Sentiero Franco Galli

Anghébeni – Monte Trappola – »Sentiero Franco Galli« – Selletta Battisti – Corno Battisti – Bocchetta di Foxi – Valle di Foxi – Anghébeni (Autor: Eugen E. Hüsler)
Der Festungsberg.
Das markante Horn war während des Krieges heftig umkämpft, schließlich wurde es von den Italienern zu einer eigentlichen Festung ausgebaut. Das erst vor ein paar Jahren wieder begehbar gemachte Stollennetz steigt bis fast zum Gipfel an, verzweigt sich dabei mehrfach. Der 1987 markierte und abschnittweise gesicherte »Sentiero Galli« folgt den alten Kriegssteigen auf und in den Berg - sehr spannend!
Zustieg.
In Anghébeni (632 m) startend, folgt man zunächst dem ehemaligen Militärsträßchen in das Valle di Foxi. Nach einem Kilometer zweigt links der Weg in den Waldgraben des Val di Grobe ab (Tafel). Aus dem Ziehweg wird bald eine schmale Zickzackspur, die kräftig ansteigt. Bei einer Hütte wendet sich das Weglein nach links gegen die Sella di Trappola (1434 m), wo der nordseitige Zustieg von Valmorbia einmündet (Tafeln; 2.15 Std.).
Sentiero Franco Galli.
Die Markierungen leiten links vom Grat in eine Steilrinne, die man am sichernden Drahtseil durchsteigt. Ein kurzer Stollen leitet auf die Ostseite, Drahtseile helfen über einen zweiten Aufschwung. Er mündet in ein Horizontalband, wo links eine Tafel zur ehemaligen italienischen Stellung Pulcinella weist. Über Treppen (Drahtseil) und ein Band steigt man auf zur Artilleriestellung in einem Felsturm. Schöner Blick über das Vallarsa. Die Fortsetzung des »Sentiero Galli« führt in die winzige Selletta di Trappola (1550 m), dann unmittelbar am Wandfuß links ansteigend zu einem kurzen Tunnel. Man verlässt ihn über ein paar zementierte Stufen und quert in den steinigen Canalone. In ihm etwas mühsam aufwärts – zweimal den Graben querend – bis zum Ansatzpunkt der markanten Terrasse, die Vorbau und Hauptgipfel des Corno Battisti trennt.
In den Berg.
Über eine kleine Felsstufe kommt man zum »Löwenmaul« (Bocca di Leone), dem Eingang des ausgedehnten Stollensystems im Innern des Corno Battisti. Über gemauerte Stufen geht’s bergan, zunächst noch mit ausreichend Tageslicht. Ein erster Ausstieg führt auf ein gesichertes Horizontalband im obersten Bereich des erwähnten Canalone, der zweite (Schild »Uscita«) auf die Minischarte an ihrem Ansatzpunkt. Wer sich von dem stockfinsteren Loch nicht abschrecken lässt, hält sich rechts und steigt im Berg weiter an, die Hand am fest verankerten Drahtseil. Der Stollen steigt zunächst noch steil an, wird nach gut 150 Metern flacher. Man befindet sich knapp unter dem Gipfel des Corno Battisti. Kurze Stichstollen führen zu Felsenfenstern mit packenden Aus- und Tiefblicken; eine Galerie nach links zum Sanitätsraum, wo die Verletzten Erste Hilfe erhielten.
Ein direkter Ausstieg zum Gipfel ist nicht mehr möglich; man folgt dem Hinweis »Pozza della Carrucola«. Und durch einen engen, senkrechten Schacht (carrucola) steigt man an Eisenkrampen ab zu einer Kaverne am Felsfuß und zu einem Loch, das einen ans Tageslicht entlässt. Eine Geröllspur führt kurz abwärts zu einem Wegschild. Hier biegt man wieder ein in den »Franco-Galli-Steig«. Er steigt an einem verstrauchten Hang im Zickzack an zur Selletta Battisti (1718 m). Aus der kleinen Senke im Rücken des Corno einer dünnen Spur folgend zum Gipfel mit einem gemauerten Beobachtungsposten (4.15 Std.).
Zurück über die Bocchetta di Foxi.
Wenig oberhalb des Jochs erinnert eine Gedenkstätte an die Gefangennahme von Cesare Battisti und seinem Mitstreiter Fabio Filzi. Hier gabelt sich der Weg: Links geht’s zum Valico del Menderle und hinab nach Valmorbia, rechts kurz ansteigend, dann sanft bergab in die Bocchetta di Foxi (1720 m). Aus der Scharte leitet ein alter Kriegsweg in vielen Serpentinen hinab ins Valle di Foxi. Auf einer Schotterpiste wandert man talauswärts und zurück nach Anghébeni (6.30 Std.).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour12 km
Höhenunterschied1200 m
