uns auf einen Weinlehrpfad und zum Hofgut Laubenheimer Höhe mit Restaurant, Biergarten, einer Weinwiese und im Winter sogar einer Eisbahn. Am Hofgut vorbei, rechts die Zufahrtsstraße hinunter, gelangen wir zur Bushaltestelle Erich-Koch-Höhenweg, Bus 64 Richtung Hartenberg bringt uns zurück zum Bahnhof Römisches Theater. Alternativ können wir vor dem Hofgut rechts nach Laubenheim absteigen und dort einkehren. Zurück geht es mit dem Bus 64 ab Marktplatz oder Bus 61 ab Bahnhof Laubenheim.

Event-Tipp

Mainzer Weinmarkt am letzten August- und ersten September-­Wochenende im Stadtpark

Touren-Charakter

Streckenwanderung mittlerer Anforderung, anfangs Park und Straßen, dann befestigte Spazierwege (teils auch Radweg), Kies-, Feld und Weinbergwege. Meist moderate Anstiege, einmal etwas steiler. Wenig Schatten

Ausgangspunkt

Mainz, zwischen Bahnhof und Parkhaus Römisches Theater (Ecke Albanstraße/Zitadellenweg)

Endpunkt

Bushaltestelle Laubenheimer Höhe

Goldenes Mainz und eingezwängte Festungsstadt

Mainz blickt auf über 2000 Jahre Geschichte. Im Hochmittelalter war die Freie Stadt blühender Wirtschaftsstandort (»Goldenes Mainz«). Seine Kurfürsten und Erzbischöfe hatten das Recht, den Kaiser zu wählen und über die Geschicke des Heiligen Römischen Reiches mitzubestimmen. Später verlor es seine politische Bedeutung. Doch war die Stadt am Fluss immer ein wichtiger Militärstützpunkt. Ab ca. 13/12v.Chr. war »Mogontiacum« römisches Legionslager und Bollwerk nach Germanien. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Mainz zur Festung, aus dieser Zeit stammt zum Beispiel die Zitadelle. Später ging es als Bundesfestung um die Verteidigung gegen Frankreich. Mainz wurde mit Wällen und Bastionen regelrecht eingezwängt und war Ende des 19.Jahrhunderts eine der am dichtesten besiedelten Städte weit und breit. Als Bismarck und der spätere Kaiser WilhelmI. nach dem Deutsch-Französischen Krieg in Mainz weilten, gaben sie endlich einer Erweiterung statt, die Neustadt entstand. Ab 1904 wurden die übrigen Wälle geschleift, Mainz konnte expandieren.

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