Über den Kaitersberg zum Arber

Anspruchsvolle Bergwanderung auf Felssteigen, Wurzelpfaden und Waldwegen. (Autor: Bernhard Pollmann)
Vom Bahnhof Kötzting gehen wir in die Altstadt, wo wir uns an der Brücke vor der ehemaligen Burg und der Pfarrkirche der Markierung »grünes Dreieck« anschließen, die hölzerne, gedeckte Regenbrücke überschreiten und geradeaus zum Spitalplatz wandern. Dort biegen wir rechts in die Lamer Straße ein und werden vom »grünen Dreieck« durch den Stadtteil Reitenstein in die Wälder des Kaitersbergs nach Reitenberg geführt. Schon bald zeigen sich im Wald mächtige Felsburgen, Wandfluchten, Gneistürme und Überhänge: Hier soll in der Räuber-Heigl-Höhle der »Robin Hood des Bayerischen Walds« gehaust haben. Oberhalb der Höhle erreichen wir als erste markante Erhebung des Kaitersbergs den Kreuzfelsen (999 m), einen hervorragenden Rast- und Aussichtsplatz mit Blick auf Kötzting und zum noch sehr fern wirkenden ' Arber: Der erste Waldberg im Osten ist der Mittagstein, dahinter rundet sich der von einem Denkmal überhöhte Große Riedelstein, und ganz hinten steht am Horizont als höchster der Große Arber. Benannt ist der Kreuzfelsen nach dem hier aufgestellten, sonnenuntergangsexponierten Leuchtkreuz, das 1867 erstmals erwähnt wird, aber schon mehrere Vorgänger gehabt haben soll: Wird es angestrahlt, so leuchtet die auf der Wetterseite angebrachte Stahlblechverkleidung. Das Leuchten des Kreuzes ist 15 km weit bis ins Regental zu sehen.
Am Kreuzfelsen beginnt die Kammwanderung über den Kaitersberg. Die Markierung »grünes Dreieck« leitet in eine Senke hinab, überschreitet den bewaldeten Mittagstein (1034 m) und führt im Wald hinüber zur Kötzinger Hütte, einem Berggasthaus in bestechender Aussichtslage. Kurz dahinter beginnt der Gang über das felsige Steinbühler Gesenke, eine der attraktivsten Wanderrouten des Bayerischen Walds: Das »grüne Dreieck« windet sich durch, über, unter und zwischen Felsburgen dahin, mit immer wieder enormer Aussicht über den Lamer Winkel und über das Zellertal hinweg. Gelegentlich darf eine Hand mit anpacken, und die mächtigen Rauchröhren, durch die unsere Route führt, sind eines der bekanntesten Klettergebiete des Bayerischen Walds. Rauchröhren werden diese haushohen, eng beieinander stehenden Felsen genannt, weil sich dahinter angeblich im Dreißigjährigen Krieg Leute aus den Tälern flüchteten und Feuer anzündeten; der Rauch stieg kerzengerade zwischen den Felsen
auf und war aus den Tälern her von weitem sichtbar.
Nach Passieren des kreuzüberhöhten Hohen Steins in diesem Klettergebiet erreichen wir den Großen Riedelstein (1132 m) wo sich am Denkmal für den Heimatdichter Maximilian Schmidt (1832–1919) Aussicht zurück zur Kötztinger Hütte und zum Kreuzfelsen sowie zum Osser, zum Hohem Bogen und zum Arber bietet. Vom Großen Riedelstein steigen wir durch ein Skigebiet zum Eck-Sattel ab und folgen dem »grünen Dreieck« nach Queren der Straße im Wald zum kreuzüberhöhten Mühlriegel (1080 m) hinauf. Auf diesem Berg erwarten uns eine Schutzhütte und eine prachtvolle Aussicht in das Zellertal sowie zurück zum Riedelstein und – an den Felsen weiter unten – zum näher gerückten Arber. Wenig später verwandelt sich der Kammweg in einen Steig und strebt zu den riffartigen Felsen des Ödriegels hinauf, dann laden am Waldwiesmarterl Schutzhütte, Bänke und Tisch zur Rast. Gleich darauf passieren wir eine Felskanzel mit Osser-Blick, dann erreichen wir den sechsten Berg dieser Wanderung, die zerklüfteten Felsen des Schwarzeck, wo sich am Bergkreuz (1238 m) eine erhabene Aussicht über den Lamer Winkel hinweg zum Osser und auf die Cham-Further Senke bietet. Vom Bergkreuz leitet das Zeichen »grünes Dreieck« hinüber zu einer zweiten Felskanzel, von der der Blick zum Reischflecksattel und auf die Heugstatt schweift. Hier verlässt das »grüne Dreieck« den Felskamm und führt zum Reischflecksattel hinab, in dem eine Schutzhütte steht. Nun geht es hinauf zur Heugstatt (1261 m), einer von Fichten umrahmten Bergwiese, an welcher der vom Berggasthof Schareben heraufführende Weg einmündet. Nach Passieren einer weiteren Bergwiese überschreiten wir den bewaldeten Enzian (1285 m) und durchschreiten einen teilweise versumpften, mit Planken ausgelegten Sattel mit Bergwiese und Schutzhütte, ehe der steile Aufstieg zum Kleinen Arber (1384 m) beginnt. Nach dem Abstieg zur Jugendherberge folgt der Schlussspurt auf den Großen Arber. Von dort folgen wir dem grünen Dreieck steil auf dem Arbersteig im Hochwald hinab zum Arberschachten, wo eine kleine Schutzhütte steht, und weiter steil abwärts zu den Rieslochfällen, den größten Wasserfällen des Bayerischen Walds. Wenig später sind wir in Bodenmais.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour32 km
Höhenunterschied1800 m
Dauer9.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktBahnhof Kötzting (410 m).
