Torrenthorn und Dalaschlucht

Abwechslungsreiche Gipfel- und Talwanderung, die einen sicheren Tritt und Ausdauer verlangt. Am Höhenweg zur Flüealp einige etwas ausgesetzte Passagen (neue Drahtseile), weshalb man den Weg nur bei guten Bodenverhältnissen (trocken!) begehen sollte. In der Dalaschlucht aufwendig konstruierter und sehr luftiger Steg (überall solide Metallgeländer). Teilbegehungen möglich (Torrenthorn, Höhenweg, Schlucht) (Autor: Eugen E. Hüsler)
Man kann den Gipfel aber auch auslassen und gleich den spannenden Hangweg zur Flüealp unter die Füße nehmen. Und die Dalaschlucht – spektakuläres Finale der großen Tour – ist von Leukerbad aus nur ein (lohnender) Spaziergang. Einfacher oder dreifacher Genuss, das ist hier die Frage. Bei schönem Wetter beantwortet sie sich eigentlich von selbst. Trittsicher und schwindelfrei sollte man allerdings sein, quert der Weg ins Quellgebiet der Dala doch sehr abschüssige Hänge. Blickfang sind dabei die unglaublich steilen, von zahllosen Felskanzeln durchsetzten nordseitigen Hänge über dem innersten Dalatal. Die rund acht Kilometer lange Felsphalanx erstreckt sich vom Gemmipass über Plattenhörner und Rinderhorn (3448 m) bis zum Balmhorn (3698 m). Wasser, kalt und warm Ein schroffes Felsprofil hat die Dala auch oberhalb von Leukerbad geschaffen, sich tief ins Gestein gegraben. Seit ein paar Jahren gibt es hier einen Steg, der mit luftig verwegenen Passagen aufwartet, unter anderem mit einer 21 Meter langen Hängebrücke. Im Bereich der Klamm befinden sich die meisten der insgesamt 65 Thermalquellen von Leukerbad. Sie liefern – temperiert bis maximal 51 °C heiß – jeden Tag 3,9 Millionen Liter. Beim »Leukerbadner Gold« handelt es sich um ein Kalzium-Sulfat-Wasser mit leicht erhöhten Anteilen an Natrium, Strontium und Eisen sowie mit bemerkenswert hohem Fluoridgehalt. Die heilende Wirkung der Bäder wussten schon die Römer zu schätzen. Auch im Spätmittelalter, etwa zur Zeit des machthungrigen Walliser Kardinals Schiner (um 1465–1522) war Heilbaden sehr populär, ein gesellschaftliches Ereignis. Die warmen Quellen halfen gegen allerlei Zipperlein, auch »Weibern, die eine kalte Gebärmutter haben« (also möglicherweise unfruchtbar waren); es gab aber auch Skeptiker wie den berühmten Arzt Paracelsus, der zu Leukerbad meinte, dass »viele aus diesem Bade eine Krankheit mitbringen, die bis zum Tode bleibt«. Die hygienischen Verhältnisse dürften damals wohl nicht gerade optimal gewesen sein ... Ein anderer Mediziner, der aus dem Schwarzwald stammende Georgius Pictorius, sah das um 1560 etwas anders: »Es ist ein großes Bad, mit Wasser, das fast so heiss ist, dass man darin Eier kochen und Hühner braten kann. In seiner Mischung besteht es aus Kupfer und Erz und nützt sehr den dunklen und triefenden Augen, den Krampfadern, den schwachen Lungen und schwachen Mägen, stärkt die Verdauung und macht Appetit zum Essen, hilft den Milz- und Lebersüchtigen ebenso wie den Podagrakranken (Gicht) und denen, die Beinbrüche haben. [...] Das Wasser öffnet den harten Leib, Wunden, die schlecht geheilt sind, bricht es auf und heilt sie wieder zu.« Da mag der gute Mann etwas übertrieben haben, doch ganz sicher ist ein Bad nach der langen Wanderung übers Torrenthorn nicht nur angenehm entspannend, sondern auch noch gesund. Also auf in die Berge und hinein ins Wasser! Aufs Torrenthorn Die Torrentregion ist ein (beliebtes) Skirevier, und das merkt der Sommerwanderer auch gleich: für den Kommerz präparierte Natur. So steigt man von der Seilbahnstation neben einem Lift zunächst hinauf zum Hotel Torrenthorn (2460 m). Von dem grobklotzigen, im Sommer geschlossenen Haus führt ein Weg – zunächst pistenbreit, dann schmaler – hinaus zur Rinderhalte, wo rechts ein Schild zum Torrenthorn weist. Der Anstieg folgt im Wesentlichen dem Westgrat des Berges, erst moderat, dann kräftig steigend. In kurzen Kehren gewinnt man eine Kuppe (2889 m), dann geht’s an dem nun breiten Geröllrücken hinüber und hinauf zum Gipfel des Torrenthorns (2998 m; 2 Std.). Wer an der 3000er-Höhenmarke kratzen will, muss entweder sehr groß sein oder sich mit dem ausgestreckten Arm behelfen. Grandios das Panorama, eine gelungene Mischung von Nah-, Fern- und Tiefblicken, das bei Klarsicht nach Südwesten bis zum Mont-Blanc-Massiv reicht. Im vielzackigen Horizont sind fast alle Gipfelpromis der Berner und Walliser Alpen versammelt, viele sind leicht aufgrund ihres unverwechselbaren Profils zu identifizieren: Finsteraarhorn (4274 m), Bietschhorn (3934 m), Mischabel (4545 