Vom Karwendelhaus zum Hallerangerhaus

Lange und anstrengende Bergtour; für den Aufstieg auf die Birkkarspitze ist eine Stunde Gehzeit zusätzlich zu veranschlagen. (Autor: Eva-Maria Troidl, Stefan Lenz, Ludwig Graßler)
Direkt am Karwendelhaus beginnt der Steig Nr. 225 mit einem mühevollen Aufstieg durch das Schlauchkar. Der Name rührt nicht etwa daher, dass uns dieses Kar besonders »schlaucht« (obwohl das zweifellos zutrifft), sondern von dem Mittenwalder Namen Schlaucher. Beim Anstieg durch die für das Karwendelgebirge so typischen endlosen Geröllfelder ist sorgfältig auf die roten Markierungen zu achten. Diese sind stellenweise verblichen und nicht mehr gut zu erkennen. Besonders bei schlechten Sichtverhältnissen besteht die Gefahr des Verlaufens. In etwa 2 1/2 Stunden ist der Schlauchkarsattel (2639 m) erreicht. Die Biwakhütte östlich der Scharte dient als Notunterkunft und Rastplatz. Wer die Birkkarspitze (2749 m) besteigen will, lässt hier am besten den schweren Rucksack zurück. Bei schönem Wetter und klarer Sicht ist es ein lohnender Abstecher. An dem Hüttchen vorbei erreichen wir den Gipfel auf dem stellenweise drahtseilversicherten und ausgesetzten Steig in etwa einer halben Stunde. Der Blick reicht von den Hohen Tauern bis zur Silvretta und nach Norden hinaus ins Alpenvorland. Erstiegen wurde der Gipfel erstmals im Jahre 1870 von Hermann von Barth, der ebenfalls über das Schlauchkar hier herauf kam. Nach einer Rast am Gipfel wartet ein langer und serpentinenreicher Abstieg durch das Birkkar hinunter zur 1500 Höhenmeter tiefer gelegenen Kastenalm auf uns. Zunächst auf einem steilen Steig, später wieder über Geröll und schließlich auf gutem Pfad entlang des Birkkarbaches wandern wir hinab in den Talgrund des Hinterautals (1200 m).
Hier, am Fuße der höchsten Karwendelberge, beginnen die Wasser »unserer« Isar ihre Reise; allerdings ist der genaue Ursprung umstritten. Vielen Karten nach entspringt sie hier, etwas westlich vom Zusammenfluß von Birkkarbach, Moserkarbach und Lafatscherbach unterhalb des Tratenköpfls. Den längsten ihrer Quellbäche, den Lafatscherbach, der manchmal auch mit dem Namen Isar verzeichnet ist, verfolgen wir nun bis zu seinem Anfang zurück. Auf den Almwiesen der Kastenalm zweigt der Wanderweg 224 zum Hallerangerhaus nach Süden von der Wirtschaftsstraße zur Almhütte ab. Die Kastenalm ist einfach bewirtschaftet, und den kurzen Umweg dorthin nehmen wir gern in Kauf, zumal uns eine kleine Stärkung jetzt zusteht. Immerhin haben wir heute schon einiges geleistet, doch der nun folgende Hüttenanstieg von etwa 500 Höhenmetern will auch noch bewältigt werden.
Nach der Rast auf der sehr schön gelegenen Alm geht's wieder zurück auf unseren Weg und dann gleich flott hinauf in Richtung Halleranger. Oberhalb des Lafatscherbaches wandern wir dann auf gutem Weg dahin und queren diesen schließlich. Die Flurbezeichnung hier lautet »Beim silbernen Hansl« und erinnert an die vielen Jahre, in denen Bergleute im Karwendel nach metallhaltigen Mineralien schürften. Von 1276 bis 1590 und sogar noch im Zweiten Weltkrieg grub man hier nach Zink und Blei. Auf der nördlichen Talseite erreichen wir bald die Lafatschalm. Von hier ist es nun nicht mehr weit, in knapp 45 Minuten sind wir am Hallerangerhaus (1768 m) angekommen. Auf den Wiesen oberhalb der Hütte Richtung Überschalljoch finden sich die kleinen Bäche und Quellen, die den Lafatscherbach und damit die obere Isar speisen. Das Überschalljoch bildet die Wasserscheide zwischen Inn und Isar. Morgen verlassen wir den Einzugsbereich der Isar endgültig und wandern hinab ins das Haupttal Tirols.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour13 km
Höhenunterschied1510 m
Dauer8.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktKarwendelhaus.
EndpunktHallerangerhaus.
TourencharakterEine der schönsten Touren im Karwendel ist die Überschreitung vom Karwendelhaus zum Hallerangerhaus über den Birkkarsattel – lang und anstrengend, aber wegen der herrlichen Aussicht von der Birkkarspitze und der unberührten, wilden Berglandschaft auch sehr lohnend. Das letzte Mal hören wir heute das Rauschen der Isar. Am Abend soll ein Spaziergang zu ihrer Quelle die mehrtägige Isarwanderung abrunden.
Beste Jahreszeit
KartentippKompasswanderkarte 26 Karwendelgebirge, 1:50 000; topografische Karte UK L30 Karwendelgebirge, 1:50 000; Alpenvereinskarte 33 Tuxler Alpen, 1:50 000.
MarkierungenWegmarkierung 225, rote Punkte.
VerkehrsanbindungKeine.
GastronomieKastenalm, nicht direkt am Weg, ca. 10 Min.
Tipps
Dass die Biwakhütte am Schlauchkarsattel als Notunterkunft dringend benötigt wird, hat einer der Autoren bei einer Karwendeltour im Frühsommer bereits am eigenen Leib erfahren. Nach schneereichen Wintern ist der steile Nordhang im Bereich des Sattels oft bis in den Sommer hinein vereist und im Birkkar liegt noch viel Schnee. Vor allem Frühstarter, die die Wanderung von München nach Venedig bereits im Juli beginnen wollen, sollten sich also beim Hüttenwirt nach den Wegverhältnissen erkundigen.
Unterkunft
Hallerangerhaus, DAV Sektion Schwaben, Tel. 05213/5326; Hallerangeralm, Tel. 05213/5277 oder 0663/57683, beide sind bis geöffnet von Anfang Juni bis Mitte Oktober.
Tourismusbüro
Verkehrsverein Scharnitz, A-6108 Scharnitz, Tel. 05213/52 70.

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