Von Kloster Reutberg zu zwei Seen

Moorbad mit Klosterblick.
Reizvolle Wanderung auf schönen Waldwegen und an den Ufern zweier Moorseen. Zwischen Pelletsmühl und Hackensee ist gute Orientierung gefragt. (Autor: Wolfgang Taschner, Michael Reimer)
16 km
30 m
3.00 h
Zu Besuch im Kloster Reutberg.
Das Kloster Reutberg liegt, umgeben von sanften Wiesen, auf einer kleinen Anhöhe. Vom Feinsten ist das süffige Klosterbier, das an heißen Tagen auf der aussichtsreichen Terrasse am besten schmeckt. Die mittlerweile 311-jährige Brautradition soll auch in Zukunft nicht gebrochen werden, nachdem der edle Gerstensaft heute ebenso gut ankommt wie seinerzeit bei den Mönchen und sogar Nonnen. Als im Jahr 1901 der vorläufige Beschluss der Franziskanerinnen, den Braubetrieb aufzugeben, publik gemacht wurde, war das Entsetzen beim Volk so groß, dass sogar mit dem Abbrennen des Klosters gedroht wurde. Erst auf ein Bittgesuch des damaligen Pfarrers wurde dieser Beschluss zurückgenommen, und es kehrte wieder Ruhe und Frieden ein.
Das Kloster selbst ist der Öffentlichkeit heute zwar nicht zugänglich, doch einen Blick in die 1733 errichtete barocke Klosterkirche zu werfen, lohnt sich allemal. Viel Raum nimmt die Vorhalle mit dem darüber liegenden Nonnenchor ein. In der kleinen Loretokapelle ist über dem Triumphbogen ein Fresko mit der Loretolegende zu bewundern. Die Muttergottes von Loreto ist von zwei Engeln umgeben.
Am westlichen Kirchseeufer.
Parkplätze finden sich unterhalb des Klosters zur Genüge, sodass wir auf die Parkgebühren von 2,50 Euro pro Fahrzeug am Kirchsee getrost verzichten können. Etwa 200 Meter nördlich zweigt links die Fahrstraße zum Kirchsee ab, den wir nach gut 1 Kilometer erreichen. Ein Kiosk hält bei Schönwetter Imbiss und Getränke bereit; dahinter führen Kieswege an das Seeufer mit Liegewiesen und Badesteg. Hier machen es sich oft Hunderte von Sonnen- und Badegäste bequem. Für Kinder ist das extrem flache Seeufer geradezu ideal.
Wer den Rummel scheut, findet weiter westlich schönere Badenischen. Der Uferweg – nun für Pkw gesperrt – führt angenehm schattig durch Wald immer tiefer in das Naturschutzgebiet Elbach-Kirchseemoor hinein. Am gegenüberliegenden Ufer, das nicht betreten werden darf, sehen wir im Hintergrund die Klosterkirche und weiter rechts die aufstrebenden Tölzer und Lenggrieser Berge. Vom westlichen Seeende überblicken wir den dunklen See mit der angrenzenden Filzlandschaft, die Überbleibsel der Gletscher von der letzten Eiszeit vor 20 000 Jahren. Das Moor wächst durch absterbendes Pflanzengut um immerhin 1 Millimeter pro Jahr; auch die Wasserqualität ist durch den Bachzu- und -ablauf von bester Qualität. Vögel, Fische und auch Schlangen finden hier den idealen Lebensraum. In dieser Seeidylle schwimmen einzelne Genießer bis an den Schilfrand und Seerosengürtel am Südende heran.
Vom Kirchsee zum Hackensee.
Nach diesem Abstecher machen wir kehrt und biegen auf Höhe des hölzernen Kassenhäuschens nach links in einen Waldweg (Wegweiser Dietramszell), der uns in einer kleinen Schleife am äußeren Rand des Kirchbachmoors auf die Fahrstraße führt. Dort halten wir uns wenige Meter in nördliche Richtung und nehmen an einem Weiher den steilen Zufahrtsweg zum Kögelsberg. Dieses schön gelegene Gehöft, das frischen Honig verkauft, durchwandern wir in einer S-Kurve und gelangen über ein offenes Feld und durch Wald zum Kirchseebach zurück. Auf Höhe des Gehöftes Pelletsmühl, an dessen Westfront ein Wasserrad vom Wasser des Kirchseebachs angetrieben wird, stoßen wir auf eine Fahrstraße; hier geht es ein Stück weit links bergan.
Achtung: Kurz nach Erreichen der Waldzone zweigt nach rechts ein kleiner Pfad ab, der von der Straße im Dickicht der Baumäste kaum auszumachen ist. Ein gelbes, an einem Baum befestigtes Tollwutwarnschild leistet hier wichtige Orientierungshilfe. Der anfangs schmale Pfad wird in der Folge breiter und stößt auf eine T-Kreuzung, an der wir uns links halten. Wir erreichen einen kleinen Weiher und ein Sumpfgebiet. Ein Schild warnt: »Betreten auf eigene Gefahr«. Tatsächlich ist der Durchschlupf durch den Schilfgürtel bei feuchten Bedingungen ein ziemlich glitschiges Unterfangen.
An einer weiteren T-Kreuzung halten wir uns wiederum links und stoßen ganz unvermittelt auf den in einer tiefen Waldsenke versteckt gelegenen Hackensee, der – wenn auch kaum ersichtlich – vom Wasser des Kirchseebachs gespeist wird. In grauer Vorzeit floss das Wasser der so genannten Ur-Isar gar über das Kirchseetal und den Hackensee hinaus zum Teufelsgraben und durch das Mangfalltal in die Isar.
Ein Rundweg führt um den See herum, ein Bad ist am besten vom Badesteg aus zu nehmen. Wenn sich hier dunkle Wolken zusammenbrauen, wirkt der See weit unheimlicher als sein großer Bruder, der Kirchsee. Zudem soll nicht unerwähnt bleiben, dass sich in diesem Feuchtbiotop manchmal Schwärme von lästigen Stechmücken tummeln. Zum Ausgleich bietet er vor allem unter der Woche eine wohltuende Ruhe und – ganz nebenbei – perfekte Fotomotive für jeden Hobbyfotografen, der gerne Natur pur aufnimm.
Nach der Seeumrundung gelangen wir auf demselben Weg wieder zum Ausgangsort Kloster Reutberg zurück.

