Zur Turtmannhütte

Abwechslungsreiche Wanderrunde im inneren Turtmanntal mit packenden Hochgebirgsbildern. Nicht versäumen: den Abstecher zum Turtmanngletscher. (Autor: Eugen E. Hüsler)
2 km
620 m
3.00 h
Ein paar moderne Eingriffe musste sich allerdings auch das lang gestreckte Walliser Südtal gefallen lassen. Eine schmale Straße führt von den Dörfern über seiner Mündung bis zu dem Speicherbecken, in dem das Schmelzwasser des mächtigen Turtmanngletschers gefasst und abgeleitet wird, und so manche Alphütte hat längst talferne Besitzer. Markierte Passwege führen östlich ins Mattertal, nach Westen über die Sprachgrenze ins Val d’Anniviers. Späte Erschließung Dass dieses Walliser Alpental in mancherlei Hinsicht so ursprünglich wirkt, der Tourismus hier eher beiläufig wahrgenommen wird, hat vor allem zwei Gründe. Da ist zunächst einmal die späte Erschließung mit Verkehrswegen, dann die Siedlungsstruktur. Kein einziges Dorf liegt im Talinnern; die beiden Weiler Gruben und Meiden sind bloß noch im Sommer bewohnt. So gehört das Turtmanntal vor allem den Kühen. Früher zogen die Bauern jedes Jahr mit ihrem Vieh ins Tal, vom Dorf über die Weiden zum Unterstafel, später auf den Mitterstafel, im Sommer auf die Hochweiden (Oberstafel). Insgesamt sind 17 solche Weidereviere im Turtmanntal nachgewiesen, die 1973 zu einer Alpgenossenschaft zusammengeschlossen wurden. Auf der Alp Blumatt, nicht weit von Gruben/Meiden, wird von Juni bis September gekäst; rund fünf Tonnen würziger Bergkäse finden alljährlich ihre (dankbaren) Abnehmer. Und wer bei der Bezeichnung Blumatt an Blumenmatten denkt, liegt überhaupt nicht falsch: Im Früh- und Hochsommer blüht es auf den Alpwiesen so üppig wie artenreich, und was des Wanderers Auge da erfreut, wandert auch in die Mägen der Wiederkäuer. Wer sich so gesund ernährt, liefert bestimmt eine bessere Milch als jene armen Artgenossen, die irgendwo in Europa in dunklen Ställen vegetieren ... Zur Turtmannhütte Vom Parkplatz Sänntum (1901 m) folgt man dem Hinweis »Holustei« bis zur Abzweigung des Schluchtweges. Er steigt gegen einen exponierten Felskopf hoch über der Turtmanna an (Drahtseil) und führt ein Stück weiter auf einer Naturbrücke über die kleine Klamm. Danach mündet der Weg in die Werkstraße, der man bis zum Stausee (2174 m) folgt (1 Std.). Gleich hinter dem künstlichen Gewässer liegt ein zweiter Speicher, der den Sand im Gletscherwasser auffängt und so das Verlanden des Sees verhindern soll. Ein kleiner Abstecher führt über Geröll zur Zunge des mächtigen Turtmanngletschers; Tafeln markieren den Rückgang des Eises in den vergangenen Jahren. Einen letzten Vorstoß verzeichnete man im Jahr 1999 – um immerhin 83 Meter und gegen den allgemeinen Trend. Seither teilt er das Schicksal fast aller Alpengletscher: Schwund; im Jahrhundertsommer 2003 zog er sich um etwa 120 Meter zurück. Die Sandpiste endet bei der Talstation der Hüttenseilbahn (2281 m; Tafeln). Der neu angelegte »Steimannliweg« führt in einem Rechtsbogen über steinige Bergwiesen hinauf zur Turtmannhütte (2519 m; 2 Std.). Sie liegt auf einer kleinen Hangschulter vor der prächtigen Kulisse des innersten Turtmanntals. Blickfang im Süden ist das Bishorn (4153 m), das über dem Brun egg gletscher aufragt. Es wird in der Regel vom Val d’Anniviers aus über die Cabane du Tracuit bestiegen und gilt als einer der leichtesten Viertausender der Schweiz. Bei gutem Wetter ist von der Turtmannhütte aus die breite Trampelspur an der Firnflanke mit bloßem Auge zu sehen. Dass die Grenze zum französischsprachigen Unterwallis hier nicht mehr weit ist, beweisen einige Gipfelnamen auf der westlichen Talseite: Les Diablons (3609 m), Tête de Milon (3693 m). Abstieg Auf dem alten Hüttenweg geht’s über den steilen, felsdurchsetzten Hang hinunter zur Seilbahn, dann geradeaus weiter. Ein breiter Weg leitet quer durch die brüchigen Felsen unterhalb der Ämser Schafalpu und läuft dann mit einer Wasserleitung (Suone) hinaus nach Biele (2343 m). Hier verlässt man die Aussichtspromenade und steigt über einen von der Erosion gezeichneten Hang ab zur Kapelle Holustei (2222 m) in herrlicher Lage vor dem vergletscherten Talschluss. Vor der Kapelle links und auf teilweise steilem und schmalem Steig hinunter zum Parkplatz Sänntum (3.45 Std.)

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour2 km
Höhenunterschied620 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
StartortTurtmann (628 m) im Rhonetal
AusgangspunktSänntum (1901 m) im Talinnern
EndpunktSänntum (1901 m) im Talinnern
TourencharakterFrüher als »verlorenes Tal« apostrophiert, weil vom (Massen-)Tourismus weitgehend unberührt, ist dieses Handicap für das Turtmanntal längst zu einem Vorteil geworden. Den Massen begegnet man hier nach wie vor nicht, dafür gibt’s noch viel von jenem Kapital, das andernorts einem zweifelhaften Fortschritt geopfert wurde: Natur.
KartentippSwisstopo 1:50 000, Blätter 273 T und 274 T
MarkierungenWeiß-rot-weiße Markierungen, gelbe Wegzeiger
VerkehrsanbindungAnfahrt ins Turtmanntal von Turtmann via Oberems (1336 m) und Gruben (1822 m) über teilweise schmale Straßen, 22 km. Seilbahn Turtmann–Oberems und Bus von Oberems nach Gruben, auf Anfrage bis zum Sänntum (Infotel. 027/932 15 50)
GastronomieTurtmannhütte, Mitte Juni–Ende Sept., Tel. 027/932 14 55, www.turtmannhuette.ch
Tipps
Schaukäserei Turtmann Drunten im Rhonetal, wo die »Bergreis’ « ins Turtmanntal beginnt, bietet sich Gelegenheit zu einem kleinen kulinarischen Seitensprung. Die Schaukäserei Turtmann verarbeitet Milch aus der Region zu dem feinen Augstbord-Raclettekäse »Valdor Wallis 65«. Sie ist Dienstag bis Samstag von 8–11 Uhr geöffnet und lädt ein zu einem Blick auf die moderne Käseherstellung. Und natürlich kann man den Raclettekäse auch kaufen.
Informationen
Tourist-Info Turtmanntal Tourismus, InfoCenter, Dorfstr. 2, CH-3946 Turtmann, Tel. 027/932 34 18, E-Mail: info@turtmanntal.ch, www.turtmanntal.ch