Staufen, Sulzburg und Kastelberg

Von der Fauststadt durch die Weinberge.
Wald- und aussichtsreiche Weinbergwanderung auf meist bequemen Wegen, nur der Aufstieg zum Enggründlekopf ist steil. (Autor: Chris Bergmann)
19 km
500 m
4.00 h
Fauststadt Staufen.
Vom Bahnhof Staufen geht es ins autofreie Zentrum der sehenswerten Altstadt, in der sich 1539 der Magier Dr. Johannes Faust in die Luft gesprengt haben soll. Im »Gasthaus zum Löwen« am Marktplatz soll sich der Überlieferung zufolge Faust aufgehalten haben, um dem Freiherrn von Staufen Gold zu brauen. Faust, der sich mit Medizin, Astrologie und Alchimie beschäftigte, wurde schon in den Berichten der Zeitgenossen mit sagenhaften Zügen ausgestattet und zum Prototypen eines zwischen Renaissance und Humanismus stehenden skrupellosen Abenteurers und Scharlatans verzerrt, der »Wunder« nicht mit der Hilfe des Herrgotts bewirkte, sondern mit dem Bösen im Bund stehen musste. Zu den Faust zugeschriebenen »Wundern« zählen eine Geisterbeschwörung, diverse Prophezeiungen und Zauberkunststücke sowie ein Flugversuch in Venedig. Während seines Aufenthalts in Staufen soll er in einer Nacht des Jahres 1539 vom Teufel geholt worden sein - Faust wurde nach einer Explosion mit rußgeschwärztem Gesicht am Boden gefunden.
Über den Enggründlekopf.
Am malerischen Marktplatz von Staufen geht es rechts durch die Fußgängerzone weiter zur Brücke über den Neumagen, kurz flussaufwärts und an der evangelischen Kirche vorbei, dann taucht das Wiiwegli hinter dem Bahnhof Staufen-Süd in die Rebfluren ein und führt hinüber in das Winzerdorf Grunern. Beim Rathaus verlassen wir das Wiiwegli, zweigen links auf die Altenbergstraße ab und folgen ihr mit der Markierung »gelbe Raute« bis zum Friedhof, hier links auf dem Eschwaldweg Richtung Wald (weiter geradeaus befindet sich der keltische Baumkreis). Kurz hinter der Ausmündung des Katzentals wechselt die Markierung rechts auf den Bergrücken und leitet auf dem Waldpfad mit immer wieder sehr schöner Aussicht hinauf zum Katzenstuhl. Nach einer Verschnaufpause geht es weiter aufwärts zum Enggründlekopf auf dem alten »Dreiländereck« zwischen Staufen, Sulzburg und Münstertal. Hier führen Richtungswegweiser und die »gelbe Raute« rechts hinab nach Sulzburg, anfangs auf einem steilen Pfad, dann auf bequemen Forstwegen.
Historisches Sulzburg.
Die Stadt Sulzburg ist Luftkurort im Markgräflerland am Austritt des Sulzbachtals aus dem Hochschwarzwald. Im Norden und Süden wird die frühere markgräfliche Residenzstadt von Weinbergen umrahmt, im Osten gehen die Weinberge nahtlos in den Hochschwarzwald über, wo die Quellbäche des Sulzbachs am Belchen entspringen. Wohl schon die Kelten nutzten die Salzquellen von Sulzburg zur Kochsalzgewinnung, 840 wird der Ort als »Sulzibergeheim« erstmals erwähnt. Die im Jahr 993 geweihte ehemalige Benediktinerinnenklosterkirche ist eine dreischiffige ottonische Pfeilerbasilika. Markgraf Ernst von Baden-Durlach ließ Sulzburg ab 1515 zur Residenz ausbauen, vom Schloss ist jedoch so gut wie nichts mehr zu sehen: Soldaten des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. zerstörten es 1690. Dem bis 1832 betriebenen Bergbau widmen sich der am Torturm beginnende Bergbaugeschichtliche Wanderweg und das Landesbergbaumuseum Baden-Württemberg in der ehemaligen Stadtkirche am Marktplatz; sie war während der Herrschaft der Markgrafen die Schlosskirche. Die Ernst-Leitz-Schule ist benannt nach dem 1843 in Sulzburg geborenen Gründer der Leitz-Werke in Wetzlar, die mit Mikroskopen Weltruhm erlangten und ab 1925 die Kleinbildkamera »Leica« bauten.
Kastelberg.
