Säuling und Pilgerschrofen

Die Besteigung von Säuling und Pilgerschrofen auf den Normalrouten von Hohenschwangau aus ist eine landschaftlich sehr reizvolle und abwechslungsreiche Tour, die beim Säuling Trittsicherheit, beim Pilgerschrofen außerdem Übung in steilen Grasschrofen erfordert. Vorsicht an den beiden Schlüsselstellen am Ansatz des Grashangs und an der kleinen Felsstufe unter der Gipfelrinne. Nicht bei Nässe oder Nebel. Der vielbesuchte Säuling ist ein hervorragender Aussichtsberg. Die Umrundung des Säuling-Westgrats ist auch ohne den Abstecher auf den Pilgerschrofen lohnend. (Autor: Günther Laudahn)
11 km
1550 m
6.00 h
Wir beginnen in Hohenschwangau. Leider gibt es hier nur gebührenpflichtige Parkplätze, deren Benützung 6,– DM kostet (1999). Am besten stellt man den Wagen auf dem Parkplatz des Schlosses Hohenschwangau ab. Fünfzig Meter vor der Einfahrt beginnt an der Ortsstraße am Schloßhotel der »Sommerweg« zum Schloß Neuschwanstein. Er trifft gleich auf die zum Schloß führende Straße, der wir nur vierzig Meter folgen, um dann nach rechts auf einen breiten, für Fußgänger und Radfahrer vorgesehenen Weg abzubiegen. Hier wandern wir in angenehmer Steigung zum Wegkreuz unterhalb der Marienbrücke. Die weitere Routenführung ist nun sehr einfach. Wir folgen dem oberen Weg Richtung Bleckenau (Schild »Säuling – Pilgerschrofen«), von dem bald ein breiter Forstweg nach rechts abzweigt. Er leitet durch Mischwald zu einem idyllischen grünen Boden, über dem die Zwölf Apostel mit dem Pilgerschrofen aufragen. Hier beginnt beschildert ein schmaler Steig, der in einer ausholenden Kehre zum schön gelegenen Grenzwachthüttchen, der Wildsulzhütte, führt. Der Weg gabelt sich nun. Nach links geht's zum Säuling, nach rechts zum Pilgerschrofen. Auf diesem Weg kommen wir später zurück. Wir nehmen den Säulingweg. Er windet sich, schon freigesägt, durch ein Gebiet starken Windbruchs, Überbleibsel der Wirbelstürme von Anfang 1990, und quert dann unter den Felsen der Säuling-Nordflanke hinüber zu einem von Schrofen und Geröll durchsetzten Hang, wo er über eine kurze Eisenleiter und etliche Absätze in vielen Kehren, weiter oben durch eine gutgestufte Schrofenrinne in leichter Kletterei, schließlich an einem kleinen Unterstand vorbei zum Sattel unterhalb der Gamswiese emporzieht. Von hier geht es auf der breiten Geröllzunge zu den Gipfelschrofen und ohne Schwierigkeit zum Kreuz, das auf dem Westgipfel des Säuling steht. Der etwas höhere Ostgipfel kann auf deutlicher Pfadspur in einigen Minuten gleichfalls bestiegen werden. Der Säuling ist zu Recht ein beliebtes Gipfelziel, das eine hervorragende Aussicht bietet. Schön ist der ungehinderte Blick nach Norden über die Füssener Seenplatte hinweg weit ins Alpenvorland hinein, reizvoll nach Süden und Südwesten auf den Talkessel von Reutte und ins Lechtal, an das sich rechts die Tannheimer Berggruppe mit ihren schroffen Felsgipfeln anschließt. Nach Westen schauen wir auf den Grat der Zwölf Apostel mit seinem Eckpfeiler, dem Pilgerschrofen, unserem nächsten Ziel. Natürlich wäre es nun am logischsten und elegantesten, den Pilgerschrofen direkt über den Grat anzugehen. Das ist indessen schwierig und für alpine Normalverbraucher nicht machbar. Das Überklettern der vielen Türme, es sind fünf markante und einige kleinere, erfordert nicht nur einen guten Kletterer, der den III. Schwierigkeitsgrad beherrscht, sondern auch Erfahrung in sehr ausgesetzten steilen Grasschrofen. Zwar wird der Gratübergang, wie