Über den Ziegspitzkamm

Eine sehr schöne Gratwanderung ohne Schwierigkeiten mit herrlichen Ausblicken auf das Wettersteingebirge. Aufstieg zur Hohen Ziegspitze auf markierten Wegen. Am Verbindungsgrat zum Rauhenstein deutlicher Steig. Die Besteigung des Rauhensteins setzt etwas Erfahrung im Latschengelände voraus. Der Abstieg vom Rauheck über den Westrücken verlangt Bergerfahrung, der Abstieg auf der Normalroute über die Grießberghütte ist ohne jede Schwierigkeit. (Autor: Günther Laudahn)
14 km
1300 m
5.00 h
Ausgangsort ist wie bei Tour 11 der Parkplatz an der Ochsenhütte im Loisachtal. Wie dort wandern wir auf dem gleich hinter dem rot-weißen Gatter rechts abzweigenden Pfad Richtung Rotmoosalm. Er mündet nach zehn Minuten in den Fahrweg, der an den Nordwesthängen des Ziegspitzkammes talein zieht. Kurz bevor er aus dem Hochwald tritt, zweigt rechts der schmale, anfangs steinige Pfad zur Rotmoosalm ab, etwa 50 Minuten von der Ochsenhütte. Von hier erreichen wir nach einer knappen Viertelstunde durch Wald die Rotmoosalm, drei kleine Hütten am Rand des Rotmoossattels. Dieser Steig ist oft matschig. Man geht dann besser auf dem Fahrweg zur Rotmoosalm. Wir folgen nun dem Fahrweg, von dem kurz darauf der Weg zur Stepbergalm (Schild Enning – Kramer) abzweigt. Der gute breite Forstweg zieht in angenehmer Steigung, immer wieder schöne Ausblicke auf den zerspaltenen Felsgipfel des Rauhensteins bietend, in vielen Windungen zum Ziegspitzsattel empor, der Einsenkung zwischen Hirschbühel, links, und Vorderer Ziegspitze. Dieser Aufstieg zum Ziegspitzsattel, von dem man erstmals einen Blick auf das Gebiet der Stepbergalm und den Kramer hat, ist mit rund zweieinhalb Stunden vom Parkplatz an der Ochsenhütte lang, aber keineswegs langweilig; es ist eine hübsche aussichtsreiche Waldwanderung, kein notwendiges Übel, wie es manche lange Anmarschwege zum eigentlichen Gipfelziel mitunter sind. Am Ziegspitzsattel haben wir den äußersten Punkt unserer Rundtour erreicht. Von nun an bringt uns jeder Schritt dem Ausgangspunkt wieder näher. Am Sattel beginnt der deutliche Steig zur Höhe des Ziegspitzkammes. Er führt zunächst auf dem freien Nordrücken der Vorderen Ziegspitze, dann in ausholender Linkskehre zum Kamm, wo wir feststellen, daß die Vordere Ziegspitze eigentlich kein Gipfel, sondern nur eine Schulter im Nordostrücken der hohen Ziegspitze ist. Sie können die paar Höhenmeter über Gras hinaufsteigen oder gleich auf dem wenig abfallenden Kammweg zum Ansatz der Gipfelkuppe der Hohen Ziegspitze weitergehen. Die letzten 60 Höhenmeter zum Kreuz sind dann schnell geschafft. Die Hohe Ziegspitze bietet eine faszinierende Aussicht und ist dadurch auch für sich allein ein Ziel, das den langen Anmarsch lohnt. Die Attraktion sind natürlich die Zugspitze und die übrigen Felsgipfel des Wettersteingebirges. Nach Nordwesten schauen wir auf die grasigen Höcker von Friederspitz und Frieder und den nach Süden vorgeschobenen steilen Kegel des Scharfecks, denen die Tour 11 gilt. Nach Südwesten zieht ein von kleinen Felsköpfen besetzter Gratrücken zum gezackten Rauhenstein, unserem nächsten Gipfelziel. Die nun folgende Gratwanderung macht keine Schwierigkeiten. Über den grasigen Rücken geht es zunächst zu einer Kuppe, wo ein deutlicher Steig beginnt. Er bleibt ein Stück auf der Kammhöhe, umgeht dann eine felsige Graterhebung rechts unterhalb über Schrofen und Geröll in einen Sattel und überschreitet einen Kopf, der mehr Gipfelcharakter hat und eher einen Namen verdiente als die Vordere Ziegspitze. Dieser Gratabschnitt ist der schönste Teil der Tour, der an Türmchen und Felsnadeln vorbei reizvolle Ausblicke ins Loisachtal und auf die Zugspitze bietet. Das Steiglein ist nirgends zu verfehlen, die schrofigen Passagen erfordern sicheren Tritt, sind aber ganz unschwierig. Vom namenlosen Kopf absteigend erreichen wir bald den »Einstieg« am Rauhenstein. Der 70-Meter-Aufstieg über die dicht mit Latschen überzogene Südostflanke beginnt dort, wo unser Steig sich nach links einem nach Süden weisenden Seitenrücken zuwendet. Hier zieht eine etwa 15 Meter hohe latschenfreie Schneise zu einigen Fichten, zu denen wir auf steilen Tritten emporsteigen. Hinter der großen Latsche beginnt eine deutliche Pfadspur, die zunächst einige Meter horizontal, dann nach rechts ansteigend durch die Latschen bis fast zur Kammhöhe