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Panoramawege/ Hochgefühl
wandern

Wandern Dolomiten: Der Alpinisteig

Anspruch:
schwer
Dauer:
08:15 Std.
Länge:
15 km
Aufstieg:
1400 m
Abstieg:
1400 m

Der fulminante Bänderweg am Elfermassiv. »Strada degli Alpini« nennen die italienischen Bergfreunde die atemberaubende Route durch die Steilflanken des Elfers im östlichen Teil der Sextener Dolomiten. Eine Straße im herkömmlichen Sinn darf man zwar beileibe nicht erwarten, doch wie kühn und dennoch komfortabel die Soldaten hier während des Ersten Weltkrieges trassiert haben, ist schon bemerkenswert. Für viele geht mit Beschreiten dieser originellen Linie - halb Höhenweg, halb Klettersteig - eine absolute Traumtour in Erfüllung!

Beschreibung

Ein Höhensteig der Extraklasse

Wie zahlreiche interessante Routen in den Dolomiten gründet sich der Alpinisteig also auf eine grausige Episode der Geschichte. Zwischen 1915 und 1917 verlief die Front ja mitten durch das Reich der »Bleichen Berge«, vom Karnischen Hauptkamm über die Sextener Dolomiten, Cristallo und Tofane, weiter über Lagazuoi und Col di Lana in die Marmoladagruppe und schließlich Richtung Lagoraikette. Wir sind im Rahmen dieses Buches des Öfteren darauf gestoßen. Vielen der damals angelegten Front- und Nachschubwege wurde später eine touristische Funktion zugewiesen, die sie wohl auf lange Sicht tadellos erfüllen werden. Denn ihre oft spektakulären Routenverläufe sind so recht geeignet für ein spannendes Wandererlebnis. Am Alpinisteig ganz besonders, handelt es sich doch schon um einen ausgewachsenen Klettersteig, der eine gute Portion Bergerfahrung voraussetzt und dafür reichlich Nervenkitzel verspricht. Die von den italienischen Soldaten im Ersten Weltkrieg ausgesprengten und später gesicherten Bänder erlauben ein günstiges Vorankommen in nicht selten prickelnder Ausgesetztheit.

Zustieg aus dem Fischleintal

Als Warmlaufprogramm dient der Aufstieg zur Zsigmondyhütte, so wie im vorherigen Kapitel bereits beschrieben. Man wandert also ins Fischleintal einwärts, orientiert sich bei der Verzweigung hinter der Talschlusshütte (1548 m) am Weg Nr. 103 nach links und steigt unter den Wänden des Einsers, die das Bacherntal flankieren, zum Basislager der Zsigmondy-Comici-Hütte (2224 m) auf. Die Umgebung zu Füßen des zyklopenhaften Zwölfers kann sich zur Einstimmung mehr als sehen lassen. Und der Blick in die von der Abendsonne beschienene Westflanke des Elfers offenbart uns bereits instruktiv den Wegverlauf des Alpinisteigs. Ist man hingegen am Morgen zu einer Tagestour aufgebrochen, wirken die Felsen noch düster und abweisend. Durch die Schuttreißen des Zwölfers halten wir auf das Giralbajoch zu, drehen aber ein Stück weit vorher mit Nr. 101 links ab, um die Schwelle des Hochleistrückens (dessen Nordkante wie ein Schiffsbug das Bacherntal prägt) zu überschreiten. Vor dem Karwinkel des Inneren Lochs schlagen wir einen ausgeprägten Linksbogen und nähern uns damit dem Einstieg in den Alpinisteig. Nun wird’s ernst – das Klettersteiggeschirr wird angelegt, und der Helm wandert auf den Kopf!

