Von Jenesien nach Oberradein

Lange, aber meist gemütliche Wanderung auf gut markierten Wegen, nur die Bletterbachschlucht ist steil und anstrengend. Trinkwasser in Deutschnofen, Maria Weißenstein und in der Bletterbachschlucht Kinder und Genießer: Lange Etappe mit viel Wald. Erst die Bletterbachschlucht mit ihren Steilwänden und Saurierspuren (Infotafeln) ist richtig interessant. Frühzeitiges Etappen-Ende in Deutschnofen oder Maria Weißenstein möglich (Autor: Robert Mayer)
37 km
1010 m
8.00 h
Von Jenesien mit dem Bus oder der Seilbahn hinunter nach Bozen (259 m). Wer will, fährt mit dem Stadtbus zum Hauptbahnhof und weiter zur Kohlernseilbahn. Zu Fuß geht man vom Hauptbahnhof auf der Garibaldistraße westlich zur Lorettobrücke. Kurz davor zweigt ein Weg links ab und führt entlang dem Ufer der Eisack nach Osten. Kurz nachdem die Kohlernseilbahn (20 Min., 1,5 km) auf der anderen Seite auftaucht, führt eine Brücke zu ihr hinüber.
Variante Bozen-Sightseeing.
Ausdauernde gehen die 3,5 Kilometer von der Talstation der Jenesien-Seilbahn durch Bozen zu Fuß. Von der Talstation über die Straße zur Talfer und an dieser entlang bis zur kleinen St.-Anton-Brücke, die überquert wird. Nach der Brücke scharf rechts auf die Bozner Wassermauerpromenade wechseln. Dieser folgt man am Schloss Maretsch vorbei bis zur Talferbrücke und biegt dort links in die Museumsstraße ein. (Wer Lust hat, mit wenigen Schritten in die Vergangenheit zu reisen, und kein Frühaufsteher ist, der kann hier dem »Ötzi«, dem Urahn der Südtiroler, im Archäologiemuseum – siehe Etappe 14 – ab 10 Uhr einen Besuch abstatten.) Jetzt kreuzt man den berühmten Obstmarkt, läuft weiter in die Laubengasse und biegt dort scharf rechts zum Merkantilmuseum und auf den gemütlichen Waltherplatz ab – hier schmeckt der Capucchino mit zartem Milchschaum einfach am besten. Weiter durch die Bahnhofallee kommt man in wenigen Minuten zum Hauptbahnhof (ca. 1 Std., 3 km). Weiter siehe oben.
Die Auffahrt mit der Kohlernseilbahn kostet nur 3 Euro, und das nicht etwa deshalb, weil sie schon 1908 erbaut wurde. In Kohlern kann man auch auf den neben der Bergstation stehenden Holzturm klettern und von dort oben die Aussicht genießen. Wir folgen den deutlichen E5-Markierungen an der Straße bis zu einer Rechtskurve und biegen dort links auf den Weg Nr. 4 ein. Nach 50 Metern steht am Rand ein Wegeschild »Wolftal, E5, Totes Moos«.
Wir streifen das verschlafene Herrenkohlern, passieren die Wolftalalm (Einkehr) und gelangen durch dichten Wald zu einer Kreuzung mit Bildstock am Toten Moos (1472 m; knapp 2 Std.). Hier zweigt Weg Nr. 1 und der E5 links nach Deutschnofen ab. Nach dem Wald gelangt man zum Steinerhof, bevor der E5 links auf einen Waldpfad führt. Kurz vor dem Wölflhof (1290 m; 2.45 Std., 9,1 km) trifft man wieder auf die Teerstraße, bevor links ein Kiesweg den Berg steil emporführt. Auf einer schönen Wiese mitten auf der Hochfläche des Reggelbergs hat man einen wunderbaren Blick auf den Schlern. Dann geht es links in den Wald hinein, einen Hügel hoch und endlich hinab nach Deutschnofen (1357 m; 3.30 Std., 10,3 km). Unten beim Dorfbrunnen an der Hauptstraße links an der Kirche vorbeigehen.
