Schluchten und Wasserfälle

Abwechslungsreiche Runde in Talnähe bzw. im Talbereich, überwiegend gute Wege. In der Aareschlucht solider Steg mit Geländer. Die Begehung des neuen Felspfades durch die Alpbachschlucht dagegen erfordert ein Minimum an Bergerfahrung und Schwindelfreiheit (kann auch ausgelassen werden). Reichenbachfall und Aareschlucht auch für Familien geeignet. (Autor: Eugen E. Hüsler)
0 km
400 m
4.00 h
Fin de Siècle in Meiringen »Hier hat man das Urbild eines ächten Berner Gebirgsdorfes mit allem dazu gehörigen romantisirenden Ausstattungs-Apparat von steil aufragenden Fluhwänden, ausgezackt verwitterten Felsenhörnern, schäumenden Wasserfällen, Firn-zinken und Gletscherwüsten, sprudelnden Brunnen des köstlichsten, krystallklarsten Quellwassers und tiefbraune, steinbelastete Holzhäuer. Letztere sind es, welche dem Ort das typische Gepräge verleihen.« Da übertreibt der Reiseführer von 1878 ein wenig, vor allem Gletscherwüsten sucht man rund um Meiringen vergebens. Und aus dem »Urbild eines ächten Berner Gebirgsdorfes« ist längst ein fast schon städtisch wirkender Ort geworden. Schuld hat der Föhn, der »älteste Haslitaler«; im Herbst 1891 brannte in einer Sturmnacht das halbe Dorf nieder. Zu jener Zeit war Meiringen bereits ein belieb-tes Reiseziel, erstes Haus am Platz der »Wilde Mann« (heute Hotel Sauvage).Der Reichenbachfall Noch vor der Wende zum 20. Jahrhundert wurde eine der großen Sehenswürdigkeiten der Gegend, der Reichenbachfall, durch eine Standseilbahn erschlossen. Sie erlebte eine recht wechselvolle Geschichte, präsentiert sich heute, obwohl vor ein paar Jahren technisch erneuert, in nostalgischem Gewand: Seit 1999 verkehren die beiden originalgetreu nachgebauten Holzwagen wieder auf der 714 Meter langen, bis zu 58 % steilen Strecke. Von der Aussichtsterrasse genießt man nicht nur einen Prachtblick auf die stiebenden Wasser (3–30 Kubikmeter pro Sekunde); am Felsabbruch links vom Fall soll jener legendäre Kampf zwischen Sherlock Holmes und seinem Widersacher, Professor Moriarty, stattgefunden haben, bei dem beide in den Tod stürzten. Arthur Conan Doyles große Lesergemeinde protestierte aber vehement gegen den Tod des »größten Detektivs der Welt«. So blieb dem Autor nichts anderes übrig, als seine berühmte Roman?gur wieder zum Leben zu erwecken ...Aareschlucht Nicht ganz ungefährlich war wohl auch der Bau »einer Galerie und eines Fusswegs durch die so genannte Aarlamm von der Sandey bis zu der Hof-Meiringen-Strasse im Lammi«; der Steg wurde 1888 eröffnet und verzeichnete noch im gleichen Jahr 12 000 Besucher. Zehn Jahre später verlängerte man den Weg bis zum Ostausgang der Klamm; gleichzeitig wurde die Trockene Lamm durch eine Eisenbrücke und einen luftig verwegenen Steig erschlossen (1960 wieder abgebrochen). Es handelt sich bei der Trockenen Lamm um einen älteren Aarelauf im Bereich des Kirchet; insgesamt sind an diesem Felsriegel zwischen Innertkirchen und Meiringen sechs Schluchten nachgewiesen. Sie stammen aus Zwischeneiszeiten, wurden während der Kälteperioden von den vorstoßenden Gletschern jeweils mit Moränenmaterial zugeschüttet, sodass sich der Fluss immer wieder einen neuen Lauf graben musste.Noch eine Klamm Nicht ganz so spektakulär ist die Alpbachschlucht gleich über Meiringen, die bereits 1891 ihren Weg bekam, der 1921 immerhin über tausend Eintritte verzeichnete, in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen aber allmählich in Vergessenheit geriet. Später baute die Schweizer Armee am Zugang einen Beobachtungsposten, aber erst anfangs des 21. Jahrhunderts erinnerte man sich wieder an den spannenden Weg, der 2008 ein zweites Mal eingeweiht werden konnte.Zum Reichenbachfall Vom Bahnhof Meiringen (595 m) spaziert man durchs Dorf und hinunter zur Aare. In Willigen (621 m) zweigt rechts das Sträßchen nach Schwendi ab. Der markierte Wanderweg (Tafel an der Hauptstraße) kürzt seine Schleifen teilweise ab. Hinter dem (geschlossenen) Gasthaus Schwendi (792 m) führt er über Wiesen schräg aufwärts, dann im Wald zu jener Stelle, an der Sherlock Holmes und sein Gegner im Kampf über eine schroffe Wand in den Reichenbachfall stürzten. Die Fortsetzung des Weges läuft zunächst unter Felsbalmen hindurch, steigt dann hinauf zur Straße nach Rosenlaui und zum Gasthaus Zwirgi (983 m; 1.30 Std.). Hier mündet der Zustieg von der Standseilbahn. Es emp?ehlt sich auf jeden Fall, kurz bis zu der Aussichtskanzel vor dem Reichenbachfall abzusteigen (20 Min. hin und zurück).In die Aareschlucht Von Zwirgi geht’s auf einem parallel zur Straße verlaufenden Weg hinab zum Weiler Geissholz (786 m) in idyllischer Lage auf einem Wiesenplan und weiter über den bewaldeten Chirchen-Hang hinunter in den ?achen Innertkirchner Talboden. Bei den Häusern von Wychel (619 m) wendet man sich links zur Hauptstraße, die zum Osteingang der Aareschlucht (Kasse) ansteigt. Ein bestens gesicherter Steig verläuft durch die grandiose, fast anderthalb Kilometer lange Schlucht, deren Felswände an der engsten Stelle (Große Enge) gerade noch einen Meter voneinander entfernt sind. Etwa nach einem Wegdrittel entdeckt man auf der gegenüberliegenden Flussseite ein paar Löcher im Fels. Es handelt sich dabei um eine im Zweiten Weltkrieg angelegte, nie genutzte Kaverne. Wenig weiter stecken hoch im Fels noch ein paar Eisenstangen, Überreste des (leider) demontierten Zugangs zur Trockenen Lamm.Die Alpbachklamm Vom Westeingang der Klamm geht’s zurück nach Meiringen (3.15 Std.). Am Milibach schlägt man den Kirchweg zum Hasliberg (Reuti) ein und folgt ihm bis zur fünften Kehre. Hier zweigt links der Schluchtpfad ab. Steil, teilweise über Steinstufen, geht’s aufwärts zur Mündung der Klamm, die auf solider Brücke gequert wird. Drahtseile, da und dort auch Geländer sichern den Aufstieg durch die Klamm, der sich links über dem rauschenden Wasser vollzieht. Von einer kleinen Kanzel bietet sich ein schöner Blick auf den oberen Wasserfall.Man entsteigt der Schlucht auf die Wiesen von Schrändli (830 m; 4 Std.). Wenig höher, am Weiterweg nach Reuti, stehen auf einem Grundstück mehrere moderne Skulpturen – in eigenartigem, aber nicht uninteressantem Kontrast zur Bergnatur. Auf dem Kirchweg schlendert man abschließend hinab nach Meiringen (4.30 Std.).

