Zum Eissee im hinteren Oytal

Langer steigungsarmer Anmarsch durch ein schönes Tal auf breiten Wegen, teils Teerstraße (am besten mit dem Fahrrad bis zum Prinzenkreuz, mit entsprechend strammen Waden auch bis zur Käseralpe). Eigentliche Wanderung im hinteren Talbereich auf alpinen Wegen überwiegend durch weite und offene Wiesenflächen. Der Abstieg über den Älpelesattel zur Käseralpe ist unangenehm steil, bei Nässe rutschig und matschig, aber ungefährlich. (Autor: Gerald Schwabe)
28 km
1250 m
7.00 h
Rauschende Bäche Die Einsamkeit des hinteren Oytals hat natürlich seinen Grund, und das ist der sehr lange Anmarsch. Deshalb ist die hier vorgestellte Tour eigentlich nur in Verbindung mit einer Fahrradanfahrt machbar. Ohne größere Anstrengung fährt man etwa zehn Kilometer auf breiten Wegen ins Tal hinein, bis die eigentliche Wanderung beginnt. Zwei Wege führen ins Oytal. Der asphaltierte Wirtschaftsweg und der teilweise geschotterte, aber gut zu fahrende, breite Weg entlang von Trettach und Oybach. Wir beginnen unsere heutige Tour in Oberstdorf an der Brücke über die Trettach in der Nähe der Nebelhornbahn-Talstation und mischen uns unter die vielen Radler und Wanderer, die das Trettachtal aufsuchen – in dem wohltuenden Wissen, ein wunderschönes, einsames Ziel anzusteuern. Entlang der kristallklaren Trettach, die sich direkt südlich des Ortes durch eine recht enge Schlucht zwängt, gelangen wir nach etwa zwei Kilometern zu einer Brücke über den Oybach, der hier in die Trettach mündet. Wir biegen nach links in den Dr.-Hohenadl-Weg und radeln entlang des Oybachs gemächlich bergan. Schließlich stoßen wir auf den geteerten Wirtschaftsweg und folgen diesem für knapp zwei Kilometer bis zum Oytalhaus. Die breite Ebene, der das Tal seinen ursprünglichen Namen »Au« verdankt, wird von den mächtigen Seewänden mit einem hohen Wasserfall überragt. Im Süden erheben sich die Dolomitgipfel des Großen Wilden. Das Oytal Mit dem Oytalhaus lassen wir nicht nur den Asphalt, sondern auch das Gedränge hinter uns, obwohl der weitere Weg vorerst eher noch Spaziergangcharakter hat. Kurz hinter dem Oytalhaus überqueren wir das Bett des Oybachs, der in diesem Bereich meist völlig ausgetrocknet ist, obwohl von den Berghängen reichlich Wasser herunterkommt. Grund ist der extrem durchlässige, kalkige Boden. Das Wasser fließt über eine Strecke von etwa vier Kilometern unterirdisch und kommt erst wieder am oberen Ende des Dr.-Hohenadl-Weges zum Vorschein. Zahlreiche Quellen lassen den Bach dort innerhalb kurzer Zeit zu einem beachtlichen, glasklaren Bergfluss werden. Wir erreichen auf breitem Wirtschaftsweg die Untere Gutenalpe und schließlich beim Prinzenkreuz (1089m) eine Brücke über den Oybach, an der der flache Talboden in einer hohen Steilstufe endet und der eigentliche Anstieg beginnt. Zu Fuß weiter Wir suchen uns ein passendes Plätzchen für unsere Fahrräder, während Hartgesottene sich gerne noch die Straße bis zur Käseralpe hochquälen dürfen. Es geht auf breitem Wirtschaftsweg steil den Hang hinauf, bis wir den schönen Stuibenfall erreichen. Der Wasserfall macht seinem Namen alle Ehre und überzieht jeden, der zu lange Blicke riskiert, mit einem feinen Nieselregen. Der Blick zurück zeigt uns in geradezu lehrbuchhafter Weise das von Gletschern gestaltete U-förmige Oytal in seiner ganzen Länge. Noch einige steile Kehren, dann stehen wir in einem herrlichen Talkessel mit den weiten, offenen Almböden der Käseralpe (1401m). Hinauf zum Eissee Wir lassen die Hütte hinter uns und steigen den steilen Weg Richtung Osten in 30 Minuten zur Wildenfeldhütte (1692m) hinauf. Dort wenden wir uns nach rechts und wandern unterhalb der imposanten Felswände der Wilden leicht ansteigend weiter. Während wir gewaltige Schutthalden queren, die von der Vergänglichkeit der Dolomitgipfel über uns zeugen, zieht die schlanke Gestalt