Von Dermbach über den Ibengarten auf den Gläser

Von Dermbach über den Ibengarten auf den Gläser (Autor: Norbert Forsch)
19 km
320 m
6.00 h
Räubergeschichten.
Landschaftliche Höhepunkte dieser Tour sind der Ibengarten mit dem ältesten Eibenbestand Europas und der Panoramablick vom Gläserberg. Die Region war im 18. Jh. das Revier des legendären Räubers Rhönpaulus, den die Nachwelt als listig und edel beschreibt. Er wurde 1736 in Weilar geboren und beraubte die Reichen. Im Jahre 1780 kam er an den Galgen. Ein Verräter führte die Häscher zu seinem Versteck, einer Höhle am Neuberg im Ibengarten. Noch heute künden zahlreiche Geschichten vom Leben des einstigen Volkshelden. Im Museum Dermbach kann man auch das »Gefängnis« des Rhönpaulus besichtigen, ein hölzerner Kasten, in dem er bis zu seiner Hinrichtung schmachten musste.
Über Glattbach in den Ibengarten.
Wir beginnen die Wanderung auf dem historischen Marktplatz in Dermbach, einem Ort mit schönen Fachwerkhäusern. Größte Sehenswürdigkeit ist aber das Barockensemble, bestehend aus evangelischer Kirche (1714), katholischer Kirche (1732/36) und dem aus drei Gebäuden bestehenden Schloss (1707). Im Ortskern finden wir das zurzeit leer stehende Gasthaus Sächsischer Hof, ein prächtiges Fachwerkhaus (1623/1901). Dort trafen sich in den 1920er- und 1930er-Jahren Sportfischer aus aller Welt. Sie kamen zum Forellenangeln an die Felda. Angeblich war auch der Schriftsteller Ernest Hemingway hier zu Gast.
Entlang der Marktstraße gehen wir zur Bahnhofstraße (B 285), schwenken nach rechts und gleich wieder nach rechts auf die Steinstraße. Dann biegen wir links in die Rödestraße ein. Nun übernehmen der rote Balken und der grüne Keil des Rhönpaulus-Weges die Führung. Wir wandern geradewegs aus dem Ort und auf einsetzendem Wirtschaftsweg zu einem Querweg. Den nehmen wir links, überqueren die B 285 und gehen nach Glattbach hinein, ein Dorf mit schönen, alten Bauernhäusern. Auf dem Dorfplatz fallen gleich das Denkmal für den Rhönpaulus und die Nachbildung seines Gefängnisses ins Auge. Wir nehmen die Feldabrücke, halten uns an der folgenden Gabelung rechts, an der nächsten links. Der ansteigende Weg zieht um eine Wacholderhutung herum und an einem Rastplatz vorbei in den Ibengarten auf dem Neuberg.
Der Ibengarten, ein Buchen-Eiben-Mischwald, ist ein 58 Hektar großes Naturschutzgebiet am Westhang des Neuberges (540 m), dessen Kuppe aus Muschelkalk und Basalt besteht. Die rund 400 Eiben bilden den ältesten Eibenbestand Mitteleuropas. Wahrscheinlich wurde der Wald einst von Mönchen des Klosters Zella angelegt. Der Ibengarten wurde bereits 1938 unter Naturschutz gestellt und ist damit das älteste Naturschutzgebiet im Biosphärenreservat Rhön und zugleich eines der ältesten Naturschutzgebiete in Thüringen.
Die Route führt auf breiter Forststraße den Neuberg hinauf. Obgleich dort Hunderte Eiben wachsen, muss man aufmerksam schauen, um sie zu erkennen. Linker Hand verbirgt sich die Rhönpaulus-Höhle, von der aber kaum noch etwas zu erkennen ist. Allzu schnell kündigt ein Schild die südliche Grenze des Naturschutzgebietes an, das sich etwa 1,5 km gen Nordosten erstreckt.
Über die Hohe Asch nach Neidhartshausen.
