Über dem Westufer des Ammersees

Das sanfte Hügelland zwischen Ammersee und Lech gehört noch zu den stillen Regionen im Münchner Umland und bietet landschaftlichen Reiz ebenso wie Kunstgenuss. Wir beginnen mit einem Besuch bei den Missionsbenediktinern, machen dann Bekanntschaft mit dem Windachspeicher und erfreuen uns gegen Ende an zwei schönen Landkirchen. (Autor: Armin Scheider)
6 km
70 m
1.00 h
Besuch im Klosterdorf St. Ottilien. Am Anfang unserer Rundreise steht das Kloster St. Ottilien. Es ist die oberbayerische Erzabtei der Missionsbenediktiner. Zur Abtei gehören heute rund 200 Mönche, von denen ungefähr 80 in Übersee sind und dort Missionsarbeit verrichten. Einsatzgebiete sind u. a. Tansania, Uganda, Sambia und Namibia in Afrika, Venezuela und Kolumbien in Südamerika sowie China, Indien und Südkorea in Asien. Das Leben der Mönche läuft nach Ordensregeln ab, deren zentrales Element das gemeinsame Chorgebet ist, zu dem sich die Mönche mehrmals täglich in der Kirche versammeln. Einen guten Einblick in die Arbeit der Missionare gewährt das Missionsmuseum neben der Kirche. Schwerpunktabteilungen sind eine Sammlung von Tieren, die Missionare in Übersee erlegt und präpariert haben sowie eine große völkerkundliche Abteilung mit Kultobjekten, Waffen, Kleidung und Musikins- trumenten aus Afrika und Asien. Das Museum ist bei freiem Eintritt täglich von 10–12 und 13–17 Uhr geöffnet. Über Eresing nach Windach. Kirchenliebhaber wird's freuen, über Eresing zu fahren, denn dort steht eine kunsthistorisch herausragende Kirche. 1488 errichtet und später erweitert, wurde St. Ulrich durch Domenikus Zimmermann, dem Erbauer der Wieskirche, 1757 umgestaltet. Herausgekommen ist ein prächtiger Rokokoraum, in dem der kräftige Rocaille-Stuck, die Fresken und der glanzvolle Hochaltar (Jörg Pfeiffer, 1687) mit Skulpturen von Lorenz Luidl aus Landsberg auffallen. Auch ein paar Kilometer weiter, in Windach, gibt es neben dem Schloss von 1568, einem schlichten rechteckigen Bau, der heute als Rathaus dient, eine sehenswerte Kirche, St. Petrus und Paulus aus der ersten Hälfte des 16. Jh. Hier sind der vorzügliche Wessobrunner Stuck von Johann Schmuzer und die stuckierten Altäre mit Luidl-Figuren hervorzuheben. Die Kirche ist leider meist verschlossen. Wanderung mit Ammerseeblick. Drei Kilometer südöstlich von Windach liegt das Dorf Hechenwang, wo wir zur ersten Wanderung aufbrechen (siehe kleine Karte oben). Gleich zu Beginn ein kurzer Bergblick, dann geht es durch bäuerliche Gemarkung zu einem schönen Aussichtspunkt, der Ausblick auf den Ammersee und die dahinter stehenden Gebirgszüge von Karwendel und Wetterstein bietet. Zurück läuft die Route über den Westrand von Schondorf und auf einer Asphaltstraße nach Westen bis zu einer Gärtnerei, nach der wir links dem Feldweg folgen und nach einem Rechtsknick wieder in Hechenwang landen. Zum Windachspeicher. Über Finning, wo Sie beim Staudenwirt einkehren können, erreichen wir nach kurzer Fahrt den Windachspeicher. Die Windach, ein eher unscheinbares kleines Flüsschen, nahm in früheren Jahren bei entsprechenden Regenmengen geradezu wildbachähnliche Formen an und setzte vor allem am Unterlauf tief gelegene Fluren unter Wasser. Die Folge waren alljährlich erhebliche Schäden. So entschloss man sich zum Bau eines Hochwasserspeichers, der 1964 fertig gestellt wurde. Hochwasserschutz ist also die Hauptfunktion des Speichers, doch seine geschützte Tallage, sein weiches warmes Moorwasser und Liegewiesen auf der Ostseite machen ihn auch zu einem beliebten Badesee. Umrundung des Windachspeichers. Das Gebiet rund um den Windachspeicher