Rund um den Monte Pelmo

Forcella Staulanza – Rifugio Venezia (1948m) – Forcella Val d’Arcia (2476m) – Forcella Staulanza (Autor: Eugen E. Hüsler)
Ein Höhenweg.
An der Wiesensenke der Forcella Staulanza (1766m), zwei Minuten von der Straße, fädelt man in den rot-weiß markierten Weg Nr.472 ein. Er steigt zunächst im lichten Wald bergan, wird aber bald zur schönen Höhenpromenade, die ohne größeres Auf und Ab südlich um den Pelmetto (2999m) herum läuft. Zwischen den Bäumen zeigt sich immer wieder die Civetta (3220m) mit ihrem langen Nordgrat, dem mehrere markante Felstürme entragen. Sie hatte ebenfalls einen recht berühmten Erstbesteiger: den Briten Francis Fox Tuckett, der auch anderswo in den Alpen fleißig unterwegs war, so im Ortlermassiv, in der Schweiz (wo er das Aletschhorn erstbestieg) und im Montblanc-Massiv. In der Brenta sind eine Hütte und ein Passübergang (Bocca di Tuckett) nach ihm benannt.
Urviecher und andere Tiere.
Noch viel weiter zurück in die Vergangenheit führt ein kleiner Abstecher hinauf gegen den Pelmetto. Der Hinweis »Orme di dinosauri« am Weg macht klar, worum es sich handelt: Dino-saurierspuren, über 200Millionen Jahre alt. Bei einem Bergsturz löste sich eine mächtige Felsplatte, die nun am Wandfuß liegt und deutliche Spuren des Urzeittiers zeigt (Ab-stecher von 30Min. hin und zurück).
Die Fortsetzung der Höhenwanderung bietet zunehmend freie Sicht auf das Zoldano, das »Tal der Eisverkäufer«. Die »Gelati«, wie man sie hier nennt, sind nur über den Winter zu Hause, denn vom Frühjahr bis in den Herbst betreiben sie ihre schicken, chromblitzenden Eisdielen in Deutschland und in der Schweiz. Emigration der besonderen Art.
Ein kühler Hauch weht gelegentlich auch vom Berg herab, aus dem bizarren Riesenschlund, der Pelmo und Pelmetto trennt. Da hört man die Steine buchstäblich rumpeln ...
Nicht nach oben, sondern auf den Weg sollte man bei der anschließenden Querung der Höhenterrassen von Mandre so’Pelf und Lâch gucken – nach Regenfällen stehen hier oft größere Pfützen, kann schon mal nasse Füße kriegen, wer nicht aufpasst. Dafür darf man in der Karmulde unterhalb der Campi di Rutorto Ausschau halten nach putzig-pelzigen Gesellen: Murmeltiere bevölkern die steinigen Wiesen und zeigen – trotz gelegentlicher Warnpfiffe – keine übertriebene Scheu vor den Wanderern.
Antelao.
Knapp jenseits des Wiesensattels steht auf einer kleinen Anhöhe das Rifugio Venezia (1948m; 2.30Std.), das der CAI-Sektion der Lagunenstadt gehört. Die ist hier natürlich nicht zu sehen (vom Gipfel des Pelmo bei sichtigem Wetter aber schon). Da-für zeigen sich die Dreitausender jenseits des Boitétals: Sorapiš (3205m) und Antelao (3264m). Letzterer zeigt aus dieser Perspektive sehr schön seine Riesenschräge, über die der Normalweg verläuft. Nicht zu übersehen sind auch die gewaltigen Schuttströme am Fuß des mächtigen Berges, was nicht gerade auf festen Fels schließen lässt. Mehrfach gingen hier mächtige Bergstürze ab, so im Jahr 1830. Damals wurden die Weiler Tau-lèn und Marcena unter Gesteinsmassen begraben. Die helle Abbruchstelle in der Westflanke des Antelao ist noch heute zu sehen.
Sentiero Flaibani.
Auf dem Weiterweg wird aus der Panoramawanderung eine (leichte) Bergtour. Der Sentiero Flaibani führt hinter der Hütte zunächst schräg bergan gegen die Felsen, dann über die steinigen Hänge am Fuß der Crode di Forcia Rossa (2737m) zu einer sandigen Rinne. Man steigt in ihr zu einem exponierten, mit Drahtseilen gesicherten Band an, das auf den Geröllhang unter der Forcella Val d’Arcia (2476m; 4.15Std.) mündet. Eine Zickzackspur leitet hinauf in die Scharte.
Abstieg.
Jenseits führen die rot-weißen Markierungen unter den Felsen der Cime di Val d’Arcia (2626m) und der Cima Forada (2455m) abwärts zu einer Verzweigung. Hier hält man sich links (rechts geht’s weiter zum Rifugio Città di Fiume) und folgt der Geröllspur, die im Vorfeld des weitgehend verschwundenen Pelmogletschers diagonal hinab läuft gegen den Felssockel des Pelmetto. Zur Linken ragt die rund 800Meter hohe Nordwand des Monte Pelmo in den Himmel. Sie wurde 1924 erstmals von R.Rossi und F.Simon durchstiegen – nach Goedeke eine »großzügige, schwierige Freikletterei in fast überall festem Fels. Der große klassische Anstieg in der Gruppe, zugleich einer der vollkommensten in den Dolomiten, vergleichbar mit der Solleder/Lettenbauer-Führe durch die Civetta-Nordwestwand, wenn auch etwas kürzer und etwas weniger schwierig.«
Gänzlich unschwierig ist der Rückweg zur Forcella Staulanza: unter den Felsen weiter abwärts, bis man bei den Sale de Corda Toranda auf den Dolomiten-Höhenweg Nr.2 stößt. Mit ihm in leichtem Auf und Ab zum nahen Straßenpass (6Std.).

