Von Konstanz nach Arbon

Technisch einfache und flache Etappe, ideal zum Einlaufen für die Berge. Für Kinder und Genießer: Schöne, aber sehr lange Etappe an den Ufern des »Schwäbischen Meeres«. Es besteht die Möglichkeit, ab Romanshorn ein Schiff oder die Bahn zu nehmen. (Autor: Robert Mayer)
29 km
30 m
7.00 h
Vom Stadtgarten, vorbei am Konzilgebäude, erreicht man auf dem Bodensee-Rundwanderweg, dem wir die nächsten drei Tage folgen werden, in wenigen Minuten Klein Venedig an der Schweizer Grenze. Links liegt das »Sea Life Aquarium«. Im Schweizer Stadtteil Kreuzlingen passiert man auf dem Seeweg den Park der schönen Seeburg. Das darin untergebrachte Seemuseum zeigt viele Exponate rund um den Bodensee (Fischereiutensilien, historische Schiffsmodelle, Malereien, Seenforschung; geöffnet Mi/Sa/So 14–17 Uhr).
Am Campingplatz und Schwimmbad vorbei verlässt man Kreuzlingen und betritt den Uferweg, der bis Romanshorn zwischen See und Bahnlinie verläuft. In Bottighofen passiert man den Bahnhof und gelangt nach Münsterlingen (1,25 Std., 5 km). Dort quert man den Park der Psychiatrischen Klinik und sieht draußen im See die ersten von mehreren Pfahlbauresten. In der Jungsteinzeit war der Wasserstand niedriger, und die damaligen Bewohner errichteten ihre Häuser auf Stelzen im Schilfgürtel.
Viele Apfel- und Birnenplantagen säumen das Ufer – »Mostindien« nennen die Schweizer die früher bäuerlich-arme Gegend deshalb, aber auch wegen ihrer geografischen Ähnlichkeit mit Indien. Malerische Uferauen mit sich sanft wiegendem Schilf wechseln mit kleinen Weilern wie Seedorf, Ruederbomm (2 Std., 8 km), Zollershus und Moosburg (3 Std., 12 km). Vor Uttwil (3.50 Std., 15,4 km) trifft man auf einen Baumlehrpfad und passiert auf diesem direkt am Ufer die schönsten Strandhäuschen am See. Nach dem Ersten Weltkrieg siedelte sich hier eine kleine Künstlerkolonie an, und Schriftsteller wie Paul Ilg oder der Dramatiker Carl Steinheim lebten in Uttwil.
Gleich am Eingang von Romanshorn (5 Std., 20 km) führt ein Steg hinüber zum »Inseli«, einem schattigen, romantischen Felsblock. Danach erreichen wir die ausgedehnten Hafenanlagen der Stadt, die größten am Bodensee. Wer die acht Kilometer nach Arbon gern auf See erleben will, geht hier an Bord eines Schiffes der Weißen Flotte. Der Rundwanderweg führt entlang der Gleise aus dem Ort hinaus; linker Hand liegen große Bahnanlagen. Achten Sie auf die Seeweg-Beschilderung. Ab dem Bahnhof Egnach (5.30 Std., 22 km) verläuft der Weg auf einem Fahrweg neben den Gleisen, vorbei an Getreidefeldern und Hochstammbäumen. Man passiert gemütliche Strandhäuser mit wehenden Schweizer Flaggen, ehe Arbon (7 Std., 28 km) erreicht wird.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour29 km
Höhenunterschied30 m
Dauer7.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktHafen in Konstanz (398 m)
EndpunktArbon (398 m)
TourencharakterAm Stadtgarten von Konstanz beginnt der E5, dort wurde er am 2. Juli 1972 offiziell als Fernwanderweg vom Bodensee zur Adria eröffnet. Daneben liegt das Wahrzeichen des Konstanzer Hafens, die neun Meter hohe, üppige Kurtisane Imperia. Sie trägt in der einen Hand den Papst, in der anderen den Kaiser. Beide sind, bis auf ihre Insignien der Macht, nackt – was für einigen Wirbel um den Bildhauer Peter Lenk sorgte. Das Kunstwerk bezieht sich auf das wichtigste Ereignis in der Geschichte von Konstanz, dem Konzil 1414–18, in dem man Martin V. zum Papst wählte und gleichzeitig den Reformator Jan Hus auf dem Scheiterhaufen verbrannte. Dieser hatte pikanterweise die Verschwendungs- und Vergnügungssucht der Kirche kritisiert. Dazu muss man wissen, dass an die 1000 Kurtisanen in der Stadt lebten, um den Herren von Kirche und Adel die Zeit zu versüßen.
Etwas weiter, in Münsterlingen, findet eine seltsame Prozession statt. Immer bei »Seegfrörne«, einer geschlossenen Eisdecke, wird eine Büste des heiligen Johannes feierlich nach Hagnau über den See getragen. Allerdings wartet die Büste seit 1963 vergeblich auf die nächste Gelegenheit dazu, und durch die Klimaerwärmung wird dies wohl auch noch einige Zeit dauern.