Gesamt 4.30 Std.

Meiringen – Zwirgi 1.30 Std., Zwirgi – Aareschlucht – Meiringen 1.45 Std., Meiringen – Alpbachschlucht – Meiringen 1.15 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour0 km
Höhenunterschied400 m
Dauer4.00 h
StartortMeiringen (595 m)
AusgangspunktBahnhof Meiringen
EndpunktBahnhof Meiringen
TourencharakterMit Gletschergipfeln und Viertausendern kann Meiringen nicht aufwarten; dafür hat es andere Sensationen anzubieten. Wer jetzt an die süße Ver-

suchung des Berner Oberlandes denkt, die Meringue, liegt zwar nicht unbedingt falsch, in unserem Fall geht’s aber um Naturwunder. Und da spielt in der kleinen »Tour de Meiringen« das Wasser die Hauptrolle. Stiebend stürzt es an der Mündung des Reichenbachtals über eine gut 100 Meter hohe Felsstufe herab, Wasser hat in Jahrtausenden auch den Felsriegel des Kirchet zersägt und die sensationelle Aareschlucht geschaffen. Erst vor Kurzem wiederentdeckt und begehbar gemacht wurde die malerische Alpbachschlucht nördlich über dem Dorf.

Alle drei Sehenswürdigkeiten liegen an einer abwechslungsreichen Wanderrunde. Und wenn sich unterwegs der Hunger meldet, lässt man sich halt in einer Wirtschaft am Weg nieder und bestellt das kulinarische Highlight der Region – hmm ...
Beste Jahreszeit
KartentippSwisstopo 1:50 000, Blatt 255 T
MarkierungenGelbe Wegzeiger, gelbe und weiß-rot-weiße Markierungen
VerkehrsanbindungNach Meiringen kommt man von Interlaken oder von Luzern via Brünigpass sowohl per Bahn/Bus als auch über gut ausgebaute Straßen.
GastronomieIn und um Meiringen, außerdem Gasthaus Zwirgi, Aareschlucht
Tipps
ZWIRGI Natürlich gibt es einige schöne Plätze rund um Meiringen, aber das Gasthaus Zwirgi hat sich einen besonders reizvollen ausgesucht, ein paar Hundert Meter über dem Talboden mit freier Sicht auf den Hasliberg und seinen Gipfelkranz. Der Neubau von 2003 passt sich gut in die Landschaft ein, die sechs Zimmer sind individuell eingerichtet: einmal schlafen auf »Wolke 7« oder in »1001 Nacht«. Küche und Keller verwöhnen auch anspruchsvolle Gäste. Insgesamt ein echtes Gast-Haus, in dem man sich bald als Freund und nicht mehr als Fremder fühlt. Gasthaus Zwirgi, geöffnet Mitte Dezember bis Anfang November, CH-3860 Meiringen, Tel. +41(0)33/971 14 22, E-Mail: gasthaus@zwirgi.ch, www.zwirgi.ch
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