Fast 1 Kilometer bleiben wir auf der Straße, bis bei einer E5-Markierung rechts ein schmaler Weg zum letzten Bauernhof von Deutschnofen führt. Ein wunderschöner alter, gepflasterter Pfad, von schattenspendenden Kirschbäumen und verwitterten Zäunen gesäumt, führt steil hinab und über die Straße. Diese überqueren; dann passiert man bald den oberhalb liegenden Gasthof Daum. Ein letzter Einödhof steht am Wegesrand, bevor man auf dem Weg Nr. 2 wieder den Wald mit dem Kreuzweg nach Maria Weißenstein betritt. Bei den letzten Stationen wird es immer steiler, und insgeheim hofft man, es mögen heute etwas weniger Kreuzwegstationen sein. Ungnädigerweise sind es aber 14, bis endlich die große Kirche, das Kloster und der Gasthof des berühmten Wallfahrtsorts Maria Weißenstein erreicht sind (1520 m; 5 Std., 16 km). 40000 Pilger empfingen hier Papst Johannes Paul am 17.7.1988. In der Kirche zeugen unzählige Votivtafeln von tiefstem Leid und von der Gnade der Heilung an diesem spirituellen Ort, der seit 1553 besteht. Kaum ein Besucher kann sich seiner Mystik entziehen.
Vor der Kirche läuft der E5 weiterführend links steil den Berg hinauf, bis er auf eine Kiesstraße trifft. Dort links in Richtung Auerleger Alm. Auf der ebenen Straße kommt man sehr schnell vorwärts. Nachdem im Kösertal von links eine Straße einmündet, sind es noch 200 Meter bis zu einer Bank und einem Wasserreservoir (1686 m; 5.30 Std.). Achtung, hier zweigt der E5 links ab!
Variante Taubenleck.
Wenige Meter weiter auf der Forststraße führt links der Weg Nr. 3 bis fast zur Lahner Alm (1583 m) und dann weiter auf ausgezeichnetem Weg in einigen Kehren zum »Geologischen Weg Bletterbach« ins Taubenleck (1426 m; 6.15 Std., 20,5 km). Jetzt können Geologiebegeisterte durch die Schlucht zum Wasserfall im Butterloch (1580 m; 6.45 Std., 22 km) wandern. Achtung, im oberen Abschnitt sind steile Leitern zu überwinden!
Kurz nach dem Abzweig rechts kommt man zu einer Wiese mit Viehtränke. Der E5 und der Weg Nr. 4 führen gemeinsam rechts in Richtung Radein und Butterloch weiter. Wieder im Wald erreicht man einen imposanten Aussichtspunkt hoch über der Bletterbachschlucht. Ein steiler Pfad führt zum Wasserfall im Butterloch (1580 m; 6.30 Std., 20,1 km) hinunter. Nach dem Wasserfall hat man rechter Hand von einer Steinterrasse den wohl schönsten Blick in den Canyon mit seinen hoch aufragenden, roten Porphyrwänden. Das alles soll dieser träge Fluss, der manchmal ganz ver-sickert, ausgegraben haben?
Variante Schluchterkundung.
Zur weiteren Erkundung führt ein kleiner Steig mit Leitern hinunter in den Mittelteil der Schlucht zum Taubenleck. Aufwärts führt nach 1 Kilometer im Bachbett der Weg plötzlich um eine Kehre, und vor uns ragt der strahlende Dolomitgipfel des Weißhorns aus dem riesigen Schlund, dem Gorz, heraus. Achtung: Bei Gewitter die Schlucht nicht betreten!Der E5 führt nach Überqueren des Bachs ein paar hundert Meter am Gegenhang hinauf und dann, mit teils sehr schöner Aussicht, in knapp 1 Stunde nach Oberradein (8 Std., 22,9 km). Wer keine Unterkunft reserviert hat, sollte den E5 verlassen und den Schildern folgen, die zur Kirche nach Oberradein führen, und gleich oben beim Gasthof Adler mit der (eventuell schwierigen) Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit beginnen. Oberradein liegt mit seinen verstreuten Berghöfen sehr idyllisch auf einem ausgedehnten Bergrücken mit toller Fernsicht. Neben der Kirche beherbergt ein moderner Bau das Geoparc Museum.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour37 km
Höhenunterschied1010 m
Dauer8.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktJenesien (1087 m)
EndpunktOberradein (1556 m)
TourencharakterEin morgendlicher Spaziergang an der Talfer entlang und dann der Schwenk mitten durch die Altstadt – einen Besuch ist Bozen allemal wert. Schon im Außenbereich der Stadt trifft man auf Burgen und Klöster inmitten ausgedehnter Rebanlagen. Bozen scheint geradezu umzingelt von rankenden Weinreben und ihrem verlockenden Saft. Noch im Mittelalter hatten die Bozner mit dem Fieber zu kämpfen, weil sich an Passer und Eisack große Sumpfgebiete ausdehnten. Die sind nun schon lange trockengelegt, bebaut und bepflanzt, und das kleine Bozen stieg auf zur Wirtschaftsmetropole des Landes. Wie eine Faust rafft die Stadt alle wichtigen Lebenslinien Südtirols zusammen: Flüsse, Täler, Autobahn – es geht kein Weg an Bozen vorbei.
