Von Ilsenburg auf den Brocken

Bequeme Wald- und Panoramawanderung. (Autor: Chris Bergmann)
19 km
600 m
6.00 h
Am Ausgangspunkt, dem Parkplatz beim Nationalparkhaus Altenau-Torfhaus, fällt der Blick hinauf zum Ziel: Rechts der von Türmen überhöhten Brockenkuppe rundet sich der Königsberg, in den Königsbergwäldern sind die Hirschhörnerklippen erkennbar, an denen vorbei Goethe 1777 mit dem Förster von Torfhaus wanderte; Goethes exakte Aufstiegsroute ist nicht bekannt. Vom Großparkplatz folgen wir der B 4 kurz Richtung Braunlage, bis das Schild »Goetheweg« und die Markierungen »roter Punkt« und »blaues Dreieck« links abzweigen. Anfangs folgt der Goetheweg in Fichtenwald dem Abbegraben, einem mit Schleusen versehenen Moorentwässerungs- und Wassersammelgraben, der 1827 als Energielieferant für die Mühlen des Oberharzer Bergbaus angelegt wurde. Bald zeigt sich links des Wegs das Große Torfmoor = Radaubornmoor, ein Hochmoor mit einer Torfmächtigkeit von über fünf Metern; bei klarer Sicht ist im Hintergrund der Brocken zu sehen. Die im Oberharz ab 1536 angelegten Wassersammelgräben haben viel zur Entwässerung und Verwaldung der Moore beigetragen, auch das Wasser im Abbegraben hat eine moordunkle Farbe. Obwohl der Abbegraben als Entwässerungsgraben nachhaltig den Wasserhaushalt der Moore stört (auch dem Magdbettmoor südlich des Goethewegs entzieht er Wasser), steht er wie alle historischen Oberharzer Wasserleitsysteme unter Kulturschutz.
Schon bald vereinigt sich der bequem zu begehende Goetheweg mit dem Kaiserweg, und in gemeinsamer Routenführung leiten die beiden Wanderwege kurz rechts, wo sie sich am Rand des weitflächig verwaldeten Brockenfelds wieder trennen: Während der Kaiserweg geradeaus über die aus dem Brockenfeld herausfließende Abbe führt, leitet der Goetheweg links in Sichtweite der Luisenklippe hinauf zum Quitschenberg. Dort erläutert ein Infostand die Ursachen des Fichtensterbens. Der Name Quitschen = Ebereschen verweist auf das natürliche Waldkleid des Bergs, auf dem heute nur noch Fichtengerippe zu sehen sind: Der enorme Holzbedarf des Oberharzer Bergbaus führte zur weitflächigen Abholzung der natürlichen Wälder. Aufgeforstet wurde mit raschwüchsigen, anspruchslosen Fichten, und diese sind in den letzten Jahren Opfer des Borkenkäfers (Buchdrucker) geworden. Auf die durch das Fichtensterben entstandenen Freiflächen rücken Ebereschen nach, und es steht zu erwarten, dass die hier naturgegeben wachsenden Laubbäume den Quitschenberg zurückerobern. Südlich des Quitschenberg zeigen sich zwischen den Bäumen Reste des Brockenfelds, eines Hochmoors, aus dem der Abbegraben überwiegend sein Wasser bezieht; das Wort Bruch = Moor war vermutlich namensgebend für den Brocken.
Nach Verlassen der Quitschenberg-Fichtengerippe taucht der Goetheweg wieder in den Wald ein und führt zum aussichtsreichen Eckersprung-Sattel im Quellgebiet der Ecker an der Wasserscheide zwischen Weser und Elbe. Hier ist ein großer Teil der weiteren Aufstiegsroute in Sicht, viele Brockenwanderer legen eine Pause ein, Tische und Bänke laden zur Rast, es gibt ein WC. Zwar ist der obere Bereich des schon im Quellbereich recht tief eingeschnittenen Tals der Ecker gut zu überblicken, die Quelle der Ecker jedoch sucht man vergeblich: Der Bereich des Tals am Eckersprung-Sattel liegt trocken. Durch das Eckertal verlief während des Kalten Kriegs der Eiserne Vorhang, heute befinden sich hier die Grenzen der Bundesländer Niedersachsen und Sachsen-Anhalt sowie der Nationalparks Harz und Hochharz. Wenige Minuten nach Verlassen des Eckersprung-Sattels mündet der Goetheweg auf den »Kolonnenweg«, der DDR-seitig der innerdeutschen Demarkationslinie vorgelagert war: Auf dieser mit Wabenbeton ausgelegten, schneisenartig in die Wälder gehauenen Route patrouillierten früher die Grenztruppen des Warschauer Pakts. Für Wanderstiefel ist der Kolonnenweg wenig angenehm, deshalb haben sich rechts und links breite Trampelpfade gebildet.
Schon bald stößt der Goetheweg auf die Trasse der bis zu zwölfmal täglich auf den Brocken dampfenden Brockenbahn. Während der ursprüngliche Goetheweg geradeaus und durch den Sattel zwischen Hirschhörnern und Königsberggipfel führte, folgt unser Wanderweg unter dem Namen »Neuer Goetheweg« dem Gleiskörper der Brockenbahn aufwärts, wobei nasses Gelände mit Bohlen ausgelegt ist. Eine Aussichtsplattform bietet zwischendurch einen schönen Blick auf das Goethemoor, das sich am schönsten im Frühsommer präsentiert, wenn das Wollgras flockt. Etwa an dieser Stelle führte der (alte) Goetheweg vom Königsberg herab und stieg direkt in den Brockenhang ein, während unser Neuer Goetheweg weiter der Brockenbahn-Trasse folgt. Wenn er schließlich auf die (nicht öffentliche) Brockenstraße trifft, folgen wir letzterer hinauf zum Brockenbahnhof (1125 m). Hier hat man die Wahl, direkt zum Brockengipfel (1142 m) weiterzugehen oder links auf den Brocken-Rundweg abzuzweigen; zur Beschreibung des Rundwegs und der Einrichtungen auf dem Brockengipfel. Vom Gipfel folgen wir dem Goetheweg auf derselben Route zurück, bis er bald nach Verlassen der Brockenbahn-Trasse vom Kolonnenweg rechts abzweigt. An dieser Stelle bleiben wir auf dem Kolonnenweg und gelangen zum Bodesprung. Über das Quelltal der Kalten Bode fällt der Blick hinüber zum Wurmberg. Vom wenig später erreichten Dreieckigen Pfahl, an dem Bänke und Tische sowie eine Schutzhütte zur Rast laden, folgen wir der Markierung »grünes Dreieck« an der Schutzhütte vorbei durch die Wälder und treffen kurz nach Überschreiten eines der Quellbäche der Oder auf eine Verzweigung: Die meisten Wanderer zweigen hier links ab Richtung Ehrenfriedhof-Parkplatz, während wir geradeaus gehen und gleich darauf auf den Kaiserweg treffen (geradeaus). Der Kaiserweg passiert die Granitklippen der Hopfensäcke, senkt sich steinig zu einem Rastplatz bei einer verschlossenen Hütte hinab und folgt einem Forstweg zurück zum bekannten Goetheweg; kurz vor der Mündung auf den Goetheweg sehen wir rechts aus dem weitflächig verfichteten Brockenfeld die Abbe herausfließen, den obersten Zufluss des Oberharzer Dammgrabensystems.
Wenn sich Goethe- und Kaiserweg an der nächsten Verzweigung wieder trennen, haben wir erneut die Wahl: entweder auf dem Goetheweg links direkt zurück oder geradeaus auf dem Kaiserweg und dann links zurück nach Torfhaus. Einen Schwerpunkt der Ausstellungen im Nationalparkhaus Altenau-Torfhaus bilden die in ihrer Vielfalt und Ursprünglichkeit in Mitteleuropa einmaligen Hochmoore des Harzes. Weitere Themenschwerpunkte sind das Ökosystem Wald, ökologische Probleme der Gegenwart, die Nationalparkidee und ihre weltweite Verbreitung (Tonbildschau).
Goethe auf dem Brocken.
Im November 1777 ritt Goethe allein in den Harz, Anfang Dezember ging er von Wernigerode aus »spazieren auf die Berge«. Acht Tage lang blickte er zum tief verschneiten Brocken, immer wieder wurde ihm versichert, eine Besteigung sei unmöglich. Am Morgen des 10. Dezember begab er sich zum Torfhaus, doch mit dem Hinweis auf Nebel und Schnee lehnte Förster Degen eine Besteigung ab. »Ich war still und bat die Götter, das Herz dieses Menschen zu wenden und das Wetter, und war still. So sagt er zu mir: nun können Sie den Brocken sehn, ich trat ans Fenster, und er lag vor mir klar wie mein Gesicht im Spiegel, da ging mir das Herz auf und ich rief: Und ich sollte nicht hinaufkommen!« Tatsächlich stieg der Förster nun mit Goethe auf: »Ich habs nicht geglaubt bis auf der obersten Klippe. Alle Nebel lagen unten, und oben war herrliche Klarheit.«

