Von Gfrill nach Cembra

Gemütliche Wanderung unterm Nadel- und Blätterdach auf guten Pfaden und Forststraßen. Achten Sie im Salurner Wald auf die leicht zu verfehlenden Abzweige, vor allem nach der ersten Lichtung mit Hütten. Wenn Sie längere Zeit auf keine rote E5-Markierung treffen, kehren sie zurück zur letzten Markierung. Kein Wasser bis Lago Santo Kinder und Genießer: Keine schwere Etappe, aber es fehlt an Spannung, Action und Aussicht. Etappen-Ende im Rifugio Alpini am Lago Santo möglich (gute Wildgerichte) (Autor: Robert Mayer)
17 km
180 m
5.00 h
Wir verlassen das gemütliche Gfrill an der Kirche vorbei in Richtung Süden. Das letzte Bauernhaus schmückt eine schlichte, schöne Sonnenuhr, die gut zu dieser zeitlos ausharrenden kleinen Gemeinde passt. Nach knapp 15 Minuten durch Wiesen ist der große Wald erreicht und fortan schützt uns ein schattenspendender Baldachin aus Baumkronen für den Rest des Tages vor der Sonne. Nach 1 Stunde zweigt der E5 von der Forststraße nach rechts auf einen Waldpfad ab und führt nahe des Monte dell Orso auf die Waldlichtung Praerto (Wiese, 1430 m; 1.15 Std., 3,5 km) mit zwei Baitas (Hütten). Hier steht das erste italienische E5-Schild »Lago di Costanza – Mare Adriatico« , das in einer Rechtskehre in den Wald weist. Achtung, nicht rechts auf Weg Nr. 4 ins Etschtal hinuntergehen!
Der E5 läuft jetzt an der Naturparkgrenze entlang, bevor er bei einer Gabelung (sehr schlecht markiert!) links auf einen Waldpfad führt. Achten Sie im Salurner Wald penibel auf die Markierungen, diese können sich durch Straßenbau und Fällungen auch jederzeit ändern. Später gelangt man auf einer Forststraße im dichten Nadelwald zur alten Kriegsstellung Potzmauer (Passo Posmar, 1352 m; 2 Std., 5,4 km) mit einem Infoschild zur Historie. E5-Markierungen und Aufkleber der Bergschule Oase führen weiter in südwestlicher Richtung zu einer Holzhütte mit Bänken und nach weiteren 400 Metern zu einem Haus mit Ziehbrunnen. Achtung, hier finden sich einige alte E5-Markierungen, die für Verwirrung sorgen – unbedingt südlich halten!
Nach weiteren 1,5 Kilometern wird eine Wegkreuzung am Prati di Monte (1360 m; 2.30 Std., 6,9 km) erreicht. Kurz danach biegt der E5 bei einem Pilz-Infoschild rechts auf eine absteigende Straße. Beim nächsten Abzweig links halten (rechts geht es auf Weg Nr. 2 hinunter nach Salurn). Relativ eben führt unser Weg mit schönen Tiefblicken ins fruchtbare Etschtal genau nach Süden. Auf der Kammhöhe mit Wegekreuzung gehen wir rechtshaltend weiter und folgen südlich dem Schild »Lago Santo, Sach, 1.15«. (Geradeaus würde wir zum Hotel Ponciach, 1200 m, 1,5 km, gelangen.) Im Folgenden gibt es zunächst keine E5-Markierungen; bei der nächsten Wegekreuzung kurz darauf sind aber wieder E5-Markierungen an einem Baum. Jetzt immer auf dem Forstweg bleiben, während man viele Baitas passiert. Ein steiler, betonierter Stichweg führt endlich hinunter zum Lago Santo (1195 m; 3.45 Std., 12 km) und dem Rifugio Alpini, der ersten Einkehrmöglichkeit des heutigen Tages. Empfehlenswert sind hier die Wildspezialitäten wie Rehragout mit Polenta oder Hirschkotelett mit Wacholdersauce. Warum der kleine See als heilig verehrt wird, konnte ich nicht herausfinden, aber man darf auf jeden Fall darin baden.
Der Weg umkreist den See südlich, bis er rechts beim Albergo Lago Santo auf einen sehr alten Pflasterweg trifft. Bei Nässe glänzen die von Zehntausenden Füßen und Hufen glatt geschliffenen Porphyrplatten zwar schön, aber schon Dürer könnte auf ihnen fluchend auf dem Hintern gelandet sein. Weiter unten trifft man kurz auf die Kiesstraße und biegt bei einer Brunnenfassung rechts am Weg Richtung Faver links ab. In Fadana stößt man auf einen stilvollen, altertümlichen Waschbrunnenplatz, an dem schon Generationen fleißiger Frauenhände schrubbten. Wer in Cembra (5 Std., 15,5 km) übernachten will, biegt an der Hauptstraße rechts ab (der E5 führt links weiter nach Faver und Segonzano).
