Von Andernach nach Mülheim-Kärlich

Abwechslungsreiche Streckenwanderung mit Auf- und Abstiegen, vorwiegend auf bequemen Wegen; sehr schön zur Baumblüte Anfang Mai (Autor: Tassilo Wengel)
12 km
190 m
3.00 h
Andernach und seine Geschichte.
Auf dem kleinen Höhenrücken zwischen dem Rheinufer und einem verlandeten Rheinarm gab es im 1.Jahrhundert n.Chr. bereits ein römisches Kastell, das zur Sicherung der Rheingrenze angelegt wurde. Mit dem Bau des Limes auf der anderen Rheinseite entbehrlich geworden, entwickelte sich eine kleine Siedlung. Wichtige Erwerbsquelle war der Handel mit Mühlsteinen und Tuffstein, seit dem 4.Jahrhundert auch mit Mayener Keramik. Trotz häufiger Kämpfe um Andernach, das nicht nur ein wichtiger Rheinübergang war, sondern auch wegen seiner Lage am Rand des Neuwieder Beckens mehrfach feindliche Heere anzog, wächst die Siedlung. Tradition bleibt der Handel mit Tuffstein, Mühlsteinen und Keramik, Güter die bis nach England exportiert wurden.
Zur Sicherung der Stadt, die Mitte des 12.Jahrhunderts kölnischer Besitz wurde, konnte im 13.Jahrhundert die Stadtmauer vollendet werden und reichte bis zur erzbischöflichen Wasserburg. Diese, in der Südostecke der Stadtmauer gelegen, war eine Zwingburg für die Stadt und zugleich südlichste Festung des Kölner Erzbistums. Neben dem spätgotischen Koblenzer Tor steht der Hauptturm mit quadratischem Unterteil und spätgotischem Obergeschoss (um 1500) mit Fries und Erkern. Vom einstigen Palas blieb nur eine zweigeschossige Wand erhalten, die bis zum Pulverturm (1519) reicht. Die Mitte der Stadtmauer auf der Rheinseite schmückt das Rheintor, das um 1200 errichtet wurde und von zwei »Bäckerjungen«, zwei spät-romanischen Skulpturen, geziert wird. Als Prachtstück der Stadtmauer gilt der 55Meter hohe Runde Turm (1453 vollendet) mit Zinnenkranz, Gesimse und Dreipassfries.
Gern als Mariendom von den Andernachern bezeichnet, ist die Pfarrkirche Maria Him-melfahrt unter Kunsthistorikern als Lieb-frauenkirche bekannt. Dieses prächtige Gotteshaus wurde um 1200 begonnen und erlebte mehrere Bauphasen, Veränderungen und Restaurierungen. Am anderen Ende der Stadt steht die Minoritenkirche St.Nikolaus aus dem 14.Jahrhundert. Östlich davon ist der prunkvolle Renaissancebau des Von der Leyenschen Hofes (1580–90 erbaut) mit seinem von ionischen Säulen getragenen und mit Kopfkonsolen geschmückten Erkervorbau zu bewundern. In diesem Haus ist das Stadtmuseum untergebracht, das Sammlungen zur Vor- und Frühgeschichte der Stadt zeigt (Tel. 02632/922218).
Im Stadtzentrum entstand im Bereich einer 1349 zerstörten Synagoge der Rathauskomplex mit Judenbad. Ältester Teil ist das Salzmagazin (Mitte 16.Jahrhundert), das als Brauhaus und Schule diente. Vom Neubau des Ratssaals aus gelangt man in das Judenbad, das Anfang des 14.Jahrhundert errichtet wurde.
Von Andernach ins Nettetal.
Wir beginnen die nächste Etappe des Rheinburgenwegs am Bahnhof von Andernach und halten uns links. Neben dem roten Logo des Rheinburgenwegs leitet uns das weiße »R« des Rhein-höhenwegs sicher weiter. Über den Kurfürstendamm kommen wir zur Breiten Straße, schwenken nach links und gelangen über den Schillerring zur Stadionstraße und zum Schwimmbad. Inzwischen haben wir Andernach hinter uns gelassen, unterqueren die K47 und wandern auf einer Teerstraße zum Flüsschen Nette. Hier kann man zwischen zwei Wanderrouten wählen, der Rheinhöhenroute und der Route am Rhein entlang.Wir entscheiden uns für die Rheinhöhenroute und schwenken am Ufer der Nette nach rechts.
Über Nettehammer kommen wir nach Miesenheim, biegen beim Haus Neuwieder Straße 41 nach links und gelangen zu einem großen Spielplatz an der Nette. Mehrfach überqueren wir das Flüsschen, das für die Jahre 2008 und 2009 vom Deutschen Anglerverband (DAV) und den NaturFreunden Deutschlands (NFD) zur Flusslandschaft des Jahres gekürt wurde. Die 55Kilometer lange Nette entspringt in der Vulkaneifel und mündet in den Rhein. Ihr Oberlauf ist dicht bewaldet und von Eichen- und Hainbuchenwäldern geprägt, wo unter anderem Rippenfarn, Knabenkraut und Roter Fingerhut gedeihen. Wir wandern am Flussufer durch das schöne Tal und erreichen bald die offene Landschaft, wo seltene Pflanzenarten wie Kuhschelle, Gras-lilie und zahlreiche Orchideenarten wachsen. Hier bestimmen bizarre Gesteinsformen das Bild, Zeugen des einstigen Bimssteinabbaus.
Zu den Streuobstwiesen von Mülheim-Kärlich.
Unser Weg führt an einer Kapelle vorbei und zwischen den ersten Streuobstwiesen nach Kettig. Über die Bergstraße gehen wir abwärts zur Hauptstraße und wenden uns im Ortszentrum von Kettig nach links. Bald schwenken wir nach rechts in die Holzstraße und erreichen im Anstieg die Straße Im Vogelsang. Die Markierung des Rheinhöhenwegs leitet uns nun nach Kärlich, wo wir zunächst der Blütenstraße folgen und hinauf zu den Streuobstwiesen gelangen, die Anfang Mai mit ihrer Blütenpracht einen ganz besonderen Augenschmaus bieten. Am Waldrand schwenken wir nach links und kommen über die Waldstraße und den Stationsweg am Friedhof vorbei zur Mühlenstraße. Da wir unsere Wanderung in Mülheim beenden, verlassen wir den Rheinhöhenweg und ge-langen über die Kirchstraße in den Ort.

