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Vergessene / Entdecker Pfade
wandern

Wandern Bayerischer Wald: Über den Lusen

Anspruch:
mittel
Dauer:
04:00 Std.
Länge:
13 km
Aufstieg:
750 m
Abstieg:
750 m

Goldenes Leuchten im Granitmeer. Von Mythen umrankt, bildet der Lusen den südöstlichen Pfeiler des breiten Grenzkamms, der am Rachel endet. Von Süden her ist der Berg über den Winterweg sehr einfach zu erreichen, was ihn bei Tagesausflüglern beliebt macht – kein Grund aber für Ruhesuchende, deshalb auf diesen Paradeberg des Bayerischen Waldes zu verzichten.

Beschreibung

Am Großen Schwarzbach entlang   

Ganz hinten im Tal unterhalb von Finsterau, wo die bewaldeten Hänge von Hohlstein, Filzberg und Steinfleckberg auf die Auwiesen entlang des Reschbachs treffen, liegt der Wanderparkplatz »Schwarzbachbrücke«. Der Weg (Markierung »Soldanelle«, »Lusen«) führt uns von hier an der linken Uferseite des Großen Schwarzbachs zuerst etwa eine halbe Stunde beinahe eben taleinwärts. Der weiche, moosige Waldweg ist anfangs mit Holzplanken überbaut.

Schließlich leiten zwei Holzbrücken über den Bach, und wir kommen auf einen Forstwirtschaftsweg. Nach links haltend, kreuzen wir auf diesem eine weitläufige Lichtung. An ihrem Ende biegen wir vom Schotterweg nach links in den Wald und folgen dem schmalen Steig, der nur mäßig steigend dem Bachlauf – jetzt auf der rechten Uferseite – folgt. Eng wachsen Heidelbeersträucher hüfthoch heran, und umgestürzte Baumriesen strecken uns ihr Wurzelwerk entgegen. Von unserem eigentlichen Ziel, dem Lusen (1373 m), ist noch nichts zu erahnen. Im Gänsemarsch kommen wir auf dem schmalen Weg aber zügig voran.

Über den Finsterauer Lusensteig   

Nach einer knappen halben Stunde erreichen wir eine Forststraße, die auf der großzügigen Lichtung mit mehreren Schotterwegen zusammentrifft – bewacht von einer kleinen, mit Baumrinden verkleideten Hütte. Hier wenden wir uns nach links und überqueren nur einen Steinwurf weiter auf dem breiten Schotterweg den Großen Schwarzbach, um gleich danach rechts in den Wald einzubiegen.

Der Finsterauer Lusensteig, auf dem wir wandern, gewinnt nun an Steilheit. Das Bachrauschen verliert sich allmählich, und mit jedem Höhenmeter zeigt der Wald die Narben, die ihm Borkenkäfer und Sturm zugefügt haben. Graues Totholz ragt in den Himmel, mehr und mehr gesäumt von jungen Tannen und Fichten. Dazwischen allerlei Blattwerk, Farne und Gräser.

Wir überqueren den Kleinen Schwarzbach und folgen dem Steig, der nach einem Linksschwung wieder nach rechts einbiegt: Es geht auf die Zielgerade in Richtung Marktfleckl (1299 m). Der einen Meter hohe vierkantige Stein markiert auf dem Sattel nördlich unterhalb des Lusengipfels die Grenze zwischen Bayern und Böhmen: Raute auf der einen, Löwe auf rotem Grund auf der anderen Seite.

Über Blockgestein zum Gipfel   

Zum Gipfel des Lusen sind keine 100 Höhenmeter mehr zu überwinden. Das mit Flechten überzogene Blockmeer, das rundherum herunterfließt, glänzt golden im Sonnenlicht. In der Verlängerung des Grenzsteigs gelangen wir über einen Holzsteg ganz nah an den Gipfelaufbau heran. Die letzten Meter hinauf zum Lusen hilft eine Drahtseilversicherung – nötig wäre sie nicht, doch hilft sie dabei, den richtigen Weg durch das Blockmeer zu finden. Aufmerksamkeit ist auf diesen letzten Metern dennoch geboten, denn es muss nicht einmal das schmerzhafte Abrutschen zwischen die Granitblöcke sein: Dinge, die in eine der tausend Spalten dieses Steinhaufens fallen, sind verloren. Also, Hosentaschen zu und Fotoapparat sichern!

