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Wandern Bodensee: Von der Insel Mainau bis Wallhausen

Anspruch:
leicht
Dauer:
02:30 Std.
Länge:
10 km
Aufstieg:
70 m
Abstieg:
70 m

Die Konstanzer Bodanrücktour. Die Bodanrückdörfer am Südufer des Überlinger Sees liegen alle im Hinterland der Stadt Konstanz, der sie auch politisch zugeordnet sind. Ihre ruhige Lage abseits großer Verkehrsverbindungen ist ein Vorteil für den Wanderer.

Held des Alltags: Der Lebensretter Fährmann Klemens wird in Dingelsdorf geehrt.wandern, leicht
Held des Alltags: Der Lebensretter Fährmann Klemens wird in Dingelsdorf geehrt.© Benedikt Grimmler
Beschreibung

Die berühmteste Insel des Bodensees

Nicht ganz so ruhig geht es vor allem in der Sommersaison auf der Insel Mainau zu, einem der großen Ziele der Bodenseeregion mit jährlich weit über einer Million Besuchern. Wie hält es nun der Langschläfer mit dem Mainaubesuch, wenn er anschließend noch unsere Bodanrücktour unternehmen möchte? Entweder er macht eine Ausnahme und steht schon morgens auf – oder er verteilt die beiden Vorhaben auf zwei Tage.

Denn unzweifelhaft ist ein Besuch auf der Insel natürlich Pflicht für den Kunstliebhaber und/oder Freund von Flora und Fauna. Seit Beginn des 13. Jahrhunderts gehörte die Insel dem Deutschen Ritterorden, der vor Ort zahlreiche Spuren hinterließ. Der Orden errichtete hier eine Kommende, einen Verwaltungssitz, auf den Resten einer alten Burg des Klosters Reichenau. Zur Festung ausgebaut, zeugen heute noch die vereinzelt an den Wegen stehenden Türme und die Fundamente des Schlosses von der einstigen Wehrhaftigkeit. Das Schloss mit der Kirche dagegen diente später vor allem der Repräsentation. Beide gehen auf den Ordensbaumeister Johann Caspar Bagnato zurück und entstanden Mitte des 18. Jahrhunderts.

Mit dem Übergang an Baden durch die Säkularisation gelangte die Insel in Privatbesitz, das badische Herzogshaus vererbte sein Eigentum später an die schwedische Verwandtschaft aus dem Hause Bernadotte, die noch heute die Mainau besitzt und sie für den Tourismus geöffnet hat. Das milde Klima ausnutzend, wurde ein einziger großer Garten mit heimischer und vor allem exotischer Pflanzenwelt geschaffen. Dazu kommen ein Streichelzoo, Schmetterlings- und Palmenhaus, ein riesiger Spielplatz und viele Restaurants. Und in der Schlosskirche wird zudem sehr gern geheiratet – kein Wunder bei dieser Kulisse.

Durch Alleen nach Litzelstetten

Vielleicht wird man nach all dem Trubel die relative Einsamkeit des Weges nach Litzel­stetten zu schätzen wissen. Da wir uns die meiste Zeit auf dem Bodenseeradweg befinden, muss man allerdings im Sommer ebenfalls immer wieder mal mit einem Klingeln rechnen. Vom Haupteingang der Mainau geht es westlich (aus Sicht der Bushaltestelle links ab) durch Alleen und Sumpfgebiete auf dem Graf-Bernadotte-Weg. Das Ufer ist Naturschutzgebiet. An der nächsten Abzweigung halten wir uns rechts, durch die Kuhweiden und an einem Campingplatz vorbei, bis der Weg am unteren Ortsrand von Litzelstetten stark ansteigt. Wer möchte, kann hier dem Bodenseeradweg folgen und rechts über die Straße Am See durch die Siedlung etwas abkürzen.

Ansonsten nun weiter geradeaus den Hang hinauf über die Großherzog-Friedrich-Straße an Schule und Rathaus vorbei ins Ortszentrum von Litzelstetten. Wieder rechts ab folgt man der Martin-Schleyer-Straße und kommt zum Wohnsitz des Namensgebers der Ortsdurchfahrt. An Johann Martin Schleyer, im 19. Jahrhundert hier Priester, erinnert eine Gedenktafel am Pfarrhaus – er schuf die Welthilfssprache Volapük, die zur Einigung der Menschen beitragen sollte; sie konnte sich ebenso wenig durchsetzen wie das berühmtere Esperanto. Pfarrer Schleyer würde sein altes Gotteshaus wohl nicht mehr wiedererkennen, durch Umbauten in den 1970ern ist eine interessante Kombination aus Alt und Neu entstanden. Im Ortskern gibt es auch mehrere Hofläden, wo man Gesundes vom Land einkaufen kann. Am Dorfausgang, nahe der Bushaltestelle Purren, geht es rechts hinab über den Holdersteig an der modernen evangelischen Kirche vorbei. Hier trifft man nun wieder auf den Bodenseeradweg.

