Von Königstein zum Pfaffenstein

Abwechslungsreiche Rundwanderung mit viel Schatten; im unteren Bereich bequeme Waldwege, am Pfaffenstein steiler Abstieg durchs »Nadelöhr«; Treppen aus Holz und Stein (Autor: Tassilo Wengel)
Zur Diebshöhle am Quirl.
Wir starten in Königstein an der Postmeilensäule in der Bielatalstraße und folgen den Hinweistafeln Richtung Diebshöhle/Pfaffenstein (Markierung roter Punkt) zunächst auf einer Teerstraße. Wo sie nach links schwenkt, gehen wir geradeaus weiter und kommen auf der Kirchleitenstraße in den Wald. Nun wandern wir auf dem Dreirutenweg, steigen aufwärts und halten uns an der nächsten Gabelung nach etwa 30 Minuten Wanderzeit rechts. Nach einer Viertelstunde mäßigem Aufstieg stehen wir am tief ausgewaschenen Diebskeller, der größten Schichthöhle im Elbsandsteingebirge. Die Felsen ringsum erinnern mit ihren zahlreichen großen und kleinen Löchern an Schweizer Käse. Auf schmalem, aber bequemem Waldweg setzen wir die Wanderung fort. Rechter Hand können wir durch die Bäume die Festung Königstein schimmern sehen. Durch Wald geht es am Hang entlang. Zerklüftete Sandsteinfelsen begleiten uns und gelegentlich klopft ein Buntspecht an die Baumstämme. Beim Abzweig zum Quirl bietet sich ein Abstecher zu einem kurzen Rundweg zu einem der letzten Salzleckentröge an. In ihnen wur- den früher dem Wild aus Lehm und Salz geknetete Brote als Lockmittel angeboten, um es im Revier zu halten.
Auf den Pfaffenstein.
Weiter geht es Richtung Pfaffenstein (Markierung roter Punkt), wobei wir den breiten Waldweg verlassen und abwärts wandernd auf den breiten Kirchleitenweg stoßen. Vor uns liegt der Pfaffenstein, von Wiesen und Wald um- geben. Über den Oberen Kohlweg erreichen wir den Wegweiser »Pfaffenstein 1/4 Std.«. Nun geht es wieder aufwärts. Ein breiter, mit Steinen befestigter Weg windet sich auf den Gipfel des Pfaffensteins hinauf, den wir nach knapp zwei Stunden Wanderzeit erreichen.
Neben einem Blick vom Aussichtsturm bieten sich hier mehrere Abstecher auf vie- len Seitenwegen (Hinweisschilder) an, die zu verschiedenen Höhlen und Aussichtspunkten sowie zur Barbarine führen. Die 43 Meter hohe Barbarine, die berühmte Felsnadel an der Südspitze des Pfaffensteins, gilt als Wahrzeichen der Sächsischen Schweiz und war lange Zeit ein beliebter Kletterfelsen. Durch Erosion stark in Mitleidenschaft gezogen und durch Blitzschlag mehrfach beschädigt, besteht seit 1976 aus Sicherheitsgründen Kletterverbot an der Barbarine.
Abwärts durch das »Nadelöhr«.
Wir verlassen den Pfaffenstein durch das »Nadelöhr« (Markierung grüner Punkt), eine imposante Klamm zwischen gewaltigen Felswänden. Vorher genießen wir noch die Aussicht nach Pfaffendorf unter uns und links zum Lilienstein. Der Abstieg ist sehr steil und führt über Hunderte von Stufen aus Stein und Holz in 20 Minuten zu einem überdachten Sitzplatz. In Pfaffendorf angekommen, ge- hen wir auf der Asphaltstraße durch den Ort, bis nach rechts der Weg nach Königstein abzweigt (Wegweiser, Markierung grüner Punkt). Allmählich abwärts gehend kommen wir wieder zum Ausgangspunkt an der Postmeilensäule zurück.