Das absolute Highlight der heutigen Etappe wartet aber noch auf uns: der Canyon der Bletterbachschlucht, die imposanteste Schlucht der Alpen. Bis zu 400 Meter tief hat sich der kleine Bach in die Gesteinsschichten eingegraben und dabei die lange Geschichte der Erde vor uns aufgeblättert wie ein Buch. Vielleicht kann nicht jeder wie ein Geologe darin lesen, aber der Anblick ist äußerst spektakulär.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass 1:50000, Nr. 121, E5 Süd. Tabacco 1:25000, Bl. 049, Südtiroler Weinstraße (empfehlenswert)
MarkierungenMeist ausreichend markiert mit roten Punkten und E5-Zeichen, aber kurz vor der Bletterbachschlucht den Abzweig links von der Straße weg nicht verpassen!
VerkehrsanbindungSeilbahn Jenesien–Bozen (Tel. +39/0471/978436; Mitte Juni bis Mitte Sept. ab 10–12.30 Uhr/14.30–19 Uhr alle halbe Std.; Bus von der Talstation mehrmals täglich zum Hbf.). Seilbahn Bozen–Kohlern (täglich 7, 7.25, 8 Uhr alle halbe Std. bis 19.30 Uhr, Sonn- und Feiertage erst ab 8 Uhr, Mittagspause 12–13 Uhr). Bhf. Bozen (Tel. 892021, Auskunft täglich 7–21 Uhr, www.trenitalia.it). Fahrplanauskunft SAD, Bozen, Tel. 840000471, www.sii.bz.it, webmaster@sii.bz.it, von Mo–Sa 7.30–20 Uhr
GastronomieGhf. Kohlern; Wölflhof; in Deutschnofen und Maria Weißenstein; Einkaufen in Deutschnofen
Unterkunft
Ghf. Kohlern, Tel. +39/0471/329978, www.kohlern.com (super Panorama; DZ ab 50 Euro mit Frühstücksbuffet, HP 65 Euro; eine der besten Küchen Südtirols). Ghf. Klaus, Kohlern 15, Tel. +39/0471/329999 (DZ Ü/F ab 24 Euro). Pension Faller, Daumstr. 4, Deutschnofen, Tel. +39/0471/616501, Fax 616211 (DZ Ü/F 25 Euro). Hotel Maria Weißenstein, Tel. +39/0471/615124, info@pmw.it (DZ Ü/F ab 33 Euro). In Oberradein: Ghs. Nigglhof, Oberradein 3, Tel. +39/0471/887165; Thomaserhof, Oberradein 6/1, Tel. +39/0471/887242, Fax 887127, thomaserhof@dnet.it (DZ Ü/F 23 Euro); Ghf. Roter Adler, Oberradein 41, Tel. +39/0471/887227 (DZ Ü/F 25 Euro); Ghf. Rose, Oberradein 56, Tel. +39/0471/887202; Zirmerhof***, Oberradein 59, Tel. +39/0471/887215, Fax 887225, info@zirmerhof.com, www.zirmerhof.com (DZ Ü/F 70 Euro); Wastlhof, Oberradein 62, Tel.+39/0471/887168 (mit E5-Tourenbuch; DZ Ü/F 25 Euro). Biwakplatz kurz vor Oberradein bei einer Quelle im Wald
Tourismusbüro
Tourismusverein Aldein-Radein, Dorf 34, I-39040 Aldein, Tel. +39/0471/88 68 00, Fax 88 66 66, info@aldein-radein.it

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