das Gipfelbuch ausweist, gar nicht so selten von Alleingängern gemacht, doch begnügen wir uns mit der Normalroute, die auch einiges von uns abfordert. Zunächst steigen wir auf der Gamswiese und dem steilen, durch Seile und Ketten gut gesicherten Weg zu dem von Mitte Mai bis Mitte Oktober bewirtschafteten Säulinghaus ab. Kurz vor der Hütte beginnt ein markierter Pfad, der unter den Südwänden der Zwölf Apostel in leichtem Auf und Ab, insgesamt fallend, über Geröll und durch Wald zum Westrücken des Pilgerschrofens führt. Hier, unmittelbar an der Landesgrenze mit dem Grenzschild und einer weißblauen Stange, leiten deutliche Steigspuren auf dem mäßig steilen Rücken an den felsigen Grat heran, der ein Stück unterhalb der Grathöhe umgangen wird. Diese Trittspuren, die abschnittsweise als Steig ausgetreten sind, und blaßrote Markierungen erleichtern die Besteigung wesentlich. Ohne sie wäre das Auffinden der Route in der Tat schwierig. Aber auch so heißt es gut aufpassen, denn es gibt etliche Verhauer, die viel zu früh zum Grat emporführen. Die richtige Spur bleibt unterhalb der Felsen, steigt in einer erdigen, seichten Rinne ein Stück hoch, überwindet einen schrofigen Aufschwung auf guten Tritten und zieht nach erneutem Quergang nochmals aufwärts in die Nähe der Felsen. Nach Passieren eines schmalen Bandes, direkt neben einer Wand, ist die Querung beendet. Wir haben einen breiten schrofendurchsetzten Grashang erreicht, der oben an die Gipfelkrone stößt. Er leitet den letzten Abschnitt unseres Anstiegs ein. Nach dem ersten recht steilen Aufschwung, den man am besten auf schmalen, aber festen Tritten in kurzer Linkskehre zu einigen kleinen, Halt bietenden Fichten hin überwindet – der direkte Aufstieg über sehr steile Grasschrofen ist recht ausgesetzt –, führt eine Trittspur an die Felsen heran. Den Einstieg zu der hier ansetzenden Rinne bildet eine etwa zwei Meter hohe Felsstufe. Ein guter Griff im Spalt rechts und kleine Tritte helfen hinauf. Oberhalb geht es in der Rinne zu einem Schärtchen. Wir erblicken das Gipfelkreuz, das nun rasch und ohne Schwierigkeit erreicht ist. Die Aussicht ist ähnlich wie die vom Säuling, doch haben wir darüber hinaus einen sehr hübschen Tiefblick auf den Alpsee mit dem Schloß Hohenschwangau. Genau auf der Anstiegsroute steigen wir zum Weg am Grenzschild ab. Diesen Abstecher zum Pilgerschrofen sollten Sie nicht bei Nässe unternehmen, weil die steilen Grastritte und die kleine Felsstufe unterm Gipfel dann sehr unangenehm werden können. Auch bei Nebel sollte der Aufstieg, wie schon erwähnt, wegen der Orientierungsschwierigkeiten tabu sein. Bei guten Verhältnissen ist dies für Geübte jedoch eine interessante und empfehlenswerte Variante. Der Abstiegsweg führt nun unter den hohen Nordwestabstürzen des Pilgerschrofens steil über einen Rücken und hinunter zur Wildsulzhütte. Hier geht es auf den schon bekannten Wegen nach Hohenschwangau zurück. Diese Abstiegsroute ist auch ohne den Abstecher auf den Pilgerschrofen lohnend.

Dauer - ohne Pilgerschrofen: 1310 m, 5,75 bis 6,75 Stunden.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour11 km
Höhenunterschied1550 m
Dauer6.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktHohenschwangau – Parkplatz des Schlosses Hohenschwangau – 800 m.
Beste Jahreszeit
GastronomieSäulinghaus, 1693 m, von Mitte Mai bis Mitte Oktober bewirtschaftet.
Höchster Punkt
Säuling, 2048 m – Pilgerschrofen, 1759 m.
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