Vom Dreisäulerkopf zum Pürschling

Die Überschreitung des mittleren Teils des Klammspitzkammes bietet schöne Ausblicke hinab ins Graswangtal und über die Vielfalt der Ammergauer Alpen hinweg bis zum Zugspitzmassiv. Sie vollzieht sich vorwiegend auf markierten Wegen, erfordert aber an einigen Stellen vorsichtiges trittsicheres Gehen. Die Besteigung des Pürschlingkopf-Westgipfels verlangt etwas Kletterfertigkeit. (Autor: Günther Laudahn)
14 km
1200 m
6.00 h
Ausgangsort ist Linderhof an der Straße Ettal – Reutte. Man parkt am hinteren Ende des großen gebührenpflichtigen Schloßparkplatzes hinter dem Bach. Die Durchfahrt dorthin ist Bergsteigern gestattet. Hier beginnt der breite Weg zu den Brunnenkopfhäusern. Er führt zunächst am Bach mit vielen niedrigen Kaskadenstufen entlang, überquert ihn auf einer Brücke oder weiter oben auf Steinen und strebt dann nach Kreuzen einer Forststraße in langgestreckten Kehren mit hübscher Aussicht im oberen Teil auf Kreuzspitze und Geierköpfe dem Kamm zu. Noch ein Stück unterhalb der Kammhöhe zweigt dort, wo links eine grasige Kuppe erscheint, der Weg zu den Pürschlinghäusern ab. Die Beschilderung ist durch Bäume verdeckt, auf Abzweigung achten. Der schmale Steig führt in ausholendem Bogen um den Dreisäulerkopf herum. Viel schöner ist es, statt der Umgehung den Dreisäulerkopf zu überschreiten. Ein kleines Stück hinter der Stelle, wo der Steig nach Abzweig vom Brunnenkopfweg erstmals ganz kurz auf der Kammhöhe verläuft und eine nach rechts zu einem Felsköpfchen ziehende Bodenwelle quert, setzt der Südwestrücken des Dreisäulerkopfs an, der den Aufstieg vermittelt. Über den mäßig steilen Rücken geht es auf Trittspuren zum Kamm, der sich einige Male schmal zusammenschnürt. Ein markanter Felsbug wird rechts umgangen, dahinter gleich wieder zum Kamm aufgestiegen. Nach einer kleinen Einsenkung gelangt man auf dem nun breiten Rücken zum höchsten Punkt. Dieser Aufstieg über den Südwestrücken ist leicht und recht hübsch, auch wenn man sich mitunter durch Unterholz zwängen muß. Dort oben findet man ganz gewiß ein einsames und trotz der Bewaldung aussichtsreiches Plätzchen. Beim Abstieg am Ostrücken, der dicht unterm Gipfel kurz nach links ausbiegt, bleibt man unmittelbar am Kamm und erreicht auf Trittspuren, das letzte Stück etwas ausgesetzt, ohne Schwierigkeit den markierten Weg. Man kann auch vor dem letzten schmalen Gratabschnitt auf Grasplanken zum sichtbaren Weg absteigen. Unser nächstes Ziel ist der Hennenkopf, mit 1768 Metern die höchste Erhebung dieser Tour. Der Weg tritt nach einigen Minuten aus dem Wald und quert nun die Grashänge des Hennenkopf-Westrückens. Ein schmaler Pfad zweigt vom Hauptweg ab (Schild »Hennenkopf«), zieht in mehreren Kehren zum Kamm und hier über kurze Aufschwünge zu einem von Felsen umrahmten Kessel, in den man über Blockwerk einsteigt. Von hier sind es nur noch einige Minuten zum Gipfel mit Kreuz und Buch. Schöner und etwas kürzer ist es, statt auf dem Normalweg über den gesamten Westrücken aufzusteigen. Am Ansatz des Rückens zweigt ein nicht markierter, aber deutlicher Pfad ab, der auf der Kammhöhe aussichtsreich über einige kleine schrofige Aufschwünge führt und später auf den von rechts heraufkommenden Weg trifft. Auf ihm geht es, wie schon beschrieben, zum Gipfel des Hennenkopfs. Eine großartige Aussicht erwartet uns. Wir schauen hinab auf die Schloßanlagen und die blaßgrünen Dächer von Linderhof. Über dem Tal der Linder ragen die markanten Felsgipfel der Kreuzspitzgruppe empor. Im Westen bilden die Hochplattengruppe und die Klammspitzen eine eindrucksvolle Kulisse, und im Norden blickt man über grüne Hügelketten weit ins Alpenvorland hinein. Für den Abstieg vom nach Osten und Süden steil abfallenden Hennenkopf haben wir zur Fortsetzung unserer Tour mehrere Möglichkeiten. Am einfachsten ist es, auf dem Anstiegsweg so weit zurückzugehen, bis unterhalb des blockigen Kessels ein Steiglein nach links abzweigt, das die südseitigen Abbrüche umgeht. Kürzer und gleichfalls leicht ist der weglose Abstieg in der grasigen, nach Osten weisenden latschenfreien Rinne, an deren Fußpunkt man unterhalb der Felsen nach rechts zum Weg quert. Interessanter, allerdings auch anspruchsvoller ist der direkte Abstieg durch die Südostflanke. Am Gipfel führen Trittspuren in die Flanke hinein. Sie leiten über einige Schrofen in einer Schneise oberhalb der ungangbaren Abbrüche schräg abwärts so weit, bis man zu einem nach rechts ziehenden, einige Meter tiefer beginnenden Grasband absteigen kann. Es ist von einer kurzen Steilrinne unterbrochen. Auf ausgeprägten Tritten gelangt man zu deren oberem Ende. Jenseits geht es in gleicher Richtung durch den engen Spalt zwischen einer Fichte und der Wand zu einer schmalen