Zu den Weissbrunner Naturseen

Erlebnisreiche Rundwanderung im hintersten Ultental.
Mittelschwere Bergwanderung auf zumeist gut trassierten Bergpfaden, insgesamt sind etwa 600 m Höhenunterschied zu überwinden. Der Abstieg vom Grünsee ist stellenweise steil; durchgehende Markierung und Wegweiser. (Autor: Peter Mertz)
11 km
765 m
4.00 h
Hinauf zu Fischer- und Langsee.
Wir beginnen beruhigt (siehe Kasten) unsere Wanderung an dem strahlenden Gewässer, in dem sich die Berge des äußeren Ultentales spiegeln. Ein breiter Weg führt von der Almwirtschaft der Unteren Weißbrunner Alm taleinwärts bis zu einer Brücke, hinter der nach zehn Minuten der Weg zum Fischersee abzweigt. In kurzer Zeit steigen wir durch Lärchenwald zur ersten Karstufe hinauf, in der sich ein Moor ausbreitet. Dahinter liegt durch einen Geländebuckel getrennt der kleine Fischersee in einer Felsmulde. Nun beginnt der etwas steilere Anstieg hinauf zur Oberen Weißbrunner Alm, bei der wir uns bereits auf 2220 Meter Meereshöhe befinden. Die Unterstellhütte dient dem Vieh und den Hirten als Schutz. Wir haben inzwischen die Waldgrenze passiert und wandern in baumfreiem Gelände den Valschauer Bach entlang. Bald liegt rechts von uns ein weiterer kleiner See in einer Geländemulde, über ihn hinweg können wir das Becken des Grünsees erkennen. Mit mäßiger Steigung arbeiten wir uns immer weiter in das gestufte Tal hinein, queren den Bach auf einer Brücke und steigen weitere 20 Minuten zum Langsee hinauf. Dieser Natursee hat sich mit einer Fläche von 170 mal 220 Metern an einem Moränenwall der Eiszeitgletscher gestaut und präsentiert sich mit grünen Ufern in herrlicher Bergkulisse (2340 m). Wer noch nicht den Rückweg antreten will, könnte weitere 20 Minuten taleinwärts auf 2481 Meter Höhe auch noch den Wilden Pludersee – der Name soll von »ploudern – plaudern« kommen – »abhaken«, oberhalb dessen am 2633 Meter hohen Erzknoten die Bergknappen früher nach Mineralien schürften.
Zur Höchster Hütte.
Für den Rückweg wählen wir den Weg Nr. 12, der vom Langsee in nordwestlicher Richtung zum Grünsee und zur Höchster Hütte führt. Entlang dieser Querpassage müssen wir einige Male Blockhalden überwinden, bevor wir in gut einer Stunde mit nicht allzu viel Mühen und Anstiegen das Gelände rund um den Grünsee erreicht haben. Hier sind noch deutlich die Geländewunden zu sehen, die der Bau dieses Staudamms hinterlassen hat. Die mächtige Staumauer riegelt einen lang gestreckten See ab, der früher ein kleines, in einer Karmulde schlummerndes Gewässer war. Oberhalb der Staumauer an die Felsen geschmiegt liegt die Höchster Hütte, von der eine Betriebsseilbahn zum Weißbrunnsee hinabführt.
Durchs Grünsee-Bachtal hinab.
Der Rückweg zum Weißbrunnsee verläuft über einen teils steilen, aber sehr gut trassierten Bergpfad, der zunächst noch im baumfreien Gelände verläuft und Blicke auf die Wasserkaskaden des Grünsee-Bachs gewährt. Etwa auf Höhe der Mittleren Weißbrunner Alm treten wir wieder in die Lärchenwaldungen ein, die uns am Beginn der Wanderung bereits begleitet haben. Hoch über dem Tal des rauschenden Grünsee-Bachs geht es munter bergab, vorbei an Rastplätzen und stets mit traumhaftem Blick auf den Weißbrunnsee. Nach eineinhalb Stunden flotter Talfahrt treffen wir auf den Abzweig zum Langsee und haben die Wanderrunde geschlossen. Auf bekanntem Weg erreichen wir in fünf Minuten den Parkplatz am Weißbrunnsee.
Die Lahnersäge.
Die renovierte Lahnersäge in St. Gertraud gehört zu den vier Besucherzentren des Nationalparks Stilfser Joch. Das harmonisch in Rundblockbauweise errichtete Gebäude enthält eine Ausstellung zu Wald und Holz und natürlich eine intakte Säge. Höhepunkt ist sicherlich die klappernde Mühle, mit der Getreidekörner zu Brotmehl verarbeitet werden. Die Wasserrinne im Außengelände wartet auf das Barfußgehen der Besucher. An zwei Tagen in der Woche findet ein Schauschneiden an der Venezianer Säge statt (Mitte Mai bis Ende Oktober Di–Fr 9–12 Uhr, 14.30–18 Uhr, Sa, So 14.30–18.00 Uhr; www.lahner-saege.com).

