Über das Brauneck zur Benediktenwand

Nach Auffahrt mit der Bergbahn Bergwanderung zum Teil auf schmalen Bergpfaden, manchmal steil und ausgesetzt (Autor: Dr. Wilfried und Lisa Bahnmüller)
In einer viertel Stunde bringt uns die Kabinenbahn von Lenggries auf den Berg, bereits fünf Minuten später stehen wir am Brauneckgipfel. Das ist natürlich noch keine Leistung, trotzdem dürfen wir den Blick in den Isarwinkel, auf Bad Tölz und Lenggries genießen. Wir wandern vom Brauneckhaus über den grasbewachsenen, breiten Bergrücken zum Umsetzer der Telekom und links um den Schrödelstein herum. Im Sommer sind die steilen Bergwiesen voll von Blauem Eisenhut. Das Marterl am Grat hinter dem Schrödelstein erzählt von einem tödlichen Blitzschlag. Es mahnt noch einmal, unsere Gewitterwarnung ernst zu nehmen. Mit den einfachen Seilbahnen, die nach links unten führen, werden im Winter am frühen Morgen Sprengladungen über die Hänge gezogen und damit Lawinen ausgelöst. Das ist eine wichtige Sicherungsmaßnahme, denn das Brauneck gehört zu den beliebtesten Skizielen der Münchner.
Überall, wo Wege abzweigen, helfen uns die Schilder des Alpenvereins, am richtigen Weg zur Benediktenwand zu bleiben. Wir klettern über den Latschenkopf, einen flachen, aber sehr zerklüfteten Felsbuckel, der gar keinen richtigen Gipfel hat. Seinem Namen macht er alle Ehre, denn er ist über und über mit Latschen bewachsen. Durch sie führt unser Weg abwärts, dann kurz über einen Grat, bis wir bei einer Wegverzweigung landen, von der zwei Wege zur Benediktenwand führen. Der obere Weg über die Achselköpfe, das sind die Felsbuckel, die noch zwischen uns und unserem Ziel liegen, erfordert einige Fertigkeit im Klettern.
Wir gehen daher den einfacheren Weg nach rechts. Er ist ein Teil des Maximiliansweges, dem mit E4 markierten Wanderweg von Lindau nach Berchtesgaden, der an die berühmt gewordene Fußwanderung des bayerischen König Max II. erinnert. Auf diesen königlichen Spuren steigen wir in Serpentinen zum Fuß der Achselköpfe und klettern schließlich wieder nach oben. Dort, wo der Weg sehr steil wird, erleichtert ein dickes Drahtseil den Aufstieg. Wir kommen an zwei Abzweigungen vorbei, die rechts in das Längental führen. Falls das Wetter umschlägt, könnte man hier die Wanderung um etwa zwei Stunden verkürzen. Am Rotöhrsattel treffen wir wieder auf den Steig, der über die Achselköpfe führt. Wir klettern weiter, nochmals kommt uns ein Drahtseil zu Hilfe, bis wir schließlich unser Ziel, die Benediktenwand, erreicht haben.
Von dem grandiosen Rundumblick wollen wir nur einige Highlights erwähnen - Tief unter uns liegt die Tutzinger Hütte. Sie wurde gebaut, als die Eisenbahn das einzige Massentransportmittel und die Tour auf die Benediktenwand nur in zwei Tagen zu bewältigen war. Von Benediktbeuern ging man zur Tutzinger Hütte, übernachtete dort und kletterte am nächsten Morgen auf den Gipfel. Rechts von der Hütte sehen wir das Längental, durch das wir später wandern werden. Das Kloster Benediktbeuern draußen in der Ebene hat unserem Berg zu seinem Namen verholfen. Es ist eines der Urklöster Bayerns, von ihm aus wurde die gesamte Umgebung kolonisiert. Ein Stück weiter nach links überragt die mächtige Zugspitze das ganze Wettersteinmassiv, im Süden und weit in den Osten hinein stehen wie auf einer Parade die unzähligen Gipfel der Stubaier und Zillertaler Alpen und der Hohen Tauern.
