Rund um den Vernagt-Stausee

Türkiser See und alte Bergbauernkultur.
Einfache Rundwanderung auf Wirtschaftswegen und bequem begehbaren Saumpfaden und Waldwegen; Orientierung durch lückenlose Beschilderung einfach (Autor: Peter Mertz)
9 km
670 m
3.00 h
Tisenhof und Rafeinhof.
Vom Parkplatz am Stausee bei Vernagt steigen wir zuerst über einen steilen Wiesenweg zum Tisenhof hinauf (1822 m), der sich heute mit seinen stolzen Bauernhäusern als Jausenstation präsentiert. Während hinter dem Hof der Saumpfad zum Hauslabjoch abzweigt, folgen wir der Fahrstraße in Richtung Rafeinhof. Bevor wir in den Bachgraben des Tisenbachs gelangen, steht rechts oben in den Wiesen die alte Mühle. Nach dem Bachgraben folgen wir in einer Serpentine weiter dem Fahrweg und gelangen in wenigen Minuten an den aus dem 16. Jahrhundert stammenden Raffeinhof (1886 m).
Zum Finailhof.
Knapp vor dem Hofgelände setzt sich unsere Route nach links auf einem Wiesenweg fort. Es handelt sich dabei um den alten Saumpfad, der mit romantischer Trasse und leichtem Auf und Ab die mit herrlichen Lärchenwäldern bewachsenen Hänge quert. Etwa eine dreiviertel Stunde dauert diese Passage, ehe wir die Wiesen rund um den Finailhof erreichen (1952 m). Auch hier erwartet uns eine Einkehrmöglichkeit, die einst schon Herzog Friedrich IV. von Österreich genutzt haben soll (siehe Kasten).
Der Rückweg am Vernagt-Stausee.
Nach den Höfen folgen wir der Fahrstraße, lassen den ersten Abzweig in Richtung Talschluss unbeachtet und verlassen erst bei einer Serpentine den asphaltierten Wirtschaftsweg, um auf einem Saumpfad durch lichten Lärchenwald zur Schnalstalstraße abzusteigen. Wir wandern etwa 200 Meter auf der Straße taleinwärts und benützen den in einer Rechtskurve abgehenden Waldweg. Dieser führt zunächst abwärts und beschreibt eine Rechtskurve. Danach zweigt ein schmaler Steig ab, der zum Seerundweg gehört und zum Südufer leitet. Wir überqueren einen Hangrücken und steigen zur Schlucht des Schnalstalbachs ab, den wir auf einer luftigen Hängebrücke überqueren. Das Südufer entlang laufen wir auf einem bequemen Waldpfad mit schönen Blicken auf den 54 Meter tiefen See, bis wir nach 45 Minuten die Staumauer erreichen und auf dieser zum Ausgangspunkt zurückkehren.

Dauer: Vernagt – Tisenhof 15 Min – Rafeinhof 15 Min. – Finailhof 1 Std. – Schnalstalstraße 30 Min. – Vernagt 1 Std.; Gesamtgehzeit 3 Std. ;
Motto: Wandern am Wasser