Wir bleiben auf dem Hauptweg, passieren Rastplätze und erreichen schließlich die Kreuzung mit Wegweisern und überdachter Sitzgruppe auf der Hohen Asch.
Die Hohe Asch (611 m) war einst eine vorchristliche Opferstätte. Der Gipfel war auch Thingstätte, ein Gerichtsplatz der freien Männer. Vermutlich wurde unter einer großen Esche Recht gesprochen, denn Hohe Asch bedeutet heilige Esche. Auf dem Berg war früher eine Weidefläche, auf der nur vereinzelt Buchen standen Vor etwa 50 Jahren wurden Wildschafe ausgesetzt, die sich offensichtlich wohlfühlen, denn sie haben sich vermehrt.
Wir schwenken rechts auf einen Asphaltweg und folgen dem grünen Winkel steil bergab. Er führt an der Schutzhütte beim Gänseborn vorbei. Nach 500 m biegen wir rechts in einen schmalen Waldweg ein, der sich bald verbreitert. Stets nah am Waldrand bleibend erreichen wir die Feldabrücke bei Diedorf, biegen rechts ab und gewinnen wieder an Höhe. Der Weg zieht um das Naturschutzgebiet Kuhkopf herum zu einer Gabelung. Wir halten uns links und gehen am Platz Gehex vorbei nach Neidhartshausen hinein, ein altes Bauerndorf mit historischen Fachwerkhäusern. Oberhalb des Dorfes, rechts der Felda, stand einst eine Burg. Von ihr sind nur geringe Ruinenreste erhalten. Ein Vorgängerbau, der sogenannte Taufstein, gehört zu den ältesten Herren-sitzen der Region.
Nach Brunnhartshausen.
Wir gehen über die Feldabrücke und spazieren auf der Schulstraße am Backhaus vorbei zur Hauptstraße. Wir folgen ihr nach rechts, queren die B 285 links haltend und gelangen auf einen Feldweg. Wir folgen ihm durch die Bahnunterführung und geradeaus zum Abzweig in der Flur. Dort halten wir uns links, vor der Bachbrücke am Sportplatz von Zella rechts und wandern auf breitem Wirtschaftsweg nach Brunn-hartshausen. Der Ort wurde erstmals 1145 erwähnt. Der Sage nach wurde er von dem fränkischen Freien Otgrim Brunnhartshausen gegründet und nach ihm benannt. Im Ort erhebt sich eine barocke Saalkirche von 1732 mit einem rätselhaften Steinrelief.
Über Föhlritz auf den Gläser.
Auf der unmarkierten öffentlichen Straße steigen wir nach Föhlritz hinauf. Eine ordentliche Alter-native gibt es nicht. Der in manchen Wanderkarten eingetragene Weg über den Waltersberg und der durch südöstliche Flur führende Weg verlieren sich dort.
Der rote Winkel gegen die Spitze leitet uns am Gasthaus Zum Hobbywirt vorbei steil bergan aus dem Ort, über eine Kreuzung und zur Dermbacher Hütte auf dem Gläser hinauf. Schon 1879 wurde vom Rhönklub das erste Blockhaus auf dem Gläser errichtet. Die heutige Hütte wurde 1994 erbaut und ist nur an Wochenenden und Feiertagen geöffnet. Das Dach ist mit Lärchenschindeln gedeckt.
Zurück nach Dermbach.
Wir gehen rechts an der Hütte vorbei auf einen Wiesenpfad, steigen steil talwärts und tauchen in den Wald ein. Der grüne Tropfen gegen die Spitze übernimmt die Führung. Der Weg zieht nach links zu einer Sitzgruppe, knickt rechts ab und führt in Kurven zu einer Forststraße hinab. Wir schwenken nach links und erreichen die Kreuzung bei der unterhalb des Weges liegenden Hirtentränke, einer verträumten Waldwiese mit Sitzgelegenheiten und einem Sand-steinbrunnen aus dem Jahr 1772, der vom Dermbacher Marktplatz 1897 hierhin versetzt wurde.