Wenn wir die Tour nicht an einem Wochenende unternehmen, haben wir am Gipfel (1373 m) dann das Panorama fast ganz für uns – rundherum ungestörte Aussicht. Ein Blick zurück zeigt über unseren Aufstiegsweg hinweg den Grenzkamm Richtung Schwarzberg, der Heimat der Moldauquelle. Ein Stück links leuchten die Wiesen des einsamen Lusenbachtals, das im Norden vom Informationszentrum Brˇezník begrenzt wird. Über den Grenzübergang »Blaue Säulen« wäre das Tal von hier aus schnell zu erreichen, doch ist dieser aus Naturschutzgründen bis auf Weiteres gesperrt; so bleibt das liebliche Hochtal eine Ruhezone für Flora und Fauna. Anschließend grüßt der Rachel herüber, dessen Gipfel von hier aus betrachtet zum Rachelsee hin abbricht. Und zwischen uns ein Meer aus Wald. Nach Süden schließlich sieht man die viel begangene »Himmelsleiter« – fast schnurgerade ziehen sich unzählige Stufen durch den Granitkegel hinauf zum Gipfel. An ihrem Anfang steht die »Glasarche«, Markierung und Argument zugleich für einen Zustieg über diese Seite – vielleicht das nächste Mal?

Über den Tummelplatz ins Tal

Nach einer Stärkung im ganzjährig bewirtschafteten Lusen-Schutzhaus folgen wir im Abstieg dem Winterweg, der sich bei der Terrasse in einer engen Linkskurve in den Hang unterhalb der Hütte schmiegt. Aussichtsreich wandern wir wenige Hundert Meter bergab, bis wir zu einer Bank und einer Informationstafel über den Bergwald gelangen. Hier folgen wir der Abzweigung nach links und laufen über einen schmalen Pfad Richtung Tummelplatz. Nach einem kurzen Abstieg flacht der Weg auf Höhe des Sagwasserbachs spürbar ab. Etwa eine Dreiviertelstunde müssen wir für die Querung des Sulzriegelhangs einrechnen, bis wir an der früheren Weidestelle, dem Tummelplatz (1139 m), angelangt sind. Das ehemalige Försterhaus aus dem 19. Jahrhundert wird heute von der Nationalparkverwaltung genutzt.

Dem Hauseingang gegenüber verschwindet unser kurzer Abstecher zum Hohlstein (1196 m), auch Großalmeyerschloß genannt, im Wald. Das kleine Felsplateau mit Holzkreuz überragt kaum die umstehenden Bäume, doch schenkt es uns eine letzte Aussicht Richtung Lusen, ehe wir ins Tal absteigen.

Dazu kehren wir zurück zum Tummelplatz, gehen rechts vorbei am Forsthaus und hinein in den Wald (Markierung »Arnika«). Der Brunndoblweg führt uns nun, wiederum beinahe eben, durch die östlichen Sulzriegelhänge. Nach einer strammen halben Stunde folgen wir für ca. 300 Meter einer Forststraße, die wir dann für das letzte Teilstück unseres Talabstiegs nach rechts wieder verlassen. Das Tal erreichen wir am Parkplatz »Oberes Reschbachtal«. Von dort folgen wir nun der Forststraße nach links und haben nach 15 Minuten unseren Ausgangspunkt an der Schwarzbachbrücke erreicht.

Touren-Charakter

Wildromantischer Gipfelanstieg durch ein bewaldetes Bachtal; einfache Wald- und Wurzelwege. Der Anstieg über die Granitblöcke am Gipfel ist »spaltenreich« und erfordert besonders bei Nässe Aufmerksamkeit – bergfestes Schuhwerk unerlässlich!

Beste Jahreszeit

Mai bis November

Ort

Finsterau

Ausgangspunkt

Wanderparkplatz »Schwarzbachbrücke«, 847 m, bei Finsterau

Endpunkt

Wanderparkplatz »Schwarzbachbrücke«, 847 m, bei Finsterau

Route

Schwarzbachbrücke – Lusengipfel 2 Std. – Tummelplatz 1 Std. – Schwarzbachbrücke 1 Std.

Höchster Punkt

Lusen, 1373 m

Mein Winter-Tipp

Ein Sprichwort besagt, dass es im Bayerischen Wald »ein halbes Jahr Winter und ein halbes Jahr kalt« sei ... Für reichlich Schnee ist er jedenfalls bekannt, und Rodlern sei der Lusen empfohlen: vom Parkplatz »Waldhäuser Aussicht« auf der Straße zum Wanderparkplatz und über den Winterweg zum Schutzhaus hinauf. Von dort saust man dann mit dem Schlitten fast 4 km zu Tal – eine Riesengaudi!

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Bitte beachten!

Für die Richtigkeit und Aktualität der Angaben kann trotz größtmöglicher redaktioneller Sorgfalt keine Haftung übernommen werden. Insbesondere bei GPS Daten können Abweichungen nicht ausgeschlossen werden.
Sicher unterwegs: Ein glücklicher und erfolgreicher Tag in der Natur setzt nicht nur die richtige Vorbereitung, sondern auch auch verantwortungsbewusstes Handeln auf Tour voraus. Das solltet ihr bei der Tourenplanung immer beachten.