Wege auf den Chiemsee-Inseln

Zwei ebene Rundtouren auf guten Wegen ohne Verkehr (Autor: Dr. Wilfried und Lisa Bahnmüller)
6 km
111 m
3.00 h
Wir beginnen unsere Inseltour in Stock am Chiemsee und fahren mit einem der regelmäßig verkehrenden Schiffe zunächst zur Fraueninsel. Dabei passieren wir die Herreninsel, die wir später besuchen werden, und die kleine, unbewohnte Krautinsel, die so heißt, weil auf ihr die Insulaner der Fraueninsel ihre Gemüsegärten gepflanzt haben. Wir legen am großen Dampfersteg der Fraueninsel an und stehen direkt vor dem altehrwürdigen Kloster der Benediktinerinnen, dessen dicker Zwiebelturm der Insel ihr einmaliges Gesicht verleiht. Dieser Turm erzählt uns viel aus der Geschichte des Klosters. Er wurde kurz nach der ersten Jahrtausendwende gebaut, und einige Grundmauern, die Archäologen im Boden unter dem Turm entdeckten, können sogar bis ins 8. Jahrhundert zurückdatiert werden. Das macht es wahrscheinlich, dass das Kloster, genauso wie das auf der Herreninsel, eine Gründung des Bayernherzogs Tassilo III. ist. Die prominenteste Persönlichkeit des Klosters ist jedoch Irmengard, die Tochter Königs Ludwig des Deutschen, die zwischen 831 und 866 lebte. Zusammen mit ihren Schwestern im Kloster Buchau im Federsee erzogen, ging sie 857 nach Frauenchiemsee, das damals ziemlich verwahrlost war. Innerhalb von neun Jahren brachte sie nicht nur das Kloster zu einer zweiten Blüte, sondern prägte sich durch ihr Wirken so tief in die Herzen der Menschen ein, dass sie heute noch – inzwischen selig gesprochen – als Patronin des Chiemgaus gilt und hoch verehrt wird. Aus ihrer Zeit steht noch ein Haus auf der Insel, der Torbau nördlich des Klosters, das älteste völlig erhaltene Bauwerk Bayerns.
Gehen wir durch das alte Tor, so kommen wir an die höchste Stelle der Insel, einem kleinen Park mit alten Linden über einer Kriegerkapelle, in der ein Bild des frühen Expressionisten Hiasl Maier-Erding zu finden ist. Der Blick rundum zeigt, dass die Insel praktisch völlig zugebaut wurde. Sie ist, sieht man vom Kloster ab, ein einziges Dorf, das außen vom See begrenzt wird und innen einen Dorfanger besitzt, auf dem wir jetzt stehen. Die niedrigen Häuser der Insulaner sind zum Teil jahrhundertealt, innen modernisiert, aber stets in ihrer alten Form belassen. Die wenigen größeren Häuser der Insel gehörten früher zum Kloster. So diente das Haus des Inselwirts, das im Kern aus dem 11./12. Jahrhundert stammt, dem Klosterrichter als Wohnung und als Amt, während das Hotel Linde an der Stelle steht, an der die Äbtissin Elisabeth die Thorerin 1396 ein »neues«Wirtshaus bauen ließ. Ein Benediktinerkloster musste sich immer selbst versorgen und erhalten, und so wurden bis zur Säkularisation auf der Insel alle Handwerksberufe ausgeübt, die man benötigte. Ein Betrieb blieb bis heute erhalten - die Inseltöpferei der Klampfleuthners. Urkunden berichten, dass 1609 die Äbtissin Irmengard II. von Scharfstedt eine Töpferei gründete und gut 100 Jahre später die Familie Klampfleuthner den Betrieb übernahm. Ihre Nachfahren fertigen heute noch Keramikwaren, deren Ruf weit über den Chiemgau hinaus reicht.
Wenn wir die Insel umrundet, das Münster besucht und uns vielleicht an einem der fangfrischen Chiemsee-Fische satt gegessen haben, können wir das nächste Schiff zur Herreninsel nehmen.
Beim Verlassen des Schiffs auf der Herreninsel müssen wir uns entscheiden: zuerst der Besuch des Königsschlosses und dann eine Wanderung über die Insel oder umgekehrt? Dabei hilft uns die Verkäuferin der Eintrittskarten im Informationszentrum, denn sie weiß, zu welcher Zeit der Andrang am Schloss am schwächsten ist. Das ist meist (aber nicht immer!) am späten Nachmittag der Fall, und so steigen wir zunächst den Hügel hinauf zu den Bauten des alten Chorherrenstifts. Die ehemaligen Klostergebäude sind weitgehend erhalten geblieben und wurden außen und teilweise auch innen in den letzten Jahren renoviert, sodass sie im Rahmen der dort eingerichteten Museen besucht werden können. Die alte Klosterkirche, der Inseldom, nutzte man nach der Säkularisation als Brauerei; die Einbauten wurden zwar inzwischen entfernt, der Innenraum ist aber so stark zerstört, dass bis heute eine Renovierung (deren Kostenman auf einen zweistelligen Millionenbetrag schätzt) nicht möglich war. Fernziel wäre es, die Reste der alten Kirche als Konzertsaal nutzen zu können.
Doch der Platz gibt Anlass zurückzudenken in die Zeit des Herzogs Tassilo III., der hier um das Jahr 765 ein Benediktinerkloster gründete, das – später als Augustinerchorherrenstift – immerhin bis 1803 Bestand haben sollte. Tassilo betrat auf der Insel kein Neuland, denn bereits 100 Jahre zuvor sollen Wandermönche hier eine Missionsstation gegründet haben – demnach muss die Insel bereits damals bewohnt gewesen sein. Im Süden der Insel haben sich Wallanlagen erhalten, die auf die keltische Urbevölkerung zurückgehen sollen.
Vom Kloster aus wandern wir über die Felder nach Süden. Wir überqueren die Schneise, die König Ludwig II. quer über die Insel schlagen ließ, um sein Schloss angemessen sichtbar zu machen, und erreichen durch den Wald das einsame Südufer mit seinem herrlichen Ausblick auf die Chiemgauer Berge. Hier im Wald versteckt findet man die keltischen Wälle. Am Waldrand entlang geht es zum Ostufer der Insel und dort wieder nach Norden zur Sichtschneise, auf der wir direkt das Königsschloss erreichen. Die Räume des Schlosses mit dem berühmten Spiegelsaal sind wohl tausendfach beschrieben worden, sodass wir hier nicht näher darauf eingehen. Weniger bekannt, aber dennoch hochinteressant ist das »König Ludwig II. Museum« im Südflügel des Schlosses, das in zwölf modern eingerichteten Räumen die Lebensstationen des Märchenkönigs beschreibt. Der Besucherstrom zum Schloss setzte bereits kurz nach dem tragischen Tod des Königs 1886 ein. Das ist der Grund, warum die Innenräume des Schlosses, soweit sie bereits eingerichtet waren, so gut erhalten geblieben sind. Anders sieht es mit den Parkanlagen aus. Für den Erhalt standen keine Mittel zur Verfügung, und so verfielen sie im Lauf der Jahre fast ganz. Erst um 1970 kam die Rettung, als man sich entschloss, auf den Eintritt zum Schloss einen Aufschlag von 1DM zu erheben. Mit diesem Ertrag konnten die Gartenanlagen mit den Springbrunnen restauriert werden, und heute sind sie wieder in ihrem ursprünglichen Zustand zu Lebzeiten des Königs zu bewundern.
Museen und Schloss Herreninsel: Im Besucherinformationszentrum beim Anlegersteg erhält man die Eintrittskarten für das Schloss, für das »König Ludwig II. Museum« (im Schloss) und für das Museum und die Galerien im Augustinerchorherrenstift. Es gibt eine »Gesamtkarte Insel«, die für das Schloss und alle Museen gilt. Das Schloss kann man nur mit Führung besichtigt werden; die letzte ist so terminiert, dass das letzte Schiff noch erreicht werden kann. Außer der Galerie Julius Exter (geöffnet April bis Mitte Oktober) sind alle Objekte ganzjährig und täglich geöffnet. Genaue Zeiten und Möglichkeiten für Sonder- oder Kinderführungen sind über die Homepage der Schlösserverwaltung (www.herrenchiemsee.de) zu erfragen. Kleiner Tipp: Nehmen Sie sich bei der ersten Überfahrt einen Schiffsfahrplan (liegt auf) mit, um das letzte Schiff nicht zu verpassen.

