Schauenburg und Allerheiligenfälle

Burgruine, Aussicht und Wasserfallschlucht.
Wald- und Aussichtswanderung, für die festes Schuhwerk erforderlich ist. Mit kleinen Kindern ist es am besten, am Wasserfall-Parkplatz unterhalb von Allerheiligen zu parken und längs der Wasserfälle zum ehemaligen Kloster hinaufzuwandern. (Autor: Chris Bergmann)
24 km
600 m
5.00 h
Sehenswertes Oberkirch.
Wer die Besichtigung der Altstadt von Oberkirch an den Schluss der Wanderung stellen will, setzt sich am Bahnhof Oberkirch (191 m) ins Taxi und lässt sich zur Ruine Schauenburg chauffieren, wo sich auch ein Parkplatz befindet; dadurch spart man gut 200 Höhenmeter im Anstieg und einige Asphaltpassagen. Ansonsten führt nach Queren der Eisenbahnstraße vor dem Bahnhof Oberkirch (191 m) die als Fußgängerzone ausgewiesene Bahnhofstraße geradeaus in die sehenswerte Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern und der Bachanlage hinein. Spätestens an der Bachanlage geht es rechts weiter, auf der autofreien Apothekergasse links zur Hauptstraße (Bundesstraße) und hier rechts stadtauswärts, bis die Markierung »blaue Raute« links in die Stadtgartenstraße abzweigt und am Stadtgarten vorbei sowie durch die Burgstraße zum Teil steil zur Ruine der Schauenburg (397 m) hinaufführt.
Heimat- und Grimmelshausen-Museum.
Das Heimat- und Grimmelshausen-Museum im Alten Rathaus an der Hauptstraße 32 präsentiert auf drei Stockwerken die Stadtgeschichte, Handwerk und Brauchtum sowie den Lebensweg des Barockdichters Johann Jakob Christoph von Grimmelshausen, der hier mehrere Jahre lebte und an seinem bedeutendsten Werk, dem Roman über den Dreißigjährigen Krieg »Der Abentheurliche Simplicissimus Teutsch«, schrieb. Als Verwalter der schauenburgischen Güter lebte Grimmelshausen 1649–60 in Gaisbach unterhalb der Schauenburg und kümmerte sich um die während des Dreißigjährigen Kriegs vernachlässigten Besitzungen der Schauenburger. Dabei ließ er u.a. den Südturm der Schauenburg abtragen und die Steine ins Tal rollen, wo sie zum Aufbau des Gaisbacher Schlosses verwendet wurden (in ihm lebt bis heute die Familie von Schauenburg). Die Verwaltungstätigkeit erlaubte es ihm, die sog. Spitalbühnd in Gaisbach zu erwerben und zwei Häuser darauf zu erbauen; eines dieser beiden Häuser ist das Gasthaus »Zum Silbernen Stern« (Hauptstraße 34), in dem Grimmelshausen 1665–67 als Gastwirt tätig war. Da die Wirtschaft hauptsächlich von seiner Frau und den Töchtern besorgt wurde, fand er nun die Zeit für eine fruchtbare literarische Produktion. 1667 wurde er Schultheiß in Renchen.
Ruine Schauenburg.
Die Schauenburg (397 m) auf einem Granitvorsprung hoch über Oberkirch und dem Renchtal zählt zu den mächtigsten Burgruinen des Schwarzwalds. Die Anlage mit ihrer 4 Meter dicken Schildmauer, zwei erhaltenen von ursprünglich fünf Wohntürmen und der spätgotischen Ulrichskapelle bietet einen einzigartigen Blick über die Rheinebene hinweg zu den Türmen von Straßburg sowie bei klarer Sicht bis zu den Vogesen. Errichtet wurde die Burg um 1100 von Herzog Berthold II. von Zähringen zur Sicherung des Schwarzwald-Übergangs von Straßburg durch das Renchtal über den Kniebis ins Neckartal. Als Heiratsgut für Bertholds Tochter Luitgard, die mit Gottfried von Calw verheiratet war, gelangte sie an die Grafen von Calw. 1197 starb in der Burg Gräfin Uta von Calw, die Gründerin des Klosters Allerheiligen (1196); die Gräfin nannte sich nach der Trennung von ihrem Mann Welf VI. »Herzogin von Schauenburg«. Nach wechselvollem Schicksal fiel die Burg an die Grafen von Eberstein bis zu deren Aussterben (1660). Am zugeschütteten Brunnen im Burghof zeigt sich alle sieben Jahre eine »weiße Frau« und bittet um einen Trunk Wasser, damit sie erlöst wird.