ist auch ein attraktives Wanderrevier. Die folgende Wanderung stellt das unter Beweis (Karte siehe unten). Sie ist rund acht Kilometer lang und glänzt durch anmutige Moor- und Bauernlandschaft ebenso wie mit großartigen Ausblicken auf die Kette der Alpen. Wir erklimmen den Damm an der Nordseite und laufen in Westrichtung los. Nach einer Häusergruppe zweigt links ein Asphaltweg in spitzem Winkel ab und führt zu einer Anhöhe zwischen Speicher und Hofstetten. Hier kann man erstmals das wunderbare Gebirgspanorama genießen und schwenkt links auf den nach Südosten abzweigenden Feldweg ein. Mit anhaltend prächtigem Ausblick läuft der Weg in einem großen Rechtsbogen hinunter und nimmt dann Kurs auf den Nordrand von Obermühlhausen. Dort laufen wir nach Osten vor zur Verkehrsstraße, nutzen sie für 300 Meter nach links und folgen in der Kurve dem links wegführenden Asphaltsträßchen. Dort, wo nach 800 Metern dieses Sträßchen in einen Feldweg übergeht, beginnt die etwas abenteuerliche Schlussetappe - Ein links in den Wald abzweigender unscheinbarer Weg führt einen Kilometer über Stock und Stein am bewaldeten Ostufer des Speichersees entlang zum Damm zurück. Bleiben Sie stets in Ufernähe, dann können Sie die örtlich mit Pfählen markierte Route nicht verfehlen. Erholen kann man sich anschließend in der Windachsee-Alm direkt am Damm. Kunstgenuss in Thaining und Vilgertshofen. Zum Schluss noch zwei besonders sehenswerte Kirchen. Zuerst St. Wolfgang von 1430 in Thaining, eine ehemalige Wallfahrt. Georg Dehio beschreibt den kleinen Raum mit vier Altären und figurenreicher Kanzel als »im besten Sinne volkstümlich, dabei aber von guter Qualität und in Südbayern nahezu einzigartig«. Und in der Tat – einen so stimmungsvollen Raum mit warmer Ausstrahlung findet man nicht mehr so schnell. Die sechs Einzelfiguren im Langhaus sind übrigens von Lorenz Luidl aus Landsberg. Den Kirchenschlüssel erhält man im Hof gegenüber. Wir fahren ein paar Kilometer weiter nach Vilgertshofen, wo die Wallfahrtskirche zur Schmerzhaften Mutter steht, das Hauptwerk Johann Schmuzers aus Wessobrunn (1688–92). Auffallend im Innenraum der Kirche sind der plastische Wessobrunner Stuck, zahlreiche kleine Deckenbilder und das Hauptbild im Chor von Johann Baptist Zimmermann. Sehenswert sind auch die Altäre aus Stuckmarmor, vor allem der Stephansaltar, eine Schöpfung von Thassilo Zöpf mit Hauptbild von Johann Bader und seitlichen Figuren von Franz Xaver Schmädl. Die Engel am kleinen Altar der nördlichen Chorwand hat Lorenz Luidl beigetragen.

Länge - Autoroute ca. 35 km (St. Ottilien-Vilgertshofen) Wanderung 1 ca. 6 km Wanderung 2 ca. 8 km

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour6 km
Höhenunterschied70 m
Dauer1.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktSt. Ottilien, 1 km südlich S-Bahnhof Geltendorf. Anfahrt auf A 96 bis Windach und weiter über Eresing nach St. Ottilien. Bahnverbindung S8 bis Geltendorf.
TourencharakterDas sanfte Hügelland zwischen Ammersee und Lech gehört noch zu den stillen Regionen im Münchner Umland und bietet landschaftlichen Reiz ebenso wie Kunstgenuss. Wir beginnen mit einem Besuch bei den Missionsbenediktinern, machen dann Bekanntschaft mit dem Windachspeicher und erfreuen uns gegen Ende an zwei schönen Landkirchen.
Beste Jahreszeit
GastronomieEresing Gasthof Wiedmann Biergarten, Mo Ruhetag Oberfinning Staudenwirt Biergarten, kein Ruhetag Thaining Gasthof Zum alten Wirt Terrasse, Mo/Di Ruhetage
Tourismusbüro
Windach Tel. 08193/9305-22 www.windach.de Thaining Tel. 08194/286 www.thaining.de
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