Die traumhafte Bändertraverse

Am Sockel der Spada betreten wir das legendäre Salvezzaband, das um mehrere Ecken biegt und bald darauf im sogenannten »Busento« verschwindet. Aus dieser tiefen, düsteren Felsnische werden gewöhnlich die ausdrucksstärksten Fotos geschossen, typische Schattenrissmotive mit Bergsteigern am überdachten Felsband. Danach zieht das horizontale, mitunter kurz abgestufte Band in die Rinne des Äußeren Lochs, wo oft ein Schneefeld überdauert. Das Drahtseil geleitet uns normalerweise sicher auf die andere Seite. Dort führt das Band weiter um die nächste Kante und löst sich zunehmend in einer breiteren Schuttterrasse auf. In der Westflanke des Elfers werden jetzt nach und nach einige Höhenmeter gewonnen, bis man plötzlich an der Kanzel unweit der Elferscharte (ca. 2650 m) steht. Ein ausgiebiger Blick in die Runde beweist: Die Umrahmung des Fischleintals gehört unbestritten zu den landschaftlichen Highlights der Dolomiten. Nicht nur das persönliche bergsteigerische Können, sondern auch die herrschenden Verhältnisse geben den Ausschlag, ob wir uns die schärfere Fortsetzung des Alpinisteigs Richtung Sentinellascharte zutrauen dürfen. Das Gelände wird nun inmitten nordseitiger Steilabbrüche grimmiger und neigt zu häufiger Vereisung. In solch einem Fall sollte man die Abstiegsmöglichkeit von der Elferscharte ins Anderteralpenkar wahrnehmen. Man zweigt dann links ab, schlüpft durch die Lücke und folgt dem anfangs noch mit Drahtseilen versehenen Zickzackkurs durch eine steile Rinne, die unten gutmütig ausläuft.

Für Geübte bis zur Sentinellascharte

Sind eigene Verfassung und Bedingungen hingegen optimal, steht jetzt der alpinistisch anregendste Teil bevor. Mit zahlreichen Klettersteigpassagen auf luftigen Bändern, durch enge Verschneidungen und über Wandstufen geht es auf- und absteigend durch die schattige Felsflanke. Kurz vor der Sentinellascharte (2717 m) – die man rasch noch erklimmen wird, um einen Blick in den jenseitigen Vallon Popera zu werfen – weist uns eine Abzweigung das endgültige Bergab. Allerdings sind die Schwierigkeiten noch nicht vorbei, denn bevor wir die Schuttfelder im oberen Anderteralpenkar betreten, ist zuerst eine längere gesicherte Passage im Steilfels zu meistern. Auf Steig- und Rutschspuren lassen wir es durchs Geröll abwärtslaufen, nehmen bei P. 2212 die Abkürzung auf und haben weiter unten im Kar zwei Möglichkeiten: entweder direkt hinab zur Talschlusshütte oder etwas angenehmer auf Weg Nr. 124 nach rechts. Die Hangtraverse führt in den Wald, verliert dort in Kehren später deutlich an Höhe und kommt aus der Berglehne unmittelbar gegenüber dem Parkplatz amFischleinboden heraus. Ein Blick zurück auf die Felsmonumente der »Sextener Sonnenuhr« – fürwahr gewaltig und mit den Erlebnissen am Alpinisteig im Rucksack noch mal so schön!

Touren-Charakter

Hochalpine Tour mit wiederholten Klettersteigpassagen (A bis B), dabei teils sehr ausgesetzter Verlauf auf Bändern. Absolute Schwindelfreiheit und Trittsicherheit Voraussetzung, Klettersteigausrüstung samt Helm anzuraten. Nur bei stabilem Wetter und günstigen Verhältnissen (die Nordtraverse zwischen Elfer- und Sentinellascharte ist bei Schnee oder Vereisung sehr kritisch!). Übernachtung ratsam.

Beste Jahreszeit

Anfang Juli bis Ende September

Ausgangspunkt

Parkplatz Fischleinboden (1454 m); Zufahrt von Sexten bis zum Ende der öffentlichen Straße im Fischleintal (großer, gebührenpflichtiger Parkplatz)

Endpunkt

Parkplatz Fischleinboden (1454 m)

Route

Fischleinboden - Zsigmondyhütte 2½ Std. - Einstieg Salvezzaband 1 Std. - Elferscharte 1¾ Std. - Sentinellascharte ¾ Std. - Fischleinboden 2¼ Std.; insgesamt 8 ¼ Std., bei Ausstieg Elferscharte 7¼ Std.

Höchster Punkt

Je nach Ablauf Sentinellascharte (2717 m) oder bei der Elferscharte (2650 m)
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