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour9 km
Höhenunterschied670 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktVernagt (1700 m), Bergdorf im Schnalstal am Ostrand des Vernagt-Stausees, mit einigen Gasthöfen und kleineren Hotels; ein Parkplatz befindet sich unmittelbar an der Staumauer. Die acht alten Höfe des Dorfs fielen um 1950 dem Stauseebau zum Opfer.
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterDas 24 Kilometer lange Schnalstal gehörte lange Zeit zu den stillsten und ursprünglichsten Tälern Südtirols. Wenn auch die Einsamkeit durch die Erschließung des Schnalstaler Gletschers und den Bau des Staudamms bei Vernagt etwas gestört wurde, zählt es heute nach wie vor zu den schönsten Wandergebieten. Dazu treffen wir auf kulturelle Reichtümer wie in Karthaus (1330 m), der größten Ortschaft des Tals. Hier befindet sich die St.-Anna-Pfarrkirche sowie die ehemalige Kartause Allerengelberg, die jedoch 1924 bei einem Brand großteils zerstört wurde. Spätestens seit dem Fund der Gletschermumie »Ötzi« am Hauslabjoch unterhalb des Similaungletschers ist das Schnalstal in der ganzen Welt bekannt geworden und zahllose Wanderer pilgern in die zu den Ötztaler Alpen gehörende Bergwelt, um vielleicht noch neue Fundstücke in Fels und Eis zu entdecken. Jährlich findet hier der traditionelle Schaftreck statt, bei dem Tausende Schafe über die Berge ins hintere Ötztal geleitet werden. Diese historische Route benützten die Menschen schon sehr lange Zeit, wie der Fund des »Ötzi« zeigt. Denn das hintere Ötztal wurde vom Schnalstal aus besiedelt und nicht vom Tiroler Inntal. Rund um den Vernagt-Stausee treffen wir auf einige der ältesten Bergbauernhöfe Südtirols, die aus dem 16. Jahrhundert stammen. Sie galten gleichzeitig als die höchstgelegenen Kornhöfe Europas. Immerhin befinden wir uns auf einer Höhenlage von knapp 1900 Metern Seehöhe. Die sonnige Lage an den Südhängen machte es möglich, auf schmalen Feldterrassen Roggen, Weizen, Gerste und Hafer anzubauen. Beim Tisenhof blieb noch eine alte Mühle erhalten, die über eine kurze Waalstrecke aus Holzkandeln mit dem Wasser des Tisenbaches gespeist wurde. Leider hat der Vernagt-Stausee das sensible Mikroklima aus dem Gleichgewicht gebracht, sodass Roggen und Weizen nicht mehr reifen und nun nur mehr Gerste und Hafer angebaut werden können.
Beste Jahreszeit
KartentippFreytag & Berndt Wanderkarte 1:50000, Blatt WKS 2 (Vinschgau)
VerkehrsanbindungVon der Vinschgau-Staatsstraße (SS 38) westlich von Naturns knapp östlich von Schloss Juval nach Norden auf die Schnalstalstraße abbiegen, etwa 17 km bis Vernagt auf teils schmaler, teils gut ausgebauter Straße Mit der Vinschgaubahn bis zum Bahnhof Naturns, mit dem Bus von Naturns (Zentrum) ins Schnalstal nach Vernagt
GastronomieGasthof Edelweiß in Vernagt, Hotel Vernagt, Jausenstation Tisenhof, Jausenstation Rafeinhof, Jausenstation Finailhof
Tipps
Finailhof. Vor fast sechs Jahrhunderten beschäftigten die Bauersleute auf dem Finailhof einen Knecht, für den vermutlich schwere Arbeit ungewohnt war: Friedrich IV., Herzog von Österreich, Steiermark, Kärnten und Krain. Dieser hatte während des Konstanzer Konzils (1414–1418) dem Gegenpapst die Flucht ermöglicht. Über ihn war daher der Kirchenbann verhängt worden und König Sigismund hatte ihn in Tirol gefangen genommen. Im Jahr 1416 gelang Friedrich jedoch die Flucht und er gelangte über das Hochjoch ins Schnalstal, wo ihm die Bauersleute des Finailhofs Kost und Unterkunft gewährten. Zwei Jahre später versöhnten sich (der spätere Kaiser) Sigismund und Herzog Friedrich, fürderhin auch »Friedl mit der leeren Tasche« genannt. Dieser schenkte den Finailern zum Dank einen Becher samt silbernem Reisebesteck. Ob die Geschichte wahr ist oder nicht, bleibt offen. Denn eine im Becher eingravierte Jahreszahl verrät 1567, also eine deutlich spätere Zeit. Archeoparc im Schnalstal. Ein Erlebnispark besonderer Art bietet in Unsere Frau in Schnals im mittleren Schnalstal die Möglichkeit, die Urgeschichte der Region hautnah zu erfahren. Zu den Themen gehört natürlich der Eismann vom Hauslabjoch, aber auch die Bedeutung des Feuers für den Menschen, das Formen mit Ton oder die Verarbeitung von Knochen und Leder. Tel.: 0473/676263, www.archeoparc.it
Tourismusbüro
Tourismusverein Schnalstal, I–39020 Schnalstal, Tel.: 0473/679148, www.oetzisworld.it, info@schnalstal.it

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