Nach Dingelsdorf

Am Strandbad Litzel­stetten wandern wir durch Obstgärten, Wiesen und Weiden lange geradeaus, bis man direkt durch einen Hof läuft. Danach rechts abbiegen – zur groben Orientierung dient immer das Seeufer in Sichtweite, das allerdings nicht direkt zugänglich ist. Bis zum Campingplatz Fließhorn hält man sich stets rechts. Dann längere Zeit geradeaus, bis man an den eigentlichen Ortsrand von Dingelsdorf kommt – hier folgt man weiterhin der Fließhornstraße. An deren Ende steigt man eine Gasse steil links hoch auf den weit sichtbaren Kirchturm zu. Die Pfarrkirche St. Nikolaus, eine der ältesten der Gegend, ist spätgotisch-barock und hat eine hochwertige Innenausstattung. Kuriosum ist im Innern ein mächtiger Eichenstamm, der die Empore und den Turm als Fundament zu stützen hat. Unbedingt sollte man schließlich vom am Hang gestaffelten Friedhof aus einen Blick auf den Überlinger See werfen!

Die Gasse wieder hinab muss man sich etwas durchs Dorf schlängeln – wer den Angaben des Bodenseeradwegs folgt, hat damit aber keine Probleme. Schöner ist allerdings der Gang mitten durchs Dorf: Die Straße Zur Schiffslände macht ihrem Namen alle Ehre, dort gibt es weiter unten auch zwei Gaststätten, falls man etwas verweilen möchte. Ansonsten geht es auf der Straße Zur Mühle weiter, dann rechts in die Halde, wieder einmal läuft man direkt durch einen Innenhof und kommt schließlich auf der Straße Zum Klausenhorn an. Hier nach rechts. Am Jachthafen, einem kleinen Park und einem stattlichen und hier seltenen Reethaus vorbei geht es zum Klausenhorn direkt in das Dingelsdorfer Strandbad. Von einer kleinen Bauminsel aus hat man dort einen wunderbaren Blick auf das gegenüberliegende Überlingen.

Von Strandbad zu Strandbad

Der letzte Abschnitt unseres Weges führt durch das komplette Dingelsdorfer Strandbad vorbei am Campingplatz. Dahinter rechts ab, wieder zurück auf dem Bodenseeradweg und durch die Wiesen in Richtung Wallhausen. Hier kann man nun ebenfalls durch das Strandbad oder an diesem vorbei nach Wallhausen hineinlaufen. Ersteres empfiehlt sich besonders, falls man die Tour hier beenden und den Rest des Tages am Strand genießen möchte. Wallhausen selbst ist vor allem ein Wohndorf mit einer kleinen Bodenseewerft. Es gibt außerdem eine regelmäßige Schiffsverbindung nach Überlingen und mehrere Einkehrmöglichkeiten. Mit der Buslinie 4/13 kommt man von den Haltestellen Birnaublick oder Hafen zurück zur Mainau oder zum Bahnhof.

Touren-Charakter

Ruhige, gut befestigte Strecke mit viel Natur und Dorfdurchquerungen. Auch mit Kindern, eventuell gekürzt, machbar - es warten viele Spielplätze und die Strandbäder.

Ausgangspunkt

Bushaltestelle Mainau

Endpunkt

Wallhausen Hafen

Blumeninsel Mainau

Die Insel ist ganzjährig von Sonnenauf- bis -untergang geöffnet. Die Gebäude öffnen jeweils spätestens um 10 Uhr und schließen um 17 Uhr, das Palmenhaus und die Restaurants im Sommer länger. Winter- und Sommerpreise unterscheiden sich deutlich (im Sommer ab 17 Uhr halbe Preise). Höhepunkte sind die Rosenblüte im Juni, die Sonnenblumen im Hochsommer und die abschließende Dahlienschau Ende September.

Kostenlose Strandbäder

Eine Besonderheit der Stadt Konstanz sind ihre kosten-losen Strandbäder am Hörnle (Buslinie 5), in Litzelstetten, Dingelsdorf und Wallhausen. Ganzjährig täglich 24 Stunden geöffnet, bieten sie zudem Spielplätze und mindestens ein Beachvolleyballfeld. Im Sommer kann man an den Strandkiosken kleinere Gerichte, Eis und Süßwaren erwerben, in Wallhausen existiert ein richtiges Strandrestaurant.

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Bitte beachten!

Für die Richtigkeit und Aktualität der Angaben kann trotz größtmöglicher redaktioneller Sorgfalt keine Haftung übernommen werden. Insbesondere bei GPS Daten können Abweichungen nicht ausgeschlossen werden.
Sicher unterwegs: Ein glücklicher und erfolgreicher Tag in der Natur setzt nicht nur die richtige Vorbereitung, sondern auch auch verantwortungsbewusstes Handeln auf Tour voraus. Das solltet ihr bei der Tourenplanung immer beachten.