Eine beinahe perfekte Mixtur aus Natur, Kultur und Geschichte bietet der Bodensee-Rundwanderweg: Pfahlbauten aus der Jungsteinzeit, römische Siedlungen, alte Klöster, mittelalterliche Stadtzentren und moderne Architektur wie die Hundertwasser-Markthalle in Staad und das Kunsthaus in Bregenz. All dies vor einem grandiosen Alpenpanorama, das von der Zugspitze bis zur Bernina reicht. Der See, die Berge, das Licht inspirierten Maler wie Otto Dix und Schriftsteller wie Annette von Droste-Hülshoff oder Hermann Hesse. Sie verbrachten Teile ihres Lebens an den »grünen Zauberfluten«, erlebten das Grundgewall (Wasserströmungen), die Föhnstürme aus dem Süden, aber auch das ruhige Spiel von Wasser und Licht, sich täglich neu erfindend und doch ewig das alte bleibend.
Beste Jahreszeit
KartentippFreytag & Berndt 1:50000, Bodensee; Kompass 1:50000, Nr. 120, E5 Nord. Landesvermessungsamt Baden-Württemberg 1:50000, Freizeitkarte, Östlicher Bodensee
MarkierungenSehr gut markiert ist der Bodensee-Rundwanderweg mit offenem schwarzem Kreis mit blauer Füllung auf weißem Grund; keine roten E5-Markierungen auf Schweizer Boden. Da der Seeweg identisch mit dem E5 verläuft einfach diesem folgen.
VerkehrsanbindungFähre von Meersburg nach Konstanz. Am gesamten Bodensee entlang hervorragend mit der Bodensee- gürtelbahn. Schiff von Romanshorn nach Arbon (Info: Tel.+41/(0)7146/67888)
GastronomieZahlreiche Möglichkeiten in den Ortschaften
Tipps
Arbon. Arbon ist seit der frühen Steinzeit besiedelt. Im 4. Jh. wurde das Kastell Arbor Felix (»Glücklicher Baum«) durch die Römer erbaut. Die 3 km lange Uferpromenade ist auch heute noch mit Weiden und einer herrlichen Kastanienallee bewachsen. Das Arboner Schloss steht auf den alten Römischen Mauern und ist mit seinem historischen Museum, in dem Artefakte von der Jungsteinzeit bis in die Gegenwart ausgestellt sind, einen Besuch wert (Mai–Sept. täglich von 14–17 Uhr geöffnet, Eintritt 4 Euro). Das städtebauliche Juwel von Arbon aber sind die Fachwerkhäuser der mittelalterlichen Altstadt: liebevoll verspielte Details an Türen oder Fassaden, verwinkelte Gassen zwischen hohen Häuserzeilen – eine Stadt, so schön wie von Kinderhand gemalt. Hier könnte man mit Leichtigkeit die Zeit um einige Jahr- hunderte zurückdrehen. Arbon hat ein südliches Flair, ist voller Wärme und Gemütlichkeit. Ein lauer Abend an der Promenade, ein kleines Konzert unter den prächtigen Baumkronen und über allem die warme Sonne, die abends ihre goldenen Strahlen über den glitzernden See schickt – was will man mehr!
Unterkunft
In/bei Konstanz: JH Konstanz, Zur Allmannshöhe 16, 78464 Konstanz, Tel. +49/(0)7531/32260, Fax 31163, info@jugendherberge-konstanz.de (ab 24 Euro, plus JH-Mitgliedschaft für 27 Euro); Heuhotel Rütihof in Bottighofen (3,5 km von Konstanz), Tel. +41/(0)71/6887437 (Bett ca. 20 Euro). In Romanshorn: JH Romanshorn, Gottfried-Keller-Str. 6, Tel. +41/(0)71/4631717 (Bett 20 Euro). In Arbon: Stroh- hotel Frasnacht, Kratzern 39, CH-9320 Frasnacht-Arbon (beim Bahnübergang kurz vor dem Strandbad Arbon 100 m rechts hoch), Tel. +41/(0)71/4464772, paul- staeheli@bluewin.ch (17 Euro im Stroh-, 19 Euro im Matratzenlager, Frühstücksbüffet); Bed&Breakfast Meili, Höhenstr. 41, Tel. +41/(0)71/ 4400929 od. +41/787787875, Fax 4400930, smeilies@bluewin.ch (ab 40 Euro p.P.); Pension Garni Sonnenhof, Tel. +41/(0)71/4461510 (Ü/F 30 Euro). Campingplätze in Egnach und Arbon
Tourismusbüro
Tourist-Info Konstanz, Bahnhofplatz 13, Tel. +49/(0)7531/13 30 30, Fax 13 30 60, info@ti.konstanz.de, www.konstanz.de/tourismus. Verkehrsverein Arbon, Schmiedgasse 6, CH-9320 Arbon, Tel. +41/(0)71/440 13 80, Fax 440 13 81 (Unterkunftsverzeichnis unter www.infocenter-arbon.ch, infoarbon@bluewin.ch)

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