Variante.
Wer bei der nächsten Etappe gern die Variante E5 alpin ab Regnana über die Lagoraikette gehen will, dem empfehle ich, heute noch bis Segonzano weiterzugehen und dort zu übernachten. Die sonst 9 Stunden lange Etappe zum Rifugio Sette Selle verkürzt sich dann auf 7.30 Stunden und ist in einem Tag zu schaffen.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour17 km
Höhenunterschied180 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktGfrill (1328 m)
EndpunktCembra (665 m)
TourencharakterEine Etappe für Naturliebhaber und Waldläufer oder solche, die es werden wollen. Um die Vielfalt der Lebensräume und die enge Vernetzung der Pflanzenbiotope und der Tierwelt in dem riesigen Gebiet des Salurner Walds einigermaßen begreifen zu können, bräuchte man einen versierten Biologen an der Seite. Wenn der nicht zur Stelle ist, dann atmen wir einfach unter dem schattigen Grün einmal tief durch, genießen die frische, reine Luft, die hier in der grünen Lunge Oberitaliens entsteht, und nutzen die Gelegenheit, einigen Gedanken nachzuhängen. Frei gehen, frei denken.
Wenn Sie den Monte dell Orso (Bärenberg) passieren, wäre dies der ideale Ort ihren Kindern oder Freunden eine »Bärengeschichte« aufzubinden, denn: »Wo der Bär lebt, ist die Welt in Ordnung.« Sprich: Es gibt noch ein funktionierendes Ökosystem mit großen, zusammenhängenden Waldgebieten. 2000 Quadratkilometer in den Zentralalpen sind für eine Bärenpopulation als Lebensraum geeignet, und dennoch wurden sie fast ausgerottet, und der Bestand hier im Trentino schrumpfte 2002 auf zwei alte, unfruchtbare Exemplare. Im Life Ursus Projekt wurden daraufhin junge Braunbären aus Slowenien ausgesetzt, und der Bestand erholte sich auf derzeit 17 Exemplare. Leider halten sie sich vorwiegend in der Adamello-/Brentagruppe auf der anderen Seite der Etsch auf.
Das Etschtal rechts unter uns ist die Handels- und Kommunikationspforte zwischen den Völkern Nord- und Südeuropas. Früher wurde der meiste Verkehr dort unten auf dem Fluss abgewickelt. Durch häufige Überschwemmungen war das Tal aber oft versperrt, und so musste auch der junge Albrecht Dürer 1494 den Umweg über den Sauchsattel und den Lago Santo ins Cembratal machen.
»Schlank die Beine, flach der Bauch und stark die Hände, schau in sein Gesicht, er ist ein Cembraner!« (Cembraner Sprichwort)
Beste Jahreszeit
KartentippKompass 1:50000, Nr. 121, E5 Süd (ungenau). Tabacco 1:25000, Bl. 049, Südtiroler Weinstraße (empfohlen, reicht aber nur bis Lago Santo). Freytag & Berndt 1:50000, WKS 14, Trento/Lagorai
MarkierungenIm Salurner Wald verläuft man sich sehr leicht, rote E5-Markierungen sind zwar vorhanden, aber nicht immer gut sichtbar.
VerkehrsanbindungCembra ist mit Bussen vom Etschtal gut erreichbar (Infos über öffentliche Verkehrsmittel unter www.trasporti.provincia.tn.it).
GastronomieRif. Alpini am Lago Santo; Einkaufen in Cembra
Unterkunft
Rif. Alpini am Lago Santo, Tel. +39/0461/633066 (DZ Ü/F 25 Euro). In Cembra: Albergo Garni al Caminetto, Via Cesare Battisti 3, Tel. +39/0461/683007, Fax 682214 (DZ 35 Euro); Nardon Tullio, Loc.Val Fraia, Tel. +39/0461/683785 (Bauernhof mit Mehrbettzimmer); Hotel Europa, Via San Carlo 19, Tel.+39/0461/683032, info@hoteleuropacembra.it. Biwakplätze z.B. am Lago Santo
Tourismusbüro
Valle di Cembra ufficio IAT, Piazza Toniolli 2, I-38034 Cembra, Tel. +39/0461/68 3110 od. 68 06 68, Fax 68 32 57, infocembra@aptpinecembra.it; Infos zum Trentino in Deutsch unter Tel. +39/0461/2195 00. Trentino S.p.A. Marketing AG, Via Romagnosi 11, I-38100 Trento, Tel. +39/0461/2193 00, Fax 2194 00

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