Dauer: Untere Weißbrunner Alm – Fischersee 30 Min. – Langsee 1.30 Std. – Grünsee 1 Std. – Untere Weißbrunner Alm 1.30 Std.; Gesamtgehzeit 4.30 Std. ;
Motto: Wandern am Wasser
Sommerwanderungen

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour11 km
Höhenunterschied765 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktUntere Weißbrunner Alm (1872 m), etwa 6 km taleinwärts von St. Gertraud
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterDiese Fünf-Seen-Wanderung stellt uns zugleich das hinterste Ultental vor, das zum Teil im Gebiet des Nationalparks Stilfser Joch liegt. Trotz zweier Stauseen treffen wir auf eine idyllische und wildreiche Hochgebirgslandschaft, die von Karseen, Lärchenwäldern und traumhaften Panoramen geprägt wird. Der erste Teil der Tour lohnt sich vor allem auch für Familien, denn der leichte Weg hält viele Natursehenswürdigkeiten wie Gebirgsbäche, flache Seeufer zum Staudammbauen oder gemütliche Rastplätze neben alten Heuhütten bereit. Erstes Ziel der Rundtour ist der Lange See oder Langsee, ein Name, der in Südtirol häufiger für ein Gebirgsgewässer verwendet wird. Ausgehend vom Weißbrunnsee, einem Stausee, liegen noch der kleine Fischersee, ein namenloser See bei der Oberen Weißbrunner Alm und der ebenfalls zum Stausee ausgebaute Grünsee entlang unserer Route.
Beste Jahreszeit
KartentippFreytag & Berndt Wanderkarte 1:50000, Blatt WKS 13 (Ultental); Kompass Wanderkarte 1:40000, Blatt 052 (Ultental)
VerkehrsanbindungVon der SS 238 Meran–Fondo bei Lana durch das Ultental 31 km auf teils schmaler Talstraße bis St. Gertraud, der hintersten Ortschaft des Ultentals, von hier 6 km auf einer für Fahrzeuge über 3,5 t gesperrten Bergstraße zu den Parkplätzen am Weißbrunnsee Busverbindungen mehrmals täglich von Lana bis St.Gertraud, Haltestelle nahe der Lahnersäge; von hier über den historischen Saumpfad zum Weißbrunnsee (1–1.30 Std.)
Tipps
Das wär auch noch was! Einer der wenigen noch vorhandenen Waale des Ultentals befindet sich an der Schattenseite oberhalb von St.Gertraud – auch er ist bereits dem Verfall preisgegeben. Der einst zwei Kilometer lange Waal brachte das Wasser zu den Innerlaner- und Außerlanerhöfen. Er erhielt nie einen besonderen Namen und war einfach der Waal, der das lebensnotwendige Gut auf die Äcker führte. Wir treffen auf die unmarkierte Waalroute, wenn wir von der Lahnersäge ausgehend der Fahrstraße ins Kirchbergtal folgen. Nach etwa 15 Minuten kreuzen wir den Waal, der vom Kirchbergbach kommend den Wirtschaftsweg unterquert. Es ist nur noch ein teils zugewachsener Pfad erhalten, der den Kanal entlangführt. Dennoch passieren wir schöne Lärchenwälder, die die Kurztour zu einer Entdeckungsrunde werden lassen. Seitenbäche bringen Wasser in den Kanal, der ab und zu noch leise dahinplätschert. Verfallene Holzkandeln, die einen Taleinschnitt durchquert haben, unterbrechen den Verlauf, ehe ein schmuckloses Gitter das Leben des Waals vor den Wiesen der Innerlanerhöfe beendet. Hier müssen wir über das etwas steile Wiesengelände absteigen und können über die Zufahrtsstraße der Höfe nach St. Gertraud zurückkehren. Für diese Entdeckungstour benötigen wir eine gute Stunde. Der Drache vom Langsee. Wie die Sage vom Drachenreiter berichtet, soll vor dem Stauseebau im Weißbrunnsee ein Furcht erregender Drache gehaust und meterhohe Flammen ausgespieen haben. Diese hätten die Wiesen und Bäume so in Mitleidenschaft gezogen, dass die Ufer rund um den See kahl wurden. Zudem konnten die Bauern ihre Tiere nicht mehr in die Berge treiben, weil sie befürchteten, dass sie durch den giftigen Atem des Drachen umkommen würden. Lange Zeit traute sich niemand, den Drachen zu vertreiben. Eines Tages jedoch tauchte ein kleines Männchen auf, dem es gelang, dem Drachen ein Zaumzeug überzuziehen. Dann erhoben sich beide in die Lüfte, überflogen mit flatterndem Bart Weißbrunnsee, Langsee, Fischersee und Grünsee, ehe sie hinter den Bergen verschwanden und nie mehr wieder gesehen wurden.
Tourismusbüro
Tourismusverein Ultental-Deutschnonsberg, I–39010 St.Pankraz, Tel.: 0473/787171, www.ultental-deutschnonsberg.info, info@ultental-deutschnonsberg.info

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