Zum Eselsbrunnen.
Von der Ruine Schauenburg führt die »blaue Raute« kurz auf einem Pfad, dann auf einem bequemen Hangweg im Wald weiter. Nach der Trennung von ihrem Mann bedeutete der Gräfin Uta von Schauenburg ein Traumgesicht, ein Kloster zu stiften. Sie war eine der reichsten Frauen ihrer Zeit, entsprechend üppig war die Weisung im Traum - Sie solle einen Esel mit einem Sack Gold beladen und ihn frei laufen lassen, um einen geeigneten Platz für das zu gründende Kloster zu finden. Dem Weg, den der Goldesel nahm, folgt heute in etwa die »blaue Raute«: Zunächst geht es im Hang des Eselskopfs hinauf zum Simmersbacher Kreuz (602 m), wo die Grindenblickhütte hoch über den Tälern von Acher und Rench zur Rast einlädt und der Blick hinauf zum Grindenkamm schweift, dann führt der Weg über den aussichtsreichen Simmersbach-Kopf (689 m) weiter zum Parkplatz in Lautenbach-Sohlberg (636 m) und am Hofererfelsen vorbei zur Knappeneckhütte (760 m), einer Schutzhütte mit Grillplatz. Gleich darauf ist der Eselsbrunnen erreicht. Der Legende zufolge lief der mit dem Sack Gold beladene Esel 1191 los, und als er durstig wurde, scharrte er mit seinen Hufen im Sattel zwischen Sohlberg und Eselskopf eine Quelle frei, die seither »Eselsbrunnen« genannt wird. Eine Inschrift an der Quelle erinnert daran: »Anno 1191/Ward hier ein Esel durchgeführt,/Von dessen Huf der Brunn herrührt.« Als der Esel genug getrunken hatte, lief er noch eine Weile weiter und warf schließlich den Goldsack ab, der ins Tal hinabrollte. Wo der Sack liegen blieb, wurde das Kloster Allerheiligen gegründet: Recht steil führt die »blaue Raute« hinab.
Kloster Allerheiligen.
Die gotischen Ruinen des ehemaligen Prämonstratenserklosters Allerheiligen (620 m) oberhalb der Büttensteiner Wasserfälle im Lierbachtal zählen zu den romantischsten Ausflugszielen im mittleren und nördlichen Schwarzwald. Jahrhundertelang war das 1191 von Uta von Schauenburg gegründete Kloster ein geistig-kulturelles und wirtschaftliches Zentrum der Region, 1657 wurde es zur Abtei erhoben. Die eindrucksvolle Ruine der ehemaligen Klosterkirche und ein Rest des spätbarocken Klostergartens zeugen von der Blütezeit der Abtei, die während der napoleonischen Kriege 1803 säkularisiert (zwangsaufgelöst) wurde, an die Markgrafschaft Baden fiel und in den folgenden Jahrzehnten als Steinbruch geplündert wurde. Neben Teilen der spätromanischen Westfassade der Kirche einschließlich der teilweise rekonstruierten Vorhalle sind Teile des gotischen Langhauses und des Kreuzgangs erhalten. Die um 1220–50 errichteten Ostteile der Kirche zählen zu den frühesten Bauten der Gotik im mittleren Schwarzwald. Neben der Kirchenruine lädt eine Gaststätte zur Einkehr, im ehemaligen Gesindhaus unterhalb der Ruine ist ein Informationszentrum eingerichtet.
Die Allerheiligenfälle.
