Zur Oberaletschhütte

Spannende, landschaftlich großartige Hüttenwanderung mit einigen gesicherten Passagen. Ausdauer und Trittsicherheit sind unerlässlich, rechtzeitiger Aufbruch wegen der Länge der Tour ist ratsam. (Autor: Eugen E. Hüsler)
Der neue Weg ersetzt den alten, zunehmend von Steinschlag bedrohten Zugang übers geröllbedeckte Eis und vermittelt grandiose Bilder der fast arktisch anmutenden Hochalpenregion um Aletschhorn (4195 m), Nesthorn (3821 m) und Fusshörner (3627 m). Blickfang auf dem (langen) Weg zur Hütte ist das Gletschereis, das sich – wie fast überall in den Alpen – auf dem Rückzug befindet. Bis 1876 waren der Oberaletsch- und der Aletschgletscher verbunden; heute liegt die Zunge ein ganzes Stück hinter der Gletscherschlucht, die man auf dem Weg zur SAC-Hütte quert. Das tun zweimal im Jahr auch die Schafe, die auf den Wiesen des Inneren Aletschj gesömmert werden. Bevor sie ins Tal zurückkehren, findet jeweils am letzten Augustwochenende auf der Belalp ein großes Schäferfest statt, mit viel Publikum aus dem In- und Ausland. Eis- und Felsregion Aletsch Von der Seilbahnstation auf der Belalp (2094 m) führt eine Sandstraße sanft ansteigend zum Hotel Belalp (2130 m), wo sich ein erster fantastischer Blick auf den Eisstrom des Aletschgletschers bietet. Das Haus steht am Abbruch des Aletschbords, und über diesen Rand führt der Weiterweg zunächst steil bergab. Eine kunstvoll zwischen schroffe Felsen trassierte Serpentinenpassage mit hohen Stützmauern aus Bruchsteinen ist erst jüngst restauriert worden. Am tiefsten Punkt (1971 m) zweigt halb rechts der Zugang zur neuen großen Hängebrücke über der Massa- Gletscherschlucht ab (siehe Tour 10). Der »Panoramaweg« quert die steinigen Hänge unter dem Sparrhorn nach Norden und steigt dann an gegen einen felsigen Rücken (2164 m). Dahinter hat das Schmelzwasser des Oberaletschgletschers eine tiefe Schlucht ins Gestein gegraben. Dem Fels abgerungen ist auch der komfortable Pfad, auf dem man die Klamm ab- und wieder ansteigend passiert (1.15 Std.). Ausgebaut wurde das Wegstück übrigens nicht, wie man annehmen könnte, für den Tourismus: Es erleichtert vielmehr den Schafherden den Zugang zu ihren fetten Weiden über dem Aletschgletscher. Gletscherphänomene An der Verzweigung über der Schlucht (2228 m; Tafeln) hält man sich links und folgt der markierten Spur, die an einem Moränenrücken steil ansteigt. Oberhalb des Tälli führt er in die Sockelfelsen der Fusshörner. Der Weg gewinnt im Zickzack zügig an Höhe und läuft dann hoch über dem Oberaletschgletscher taleinwärts. Er quert, an einigen etwas abschüssigen Stellen mit Seilen gesichert, mehrere Steilrinnen, dabei noch leicht ansteigend (höchster Punkt 2688 m). Blickfang sind die gewaltigen Eisströme, die aus ihrem Nährgebiet unter den hohen Gipfeln herabziehen, sich unterhalb der Oberaletschhütte vereinigen, dann eine immer dickere Gerölldecke bekommen. Einen Blick aufs blanke Eis erlauben die kleinen Schmelzwasserseen; mit bloßem Auge zu erkennen sind riesige Felsblöcke, die von den Gletschern im Zeitlupentempo talwärts befördert werden. Wo so ein Brocken das Eis vor der direkten Sonneneinstrahlung schützt, können Gletschertische entstehen; ist der Fels zu schwer, drückt er das Eis zur Seite. Typisch für große Talgletscher sind die Mittelmoränen. Sie entstehen, wenn Eisströme zusammenfließen. Unter dem Westgrat des Grossen Fusshorns quert der »Panoramaweg« hinüber zur bereits lange sichtbaren Oberaletschhütte (2640 m; 4.30 Std.). Sie thront hoch über dem Eis auf einer Geländeschulter. Als finale Überraschung tritt nun auch das Gletscherbecken unter dem Aletschhorn (4193 m) ins Bild. Der zweithöchste Gipfel der Berner Alpen wurde 1859 von den drei Führern Peter Bohren, Johann Joseph Brennen und V. Tairraz, die den Briten Francis Fox Tuckett am Seil hatten, erstmals bestiegen. Wer dem alpinen Eis ganz nahe kommen will, kann von der Hütte auf Eisenleitern über die glatt geschliffenen Felsen zum Gletscher absteigen (Vorsicht: nur für Schwindelfreie!). – Rückweg auf dem Hinweg.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour10 km
Höhenunterschied980 m
Dauer7.00 h
Schwierigkeit
StartortBlatten (1327 m)
AusgangspunktBergstation der Belalp-Seilbahn (2094 m)
EndpunktBergstation der Belalp-Seilbahn (2094 m)
TourencharakterDas Wallis hat in den letzten Jahren eine ganze Anzahl neuer, spektakulärer Wege bekommen, was Bergwanderer natürlich freut. Im Sommer 2005 wurde der »Panoramaweg Oberaletsch« eröffnet, ein sehr schön angelegter Höhenweg zu der urigen Hütte des Schweizer Alpenclubs über dem Zusammenfluss von Beich- und Oberaletschgletscher.
KartentippSwisstopo 1:50 000, Blatt 264 T
MarkierungenWeiß-rot-weiß und weiß-blau-weiß, Wegzeiger
VerkehrsanbindungBlatten erreicht man von Brig-Naters über eine gut ausgebaute Straße, 9 km; Postbus. Die Seilbahn Blatten–Belalp ist ganzjährig in Betrieb.
GastronomieHotel Belalp, ganzjährig, Tel. 027/924 24 22. Oberaletschhütte, Ende Juni–Mitte Sept., Tel. 027/927 17 67, www.oberaletsch.ch. Einkehrmöglichkeit bei der Seilbahnstation
Tipps
John Tyndall – Wissenschaftler und Bergsteiger Eng verbunden mit der Pionierzeit des Bergsteigens im Wallis ist der Name des irischen Physikers John Tyndall (1820–1893). Er besuchte 1856 erstmals die Schweizer Alpen; später baute er sich auf der Belalp, wenig oberhalb des gleichnamigen Hotels, ein Haus. Im Sommer 1861 gelang ihm zusammen mit seinen Führern Johann Joseph Brennen und Ulrich Wenger die Erstbesteigung des Weisshorns. Ein Zufall, dass man von der Belalp aus einen besonders schönen Blick auf diesen herrlichen Gipfel hat?
Informationen
Tourist-Info Brig Belalp Tourismus, CH-3900 Brig, Tel. 027/921 60 30, E-Mail: info@brig-belalp.ch, www.brig-belalp.ch