Vom Staufner Haus nach Gunzesried

Anstrengende Gratwanderung über sieben Gipfel; nur bei trockenem Wetter und guter Sicht gehen! Auf kurzen Teilstücken drahtseilversicherte Passagen. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich. Kein Wasser unterwegs und keine Einkehrmöglichkeit bis Gunzesried, außer bei der Variante. Kinder und Genießer: Die Etappe ist spannend und kurzweilig, aber nur für wirklich ausdauernde Wanderer und Kinder geeignet. Vorzeitiges Etappen-Ende ist aber in der Gundalpe (reservieren!) möglich. Zudem gibt es mehrere Abstiege ins Gunzesrieder Tal. (Autor: Robert Mayer)
Die West-Ost-Überschreitung der Nagelfluhkette sollte man wegen ihrer Länge sehr früh angehen. Unbedingt Wasser und Proviant einpacken!
Der Weg führt vom Staufner Haus zuerst zur Bergstation und dann am Grat zum Gipfelkreuz des Hochgrats (1834 m; gut 30 Min.) hinauf. Südlich vom Hochgrat liegt die ausgedehnte, bizarre Karstlandschaft des Gottesackerplateaus vor den Wänden des Hohen Ifen. Wir wandern weiter immer Richtung Osten, denn dort warten noch sechs weitere Gipfel auf uns, und steigen zur sanft geschwungenen Brunnenauscharte (1624 m; 1 Std.) hinab. Am Gelchenwangergrat geht man entlang einem exponierten Zaun, mit dem der Hirte der Gelchenwangalpe seine Tiere vor dem Absturz sichert. Ein schmaler Pfad führt über einen steilen Grat zu einem felsigen Pfeiler, der den höchsten Punkt des Rindalphorns (1822 m; knapp 2 Std., 3,4 km) markiert. Von diesem markanten Gipfel führen zwei schöne Rinnen (im Winter herrliche Skiabfahrten) nach Osten hinunter. Wir steigen in der südlichen, rechten Rinne zur Gündlesscharte (1542 m; 2.25 Std.) ab.Notabstieg Man kann hier auch (großer Wegweiser) über die Aualpe direkt nach Gunzesried (889 m; 5.30 Std.) absteigen. Der Aufstieg zum Gündleskopf (1748 m; 2.75 Std.) bietet den wohl knackigsten Anstieg der gesamten Kette: Unbarmherzig steil zieht sich dieser über 200 Höhenmeter hinauf.
Immer dem Grat und den weiß-blau-weißen Markierungen folgend, queren wir flach zum Buralpkopf (1772 m; 3 Std., 5,4 km) und weiter zu den Oberen Sedererwänden. Nun wird es auch zum ersten Mal südseitig steil; von den Felsplatten lösen sich im Winter mächtige Grundlawinen. Südöstlich am Allgäuer Hauptkamm fallen der markante Zahn der Trettach und die Mädelegabel ins Auge, und nur wenig links davon führt der E5 an der auffälligen Felsenburg des Kratzers vorbei in zwei Tagen ins Lechtal. Direkt vor uns erkennen wir den Wächter des Allgäus – den Grünten. Hinter uns liegt die schnurgerade Nagelfluhkette.
Am Sedererstuiben (1737 m; knapp 4 Std.) könnte man in 10 Minuten zum Gipfel aufsteigen, aber der Stuiben (1749 m; 4.25 Std., 7,9 km) liegt schon greifbar nahe vor uns.
Varianten.
Im Sattel vor dem Stuiben führt links ein Weg zur Gundalpe (1502 m; 30 Min.) hinunter, der die ausgesetzten, steilen Passagen des Gratwegs umgeht. Am Weiterweg von der Gundalpe trifft man auf halber Höhe in Richtung Steineberg wieder auf den Gratweg. Am Sattel vor dem Stuiben ist auch ein weiterer Abstieg hinunter nach Gunzesried möglich, der oft von ermüdeten Wanderern genutzt wird. Er führt über die Rothenalm (1441 m) und die Ornachalm zur Gunzesrieder Säge (3,5 km vor Gunzesried). Wer hier im DAV-Selbstversorgerhaus Altes Höfle übernachten will, läuft nach dem Parkplatz noch 300 m nach rechts hinauf.
Vom Stuiben steigt man auf dem drahtseilgesicherten Felsgrat auf schmalen Tritten ab. Dann führt der vielleicht schönste Gratabschnitt steil und ausgesetzt oberhalb eines sumpfigen Hochtals entlang. Der Weg ist variantenreich und abenteuerlich und bietet dem Wanderer faszinierende Bergansichten und Fotomotive. Kurz vor dem Steineberg (1660 m; 5 Std., 9,5 km) leitet bei einer Wegverzweigung der E5 links unterhalb von Felswänden entlang.
Variante.
Geradeaus erreicht man in 10 Minuten den Gipfel des Steinebergs. Danach muss man aber über eine hohe Leiter senkrecht absteigen, um wieder auf den E5 zu treffen.