Wir wandern zum Rotöhrsattel zurück und biegen fünf Minuten später in Richtung Längental ab. Der Serpentinenweg lässt uns rasch Höhe verlieren. Unmittelbar hinter der Arzbachquelle kommen wir an der Probstalm vorbei. Sie war einst eine typische Hochalm, die nur wenige Tage im Jahr bestoßen wurde. Heute wird sie privat genutzt, der Auftrieb lohnt sich nicht mehr. Unser Weg schlängelt sich weiter amArzbach entlang, in Kaskaden und Wasserfällen stürzt er ins Tal. Nach dem Marterl für den 1939 verunglückten Josef Leitner überqueren wir den Bach, achten gut auf die Markierung, erreichen bei der Skihütte des Touristenbundes Edelweiß den Talboden und kurz darauf die Hintere Längentalalm, wowir nochmals Rastmachen können. An einer Kapelle vorbei geht es weiter zur Vorderen Längentalalm, unmittelbar hinter ihr wenden wir uns nach rechts und wandern über die Wiese auf den Wald zu. Der Weg, der »Jägersteig«, ist recht sumpfig, Bretter und Holzprügelmachen ihn einigermaßen gangbar. Am Wald finden sich wieder Markierungen nach Lenggries, wir folgen dem schmalen Pfad zu einer Forststraße, kommen an einem Gedenkkreuz für Gefallene und ein paar Meter weiter an einem schönen gemalten Bildstock vorbei. Kurz darauf biegt unser Weg rechts von der Forststraße ab und führt als schmaler Pfad wieder zu einer Forststraße. Wir folgen ihr nach links, dort, wo sie selbst links abbiegt, nehmen wir den Waldweg, der gerade weiterführt. Etwa 100Meter hinter dieser Abzweigung bleiben wir auf dem geraden Weg und laufen schließlich in einem ausgewaschenen Hohlweg abwärts. Der Wald öffnet sich, vor uns liegt Lenggries mit der Hohenburg, der Sommerresidenz der Herzöge von Luxemburg. Über die Felder wandern wir bis zur ehemaligen Kaserne und gehen rechts an der Kasernenmauer entlang zu den Luitpoldhöfen. Wir folgen nicht der Straße nach links hinunter, sondern gehen rechts durch die zwei Höfe durch zur Tennishalle. Direkt hinter ihr biegen wir links ab, und am Flugzentrum für die Drachenflieger und Paraglider sind wir schon am Parkplatz der Brauneckbahn.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour0 km
Höhenunterschied550 m
Dauer7.00 h
Schwierigkeit
StartortLenggries
AusgangspunktLenggries, Parkplatz der Brauneck Kabinenbahn
Endpunktwie Ausgangspunkt
TourencharakterDieser Weg ist einer der längsten in diesem Buch. Doch die Gratwanderung vom Brauneck zur Benediktenwand durch den wilden Felszirkus der Achselköpfe ist so unvergleichlich schön, dass wir auf sie nicht verzichten wollten. Natürlich bietet das Brauneck auch kürzere Wanderalternativen.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass Nr. 182, Isarwinkel, 1 - 50 000
VerkehrsanbindungMit dem Auto. Von Bad Tölz über die B 13 nach Lenggries, den Schildern »Brauneckbahn « folgen. Mit der Bahn. Mit der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) von München über Bad Tölz nach Lenggries; ab Bahnhof mit Bus zur Talstation
GastronomieBrauneckhaus; Hintere Längentalalm
Tipps
Wichtig. Der Weg darf auf keinen Fall an einem Tag gegangen werden, an dem Gewitter drohen. Der Gratweg ist extrem blitzgefährdet!
Informationen
Eine viel kürzere und einfache Variante lässt sich vom Brauneck aus marschieren. Das ist vor allem für Familien mit Kindern interessant. Dafür schweben wir ebenfalls ohne Schweißtropfenverlust zum Gipfel des Braunecks. Von der Bergstation halten wir zunächst rechts auf den eigentlichen Brauneckgipfel zu und folgen dann den Schildern »Rundweg«. So gehen wir fast eben auf einem Panoramaweg an ein paar Felsen vorbei Richtung Westen bis zur Tölzer Hütte. Hier lässt sich gut einkehren, bevor wir schon wieder zur Bergstation auf einer breiten Almstraße zurückwandern. Kniegeschädigte düsen lieber wieder mit der Gondel nach unten. Ansonsten gibt es aber einen netten Abstieg auf dem Maximiliansweg E4. Den Einstieg dazu finden wir unterhalb der Bergstation. Der Weg führt anfangs ziemlich steil nach unten, immerhin folgt er der ehemaligen Weltcup-Skiabfahrt, dem berüchtigten Garlandhang. Bald wird es aber schon wieder flacher, und wir passieren noch einige private Hütten, bis wir in einem Bogen am Hochseilgarten den Wald verlassen und wieder zum Parkplatz und der Talstation der Brauneckgondel kommen (reine Gehzeit - ca. 3 Std.).
Tourismusbüro
Gästeinformation Lenggries, Rathausplatz 1, 83661 Lenggries, Tel. 08042/ 50 18-0, www.lenggries.de

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