Vom Battert auf den Merkur

Burgruinen und Aussichtsfelsen.
Wald- und Panoramawanderung auf zum Teil steilen, felsigen Pfaden. (Autor: Chris Bergmann)
18 km
600 m
4.00 h
Mondänes Baden-Baden.
Die frühere badische Residenzstadt BadenBaden mit ihrer autofreien Bäder- und Landschaftspark-Innenstadt im klimatisch begünstigten Oostal avancierte im 19. Jh. zu einem der berühmtesten Kurorte Europas. Thermalbäder, Spielbank, Theater, die Iffezheimer Pferderennen und die abwechslungsreiche Landschaft der Schwarzwald-Vorberge lockten Prominente aus Adel, Geldadel, Kultur und Politik in die »Sommerhauptstadt Europas«. Für die russische Kolonie in Baden-Baden wurde 1880–82 die russisch-orthodoxe Verklärungskirche errichtet. Das Casino in Baden-Baden ist die größte Spielbank Deutschlands und mit ihren prachtvollen Sälen im Stil französischer Königsschlösser eine der schönsten der Welt. Auch einige der Tragödien, die sich hier abspielten, gingen in die Geschichte ein - Leo Tolstoi verspielte hier 1857 »alles«. Sein Schriftstellerkollege Dostojewski verglich die sieben Wochen, in denen er 1863 in Baden-Baden nicht nur sein Geld verspielte, sondern auch seine Freundin Polina Suslova verlor, mit der »Hölle«. Dennoch kehrte er 1867 auf der Hochzeitsreise mit seiner zweiten Frau Ana – einer Stenotypistin, der er den Roman »Der Spieler« diktiert hatte – wieder zurück: Und verlor erneut. Im selben Jahr erschien sein autobiografisch gefärbter Roman »Der Spieler«.
Baden-Badens Altes Schloss.
Auf dem Westpfeiler des Battert-Felsmassivs oberhalb von Baden-Baden erheben sich die malerischen Ruinen des aus rotem Buntsandstein erbauten Alten Schlosses, der einstigen Hauptburg der Markgrafen von Baden. Der markgräfliche Zähringer Hermann II. ließ hier ab 1102 die Burg Hohenbaden errichten und nannte sich 1112 nach ihr »von Baden«. Von der romanischen Oberburg sind u.a. der Bergfried mit Schildmauer und Wachhaus sowie ein kleiner Palas, ein Zwinger und das Haupttor erhalten. Der Bergfried bietet eine exzellente Aussicht auf Baden-Baden, die Baden-Badener Berge und über die Oberrheinebene hinweg zu den Vogesen. Markgraf Bernhard I. (1364–1431) ließ die gotische Unterburg mit dem spätgotischen Palas (»Bernhardsbau«) errichten und machte die Burg zum Hauptsitz der Markgrafen. Markgraf Jakob I. (1407–53) ließ die Anlage durch das »Jakobsbau« genannte Wohngebäude erweitern. Als die Residenz der Markgrafen 1479 aus Hohenbaden in das Neue Schloss verlegt wurde, erhielt die Anlage ihren heutigen Namen: Altes Schloss. Kurz vor 1600 zerstörte ein Brand das Alte Schloss, das nicht wieder aufgebaut wurde und bis zum Beginn der Romantik verfiel; seit 1800 werden die Ruinen baulich gesichert.
Aussichts- und Kletterfelsen Battert.
Am Alten Schloss beginnt der Aufstieg auf schmalen Pfaden und Felssteigen durch die Felsen des Battert: Schon an der Ritterplatte bietet sich eine faszinierende Aussicht, sie wird noch übertroffen durch den großartigen Ausblick von der Felsenbrücke bei der Oberen Batterthütte. Von Letzterer führt die Markierung »gelbe Raute« an der Bergwachthütte und an den Kletterfelsen vorbei mit immer wieder bestechender Aussicht zur Unteren Batterthütte. Hier geht es mit dem Zeichen »gelbe Raute« links weiter (Bienewaldweg) und unten rechts (Franzosenweg, dann Hilsbrunnenstraße) hinab nach Ebersteinburg: An der Durchgangsstraße (Ebersteinburger Straße) kurz links, dann führt der Weg halb rechts (Brunnenlinde) weiter und hinauf zur Burgruine Alteberstein.