führt. Unser Pfad knickt an dieser Stelle, von der man erstmals den Gipfelblock sieht, nach links ab und leitet einige Meter fallend, dann wieder steigend in wenigen Minuten zu einem kleinen Sattel, der einen jähen Blick in die steilen nordseitigen Abbrüche des Rauhensteins bietet. Wir folgen nun der hier beginnenden breiten horizontalen Latschengasse, an deren Ende unsere Pfadspur nach rechts zum Fuß des Gipfelblocks zieht. Er wird auf steilen Erdtritten an seiner linken Seite erstiegen. Diese Route bildet am Rauhenstein die einzige vernünftige Aufstiegsmöglichkeit durch den sonst überall dichten Latschengürtel. – Kreuz und Buch. Die Aussicht vom Gipfel nach Süden auf das Wettersteingebirge ist ähnlich wie die von der Hohen Ziegspitze, nach Norden hat man einen eindrucksvollen Blick steil hinab auf die Böden der Rotmoosalm. – Genau auf der Anstiegsroute steigen wir zum Weg ab. Der ganze Abstecher zum Rauhenstein dauert etwa dreißig Minuten. Vom »Ausstieg« am Rauhenstein führt unser Weg auf dem Seitenrücken zu einer grasigen, mit einigen Fichten bestandenen Schulter. Hier müssen Sie sich entscheiden, ob Sie auch das Rauheck besteigen oder gleich zur Grießberghütte weitergehen wollen. Dazu folgt man der schwachen Pfadspur im Gras, die kurz darauf in einen deutlichen Steig übergeht. Er leitet auf der linken Seite des Rückens, dann in Kehren durch den Latschengürtel zu einem ebenen Absatz, an dessen Rand die kleine Grießberghütte steht. Von hier gelangen wir auf anfangs im Gras kaum erkennbarem Pfad, der sich aber im Waldbereich deutlich ausprägt, an den Südhängen des Rauhecks entlang und um dessen Westrücken herum, am Schluß auf einem nach links abbiegenden breiten Forstweg zum Fahrweg und zum Parkplatz zurück. Man kann von der grasigen Schulter aber auch problemlos das Rauheck besteigen - In scharfer Rechtswendung zweigt hier ein schmaler, auf den ersten Metern ganz undeutlicher Pfad ab, der ziemlich horizontal in weitem Bogen am Hang zum sichtbaren rundlichen Kopf des Rauhecks hinüberzieht. Nach kurzem Anstieg auf Grastritten erreicht man einen Sattel rechts vom Gipfel und in einer Latschengasse den höchsten Punkt. Am einfachsten ist es, auf dem Anstiegsweg zur grasigen Schulter zurückzugehen, dort auf der Normalroute zur Grießberghütte abzusteigen und, wie schon beschrieben, zum Ausgangspunkt zu wandern. Erheblich anspruchsvoller, aber auch interessanter ist der Abstieg vom Rauheck direkt über den Westrücken, der trotz der vorhandenen Trittspuren Orientierungssinn und Übung im stellenweise steilen Gelände abfordert. Der Rücken bricht nach Norden zur Rotmoosseite steilfelsig ab, während nach Süden jähe Hänge ins Loisachtal hinabziehen. Die Route verläuft daher auf oder dicht neben der Kammhöhe. Zunächst steigen wir auf Trittspuren etwa dreißig Höhenmeter zu einer nach rechts weisenden Latschengasse ab, die an einem kleinen Sattel vor einem Felskopf endet. Er wird auf einem Geröllband umgangen. Eine Pfadspur führt einige Meter empor, dann folgt man einem Grasband etwas unterhalb der Kammhöhe. Auch hier sind Pfadspuren zu erkennen, die später auf dem Rücken und in Latschengassen links davon verlaufen. Der anschließende steile Abschwung, den man auf guten Tritten überwindet, geht in einen flacheren Abschnitt des Westrückens über. Er bricht, nun schmal, sehr steil und teils felsig ab. Eine deutliche Pfadspur umgeht den Abbruch in einer kurzen Rechtskehre. Auf einem Band unterhalb der Felsen gelangen wir zur Fortsetzung des grasigen, licht bewaldeten Rückens. Zunächst geht es in steilen Grasschrofen ein Stück hinab, dann halten wir uns am besten auf der linken Seite des nun breiten Rückens und erreichen im allmählich verflachenden Gelände bald den von der Grießberghütte herabkommenden Weg.

Dauer - ohne Rauhenstein: 1230 m, 5,5 bis 6 Stunden; ohne Rauheck: 1260 m, 5,5 bis 6 Stunden; nur Vordere und Hohe Ziegspitze mit Abstieg über Grießberghütte: 1190 m, 5,25 bis 5,75 Stunden.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour14 km
Höhenunterschied1300 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
StartortParkplatz an der Ochsenhütte an der Straße Garmisch – Lermoos, 800 m.
Beste Jahreszeit
Höchster Punkt
Vordere Ziegspitze, 1815 m – Hohe Ziegspitze, 1864 m – Rauhenstein, 1728 m – Rauheck, 1636 m.
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