der Höfats auf der gegenüberliegenden Talseite unsere Blicke magisch an. Die elegante Höfats mit ihren messerscharfen Graten ist sicherlich einer der schönsten Gipfel, die das Allgäu zu bieten hat. Trotz der relativ geringen Höhe von 2258 Metern ist sie allerdings mit ihren ausgesetzten, grasüberzogenen Steilflanken einer der gefährlichsten Berge, von deren Besteigung besonders bei Nässe dringend abzuraten ist. Wir genießen den Anblick lieber aus sicherer Entfernung. Über offene Almböden steigen wir schließlich gemächlich auf eine breite Hochebene und erreichen den Eissee (1827m). Himmlische Ruhe umgibt uns; wer ein wirklich einsames Naturerlebnis im Allgäu sucht, ist hier genau richtig. Höfats und Großer Wilder spiegeln sich in der kleinen Wasserfläche, die man fast immer ganz für sich alleine hat. Nach einer ausgiebigen Rast verlassen wir diese Idylle und folgen einem schmalen Trampelpfad den Westhang hinauf, von dem wir einen schönen Überblick über den See haben. 200 Höhenmeter sind zu bewältigen, bis wir den aussichtsreichen Grat erreichen, der das Oytal vom Dietersbachtal trennt. Zusätzlicher Gipfel Rauheck Wer mit dem Fahrrad bis zur Käseralpe geradelt ist, dem mag die eigentliche Wanderung vielleicht etwas kurz vorkommen. Dem kann abgeholfen werden, denn mit dem Rauheck bietet sich ein großartiger Berg an. In 45 Minuten erreicht man über den steilen Gratweg den Gipfel des Rauhecks (2384m) und hat von dort einen fantastischen Rundumblick: der Hochvogel in seiner ganzen Pracht, die Hornbachkette über dem gleichnamigen Tal, der Große Krottenkopf, der höchste der Allgäuer Alpen, und zahllose etwas kleinere Gipfel ... Also, wer Zeit und Lust hat: Hinauf! Es lohnt sich. Die letzte Etappe Der Rückweg führt uns über den grasbewachsenen Kamm Richtung Höfats, die sich von hier allerdings eher unscheinbar zeigt, und schließlich hinab zum tiefsten Punkt des Grates, dem Älpelesattel (1772m). Der Abstieg ist teilweise sehr steil und unangenehm. Links geht es hinunter ins Dietersbachtal, wir wenden uns nach rechts und stiegen in vielen Kehren den Hang hinab in Richtung Käseralpe. Latschengestrüpp und matschige Stellen gestalten den Weg manchmal etwas unschön, aber schon bald haben wir den Talboden erreicht und vervollständigen die kleine Runde mit einer Einkehr in der gemütlichen Käseralpe. Wohl dem, dessen Fahrrad schon hier oben wartet, alle anderen haben noch den Abstieg bis zum Prinzenkreuz vor sich. Das leichte Gefälle macht die Rückfahrt zu einer äußerst angenehmen Angelegenheit. Zwei Kilometer unterhalb des Oytalhauses kommen wir am Abzweig zum Dr.-Hohenadl-Weg vorbei. Wir bleiben jedoch auf dem Wirtschaftsweg, der uns im warmen Abendlicht zurück nach Oberstdorf bringt.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour28 km
Höhenunterschied1250 m
Dauer7.00 h
Schwierigkeit
StartortOberstdorf, 813m
AusgangspunktNebelhornbahn-Talstation
EndpunktEissee, 1827m; höchster Punkt der Wanderung 2029m; ggf. Abstecher auf das Rauheck, 2384m
TourencharakterDas vordere Oytal lässt kaum erahnen, wie spektakulär und wild es endet. Man muss erst den geteerten Wirtschaftsweg und den lebhaften Spaziergängerverkehr zwischen Oberstdorf und der breiten Ebene rund um das Oytalhaus hinter sich lassen, um das andere Gesicht des Oytals kennenzulernen. Wer dies tut, wird eine der stillsten und schönsten Ecken des Allgäus vorfinden, mit fotogenen Gipfeln, einem beeindruckenden Wasserfall und einem wunderschönen Bergsee.
Beste Jahreszeit
KartentippUK L 8 Allgäuer Alpen 1:50 000, Bayerisches Landesvermessungsamt; Zumstein Wanderkarte Nr. 4 Oberstdorf
VerkehrsanbindungBus und Bahn nach Oberstdorf; Parkplatz an der Nebelhornbahn- Talstation/Oybelehall
GastronomieOytalhaus, 1010m; Gutenalpe, 1048m; Käseralpe, 1401m
Höchster Punkt
Rauheck, 2384m

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