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Bergwandern
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Wandern Chiemsee-Alpenland: Auf die Schwarzlack

Anspruch:
leicht
Dauer:
02:30 Std.
Länge:
10.5 km
Aufstieg:
330 m
Abstieg:
330 m

Ein barockes Kleinod am Berg. Bei dieser Wanderung darf man sich in bis zu drei Wirtschaften kulinarischen Genüssen hingeben sowie sich auf eine Zeitreise ins Barock stürzen. Wir bewältigen dabei ein paar Höhenmeter, sodass wir die Kalorienzufuhr ausgleichen können.

Beschreibung

Wir beginnen unsere Wanderung am Vorplatz der Pfarrkirche von Brannenburg, am Kirchplatz, und nehmen die Pinzenauer Straße, die zwischen Schlosswirt und Musikpavillon beginnt. Bereits nach knapp 100 Metern biegen wir links in den Angerweg ein, nehmen aber dann sofort den breiten Fußweg, der gemächlich bergauf führt. Wir wandern an der Nordseite des Brannenburger Schlosses vorbei und stoßen dann auf eine breite Forststraße, der wir nach rechts folgen. Am Wegrand stehen in gleichmäßigem Abstand Kreuzwegstationen, die entlang des alten Wallfahrtsweges zur Schwarzlack errichtet wurden. Das seltsame Gebilde unterhalb der Straße ist der alte Schießstand der ehemaligen Bundeswehrkaserne von Degerndorf.

Nach einer guten halben Stunde haben wir mit der Wallfahrtskirche Schwarzlack unser erstes Ziel erreicht. Auf einer Lichtung liegen das kleine Gotteshaus und die dazugehörige Wirtschaft. Die Kirche mit ihrem kleinen Glockenturm macht von außen eher einen nüchternen Eindruck. Im Inneren prunkt aber ein prachtvoller Rokokoaltar. Die Kunstrichtung des Barocks und des später folgenden Rokokos hatte die Menschen in der Alpenregion begeistert wie kaum eine zuvor und danach. Damals hatte man den Dreißigjährigen Krieg und die folgenden Notzeiten überlebt. Wirtschaftlich ging es wieder aufwärts und die Kirche versprach als Ausgleich für die überstandene Not unendliche Glückseligkeit im Himmel. Dementsprechend prachtvoll wurden die Altäre gestaltet – wie hier in Schwarzlack.

Das Haus hinter der Kirche war einst die Wohnung eines Eremiten. Heute ist es zu einem Gasthaus geworden, den die Familie Peter liebevoll bewirtschaftet. Rund um die Kirche haben wir schöne Ausblicke auf das Inntal und die nahen Berge.

Unser nächstes Ziel ist wieder ein Gasthaus, der Berggasthof Kogl inmitten seiner weiten Wildgatter. Dazu wenden wir uns vor der Kirche nach links, überqueren die Wiese und treffen bei einem Heustadel auf einen steilen Waldweg, der fast geradlinig aufwärtsführt. Aber keine Angst, es sind nur 70Höhenmeter zu schaffen, und diese übrigens im Wald. Aus einer Urkunde kann man entnehmen, dass an der Stelle des modernen Gasthauses bereits 1521 ein Bauernhof stand. Die Landwirtschaft ist auch heute noch für die Familie eine wichtige Einnahmequelle, wenn sie auch etwas ungewöhnlich als Wildtierzucht betrieben wird. Der Gastwirtschaftsbetrieb kam erst nach dem Krieg dazu, als immer mehr Wanderer unterwegs waren. Beim Gasthof endet die Sulzbergstraße, die wir für den Rückweg verwenden werden. Etwas vorsichtig müssen wir sein, denn die Straße ist öffentlich, auch wenn nur wenige sie benutzen.

Vom Gasthof Kogl aus führt die Straße zuerst ganz leicht aufwärts zu einer Abzweigung, die rechts in spitzem Winkel zurückführt. Hier biegen wir rechts ab und kommen kurz darauf zur dritten Einkehrmöglichkeit, dem Gasthof Schwein­steig. Stolz prangt hier auf einem Schild unter dem Balkon die Jahreszahl 1261. Das war die Zeit, in der man vom Inntal aus begann, den Urwald an den unteren Berghängen zu besiedeln. Unterstützung fand diese Kolonisierung durch die Grundherren von Falkenstein und von Brannenburg, die auf diese Weise mehr Untertanen bekamen. Die Siedler sammelten sich nicht in Dörfern, sondern rodeten das Land an einer flachen Stelle, die für den Hausbau geeignet war. Diese von Wald umgrenzten Rodungsinseln sind heute noch sehr deutlich um Kogl und Schweinsteig zu erkennen.

Wir lassen uns auf der Terrasse von Schweinsteig nieder und genießen den Blick ins Rosenheimer Becken und auf den Samerberg mit dem Heuberg daneben. Am Horizont glitzert der Simssee silbern und gerne könnte man es hier bis zum Sonnenuntergang aushalten.

Im Dunkeln nach Brannenburg zurückzuwandern, wäre aber auch kein Problem. Die Straße ist durchgehend breit und geteert und dadurch relativ sicher. Dazu gehen wir zunächst die Straße zurück, die wir gekommen sind, und folgen ihr dann am Abzweigungspunkt geradeaus weiter. Wir passieren einen einzelnen Bauernhof und erreichen nach ein paar Wohnhäusern eine Abzweigung, die rechts hinauf zur Schlipfgrubalm führt.

Wir wenden uns jedoch nach links, passieren einen großen Wanderparkplatz und einen Bauernhof auf der rechten Straßenseite und nehmen nach etwa 200 Metern die Straße nach links. Sie führt steil bergab, bald direkt auf Brannenburg zu. Achtung: Hier dürfen auch wieder Autos fahren. Über die Dorfstraße kommen wir schließlich zur Pfarrkirche zurück.

Touren-Charakter

Sehr einfache Wanderung auf breiten Wegen und Bergstraßen

Ausgangspunkt

Pfarrkirche Maria Himmelfahrt in Brannenburg

Endpunkt

Pfarrkirche Maria Himmelfahrt in Brannenburg

Barock-Kleinod Schwarzlack

Als Graf Max IV. von Preysing, damals wichtigster Mann am kurfürstlichen Hof in München, Herr auf Schloss Brannenburg wurde, wollte er eine neue Barockkirche bauen und wählte als Platz die alte Einsiedelei oben auf der Schwarzlack. Der Bau erfolgte von 1750 bis 1754. Der Altar im Stil des Rokokos trägt ein schon zuvor verehrtes Mariahilfbild.

Burg Brannenburg

Die so prächtig gelb leuchtende Burg Brannenburg stammt aus dem 11. Jahrhundert und wurde später mehrere Male verkauft oder verpfändet. Im 18. Jahrhundert gehörte sie Johann Max IV. von Preysing-Hohenaschau. 1871 erwarb sie Major Max Reinhardt, der das Schloss im Stil der englischen Gotik umbauen ließ. Heute beherbergt es ein Internat.

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