Dauer: 3:30 Std.
Kloster Reutberg – Westende Kirchsee 40 Min., Kögelsberg 40 Min., Pelletsmühl 20 Min., Hackensee 20 Min., Reutberg 1:30 Std. ;
Motto: Wandern am Wasser
Sommerwanderungen

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour16 km
Höhenunterschied30 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktKloster Reutberg
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterEin Bad in einem Moorsee ist nicht jedermanns Sache, sieht man doch ob des dunklen Wassers kaum bis zum Grund. Doch wer im Angesicht des Klosters Reutberg Schlingpflanzen an seinem Körper spürt, nimmt den kleinen Nervenkitzel eher in Kauf. Noch unheimlicher wirkt der tief in einem Waldbecken gelegene Hackensee, den wir im Tal des Kirchseebachs erreichen.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass-Wanderkarte Nr. 180: Starnberger-/Ammersee, 1:50 000
MarkierungenNur vereinzelt; Strecke zwischen Pelletsmühl und Hackensee gar nicht markiert
VerkehrsanbindungA 8 Salzburg, Ausfahrt Holzkirchen, weiter auf der B 13 nach Sachsenkamm, dort Abzweig nach Reutberg (1 km). Mit dem MVV nach Holzkirchen (S 2), am Bahnhof Anschluss mit dem RVO-Bus nach Reutberg.
GastronomieKlosterbräustüberl Reutberg, Am Reutberg 2, Sachsenkam, Tel.: 08021/86 86, täglich geöffnet. Zur Wahl stehen außerdem die Klosterstube und der Biergarten.
Tipps
Brauchtum im Tölzer Land. Alljährlich am 6. November findet in Bad Tölz die Leonardifahrt statt, die wohl schönste und größte ganz Bayerns. Die Zugfolge der prächtigen Pferdegespanne wird mittels Los entschieden. Pünktlich mit dem ersten Glockenschlag um 9 Uhr setzen sich die aufwändig geschmückten Tafel- und Truhenwagen in Bewegung und nehmen Kurs auf die Leonhardikapelle am Tölzer Kalvarienberg. Weiter erwähnenswert sind die Leonardifahrten in Benediktbeuern im November und in Dietramszell im Juli, der Georgiritt in Ascholding am Ostermontag sowie die Fronleichnamsprozession in Lenggries.

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