Gute Erreichbarkeit mit dem Öffentlichen-Personen-Nahverkehr (Bus/Bahn)

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour6 km
Höhenunterschied111 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
StartortPrien, Ortsteil Stock/Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt
AusgangspunktPrien, Ortsteil Stock/Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt
EndpunktPrien, Ortsteil Stock/Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt
TourencharakterIm Sommer ist viel, sehr viel Betrieb auf den beiden großen Chiemsee-Inseln. Doch das verwundert nicht, gelten sie doch in der ganzen Welt als Top-Touristikziele.
Wer jedoch im späten Herbst oder im Winter über die Inseln wandert, begreift, warum vor gut 100 Jahren der See und vor allem seine Inseln ein Zentrum der Landschaftsmalerei wurde.
Hinweise
Gute Erreichbarkeit mit Bussen/Bahnen
KartentippKompass 1 - 50 000, Blatt 10 Chiemsee
Markierungen
VerkehrsanbindungAuto. Auf der Salzburger Autobahn A 8 bis Ausfahrt Bernau/ Prien, weiter bis Prien, dort an der Pfarrkirche rechts nach Stock (großer, gebührenpflichtiger Parkplatz). Bahn. Von München über Rosenheim nach Prien und weiter mit dem Nostalgiezug nach Stock (nur im Sommer); zu Fuß nach Stock ca. 20Min.
GastronomieFraueninsel - Mehrere Gaststätten, besonders empfehlenswert der »Inselwirt« mit Originalbildern aus der Chiemsee-Malerzeit. Herreninsel - Schlosshotel (durchaus erschwinglich) und Bistro am Schloss.
Tipps
Verleih
Informationen
Im Advent (üblicherweise an den beiden ersten Adventswochenenden, Infos unter www.tourismus. prien.de) findet auf der Fraueninsel von Freitag bis Sonntag ein sehr stimmungsvoller Christkindlmarkt statt. Wir empfehlen einen Besuch bereits am Freitag, denn samstags und sonntags ist der Andrang gewaltig. In Prien gibt es am Bahnhof Kombitickets für Bus und Schiff zur Fraueninsel zu erwerben. Die Karten für die verschiedenen Konzerte während des Markts sind sehr schnell ausverkauft, also rechtzeitig besorgen! Zwischen Mai und Oktober kann man mit dem Künstlerpaar Dagmara und Siegfried an einer musikalischen Märchenwanderung über die Herreninsel teilnehmen. Den Künstlern gelingt es, mit ihren Erzählungen über den See und natürlich auch über den Märchenkönig Ludwig sowohl Kinder als auch Erwachsene gleichermaßen in den Bann zu ziehen. Beginn jeweils 14 Uhr am Anlegersteg; Termine und Infos unter www.maerchenwanderung.de.
Höchster Punkt
Unterkunft
Tourismusbüro
Tourismusbüro Prien, Alte Rathausstr. 11, 83209 Prien am Chiemsee, Tel. 08051/69 05-0, www.prien.de