Schapbachriedel und Grünstein

Ein unbekannter Hügel und sein beliebter Nachbar (Autor: Joachim Burghardt)
7 km
700 m
3.00 h
Wundersame Begegnungen am Grünstein - Da gibt es Konditionsbolzen, welche die 550 Höhenmeter vom Parkplatz bis zum Gipfel im Laufschritt absolvieren. Andere rennen sogar bergab und in Hundebegleitung. Wieder andere tragen ihr Kleinvieh eigenhändig zum höchsten Punkt hinauf, entzünden dort oben Feuer oder starten mit dem Gleitschirm einen Rundflug. Wanderer, Ausflügler, Grenzpolizisten und Sportler aller Couleur tummeln sich auf dem Grünstein, einem der beliebtesten Aussichtsgipfel des Berchtesgadener Landes. Und nur die wenigsten wissen, dass sich nicht weit davon ein noch höherer Berg erhebt, welcher aber – dem dichten Wald auf seiner Kuppe sei Dank! – sein Dasein in Vergessenheit, ja in dornröschengleichem Schlaf fristet. Die Rede ist vom Schapbachriedel, der über einen originellen Pfad mit Watzmannblick bestiegen werden kann. Der anschließende Abstecher zum Grünstein gleicht dann fast schon einer »Rückkehr in die Zivilisation«. Apropos Rückkehr, schauen wir einmal in die Vergangenheit: Einer der beiden Gipfel hieß früher »Klingerkopf«, doch welcher? Utzschneiders Karte von 1794 benennt eindeutig den Schapbachriedel so, Riedl dagegen verzeichnet 1806 den Grünstein als Klingerkopf. Altes Wissen, in den Tiefen der Zeit verborgen ...
Der Waldpfad am Schapbachriedel.
Die Tour beginnt am Parkplatz Hammerstiel in der Hinterschönau. Man verfolgt zuerst die Fahrstraße geradeaus weiter in Richtung Kührointhütte und Watzmannhaus und trifft nach hundert Höhenmetern auf die Linkskurve, von der an die Straße in südöstlicher Richtung eben ins Schapbachtal hineinführt. An dieser Stelle zweigt links ein kleiner Pfad in den Wald hinauf ab. Dieser führt anfangs noch parallel zur Fahrstraße, aber deutlich steiler ebenfalls südöstlich bergauf. Der Pfad ist sehr schmal und unmarkiert, jedoch deutlich zu sehen und auch nicht verwachsen. Ohne Schwierigkeiten steigt man auf ihm nun den Nordwestrücken des Schapbachriedels hinauf, wobei strenggenommen der Rücken selbst Schapbachriedel heißt und der Gipfel keinen eigenen Namen trägt. Über einige steilere und leicht ausgesetzte Stellen (Vorsicht bei Nässe!) geht es abwechslungsreich nach oben, wobei immer wieder sehr schöne Blicke hinab ins Schapbachtal und hinüber zum Watzmann frei werden. Im flacheren oberen Teil wird eine Vorerhebung überschritten, bis gleich darauf der unscheinbare Gipfel folgt, auf dessen höchstem Punkt ein Baum wurzelt.
Der Grünstein und sein Talblick.
Der in den meisten Karten von hier an nicht mehr eingezeichnete Pfad führt einfach über den Gipfel des Schapbachriedels hinweg und südöstlich hinab, wo er wenige Minuten später auf den markierten Weg von der Kührointalm trifft. In diesen biegt man links (nördlich) ein und quert die Ostflanke des Schapbachriedels bis in das Joch zwischen diesem und dem Grünstein, wo von rechts der Aufstieg von der Bob- und Rodelbahn Königssee einmündet. Kurz darauf spitzt die in der Sommersaison bewirtschaftete Grünsteinhütte zwischen den Bäumen durch. Fünfzehn Minuten später ist dann auch schon der vielbesuchte Grünsteingipfel erreicht, wo sich erstmals der Wald lichtet und eine fabelhafte Sicht ins Tal frei wird.
Der Abstieg führt wieder zurück zur Grünsteinhütte und dann auf markierten Wegen und Fahrstraßen nordwestlich zum Parkplatz Hammerstiel hinab. So schlicht und unspektakulär wie diese Tour endet auch dieses Buch. Tage und Jahre vergehen, die Erinnerungen bleiben. Ob es mir wohl gelungen ist, etwas von der unvergleichlichen Faszination der Königsseer Berge einzufangen?

GEHZEITEN.
Parkplatz Hammerstiel – Schapbachriedel 1:30 Std., Grünstein 0:45 Std., Parkplatz Hammerstiel 1–1:30 Std.; insgesamt 3–3:30 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour7 km
Höhenunterschied700 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
StartortOberschönau, 640 m
AusgangspunktParkplatz Hammerstiel, 765 m
EndpunktSchapbachriedel, 1329 m; Grünstein, 1304 m
TourencharakterKurze Wandertour. Am Schapbachriedel schmaler, steiler, unmarkierter Pfad, der bei trockenem Untergrund unschwierig zu begehen ist; bei Nässe Vorsicht wegen Rutschgefahr! Am Grünstein und beim Abstieg einfache, markierte Wanderwege und Fahrstraßen.
Hinweise
BESTE JAHRESZEIT. April bis Oktober, bei trockenem Boden ohne Schnee auch in anderen Monaten. Besonders reizvoll ist die Tour abends.
KartentippUmgebungskarte »Nationalpark Berchtes- gaden« 1 - 25 000 oder AV-Karte Bayerische Alpen BY22 »Berchtesgaden/Untersberg« 1:25 000
VerkehrsanbindungMit dem Auto von Berchtesgaden oder der B 305 über Oberschönau zum Parkplatz Hammerstiel. Mit dem Bus 843 von Berchtesgaden bis Kramerlehen und zu Fuß in 20 Minuten zum Parkplatz Hammerstiel
GastronomieGrünsteinhütte, 1220 m. Privathütte, bew. von 1. Mai bis Ende Oktober. Keine Übernachtungsmöglichkeit! Tel. - 0171/832 93 28, www.gruensteinhuette.de

Lust bekommen? Noch mehr Touren finden Sie in unserem Buchtipp:

Joachim Burghardt

Vergessene Pfade um den Königssee

Stille Wege und einsame Gipfel rund um den Königssee - ein alpiner Genuss für den Bergsteiger, der nicht nur dorthin gehen mag, wohin alle schauen!

Jetzt bestellen
Mehr zum Thema