An der Kreuzung biegen wir rechts ab und wandern auf breitem Weg über die Dermbacher Hut, an einem Hundesportplatz vorbei und durch eine Senke auf die folgende Höhe. Dort folgen wir dem Wegweiser Richtung »Dermbach über Klippen« nach links in den Wald auf einen Pfad. Er führt an einem Aussichtspunkt vorbei und am Fuß von Muschelkalkklippen talwärts. Wir treten aus dem Wald, gehen über eine Wiese und geradeaus über die Kreuzung bei der Fatimakapelle von 1953 und bergab. Kurz vor einem frei stehenden Haus biegen wir rechts ab, steigen steil zum Ortsrand von Dermbach hinab und folgen der Karl-Friedrich-Straße zum Marktplatz.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour19 km
Höhenunterschied320 m
Dauer6.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktMarktplatz in Dermbach
EndpunktMarktplatz in Dermbach
TourencharakterÜberwiegend breite Wald- und Wirtschaftswege; herrliche Fernblicke; Infotafeln.
Beste Jahreszeit
KartentippTK 50 W »Thüringische Rhön«, 1:50 000, Blatt 52, Thüringer Landesvermessungsamt
MarkierungenRoter Balken und grüner Keil mit gefüllter Spitze in Gegenrichtung (Rhönpaulus-Weg) bis Hohe Asch; grüner Winkel bis Brunnhartshausen; unmarkiert nach Föhlritz; roter Winkel gegen die Spitze bis Dermbacher Hütte, dann grüner Tropfen gegen die Spitze
VerkehrsanbindungMit dem Auto auf der A 4 zur Anschlussstelle Friedewald und weiter auf der B 62 nach Dorndorf; von dort auf der B 285 nach Dermbach.
GastronomieDermbach: Zum Rhönpaulus, Bahnhofstr. 21, Tel. 036964/822 34, www.hotel-rhoenpaulus.de. Gläserberg: Dermbacher Hütte, Tel. 036964/824 73
Tipps
DIE EIBE Die immergrüne Eibe ist die älteste Baumart Europas. Sie wächst sehr langsam und kann über 1000 Jahre alt und über 15 m hoch werden. Bis auf den rot gefärbten Samenmantel sind alle Pflanzenteile stark giftig. Die Kelten verwendeten Eibennadelsud, um ihre Pfeilspitzen zu vergiften. Aus dem Samenmantel der Eibe werden in einigen Gebieten Europas noch heute Brotaufstriche hergestellt. Das Holz wurde bereits in der Steinzeit zur Herstellung von Jagdwaffen verwendet. Es galt im Mittelalter wegen seiner Härte und Elastizität als das beste Holz für Bögen und wird noch heute im Bogenbau verwendet. Die Verwendung für die Waffenherstellung führte fast zur Ausrottung des Baumes. Allein zwischen 1531 und 1590 wurden etwa 500 000 Eibenbögen aus Nürnberg und Bamberg über Köln nach Westen exportiert. Die Eiben wurden in den Zeiten der Waldweide von der Bevölkerung, besonders von Fuhrleuten, bekämpft, da es durch die Bäume immer wieder zu Viehvergiftungen kam. Die Eibe steht heute unter Naturschutz. EINKEHR-TIPP: LANDHOTEL RHÖNPAULUS Das Landhotel Rhönpaulus pflegt die typische einheimische Küche, also Thüringer und Rhöner Spezialitäten, bietet aber auch andere Speisen der deutschen Küche an. Es stehen eine große Gaststube, die von Holz dominierte Paulushöhle und die Zirbelstube, ein Separée mit 14 Sitzplätzen, zur Verfügung. Bei schönem Wetter lockt ein Biergarten. Das Haus verfügt über 25 Betten für Übernachtungsgäste.
Unterkunft
Dermbach: Zum Rhönpaulus, Bahnhofstr. 21, Tel. 036964/822 34, www.hotel-rhoenpaulus.de. Gläserberg: Dermbacher Hütte, Tel. 036964/824 73

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