Tscharser und Stabener Waal

Entlang der Wasser aus dem Schnalstal.
Leichte, etwas lange Rundwanderung auf Feld- und Waldwegen, lediglich die Steigung vom Stabener Waal zum Sonnenhof ist steil und der Sonne ausgesetzt. Ein Großteil des Wegs führt durch schattiges Terrain. (Autor: Peter Mertz)
12 km
670 m
5.00 h
Entlang des Stabener Waales zum Schloss Juval.
Wir beginnen die Tour in Tschars, einem kleinen Dörfchen inmitten der weiten Obsthaine des Vinschgaus. Von der Haltestelle der Vinschgaubahn geht es nordwärts über die Etsch ins Dorf hinauf. Am Hauptplatz nehmen wir das nach rechts abgehende Gässchen, das zum Hotel Himmelreich führt. Hier beginnt ein Feldweg, der mit leichtem Auf und Ab an den Beginn des Stabener Waals führt. Plötzlich sehen wir nach einer Steinmauer das Gerinne, dem wir nun mit unmerklicher Steigung durch den Steilhang östlich von Staben folgen. Er wurde erst 1842 errichtet und zeigt einen fast lieblich anmutenden Verlauf, mit klassischem Waalprofil und schattiger Bewaldung. Etwa 45 Minuten dauert dieser gemütliche Abschnitt, ehe der Waalweg zu einer Abzweigung kommt. Hier wählen wir den nach links abgehenden Steig, der nun etwas steil und teilweise als Saumpfad befestigt zum Sonnenhof hinaufsteigt. Das gemütliche Einkehrgasthaus liegt aussichtsreich über dem Etschtal in einem Kastanienhain und bietet im Herbst frisch gebratene Kastanien an. Das Gasthaus liegt unmittelbar am Tscharser Waal, der auch Schnalstalwaal genannt wird.
Hinauf zum Schloss Juval.
Eifrige Wanderer können vom Sonnenhof aus einen Abstecher zum Schloss Juval unternehmen. Dazu steigen wir auf dem Weg hinter dem Gasthaus etwa 20 Minuten bergan und überwinden dabei etwa 150 Höhenmeter. Das Schloss kann tagsüber besichtigt werden. Über die Zufahrtsstraße wandern wir abwärts und erreichen beim Juvaler Schlosswirt wieder die Route des Waals, dem wir nach rechts folgen. Dabei kommen wir am renovierten Waalerhäuschen vorbei, bei dem sich – wie es sich gehört – auch eine Waalschelle befindet. Etwa zehn Minuten dauert der Übergang vom Schlosswirt zum Sonnenhof.
Am Tscharser Waal.
Der Tscharser Waal wird von einem herrlichen Weg begleitet, der zuerst durch steile Sonnenhänge führt und später in den schattigen Kastanienwald eintritt. Eine Abzweigung nach rechts, die nach Tschars führt, lassen wir unberücksichtigt. Danach befindet sich links unterhalb ein Rastplatz mit Feuerstelle. Der Waal folgt der Topografie der Hänge, wobei auch Seitengräben bewältigt werden müssen. Einmal überquert eine Brücke aus Holzkandeln einen Seitenbach, zuvor beschreibt der Waal eine Sturzstrecke durch die bewaldeten Hänge. Nach Unter-Schönegg müssen wir einen kleinen, beschilderten Umweg unternehmen, um westlich wieder nach einem Hof und einigen Obstterrassen auf den Waalweg zu stoßen. Eine lange Hangquerung oberhalb der Kulturterrassen zwischen Tschars und Kastelbell bringt uns ans Ende des Waals, der inmitten eines Kastanienhains in ein Sammelbecken abgeleitet wird. Nur wenige Meter westlich davon endet im Graben des Galsaunbachs der Latschanderwaal. Wir folgen diesem etwa zehn Minuten, queren eine asphaltierte Waldstraße und folgen gegenüber noch ein wenig dem Latschanderwaal. Dann biegt nach links ein Feldweg ab, der steil nach Kastelbell hinabführt. Durch Dorfgassen erreichen wir den Hauptplatz knapp vor der VinschgauStaatsstraße, wo sich gegenüber das Touristenbüro befindet. 500 Meter westlich des Dorfkerns hat die Vinschgaubahn ihre Haltestelle, mit der wir eine Station zurück nach Tschars fahren.