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour19 km
Höhenunterschied600 m
Dauer6.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktGroßparkplatz am Nationalparkhaus Altenau-Torfhaus im Wintersportzentrum Torfhaus (800 m).
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterDer Goetheweg zum Brocken ist ein Klassiker unter den Wanderwegen auf den höchsten Harzgipfel: In den Nationalparks Harz und Hochharz folgt er in etwa der Route, die der 28-jährige Autor des Bestsellers »Die Leiden des jungen Werthers« am 10. Dezember 1777 bei der ersten bekannten Winterbesteigung des Brockens zusammen mit dem Torfhausförster Degen bei Schneelage beging.
Beste Jahreszeit
KartentippWandern im Westharz (Landesvermessungsamt Niedersachsen).
MarkierungenNamentliche Ausschilderungen, roter Punkt (Goetheweg), grünes Dreieck und blauer Punkt (Kaiserweg).
VerkehrsanbindungBushaltestelle der Verkehrsgemeinschaft Harz an der B 4 Bad Harzburg – Braunlage.
GastronomieTorfhaus, Brocken.
Unterkunft
In Torfhaus gibt es Übernachtungsmöglichkeiten unterschiedlicher Kategorien. Schlafsäcke jeder Art sind zulässig im DAV-Hütten-Gasthof Jutta Gödecke (Tel. 05320/2 12, Fax 05320/33 10 00, Internet www.torfhaushuette.de). Die Brockenherberge auf dem Brocken ist Norddeutschlands höchstgelegenes Hotel (Brockenherberge, 38879 Schierke, Tel. 039455/1 20, Fax 039455/1 21 00, Internet www.brockenherberge.de).
Tourismusbüro
Tourist-Information Altenau, Hüttenstraße 9, Tel. 05328/80 20, Fax 05328/8 02 38, Internet www.harztourismus.com/altenau/index.htm; Kurverwaltung Schierke am Brocken, Brockenstr. 10, 38879 Schierke, Tel. 039455/3 10, Fax 039455/4 03, Internet www.schierke-am-brocken.de.

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