Rinne, in der man auf gutgestuften Schrofen rasch den Grashang am Fuß der Felsen gewinnt. Der Abstieg in der zuvor gequerten Steilrinne ist schwieriger und bei Nässe auf jeden Fall zu meiden. Das letzte Stück über ein griffiges Wandl ist dabei mäßig schwierig (II). Diese Abstiegsmöglichkeiten sind in der Karte angedeutet. Beim Übergang zum Laubeneck folgen wir dem gewundenen Pfad, der über die Buckel des Kammes zum Ansatz des Laubeneck-Westrückens hinabzieht. Der Pfad umgeht den untersten, dicht von Latschen überzogenen Teil des Rückens rechts, leitet steil auf den Rücken, folgt ihm kurz und quert dann die Nordhänge, führt also nicht auf den Gipfel. Wir verlassen ihn im Bereich eines breiten, schräg zum Kamm ziehenden Grasstreifens und steigen nun über den obersten Abschnitt des Westrückens zum höchsten Punkt auf. Interessanter und schöner ist der Aufstieg über den gesamten Westrücken. Dort, wo der Weg die Kammhöhe verläßt, steigen wir auf Trittspuren am Rücken weiter empor und gelangen hier aussichtsreich über Grasschrofen und einige blockige Stellen ohne Schwierigkeit zum Gipfelkreuz. Das Laubeneck bricht mit einer hohen senkrechten Wand nach Osten ab. Sie wird nordseitig umgangen. Dazu steigen wir durch Latschengassen zum Weg ab, der auf schmalem, etwas ausgesetztem Band unter den Felsen entlangführt. Nicht mehr weit ist es nun zum Teufelstättkopf, dem letzten Gipfelziel unserer Kammtour. Vom Weg nach links abzweigend zieht ein Steig durch blockiges Gelände, dann in einer engen Rinne mit Drahtseilsicherung in ganz leichter Kletterei auf das nette Felsköpfchen mit schöner Rundumsicht. Vom Teufelstättkopf ist das Pürschlinghaus (August-Schuster-Haus) bald erreicht. Die außer im April und November ganzjährig bewirtschaftete, schön gelegene und vielbesuchte Hütte bietet willkommene Stärkung nach unserer doch ziemlich langen Kammtour. Bevor Sie sich dem Abstieg nach Linderhof zuwenden, sollten Sie einen kleinen Abstecher auf den nahen doppelgipfligen Pürschlingkopf machen. Er ist zwar kaum höher als der Standort der Hütte, gewährt aber einen sehr hübschen Blick hinab ins Graswangtal und entschädigt durchaus für die geringe Aufstiegsmühe. Den Sattel davor erreichen wir auf Trittspuren, die links von der kleinen auf einer Felsschulter stehenden Hütte 50 Meter südlich vom Pürschlinghaus beginnen. Der linke östliche Kopf läßt sich sehr einfach über Geröll und Schrofentritte besteigen. Anders der gleichhohe westliche Kopf. Er verlangt Übung und mäßig schwierige Kletterei - Man quert in den Einschnitt zwischen beiden Gipfeln und steigt in der hier ansetzenden Schrofenrinne an einem Felsfenster vorbei zu einem Schärtchen empor. Das kleingriffige Wandl wird in einer kurzen Linkskehre erklettert. Dann geht es über geröllbedeckte Schrofen, die vorsichtiges Gehen erfordern, zum höchsten Punkt. Auf der Anstiegsroute steigen wir zur Hütte ab. Der Rückweg nach Linderhof ist beschildert. Wir benützen zunächst den Verbindungsweg Pürschlinghaus – Brunnenkopfhaus, von dem nach fünfzehn Minuten der ins Tal führende Weg abzweigt. Das Schild »Linderhof« ist ein bißchen unglücklich angebracht. Man erkennt es erst, wenn man unmittelbar an der Abzweigung steht. Gegenüber, auf der rechten Wegseite, befinden sich zwei unübersehbar große Schilder »Brunnenkopf – Pürschling«. Laufen Sie also nicht daran vorbei. Dieser schmale, nicht besonders gut markierte Abstiegsweg ist nicht vergleichbar mit dem breiten Aufstiegsweg zum Brunnenkopfhaus. Die Wegführung ist zwar logisch, aber in Anpassung an das Gelände ziemlich verwickelt. Bei Schneeauflage, wie sie Anfang Mai durchaus gegeben sein kann, ist die Route kaum zu finden. Machen Sie die Tour daher erst, wenn zumindest an den Südhängen keine größeren zusammenhängenden Schneeflecken mehr vorhanden sind, denn der weglose Abstieg zur Forststraße ist nicht einfach und setzt Übung und Erfahrung in dem zerklüfteten, von Bächen und Runsen durchschnittenen Gelände voraus. Bei schneefreier Südflanke ist der Abstieg jedoch kein Problem. Der Weg kreuzt zweimal Forststraßen und führt dann im Bereich des Zaunes der Schloßanlagen zum Parkplatz zurück.

Dauer - ohne Pürschlingkopf: 1160 m, 6,5 bis 7 Stunden; nur Hennenkopf, Laubeneck und Teufelstättkopf: 1100 m, 6,25 bis 6,75 Stunden.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour14 km
Höhenunterschied1200 m
Dauer6.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktParkplatz Linderhof, 930 m.
Beste Jahreszeit
GastronomiePürschlinghaus, 1564 m, ganzjährig bewirtschaftet außer April und November.
Höchster Punkt
Dreisäulerkopf, 1629 m – Hennenkopf, 1768 m – Laubeneck, 1758 m – Teufelstättkopf, 1758 m – Pürschlingkopf, 1566 m.
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