Pizzo Ruscada, 2004 m

Kein Gipfel mit großem Namen, aber mit großer Aussicht, ganz »hinten« im Centovalli, fernab der Glitzerwelt des Lago Maggiore. Teilweise raue Wege, dazu jede Menge Bergeinsamkeit (Autor: Eugen E. Hüsler)
Über den Pianascio Von der Seilbahnstation spaziert man zunächst flach zur Pian Segna (1166 m), einem alten Übergang von den Centovalli ins Onsernone. Auf der Passhöhe steht die Barockkapelle Madonna della Segna; hier beginnt der lange Anstieg. Er führt zunächst in dem hochstämmigen Buchenwald angenehm schattig bergan gegen den lang gestreckten, felsigen Grat mit den beiden Zacken Pizzin (1510 m) und Pianascio (1643 m). Man überschreitet sie auf schmalen, teilweise etwas ausgesetzten Wegen; hinter dem Pianascio geht’s hinunter in den Sattel Pescia Lunga (1511 m; 2 Std.). Zum Gipfel In der Senke setzt der lang gestreckte, markante Ostgrat des Pizzo Ruscada an. Im Wald geht’s zunächst bergan zu den beiden Schafhütten von Corte Nuovo (1636 m), dahinter rechts um eine namenlose Kuppe (1715 m) herum und zurück zum Kamm. Der wird nun zunehmend steiler, auch leicht schrofig. Oben gibt’s dann zur Belohnung einen wunderbaren Monte-Rosa-Blick (3.45 Std.). Zurück Der Abstieg führt an dem gutmütigen Nordgrat des Pizzo Ruscada zunächst zum Cappellone (1879 m), wo er nach rechts abknickt. Die Wegspur leitet über einen licht bewaldeten Hang weiter absteigend in die Nordostflanke des Pizzo Ruscada zurück zum Hinweg, zuletzt mit einer ganz kurzen Gegensteigung am Kamm. Über die Dörfer hinab ins Tal In der Pescia Lunga (1511 m; 5 Std.) beginnt der Abstieg in die Centovalli, zunächst im Wald knieschädigend steil, dann hoch über dem wilden Val del Marcou hinaus auf die sonnige Rodungsinsel von Saorèe (977 m). Von dem Maiensäß geht’s erneut recht direkt hinunter in einen Graben. Auf solider Brücke wird der Bach gequert; ein guter Weg führt hinein nach Lionza (775 m; 6.15 Std.). Unterhalb des Dorfes, bei einer winzigen Kapelle, stößt man auf den »Sentiero del mercato«, den alten Talweg, auf dem die Leute aus den Centovalli ihre Waren auf den Markt in Locarno brachten. Hier lohnt sich der kurze Abstecher zum »Mühlenpark« (Parco dei mulini) am Weg nach Borgnone. Der »Sentiero del mercato« quert zwei tiefe Gräben, steigt dann steil an nach Verdasio (711 m). Durch den schönen, von Neubauten weitgehend verschonten Weiler und auf der Straße hinunter zur Talstation der Comino- Seilbahn (543 m; 7.15 Std.).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour9 km
Höhenunterschied1780 m
Dauer7.00 h
Schwierigkeit
StartortIntragna (339 m) am Eingang in die Centovalli
AusgangspunktBergstation der Seilbahn zum Monte di Comino (1155 m)
EndpunktTalstation der Seilbahn (530 m) bei der Station Verdasio der Centovalli-Bahn
TourencharakterCentovalli, Onsernone, Vergeletto: mehr Gräben als Täler, unwegsame Wälder und ein paar felsige Gipfel darüber. An die abschüssigen Hänge klammern sich kleine Dörfer, deren Häuser so eng aneinander gebaut sind, als hätten sie Angst, in die Tiefe zu rutschen: kein Leben im Luxus. Und da die Scholle nicht viel hergab, blieb früher oft nur ein Ausweg: Emigration. So wird das Vergeletto bereits in der reich illustrierten Chronik der Schweiz von Johannes Stumpf (1548) als »Kämifegertal« bezeichnet; die Bevölkerung des Tals stellte nicht nur über Jahrhunderte die Zöllner des Großherzogtums Toskana, sie war in halb Europa als Kaminbauer und Kaminfeger (auch Kinder!) tätig. Dichter und Denker In jüngster Zeit erlebten diese Täler auch eine Zuwanderung, eine ganz besondere allerdings. Berzona entwickelte sich zum eigentlichen »Literatendorf«; hier lebten u. a. Max Frisch, Alfred Andersch und Golo Mann. Nur sehr zögerlich entwickelt sich der Tourismus, doch das hat auch seine Vorteile: viel Natur, einsame Wege, kaum besuchte Gipfel. Wie der Pizzo Ruscada, bloß 2000 Meter hoch, aber ein faszinierender »Guck-ins-Land«. Wenn man dann oben steht nach einem langen, aber nie langweiligen Anstieg, überrascht es, wie nahe die Walliser Viertausender hier schon sind: Gerade 60 Kilometer Luftlinie trennen den Tessiner Berg vom höchsten Punkt der Schweiz, der Dufourspitze (4634 m) am Monte Rosa.
KartentippSwisstopo 1:50 000, Blätter 275 T »Valle Antigorio « und 276 T »Val Verzasca«
MarkierungenWeiß-rot-weiß, gelbe Wegweiser
VerkehrsanbindungIn die Centovalli kommt man von Locarno über eine kurvenreiche Straße oder mit der Centovalli-Bahn. Luftseilbahn Station Verdasio – Monte di Comino
GastronomieCapanna Monte di Comino, Mai bis Oktober; Tel. 091/798 18 04
Tourismusbüro
Ente Turistico Lago Maggiore, Via B. Luini 3, CH-6600 Locarno; Tel. +41/(0)91/791 00 91, buongiorno@maggiore.ch, www.maggiore. Ch

Lust bekommen? Noch mehr Touren finden Sie in unserem Buchtipp:

Eugen E. Hüsler

Wandertouren in den Alpen

500 Wandertouren in einem Kompendium! Damit werden Ihnen die Ideen für Wanderungen in den Ost- und Westalpen ein Leben lang nicht ausgehen.

Jetzt bestellen