GEHZEITEN.
Königstein – Pfaffenstein 13/4 Std. – Königstein 11/4 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour8 km
Höhenunterschied315 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktKönigstein, Postmeilensäule
EndpunktKönigstein, Postmeilensäule
TourencharakterDer Pfaffenstein (427 m) ist nicht nur seit Mitte des 19. Jahrhunderts ein beliebtes Ausflugsgebiet, sondern mit 32 Klettergipfeln und 400 Aufstiegsmöglichkeiten auch ein bedeutendes Kletterrevier. Mehrere Wege führen auf sein Plateau, wo sich eine Gaststätte sowie seit 1904 ein steinerner Aussichtsturm befinden. Von hier bieten sich Abstecher zu interessanten Verwitterungsformen an, die Namen wie Hafersäcke, Dom, Pfaffenmütze oder Schildkröte tragen, aber auch zu Höhlen und Aussichtspunkten.
Hinweise
KÖNIGSTEIN UND SEINE GESCHICHTE. Vor oder nach unserer Wanderung bietet sich ein Spaziergang durch die verwinkelten Gassen von Königstein an, das sich vom Elbufer in das Mündungstal der Biela hinein zieht. Einst böhmisches Lehen, trägt der Ort heute noch den doppelschwänzigen böhmischen Löwen im Stadtwappen. Hier in des »Königs Stein« wurde 1241 die Grenzurkunde zwischen der Mark Meißen und Böhmen unterzeichnet. Als Stadt wird Königstein erstmals 1379 in einer Urkunde genannt. Im Mittelalter war das wirtschaftliche Leben vor allem durch Handwerker wie Schuster, Schneider, Bäcker und Gerber geprägt. Auch Steinbrecher und Flößer gab es viele. Um 1540 entstand eine der ersten Eisengießereien Sachsens, die auch Ofenplatten herstellte. Ein Beispiel dafür ist an der Außenwand des Rathauses zu sehen. Vom 16. bis zum 19. Jahrhundert kam die Weberei als wichtiger Wirtschaftszweig hinzu, bis die erstarkende englische Textilindustrie das Aus brachte. Von großer Bedeutung war auch das Brauereigewerbe. Selbst die Kurfürsten fanden Geschmack an dem Gerstensaft aus Königstein und ließen im 18. Jahrhundert jede Woche ein Schiff mit Bier nach Dresden kommen. Heute lebt Königstein vor allem vom Fremdenverkehr, denn neben der Stadt selbst zieht vor allem die gleichnamige Festung jedes Jahr Tausende von Besuchern an. Sehenswert in Königstein ist u.a. die Stadtkirche St. Marien. Sie wurde 1720–1724 unter der Leitung von George Bähr errichtet und nach einem Brand 1810–1823 im klassizistischen Stil umgebaut. Davon zeugt der große Kanzelaltar mit seiner Säulenarchitektur. Auch die kunstvolle Postmeilensäule, die Hussitenüberfälle, Feuerbrunst und den Dreißigjährigen Krieg überstanden hat, lohnt einen Blick. Vergleicht man die auf der Säule angegebenen Wegzeiten mit heutigen Angaben, gibt es selten eine Übereinstimmung. Das liegt daran, dass früher die Straßen durch die Täler führten, heute auch über die Berge.
KartentippTopografische Karte 1 - 25000 mit Wanderwegen des Landesvermessungsamtes Sachsen, Blatt 44
VerkehrsanbindungMit dem Auto auf der A4 oder A13 bis zur Anschlussstelle Dresden Altstadt und durch Dresden Richtung Pirna oder bis Autobahndreieck Dresden-West, auf der A17 bis Anschlussstelle Pirna und auf der B172 über Pirna bis Königstein. Mit der S-Bahn oder dem Schiff bis Königstein; per Bus von Bad Schandau
GastronomieKönigstein - Bauernstuben im Schwenke- hof, Bielatalstr. 58, Tel. 035021/60077. Pfaffenstein: Gasthaus & Pension Zum Pfaffenstein, Pfaffensteinweg 1, Tel. 035021/ 67951. Auf dem Pfaffenstein: Gasthaus zum Pfaffenstein, Tel. 035021/67951
Tipps
SPUREN AUS DER BRONZEZEIT. Der Pfaffenstein ist der einzige Tafelberg in der Sächsischen Schweiz, der bereits in der Bronzezeit vor etwa 3000 Jahren be- siedelt war. Den Zugang sicherte damals ein vier Meter hoher Erdwall am West- fuß, der heute noch 1,50 Meter hoch ist. Auf dem Plateau fand man Scherben, Spinnwirtel und Bronzearmbänder, die im Landesmuseum für Vorgeschichte in Dresden ausgestellt sind. Mahlsteine aus dieser Zeit lassen auf Getreideanbau schließen, der durch den angewehten Lössboden ermöglicht wurde. Trinkwasser bezogen die damaligen Bewohner aus einer Quelle, der »Nixensee« ist noch als Wasserreservoir erhalten.
Informationen
EINKEHR-TIPPS. Auf einer Hochebene am Fuß des gleichnamigen Berges lädt das Gasthaus Zum Pfaffenstein mit Sonnenterrasse zum Verweilen ein. Das Haus bietet Übernachtung in gemütlichen, modern eingerichteten Zimmern und eine typisch sächsische Küche. Neben der evangelischen Kirche in Königstein gelegen, knüpft das historische »Schräger’s Gasthaus« an die Tradition der sächsischen Küche an. Gutbürgerliche Gerichte und regionale Spezialitäten stehen auf der Speisekarte. Eine kleine Terrasse an einer idyllischen Altstadtgasse sorgt für Gemütlichkeit zwischen den Häusern.
Unterkunft
Königstein - Hotel Lindenhof, Gohrischer Str. 2, Tel. 035021/68243, www.lindenhof-koenigstein.de; Schräger’s Gasthaus, Kirchgasse 1, Tel. 035021/68352, www.schraegers-gasthaus.de
Tourismusbüro
Haus des Gastes, Schreiberberg 2, 01824 Königstein, Tel. 035021/68261, touristinfo@koenigstein-sachsen.de, www.koenigstein-sachsen.de

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