Dauer6.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktAnghébeni (632 m) im Vallarsa, alternativ auch Valmorbia (643 m)
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterEr ist kein Berg wie jeder andere, der Monte Corno Battisti (1760 m), doch hat das weniger mit seiner beherrschenden Position über dem mittleren Vallarsa zu tun, sondern historische Gründe. In der Nähe des Gipfels, an der namenlosen Kuppe 1778 m der topographischen Karte des IGM, wurde im Juli 1916 Cesare Battisti bei einer Attacke auf die österreichischen Stellungen gefangen genommen. Battisti, 1875 in Trient geboren, war Patriot und treibende Kraft der Irredenta, einer politischen Bewegung, die sich den Anschluss »unerlöster italienischer Volkstumsgebiete« auf die Fahne geschrieben hatte. Als Mitglied des Wiener Reichtags galt er den Österreichern als Landesverräter, weil er sich nach Kriegsbeginn auf die Seite Italiens geschlagen hatte und in die Armee des Feindes eingetreten war. Die Donaumonarchie wollte an ihm ein Exempel statuieren, ließ ihn deshalb zum Tod durch den Strang verurteilen. Mit dem Argument, ein Verräter sei keinen Schuss Pulver wert, verweigerte man ihm sogar den ehrenvolleren Tod. So wurde Battisti zum Märtyrer. Er hat sich übrigens nie für einen Anschluss Südtirols an Italien eingesetzt – Battisti kämpfte für die Salurner Grenze.
Hinweise
Zitat. »Scharfrichter! Walten sie ihres Amtes!« Im nächsten Augenblick hatten die beiden Gehilfen die Riemen von dem Verurteilten gelöst und hoben ihn zum Galgen empor. Josef Lang (der Scharfrichter) stand auf einer Treppe hinter dem Richtpflock und legte sofort eine kurze Doppelschnur um den Hals. Die Schnur war aus gutem Hanf, sehrweich und eingeseift und stammte vom Hofseiler. Das Ende dieser Schnur wurde an einem Haken am oberen Ende des Galgens befestigt. Auf einen Wink zogen die Gehilfen an den Füßen des Verurteilten – ein jäher, plötzlicher Ruck und nach wenigen Sekunden war dem Gesetz Genüge getan. Aus den »Erinnerungen eines österreichischen Scharfrichters«
KartentippSezione Vicentine del CAI 1 - 20 000 »Pasubio – Carega«; Kompass 1:50 000, Blatt 101 »Rovereto – Monte Pasubio«
VerkehrsanbindungVon Rovereto auf der sehr kurvenreichen Talstraße nach Anghébeni, 16 km. Busverbindung, kleiner Parkplatz am Ortsausgang
GastronomieUnterwegs keine Hütte
Tipps
Werk Valmorbia. Nordwestlich von Valmorbia schiebt sich ein schroffer Felsriegel weit ins Vallarsa hinein. Wer genauer hinguckt, entdeckt in den Abbrüchen schwarze Stollenfenster - das Werk Valmorbia (ex-Forte Pozzacchio). Es wurde vor 1914 von den Österreichern erbaut, nach Kriegsbeginn von den Italienern besetzt und »umgedreht« (Stoßrichtung Rovereto), während der Maioffensive 1916 dann von Kaiserschützen unter dem Kommando des Oberleutnants Alfred Enrich im Handstreich nach erbittertem Kampf genommen. In der Folge wurde es erneut um- und ausgebaut. Die Besitzerwechsel sind auch der Grund dafür, dass von beiden Seiten Straßen zur Festung führen. Von der Staatsstraße (Hinweis »Forte Pozzacchio«) Zufahrt bis zu einem Parkplatz (Schautafel), dann weiter auf der ehemaligen österreichischen Zufahrt (in Tunnel Vorwerk mit MG-Stellungen). Vorbei an einem Gedenkstein für die gefallenen Alpini zum Kehlgraben der Anlage, die weitgehend in den Fels gebaut wurde (Stollen zum Teil begehbar – Vorsicht!).
Informationen
Gehzeit - Gesamt 6.30 Std. Anghébeni – Sella di Trappola 2.15 Std., »Sentiero Galli« 2 Std., Abstieg 2.15 Std. Wählt man Valmorbia als Ausgangspunkt, ergibt sich mit Abstieg über die Scharte von Menderle (1679 m) eine Gesamtgehzeit von etwa 7 Std. Sehr steile und raue Wege!
Tourismusbüro
APT Rovereto, Corso Rosmini 6, I-38068 Rovereto; Tel. +39/0464/430363, Fax 435528, info@visitrovereto.it, www.visitrovereto.it

Lust bekommen? Noch mehr Touren finden Sie in unserem Buchtipp:

Eugen E. Hüsler

Leichte Klettersteige Dolomiten

70 leichte Klettersteige in den Dolomiten Südtirols, des Trentino und des Bellunese, vom »Klettersteigpapst« Eugen E. Hüsler.

Jetzt bestellen