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterVon Kötzting führt diese Wanderung, die reich ist an schönen Ausblicken und die durch Wald- und Felsgebiete führt, auf durchaus alpinen Wegen über den Kaitersberg zum Arber, wo der Abstieg zu den Rieslochfällen und nach Bodenmais beginnt.
Beste Jahreszeit
KartentippTopografische Karte 1:50 000, Blatt UK L 20: Naturpark Oberer Bayerischer Wald (Bayerisches Landesvermessungsamt).
MarkierungenGrünes Dreieck.
VerkehrsanbindungB 85 Cham – Viechtach – Regen, in Miltach abzweigen nach Kötzting.
GastronomieGasthäuser in Kötzting, Gasthof in Reitenberg, Kötztinger Hütte am Mittagstein, Gasthaus im Eck-Sattel, Arberschutzhaus, verschiedene Gasthöfe und Hotels in Bodenmais.
Tipps
Ausgeschilderte Kurzwanderungen im Bereich des Kaitersbergs beginnen in Reitenberg bei der Räuber-Haigl-Höhle und am Eck-Sattel. Die unter Naturschutz stehenden Rieslochfälle in einer Schlucht in der Südflanke des Arbermassivs oberhalb von Bodenmais bilden den größten Wasserfall des Bayerischen und Böhmerwalds. In der tiefen, bewaldeten Schlucht, in die kaum das Licht der Sonne dringt, überwindet der Riesbach auf einer Länge von 1,6 km mehrere Gneisstufen, dreht sich in Strudeltöpfen und stürzt über mächtiges Blockwerk. Der höchs-te dieser Wasserfälle tost durch das Riesloch (Rißloch). Das ständig feuchtkühle Klima der Schlucht fördert ein üppiges Mooswachstum auf den Felsen. Dorn- und Frauenfarn sind die wichtigsten höheren Pflanzen, zu den auffälligsten Bäumen zählt die großblättrige Schluchtweide. Der kürzeste Aufstieg zu den Rieslochfällen beginnt in Bodenmais am Hotel »Waldhaus« am Rißlochweg. Begleitet vom Rauschen des Bachs, leitet ein Weg unter hohen Fichten bergan, und wo er sich bei einer Sprungschanze gabelt, leitet die Markierung »2« auf dem Schluchtweg Richtung »Naturschutzgebiet Rißlochfälle« felsig und wurzelig unter alten Buchen und Fichten aufwärts. Am unteren Ansatz der Wasserfälle führt eine Holzbrücke über den Bach, gelegentlich steil zieht der Steig weiter neben den Kaskaden aufwärts, laut Hinweisschild begehbar »auf eigene Gefahr«. Von den Wasserfällen leiten verschiedene ausgeschilderte Wege nach Bodenmais zurück – ein sehr schöner Spaziergang. Während der Wanderung bestehen Übernachtungsmöglichkeiten in folgenden Berghäusern; Buchung im Voraus ist erforderlich: Berggasthof Eck, 93474 Arrach, Tel. 09945-1351, 40 Betten, bewirtschaftet von Mai bis Oktober, von Dezember bis März und an Ostern. Kötztinger Hütte (1040 m), 93480 Hohenwarth, Tel. 09946-290, 75 Betten, ganzjährig bewirtschaftet, Übernachtung nur November bis Februar und ab Ostern. Arberschutzhaus (1375 m), 94252 Bayerisch Eisenstein, Tel. 09925-242, 32 Betten, bewirtschaftet von ca. 20. Dezember bis Ende Oktober. Eine weitere Möglichkeit zur Übernachtung bietet der Berggasthof Schareben (1019 m) bei Drachselsried, der vom Wanderweg aus in einem kurzen Abstecher erreichbar ist; er ist bewirtschaftet von Mai bis Oktober, im Winter je nach Schneelage; 94256 Drachselsried, Tel. 09945-10 37.
Informationen
Mountainbikegeeignet: nein.
Tourismusbüro
Kurverwaltung und Tourist-Information Kötzting, Herrenstraße 10, D-93444 Kötzting, Tel. 09941-60 21 50, Fax 09941-60 21 55. Kurverwaltung Bodenmais, Bahnhofstraße 56, D-94249 Bodenmais, Tel. 09924-77 81 35, Fax 09924-77 81 50.
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