m), Weisshorn (4505 m), Matterhorn (4478 m), Dent Blanche (4357 m). Interessant ist auch der Blick auf die Gemmiregion mit Seilbahn, Passhotel und den flankierenden, schroffen Felszacken: links das Daubenhorn, rechts die Plattenhörner. Zu den Quellbächen der Dala Nach Gipfelrast und -schau steigt man auf dem gleichen Weg wieder ab bis zu den Wegweisern an der Rinderhalte (ca. 2460 m; 3 Std.). Hier beginnt die lange, aber nie langweilige Querung der felsdurchsetzten Nordwesthänge des Torrenthorns. Ein Schild mahnt Vorsicht an, warnt Ungeübte. Der weiß-rot-weiß markierte Weg traversiert zunächst, fast die Höhe haltend, einen abschüssigen Schutthang, unter dem senkrechte Felsabbrüche lauern, quert dann den Majinggraben. Am Majingbärg geht’s über teilweise steile Grashänge weiter; einige etwas heikle Passagen sind neu mit Drahtseilen versehen. Nach einem kurzen, aber steilen Gegenanstieg steht man auf einer Schulter (ca. 2380 m), die freie Sicht auf den Talkessel von Leukerbad bietet. Gewaltiges Gegenüber ist die Felswand von Montanj mit den Plattenhörnern (2855 m) und dem Rinderhorn (3448 m). Gut zu überblicken ist auch der Weiterweg, der, Abbrüchen ausweichend, schräg hinableitet zur Flüealp (2049 m; 5 Std.), zuletzt als holperige Fahrspur. Zur Dalaschlucht Ein paar Gehminuten vor der Sommerwirtschaft stößt man auf die Zufahrtsstraße. Sie führt sanft bergab zur Majingalp. Noch vor deren Hütten (1932 m) weist ein Schild spitzwinklig nach rechts. Im Zickzack geht’s hinab zur Under Majing, dann weiter zum winzigen Majingsee, wo man auf eine Sandpiste stößt (Rastplatz). Hier nicht links, sondern rechts (!) und über die Dala auf die nördliche Talseite. Nun mit der Straße, die erst zum Fahr-, dann zum Fußweg wird, über zwei Gräben talauswärts. Hinter der Chastlaweid beginnt der neue, spektakuläre Dala-Schluchtweg. Brücken, Treppen und Stiegen, solide zwischen den Felsen verankert, leiten durch den dantesken Winkel steil bergab, auf einer Hängebrücke quert man schließlich auf die linke Talseite. Nun auf dem (ab hier rollstuhlgängigen) Steg zur Mündung der Klamm und auf einem breiten Spazierweg hinunter nach Leukerbad (1402 m; 7 Std.). Wer das Rauschen der Dala noch im Ohr hat, wird möglicherweise gleich das Burgerbad aufsuchen. Das Thermalwasser ist auf jeden Fall wärmer als jenes des Bergbachs, was garantiert der Entspannung dient. Und die hat man sich nach der langen Gipfel-, Tal- und-Schluchtwanderung ehrlich verdient.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour11 km
Höhenunterschied1690 m
Dauer7.00 h
Schwierigkeit
StartortLeukerbad (1402 m)
AusgangspunktBergstation der Torrent-Seilbahn (2313 m), Talstation in Leukerbad
EndpunktLeukerbad
TourencharakterEin herrlicher Aussichtsgipfel, eine Höhen- und Talwanderung, eine beeindruckend wilde Klamm: drei Wanderziele in einer Tour. Von der Seilbahnstation bei der Rinderhütte zum Torrenthorn und zum großen Panorama sind es gerade zwei Stunden Aufstieg.
KartentippSwisstopo 1:50 000, Blatt 263 T
MarkierungenWeiß-rot-weiß, gelbe Wegzeiger
VerkehrsanbindungLeukerbad erreicht man von Susten im Rhonetal (Bahnstation) über eine gut ausgebaute Straße (Linienbus).
GastronomieRinderhütte, bei der Bergstation der Torrent-Seilbahn; Flüealp, Sommerwirtschaft
Tipps
Ein Dialekt wie (k)ein Anderer Die Walliser, sagen die Außerschweizer (damit meinen die Einheimischen alle übrigen Schweizer), wären manchmal etwas schwer zu verstehen. Damit ist nicht nur die Oberwalliser Mundart gemeint, ein zugegebenermaßen recht knorriger Dialekt, sondern auch die oft recht eigenwillige Art der Bergler im Südwesten des Landes. Auch bei einem Blick auf Flurnamen in der Leuker Gegend wird der im kühlen Norden Deutschlands beheimatete (aber nicht nur er) mächtig ins Grübeln geraten: Brentjong, Golyri, Grächtaplangna, Grifileggini, Maarunggli, Murmiltangil, Pärätu, Perischuhubil, Pflantschang, Praderotschi, Preggonttji, Prupärsü, Taschunieru, Tschajete, Tschanderünu, Tscharasina, Tschärmilonga, Tscholischumme, Turriljini. Leuk, das muss hier angemerkt werden, liegt allerdings nahe der Sprachgrenze. Und die wanderte im Laufe der Jahrhunderte mehrfach im Tal, weshalb sich in mancher »deutschen« Bezeichnung auch noch welsche Wurzeln finden dürften. Wie beispielsweise beim Pfyfoltru, dem Schmetterling, der auf den französischen »papillon« zurückgeht. Alles klar oder giz där schi?
Informationen
Tourist-Info Leukerbad Tourismus, Rathaus, CH-3954 Leukerbad, Tel. 027/472 71 71, E-Mail: info@leukerbad.ch, www.leukerbad.ch