Ruine Alteberstein.
Die aus Haupt- und Vorburg bestehende hochmittelalterliche Burg Alteberstein wurde ab 1100 auf einem steil nach Nordwesten abfallenden Felsen oberhalb des Dorfs Ebersteinburg als Sitz der Grafen von Eberstein errichtet. 1282 kaufte Markgraf Rudolf I. von Baden, der mit Kunigunde von Eberstein verheiratet war, die Anlage. Ab dem 16. Jh. verfiel sie. Heute beherbergt das Gemäuer eine Gaststätte, der Bergfried aus dem 13. Jh. ist als Aussichtsturm begehbar. Von der Burg leitet die »gelbe Raute« am Sport- und Festplatz vorbei durch die Zimmerhardtstraße und zweigt nach Passieren des Friedhofs vor den ersten Häusern links zur Aussichtskanzel »Verbrannter Felsen« an der Lukashütte ab: Hier öffnet sich eines der schönsten Murgtalpanoramen überhaupt. Vom Verbrannten Felsen führt die Markierung weiter durch die Wolfsschlucht und trifft am Hotel »Wolfsschlucht« auf die Straße (Bushaltestelle): Hier kurz rechts und nach Queren der Straße links weiter auf der Teufelskanzelstraße, einem Forstweg, der mit schönen Fremersberg- und Battert-Blicken im bewaldeten Hang zur Talstation der Merkur-Bahn führt.
Baden-Badens Hausberg – Merkur.
Die Merkur-Bahn erschließt den Merkur, der hoch über Baden-Baden einen fantastischen Aussichtspunkt bietet. Als eine der längsten Standseilbahnen Deutschlands überwindet sie auf 1192 Meter Länge Steigungen von über 50 Prozent. Die an das Stadtbusnetz angeschlossene Talstation liegt auf 287 m, die Bergstation auf 657 m, von der Bergstation führt ein Wanderweg in wenigen Minuten zum Gipfel. Der aussichtsreiche Merkur ist ein kleines Familienfreizeitparadies hoch über der Stadt mit Aussichtsturm, Panoramagaststätte, Kinderspielplatz und Liegewiesen. Von der Berggaststätte führt ein mit der »gelben Raute« markierter Weg teils im Wald, teils mit herrlicher Aussicht steil hinab zur Wegespinne Binsenwasen mit der Fee-Schlapper-Hütte und dort rechts weiter im Hang zur Aussichtsplattform etwa in halber Höhe der Bergbahnstrecke. Gleich darauf geht es links abwärts Richtung Wildgehege. Das Freigehege Grünmatte mit Gehegen für Muffel-, Rot-, Dam- und Schwarzwild kann auf einem Rundweg von 3,8 Kilometern Länge umwandert werden. Von einer Aussichtshütte über dem Rothirschgehege lassen sich die Tiere gut beobachten.
Panoramawanderweg.
Vom Wildgehege führt der Hangweg zur nahen Talstation der Merkur-Bahn zurück und geradeaus weiter, bis am Langengehren der »Panoramawanderweg« links abzweigt. Er führt hinab durch Streuobstwiesen mit wunderschönem Blick auf die Altstadt und die Berge, rechts hinauf zur Schlossruine und zurück zum Merkur-Gipfel. Unterhalb einer Kleingartenanlage trifft der Panoramaweg beim Hotel »Kappelmann« auf die Straße und folgt ihr im Rotenbachtal abwärts. An der Rotenbachstraße hält man sich kurz links, dann am Zebrastreifen rechts in die Rotenbachgrünanlage und gleich rechts hinauf zu den Aussichtssitzbänken am »Platz der Badischen Revolution«. Nach Unterqueren der Zähringer Straße geht es kurz aufwärts zur Verzweigung Steinwald (220 m) und hier links durch das ehemalige Landesgartenschaugelände. An der nächsten Abzweigung geht man rechts und an der Hungerberghütte vorbei mit schönen Ausblicken zur Strohhütte. Oberhalb dieses Hüttenpavillons rechts hinauf im Wald weiter, nun folgt man jeweils der ersten Abzweigung links zur Sophienruhe, einem Felsen mit exzellenter Aussicht auf das Kurhaus und das Neue Schloss. Von der Sophienruhe zurück zur letzten Verzweigung und geradeaus zum ausgeschilderten Alten Schloss, dem Ausgangspunkt.