Andernach – Nette 1Std. – Kettig 1.30Std. – Mülheim-Kärlich 0.45Std. Insgesamt 3.15Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour12 km
Höhenunterschied190 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktAndernach
EndpunktMülheim-Kärlich
TourencharakterAuch die nächste Tour auf dem Rheinburgenweg steht noch ganz im Bann der Vulkaneifel. Die hohen, anstehenden Schichten aus Tuff- und Bims-steinen als Produkt der Vulkanausbrüche in der Eifel prägen nicht nur die Landschaft, sondern auch die Wirtschaft. Sie werden schon lange abgebaut und bilden so seit Mitte des 19.Jahrhunderst für die Schwemmsteinindustrie einen wichtigen Wirtschaftszweig. Einen umfassenden Einblick in die Vulkantätigkeit kann man sich im Vulkanpark Plaidt verschaffen, der sich nur einen Katzensprung entfernt von der Route des Rheinburgenwegs befindet. Auch das romantische, von Bims und Basalt geprägte Nettetal ist sehr reizvoll.
Hinweise
Abstecher zum Vulkanpark in Plaidt. Um sich über die vulkanische Tätigkeit in der Eifel einen Überblick zu verschaffen, bieten sich mehrere Möglichkeiten im Vulkanpark an. Zunächst sollte man das Infozentrum Rauschermühle in Plaidt besuchen, wo es zahlreiche Ausstellungen gibt. Außerdem kann man das Vulkanmuseum und die Basaltkeller in Mendig sowie das Römerbergwerk in Meurin besichtigen. Reichlich Informationen bieten auch die gut markierten Vulkanwanderwege inner- halb der Parkanlage. Infos - Vulkanpark GmbH, Infozentrum Rauschermühle, Tel. 02632/9875-0, Info-Hotline 0180/71885526, www.vulkanpark.com
KartentippRheinsteig mit RheinBurgenWeg, Topographische Freizeitkarte 1 - 50000, 2.Auflage 2006
VerkehrsanbindungAuto - Auf der B9 bis Andernach. Bahn: Bahnstation Andernach
GastronomieIn Miesenheim - Gasthof »Zur Alten Post« mit Biergarten, Ringstr. 38, Tel. 02632/71878 (Mo Ruhetag). In Mülheim-Kärlich mehrere Möglichkeiten
Unterkunft
In Mülheim-Kärlich - Bengel’s Hotel, Schweizer Str. 2, Tel. 02630/9426-0; Hotel garni Künster, Ringstr. 13, Tel. 2630/2937
Tourismusbüro
Tourist-Information Andernach, Läufstr. 4, 56626 Andernach, Tel. 02632/29 84 20, tourist-service@wiesbaden.de, info@andernach.net, www.andernach.net

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