Die Allerheiligenfälle unterhalb der Ruinen von Kloster Allerheiligen bilden eine 83 Meter hohe Wasserfalltreppe in der Lierbachschlucht. Ursprünglich wurden sie Büttensteiner Wasserfälle genannt, da sieben Einzelwasserfälle in sieben Bütten genannte Becken hinabtosen. Ein erster Steig zur touristischen Begehung der ansonsten wegen ihrer Unwegsamkeit unzugänglichen Schlucht wurde erst 1840 angelegt, danach ging der Name des ehemaligen Klosters auf die Wasserfälle über. Heute lässt sich der Steig mit seinen Brücken und Stufenanlagen durch die Wasserfallschlucht mit einem Rundweg verbinden, der oberhalb der Schlucht an der Engelskanzel vorbei zurück zum ehemaligen Kloster Allerheiligen führt. Die Tafeln des »Sagenrundwegs« machen mit Sagen und Legenden bekannt, die sich um das Kloster und die sieben Bütten ranken. Eine dieser Sagengestalten ist Bruder Pauli, der als ruheloser Geist umgehen muss: Aus der Kirche stahl er silberne Kruzifixe, goss Kugeln daraus und wilderte in den Wäldern. Das steinerne Bild am Sagen-Rundweg erinnert an einen jungen Steinmetz, der mit einer Zigeunerin in einer Höhle lebte. Als sie ihn verließ, schlang er ein Seil um eine Tanne, ließ sich die Steilwand hinunter und meißelte das Antlitz seiner Geliebten in den Felsen. Dann schnitt er das Seil durch und stürzte sich zu Tode.
Auf dem Lierbachtalweg.
Von den Allerheiligenfällen (Bushaltestelle) führt der mit dem Zeichen »blaue Raute« markierte Lierbachtalweg durch das naturschöne Lierbachtal teils auf Pfaden, teils auf bequemen Wegen hinab nach Oppenau an der Mündung des Lierbachs in die Rench. Das Lierbachtal ist unter Achat-Sammlern berühmt, der Bach selbst ist ein gutes Forellengewässer. Der links des Tals aufragende Eckenfelsen ist einer der bekanntesten Kletterfelsen. Bushaltestellen befinden sich außer an den Allerheiligenfällen an den Gasthäusern »Haus Wasserfall« und »Blume«.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour24 km
Höhenunterschied600 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
StartortOberkirch (192 m), Weinbaustadt in der Ortenau im vorderen Renchtal mit malerischem Fachwerk-Ortskern (Bachanlage), überragt von der Ruine der Schauenburg mit prachtvollem Blick auf Straßburg und zu den Vogesen.
AusgangspunktBahnhof Oberkirch an der Renchtalbahn.
EndpunktBahnhof Oppenau an der Renchtalbahn.
TourencharakterVon der malerischen Fachwerk-Altstadt von Oberkirch im vorderen Renchtal führt diese Aussichts- und Waldwanderung an den aussichtsreichen Ruinen der Schauenburg vorbei zu den gotischen Klosterruinen von Allerheiligen. Hier bilden die Allerheiligenfälle in der Lierbachschlucht eine der imposantesten Wasserfallstrecken des Schwarzwalds. Wer abkürzen will, wandert bis zu den Wasserfällen und fährt mit dem Bus in zwölf Minuten zum Bahnhof Oppenau – allerdings ist der Wanderweg durch das Lierbachtal ebenfalls ein Erlebnis! Man kann ihn sich aber auch für eine eigene Wanderung vornehmen.
Beste Jahreszeit
KartentippWanderkarte 1 - 35000 Renchtal Ortenau oder Freizeitkarte 1:50000 Blatt 503 Offenburg/Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord, Blatt 3 (Landesvermessungsamt Baden-Württemberg).
VerkehrsanbindungAusgangs- und Endpunkt liegen an der Renchtalbahn Appenweier – Oberkirch – Oppenau – Griesbach. Anfahrt auf der A 5 Basel–Karlsruhe, Ausfahrt Appenweier,dann auf der B 28 weiter nach Oberkirch.
GastronomieOberkirch, Schlosswirtschaft an der Schauenburg, Sohlberg/Wandersruh, Allerheiligen, Oppenau.
Tourismusbüro
Tourist-Information Oberkirch, Am Marktplatz 2a, 77704 Oberkirch, Tel. 07802/ 706685, www.oberkirch.de. Tourist- Information Oppenau, Allmendplatz 3, 77728 Oppenau, Tel. 07804/910830, www.oppenau.de

Lust bekommen? Noch mehr Touren finden Sie in unserem Buchtipp:

Chris Bergmann

Wanderführer Südschwarzwald

Freuen Sie sich auf 40 abwechslungsreiche Wanderungen im Naturpark »Schwarzwald Süd«. Mit Tourenkarten, Höhenprofilen und vielen Tipps. 

Jetzt bestellen
Mehr zum Thema