Dauer: Tschars – Hotel Himmelreich 30 Min. – Sonnenhof 1.15 Std. – Schloss Juval 1 Std. – Ende des Tscharser Waals 2 Std. – Kastelbell 30 Min.; Gesamtgehzeit 5.15 Std. ;
Motto: Wandern am Wasser

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour12 km
Höhenunterschied670 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktTschars (598 m) zwischen Naturns und Schlanders im unteren Vinschgau
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterEine der schönsten und ausgiebigsten Waalwanderungen des Vinschgaus stellt uns zwei herrliche Waale vor, die beide das Wasser aus dem Schnalstal beziehen. Wir befinden uns in der Umgebung von Naturns, wo westlich des Ortes das Schloss Juval den Eingang zum Schnalstal bewacht. Die sehr lohnende Rundwanderung verläuft teils in schattigen Wäldern, teils durch Sonnenhänge mit herrlichen Blicken auf den weiten Tschirlander Schwemmkegel.
Wenn wir die Sonnenhänge des Vinschgaus von der gegenüberliegenden Talseite betrachten, so lassen die Waale sofort ihren Verlauf erkennen. Sie ziehen wie grüne Adern durch die bräunlich wirkenden Steilhänge, oft begleitet von einem Saum aus Pappeln, Birken, Flaumeichen und Kastanien, die ohne das Wasser der Kanäle diese Hänge nicht bewachsen könnten. Die beiden Waale, die uns erwarten, der Stabener Waal und der Tscharser Waal, sind beide sehr alt. Urkunden lassen den Bau auf den Beginn des 16. Jahrhundert datieren. Schon im Jahr 1492 sprachen die Bewohner von Tschars bei dem späteren Kaiser Maximilian I. vor, um die Erlaubnis für den Bau eines Waals einzuholen. Erst 1505 wurde die Genehmigung erteilt und mit dem Bau begonnen. Dann dauerte es noch weitere zwölf Jahre, bis der Bau des Waals das schwierige Gelände am Ausgang des Schnalstales bezwungen hatte. 1553 wurde die Verlängerung nach Galsaun fertig gestellt, wo der Tscharser Waal sich beinahe mit dem Latschanderwaal überschneidet. Seitdem fließt das Wasser aus dem engen Schnalstal auf die Felder von Staben und Tschars. Der herrliche Begleitweg zählt heute zu den Aushängeschildern der Wanderrouten im Vinschgau, denn zu der bequemen Wegführung kommen noch gemütliche Einkehrlokale und eine abwechslungsreiche Kulturlandschaft. Wir folgen dem Tscharser Waal erst ab dem Schloss Juval, denn die Ausleitung des Waals aus dem Schnalstal führt durch steiles, alpin anmutendes Gelände. Steinschlag gehört in der felsigen Schlucht zum Alltag, weswegen der Waal an einer Stelle 400 Meter weit geschützt in einem Tunnel verläuft.
Beste Jahreszeit
KartentippFreytag & Berndt Wanderkarte 1:25000, Blatt WKS 12 (Naturns–Schnals–Latsch)
VerkehrsanbindungAuf der Vinschgau-Staatsstraße (SS 38) nach Tschars zwischen Latsch und Naturns Mit der Vinschgaubahn nach Tschars; der Bahnhof liegt südlich der Vinschgauer Straße unmittelbar am Etschufer
GastronomieGasthäuser in Tschars und Kastelbell, Sonnenhof und Juvaler Schlosswirt unterhalb des Schlosses Juval
Tipps
Schloss Juval. Längst ist bekannt, dass der Extrembergsteiger Reinhold Messner diese Burg am Ausgang des Schnalstals zu seinem Wohnsitz ausgebaut hat. Hugo von Montalban hatte sie 1278 erbaut. Im Laufe der Jahrhunderte wechselten oftmals die Besitzer und die Burg drohte zu verfallen. 1983 erwarb sie Messner, auch um seine Sammlungen unterzubringen, die dem Publikum für Besichtigungen zugänglich sind: Im Inneren des eindrucksvoll gelegenen Wehrbaus findet man eine eigentümliche Mischung aus Südtiroler Mittelalter und Renaissance in Sälen, Gängen und Gewölben, die gefüllt sind mit Utensilien Messners und asiatischen Devotionalien – eine wahrlich Messner'sche Verschmelzung von Kulturen. Vom Parkplatz im Tal fährt während der Besuchszeit ein Shuttlebus zum Schloss hinauf (Palmsonntag bis 30. Juni, September bis Anfang November 10–16 Uhr). Vor oder nach einem Besuch sollte man auf keinen Fall verabsäumen, beim Schlosswirt einzukehren. Dieser in einen Felsen hineingebaute Gasthof bietet klassische Südtiroler Kost. Der Prachtraum ist eine uralte, original erhaltene Bauernstube, die auch für Feste gemietet werden kann.
Tourismusbüro
Tourismusbüro Naturns, Rathausstraße 1, I-39025 Naturns, Tel.: 0473/666077; Naturparkhaus Texelgruppe, Feldgasse 3, I-39025 Naturns, Tel.: 0473/668201, www.naturns.it, info@naturns.it

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