Außerhalb (unterhalb) des Stadttors leitet die Trauben-Markierung des Wiiwegli dem Kastelberg zu; der Abstecher zum Aussichtsturm ist ausgeschildert. Die Erhebung des Kastel- oder Castellbergs ist besonders für seine herrliche Weitsicht über das Markgräflerland bekannt. Schon in keltischer Zeit bestanden auf der Kuppe Befestigungswerke, ein nachfolgendes römisches Kastell aus der Zeit um 70 n.Chr. gab dem Berg und dem Castellberger Wein seinen Namen. Die Ruinenreste einer mittelalterlichen Höhenburg, die wie die Üsenberger-Burg auf dem Sulzburger Schlössleberg um 1100 zum Schutz des Bergbaus errichtet wurde, sind frei zugänglich, auf dem Gelände der ehemaligen Burg erhebt sich auch ein Aussichtsturm. Von hier aus hat man einen weiten Blick auf die Rheinebene vom Breisacher Münsterberg bis hinunter zur Burgundischen Pforte. Ein besonderes Naturparadies ist der Gipfelbereich: Als Standort seltener Gehölz- und Halbtrockenrasengesellschaften sowie ausgedehnter Gebüschflächen, die zahlreichen Vogel- und Insektenarten Lebensraum bieten, steht er unter Naturschutz. Im rebenbedeckten Westhang des Kastelbergs führt das Wiiwegli zur Straußenwirtschaft »Ziegelhof« in Ballrechten und dann durch die Weinhänge des Fohrenbergs zurück nach Grunern. Dort folgen wir vom Rathaus demselben Weg wie beim Hinweg zurück nach Staufen.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour19 km
Höhenunterschied500 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
StartortStaufen (288 m), Wein- und »Fauststadt« mit sehenswertem Altstadtkern im Südschwarzwald am Rand des Markgräflerlands.
AusgangspunktBahnhof Staufen (Breisgau). Ein Großparkplatz befindet sich zwischen der Altstadt und dem Fluss Neumagen.
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterVon der Fauststadt Staufen, in deren sehenswerten mittelalterlichen Altstadtkern sich der Magier Dr. Johannes Faust in die Luft gesprengt haben soll, führt diese Wald- und aussichtsreiche Weinbergwanderung über das Enggründle in die Bergbau- und ehemals markgräfliche Residenzstadt Sulzburg und auf dem Markgräfler Wiiwegli über den Kastelberg zurück. Der Kastel- oder Castellberg ist eine der aussichtsreichsten Erhebungen des Markgräflerlands. Eltern mit kleineren Kindern starten am besten in Grunern am Waldparkplatz Eschwald und verschieben den Gang durch die Fauststadt auf den Schluss der Wanderung.
Beste Jahreszeit
KartentippFreizeitkarte 1 - 50000 Blatt 508 Lörrach/Naturpark Südschwarzwald, Blatt 3 (Landesvermessungsamt Baden-Württemberg).
VerkehrsanbindungBahnlinie Bad Krozingen – Staufen – Münstertal. Mit dem Auto A 5 Basel– Karlsruhe, Ausfahrt Bad Krozingen.
GastronomieStaufen, Grunern, Sulzburg, Ballrechten.
Tipps
Keltischer Baumkreis am Eschwald. Der im Jahr 2000 gepflanzte »keltische Baumkreis« am Waldparkplatz Eschwald in Grunern erinnert an die Kelten, deren Kultur in vieler Hinsicht – Namen, Mythen und Märchen – im Schwarzwald bis heute fortlebt. Die Kelten, in der Bibel heißen sie Galater, waren kriegerische Migranten, die um 1000 v.Chr. aus Anatolien und anderen Gegenden Asiens aufbrachen und mit ihren Metallwaffen die Urbevölkerung in weiten Teilen Europas verdrängten. Der keltische Baumkreis erinnert an dieses in einer streng hierarchisch gegliederten Kastengesellschaft lebende Volk und seinen Mondkalender - Das Jahr war eingeteilt in 13 Monate zu 28 Tagen und einem Schalttag (23.12.). Jedem Monat, den Winter- und Sommersonnenwenden sowie den Frühlings- und Herbst-Tagundnachtgleichen wurde ein Baum bzw. eine Pflanze zugeordnet: 24.12.–20.1. Birke; 21.01.–17.2. Eberesche; 18.2.–17.3. Esche; 18.3.–14.4. Erle (21.3. Stechginster); 15.4.–12.5. Weide; 13.5.–9.6. Weißdorn; 10.6.–7.7. Eiche (21.6. Linde); 8.7.–4.8. Ilex; 5.8.–1.9. Haselstrauch; 2.9.–29.9. Weinstock (23.9. Espe); 30.9.–27.10. Efeu; 28.10.–24.11. Schilf; 25.11.–23.12. Holunder (21.12. Eibe; 22.12. Kiefer).
Tourismusbüro
Tourist-Information Staufen, Hauptstraße 53 (im Rathaus), 79219 Staufen im Breisgau, Tel. 07633/80536, www.staufen.de. Tourist-Information Sulzburg, Am Marktplatz, 79295 Sulzburg, Tel. 07634/560040, www.sulzburg.de

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