Rabenauer Grund

Schluchtwanderung auf bequemen Wegen; die Abstecher sind teils steil und beschwerlich, Hinweisschilder verweisen auf die »Begehung auf eigene Gefahr«. (Autor: Bernhard Pollmann)
6 km
50 m
3.00 h
Vom Bahnhof Freital-Coßmannsdorf folgen wir der Stichstraße an den Parkplätzen des Einkaufszentrums und am Hallenbad vorbei aufwärts in den Rabenauer Grund, überqueren die Rote Weißeritz auf der Holzbrücke und wandern auf einem bequemen Forstweg aufwärts in der von Felswänden überragten Schlucht. Schon bald mündet rechts die vom Buschbach durchflossene Somsdorfer Klamm ein; ein Pfad führt in der Klamm aufwärts und zur aussichtsreichen Teufelskanzel. Durch den bald darauf erreichten, Nadelöhr genannten Felstunnel führte der Weg bis zur Hochwasserkatastrophe von 1897 (heute vergittert). Der Maler Ludwig Richter, der oft den Rabenauer Grund durchwanderte, hielt das Nadelöhr 1840 in einem kleinen Ölbild fest und schuf danach eines seiner berühmtesten Gemälde, die »Genoveva in der Waldeinsamkeit« (1841).
Wenig später weitet sich die Schlucht vorübergehend an einem Wasserkraftwerk (1911) mit künstlichen Kaskaden, dann beginnt der romantischste Teil des Rabenauer Grunds.
Nach Passieren des Pferdetumbs (Volksmund: Bezeichnet eine tiefe Stelle in der Weißeritz, wo die Mühlenpferde in die Senke geritten wurden) erreicht der Weg die Arthur-Lohse-Brücke. Hier bieten sich gleich drei lohnenswerte Abstecher: zu den sagenumwobenen Felsen Predigtstuhl und Brautbett und – vom Brautbett aus – auf den »Friedensweg« genannten Hangweg zur Vogelstellige. Auf diesem Felsen soll früher ein Vogelfänger mit Leimruten und Netzen den gefiederten Waldbewohnern nachgestellt haben. Ein Stück weiter lädt die Weiße Bank mit schönem Blick über die Schlucht hinweg nach Rabenau zur Rast. Der »Friedensweg« führt weiter am Aussichtspunkt Großvaterstuhl vorbei zum 1890 angelegten Friedensplatz über dem Bahnhof Rabenau.
Weiter auf dem Talweg: Hinter der nächsten Eisenbahnbrücke zweigt rechts die schmale, steile Himmelsleiter ab, ein 1893 angelegter Steig, der auf mehr als 200 Steinstufen und einer eisernen Leiter zur Bastei hinaufführt. Auf dem Talweg weiterwandernd, gelangen wir zum Eingang des Thelerstollens. Ritter Konrad von Theler auf Höckendorf ließ hier auf der Suche nach Erz einen Stollen eintreiben, nachdem ihm ein Wünschelrutengänger zu diesem erfolglosen Unternehmen geraten hatte. Im Nixentump sollen ein alter Wassermann und seine beiden Töchter wohnen. In lauen Vollmondnächten bleichen sie, will man den Berichten glauben, auf der wenig später erreichten Planwiese (Schutzhütte) ihre Wäsche, wobei sie lieblich singen und tanzen, was jedoch nur von Sonntagskindern beobachtet werden kann. Wegen der reichen Vorkommen an Bärlauch, der im Frühjahr seinen Duft entströmt, wird die Planwiese auch Knoblauchwiese genannt.
Wenig später erreicht der Talweg die als Gastwirtschaft betriebene Rabenauer Mühle am gleichnamigen Bahnhof (Rückkehr zum Ausgangspunkt möglich). Der Talabschnitt oberhalb der Rabenauer Mühle wird auch Spechtritzgrund genannt (nach dem gleichnamigen Dorf). Schon bald mündet von rechts das vom Borlasbach durchflossene Lübauer Gründel in den Rabenauer Grund. Der hier durch die Eisenbahn abgetrennte Felsen heißt Goldstampfe, weil hier im Mittelalter ein »Welschmann« (Venediger) nach Gold gekratzt und das abgekratzte Gestein zerstampft haben soll, um das begehrte Metall zu finden. Allmählich weitet sich nun die Schlucht zu einem Tal, die Hänge werden niedriger, und am Bahnhof Spechtritz und der auf der anderen Seite des Flusses gelegenen Spechtritzmühle (ehemalige historische Gaststätte, derzeit ungenutzt) erreicht der Rabenauer Grund sein Ende.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour6 km
Höhenunterschied50 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktBahnhof Freital-Coßmannsdorf, Endstation der Buslinie A von Dresden-Löbtau (Kesselsdorfer Str.). Gegenüber befindet sich das Einkaufs- und Freizeitzentrum »Weißeritzpark« mit großzügigen Parkplätzen. Fährt man mit der Weißeritztalbahn zurück, halbiert sich die zu durchwandernde Strecke auf 6km. Endpunkt: Bahnhof Spechtritz der Weißeritztalbahn.