Thermentour

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour18 km
Höhenunterschied600 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
StartortBaden-Baden (128 m), Kur- und Bäderstadt im Oostal.
AusgangspunktBernharduskirche am Bernhardusplatz in der Weststadt von Baden-Baden. Mit Kindern ist es empfehlenswert, am Alten Schloss zu starten.
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterDiese Wald- und Panoramawanderung erschließt die überaus abwechslungsreiche Fels- und Berglandschaft oberhalb von Baden-Baden im Quellgebiet der Oos. Wer knapp 200 Höhenmeter im Anstieg vermeiden will, startet am Parkplatz am Alten Schloss Hohenbaden.
Beste Jahreszeit
KartentippAtlasco-Wanderkarte 1 - 30000 Blatt 229 Baden-Baden und Umgebung oder Freizeitkarte 1:50000 Blatt 501 BadenBaden/Naturpark Schwarzwald Mitte/ Nord, Blatt 1 (Landesvermessungsamt Baden-Württemberg).
VerkehrsanbindungA 5 Basel–Karlsruhe, Ausfahrt Baden-Baden. S-Bahn Karlsruhe–Rastatt– Baden-Baden (Linie S 4).
GastronomieAltes Schloss, Ebersteinburg, Wolfsschlucht, Baden-Baden.
Tipps
LICHTENTALER ALLEE. Die 1655 als Eichenallee von der Stadt zum Zisterzienserinnenkloster Lichtental angelegte Lichtentaler Allee wurde 1850–70 zum Landschaftspark längs der Oos erweitert und zählt zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Baden- Badens – und ist nicht zuletzt ein äußerst beliebter Spazierweg. Über 300 verschiedene einheimische und exotische Bäume und Pflanzen säumen den Weg. Gusseiserne Stege verbinden die Allee mit den Parks am rechten Ufer der Oos. Stadtseitiger Ausgangspunkt der 2300 Meter langen Allee ist der Goetheplatz mit dem Neorenaissance-Bau des von Charles Couteau nach dem Vorbild der Pariser Oper errichteten Theaters; anlässlich der Eröffnung wurde 1862 die Oper »Béatrice und Bénédict« von Hector Berlioz uraufgeführt. Wenige Meter weiter liegt an der Allee das Gebäude des Internationalen Clubs, der die Galopprennen in Iffezheim veranstaltet. Nächste Station ist die 1908/09 von Hermann Billing als Ausstellungsgebäude für zeitgenössische Kunst errichtete Staatliche Kunsthalle. Auf der gegenüberliegenden Seite der Oos beherbergt die in einem idyllischen Garten gelegene Nobelherberge »Brenners Parkhotel« internationale Gäste. Bald nach Queren der Bertholdstraße erreicht die Lichtentaler Allee die Josephinenbrücke, die Verbindung zur Gönneranlage, einer der bedeutendsten Gartenanlagen aus dem frühen 20. Jh. in Deutschland. Zur Rosenblüte wogt hier ein wahres Blütenmeer. Vorbei an der Gönnerbrücke führt die Allee weiter zur Kettenbrücke und durch Parks, ehe man nach Überqueren der Oos die umwehrte Anlage der bis heute bestehenden Zisterzienserinnenabtei Lichtenberg am Klosterplatz erreicht. Die Fürstenkapelle neben der 1470 geweihten Abteikirche wurde 1288 als Grablege der markgräflichen Familie gestiftet.
Informationen
Nach der Tour entspannen in der Cara Calla Therme Baden-Baden
Tourismusbüro
Tourist-Information Baden-Baden, Schwarzwaldstraße 52, 76530 Baden-Baden, Tel. 07221 / 275200, www.baden-baden.de

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