Forcella Staulanza – Rifugio Venezia 2.30Std., Rifugio Venezia – Forcella Val d’Arcia 1.45Std., zur Forcella Staulanza 1.45Std. Insgesamt 6Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour13 km
Höhenunterschied900 m
Dauer6.00 h
Schwierigkeit
StartortSelva di Cadore (1336m) im Val Fiorentina bzw. Zoldo Alto (1386m) im Zoldano
AusgangspunktForcella Staulanza (1766m), Straßenpass zwischen dem Fiorentinatal und dem Zoldano
Endpunktwie Ausgangspunkt
TourencharakterDer Monte Pelmo (3158m) ist der große Solist im Konzert der Dolomiten-Dreitausender. Von welcher Seite man ihn auch betrachtet – nie ist er kleiner als riesig, ein gewaltiger Klotz, der aus dem Grün der umliegenden Täler aufsteigt und vom Sockel aus gewogen immerhin noch etwa fünf Milliarden Tonnen wiegt. Was für ein Kontrast zur benachbarten Civetta mit ihren hohen, weit ausgreifenden Graten! Am Pelmo ist alles Wucht und Masse: eine Herausforderung für jeden Bergsteiger.
Da verwundert es nicht weiter, dass gerade er die Liste der wichtigen Erstbesteigungen in den Dolomiten anführt. Im Jahr 1857 eröffnete John Ball, notabene erster Präsident des ersten Alpenclubs der Welt (Alpine Club, London), den Reigen der »Gipfelsiege«. Nach ihm ist heute das lange, teilweise luftige Horizontalband benannt, das den Zugang zum Normalanstieg vermittelt.
Man muss dem Giganten ja nicht gleich aufs Haupt steigen; auch die Wanderung außen herum vermittelt faszinierende Eindrücke dieser Felsenfestung, dazu Aussicht auf fast alle Berggruppen der zentralen und öst-lichen Dolomiten. Einen sicheren Tritt braucht’s am Sentiero Flaibani, der als Teilstück der großen Runde vom Rifugio Venezia über die Forcella Val d’Arcia in die nordseitige Karmulde des Nevaio di Val d’Arcia führt und einige abschüssige Rinnen quert. Vom Gletscher ist allerdings nur ein kümmerliches Firnfeld geblieben, das irgendwann in nächster Zukunft wohl zur Gänze abschmelzen wird. Die globale Erwärmung macht auch vor den Dolomiten nicht Halt.
Beste Jahreszeit
KartentippTabacco 1:25000, Blatt 025 »Dolomiti di Zoldo, Cadorine e Agordine«
VerkehrsanbindungAus dem Val Fiorentina bzw. dem Zoldano auf gut ausgebauten Straßen hinauf zur Forcella Staulanza. Im Sommer Busverbindung über den Pass
GastronomieRifugio Passo Staulanza, Juni bis September, Tel. 0437/788566. Rifugio Venezia, 20.6.–20.9., Tel. 0436/9684

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