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterDer Rabenauer Grund ist seit den Zeiten der Romantik eine der berühmtesten Felsschluchten des Erzgebirges. Vom fahrradfähigen Hauptwanderweg auf dem Grund der bis zu 80m tiefen Schlucht führen mehrfach steile Steige zu markanten Felsen hoch über dem Fluss.
Beste Jahreszeit
KartentippTopografische Karte 1:25000 mit Wanderwegen Blatt 31 Tharandter Wald und Blatt 37 Dippoldiswalde Kreischa (Landesvermessungsamt Sachsen).
MarkierungenGrüner Strich und namentliche Ausschilderungen machen das Verirren unmöglich.
VerkehrsanbindungDie Weißeritztalbahn fährt etwa alle zwei Stunden und benötigt für die Strecke Coßmannsdorf – Rabenauer Mühle – Spechtritz 20Min.; die Schmalspurbahn befördert auch Fahrräder.
GastronomieRabenauer Mühle.
Tipps
Tal der Roten Weißeritz. Das Landschaftsschutzgebiet »Tal der Roten Weißeritz« zählt zu den urtümlichsten Schluchttälern Sachsens. Die einst für ihren Fischreichtum berühmte Rote Weißeritz – so genannt, weil sich das Wasser früher oft rötlich färbte durch die Eisenoxide der Schellerhauer Zinnwäschen – diente bis 1875 der Holztrift. Sonst war bis zum Beginn des Tourismus im frühen 19.Jahrhundert kaum jemand unterwegs in dieser wilden Felsenschlucht, in deren Dämmer eine einzigartige Schluchttalflora und mancherlei Sagen erblühten. Im Jahr 1834 legte der Rabenauer Müller Christian Friedrich Ehrlich einen Fußpfad an, um diese »malerische« Wildnis für den Tourismus zu erschließen. Seit 1883 fährt die Schmalspurbahn Hainsberg – Kipsdorf über und durch das Weißeritztal. Das große Hochwasser vom 30./31.Juli 1897 vernichtete viele der Verkehrsanlagen. Die Wiederkehr einer solch riesigen Überschwemmung sollte durch den Bau der 1913 vollendeten Talsperre Malter für alle Zeiten unterbunden werden. Am 12.August 2002 führte die Rote Weißeritz nach ergiebigen Niederschlägen 100-mal mehr Wasser als sonst. Die Weißeritz überflutete Teile von Dresden und setzte u.a. den Hauptbahnhof unter Wasser. Nostalgiefahrt mit der Weißeritztalbahn. Die Weißeritztalbahn verbindet seit 1883 als eine der dienstältesten Schmalspurbahnen Deutschlands Freital-Hainsberg und Altenberg-Kipsdorf. Sie folgt dem Lauf der Roten Weißeritz über den von 13 Brücken überspannten Rabenauer Grund und führt längs der Talsperre Malter hinauf in die Nähe des Osterzgebirgs-Kamms, wobei sie auf 26,3km einen Höhenunterschied von 350m überwindet. Die Unterschiedlichkeit dieser drei Streckenabschnitte macht den Reiz einer Fahrt mit der von Dampflokomotiven (künftig auch Dieselloks) gezogenen Nostalgiebahn aus. Die Haltepunkte von Freital bis zur Kreisstadt Dippoldiswalde eignen sich zudem alle als Ausgangspunkte für Wanderungen: Die Haltepunkte Coßmannsdorf, Rabenauer Mühle und Spechtritzmühle liegen im Bereich des Rabenauer Grunds; wer dem Weg durch das Tal weiter aufwärts folgt, gelangt am Haltepunkt Seifersdorf vorbei zur Talsperre Malter mit dem Haltepunkt Malter (Info: www.weisseritztalbahn.de).
Tourismusbüro
Tourist-Information Freital, An der Kleinbahn 24, 01705 Freital, Tel. 0351/65209615, Internet: www.freital.de; Fremdenverkehrsamt Rabenau, Hauptstraße 3, 01734 Rabenau, Tel. 0351/6470132.
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