Auf dem Weiterweg wandert man nun anfangs sehr steil, dann gemütlich durch lichte Wälder in die Senke zwischen Steineberg und Bärenkopf (1476 m) hinab. Von hier führen der E5 und der E4 gemeinsam südlich hinunter zur Vorderen Krummbachalpe und zur Dürrehornalpe (1157 m); kurz nach letzterer zweigt der E5 östlich nach Gunzesried (7 Std., 15,8 km) ab. Bei der Kirche rechts oben steht der Gasthof Goldenes Kreuz (dessen Wirt eine Fundgrube für Wanderinfos ist), und gegenüber gibt es eine Bäckerei mit Laden.
Variante.
Bei Schlechtwetter kann man vom Staufner Haus über die Obere Gelchenwang- und die Scheidwangalpe (1368 m; 1.30 Std., 4,4 km) ins Gunzesrieder Tal absteigen. Dort auf der Teerstraße weiter zur Gunzesrieder Säge (3.75 Std., 12 km) oder nach Gunzesried (4.50 Std., 15,4 km).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour15 km
Höhenunterschied960 m
Dauer7.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktStaufner Haus (1640 m)
EndpunktGunzesried (889 m)
TourencharakterDieser Tourenabschnitt ist ein absolutes Muss im Allgäu: eine wunderschöne, von Blumenwiesen gesäumte Gratwanderung über sieben Gipfel, die eine herrliche Aussicht bietet. Wenn man sich die Gratlinie mit etwas Fantasie betrachtet, so gleicht sie tatsächlich einer Welle – und die Gipfellinien sind nicht selten sogar mit Schaumkronen aus Schnee geschmückt. So ist das Einzigartige dieser Bergkette im Alpenraum nicht etwa ihre Höhe oder ihre Mächtigkeit, sondern eben diese gerade und markante Linie ihres Grats. Der sehr luftige Höhenweg, auf dem man wandernd meist selbst den höchsten Punkt bildet, hat etwas Faszinierendes: Zum einen sind es die Tiefblicke ins Gunzesrieder Tal und im Norden ins wildromantische Weißachtal hinunter, zum anderen der weite Blick ins grüne Voralpenland und auf die imposanten Gipfel der Allgäuer Alpen. Die ostseitigen Abstiege erfolgen meist in den schön geschwungenen, für den Nagelfluh typischen Grasrinnen (im Allgäu »Schläuche« genannt). Die nördlichen Nagelfluhwände sind interessant gegliedert, bilden walzenförmig aneinandergereihte Felssegmente, die den Zahnreihen in einem riesenhaften Zyklopenmaul ähneln. Ein Blick in die ausgesetzten Wände könnte sich lohnen, denn dort gibt es Schneehühner und Gämsen. Wie von Geisterhand hingekegelt, liegen im Norden riesige Felsbrocken inmitten tiefgrüner, blumengeschmückter Matten, die von Adern leise rinnender Wasserläufe durchzogen sind – ihren »Märchengarten« nennen das die Allgäuer.
Am Ende der Etappe liegt malerisch Gunzesried, bekannt für seine Käserei, seine winterlichen Hornerschlitten-Rennen und den Viehscheid (Alpabtrieb) im September.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass 1:50000, Nr. 120, E5 Nord. Bayerisches Landesvermessungsamt 1:50000, UK L8, Allgäuer Alpen
MarkierungenSehr gut markiert, weiß-blau-weiße und rote E5-Punkte; Wegweiser an Abzweigungen und Abstiegen
VerkehrsanbindungVon Oberstaufen mit dem Bus zur Hochgratbahn (www.hochgratbahn.de); von/nach Gunzesried s. Etappe 6
GastronomieGundalpe nur bei der Variante; in Gunzesried, dort gibt es auch einen Lebensmittelladen.
Unterkunft
Gundalpe, Tel. +49/(0)8323/4921 bzw. +49/(0)8327/931456, (geöffnet Ende Mai bis Okt., Lager Ü/F 18 Euro, Zimmer Ü/F 22 Euro). In Gunzesried: Ghf. Goldenes Kreuz, Tel. +49/(0)8321/2560, info@goldeneskreuz.de (DZ Ü/F 26 Euro, 3-Bett-Zimmer 23 Euro p.P.); Altes Höfle, Selbstversorgerhütte des DAV Ulm bei der Gunzesrieder Säge (3,5 km von Gunzesried), Tel. +49/(0)731/74885, Fax 9773312, dav.neu-ulm@t-online.de (Lager 7 Euro). Biwakplatz am Fluss im Gunzesrieder Tal
Tourismusbüro
Gästeamt Blaichach, Immen - städter Str. 7, 87544 Blaichach, Tel. +49/(0)8321/80 08 36, Fax 264 81, www.gunzesried.de, gaesteamt@gunzesried.de. Gästeamt Sonthofen, Rathausplatz 1, 87527 Sonthofen, Tel. +49/(0)8321/61 52 91, Fax 61 52 93, gaesteinfo@sonthofen.de

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