Nostalgiewanderung nicht nur für Eisenbahnfans

Einfache Wanderung auf stets abwärts-

führenden Forst- und Wiesenwegen. (Autor: Peter Mertz)
15 km
600 m
3.00 h
Die historische Bahnlinie aus dem Ersten Weltkrieg Doch zunächst zum historischen Hintergrund dieser thematischen Wanderung. Die Fleimstaler Bahnlinie wurde im Ersten Weltkrieg als Versorgungsbahn von österreichischen Bauarbeitern errichtet. Sie startete in Auer unmittelbar im Etschtal und führte bis nach Predazzo ins Fleimstal. Dabei musste die Höhe des Sattels von San Lugano, unserem Ausgangspunkt, überwunden werden. Die ursprünglich als Dampfbahn konzipierte Linie hatte eine Spurbreite von nur 76 Zentimetern und wurde im Zuge der Elektrifizierung 1922 auf die übliche Schmalspurbreite von 100 Zentimetern erweitert. Um die Höhendifferenz zu schaffen, mussten die Züge Steigungen zwischen 2,5 und 4,7 Prozent überwinden. Dabei führte die kühne Bahnstrecke zuerst durch das felsige Hügelgelände von Castelfeder, wo heute noch Reste des Bahndamms zu sehen sind, und erreichte später Montan. Von hier stieg die Bahn auf der heute noch begehbaren Trasse durch das Schwarzbachtal nach Lugano hinauf und benötigte insgesamt sechs Tunnels, zwei Viadukte und mehrere Brücken, um die topografischen Gegebenheiten überwinden zu können. Bei Inbetriebnahme der Bahn 1917 dauerte die Fahrt von Auer nach Predazzo auf der 50 Kilometer langen Strecke viereinhalb Stunden, nach der Elektrifizierung konnte die Fahrtzeit auf 3.20 Stunden verkürzt werden. 1963 stellte man die Strecke komplett ein, nachdem der Betrieb unrentabel wurde. Die Gleise und technischen An-lagen wurden entfernt, die Trasse jedoch als Wanderroute umgebaut.Auf der alten Bahnstrecke abwärts nach Montan Die Wanderroute ist weitgehend eindeutig, denn die ersten Kilometer ab San Lugano führen auf dem noch gut erhaltenen Bahndamm abwärts. Wir steigen direkt am Sattel beim alten Bahnhofsgebäude in den mit Nr. 3 markierten Wanderweg ein. Nach etwa 2,2 Kilometern passieren wir einen Bauernhof, dessen Stall direkt auf der Bahnstrecke liegt. Also müssen wir auf dem Wanderweg um das Gebäude herumgehen, um danach nach links wieder auf die Strecke zu gelangen. Eine romantische Waldstrecke mit schöner Bogenbrücke führt nach Kaltenbrunn, wo wir nach etwas mehr als vier Kilometern Gehstrecke den gut erhaltenen Bahnhof passieren. Dieser beherbergt heute ein regionales Forstamt. Nach Querung der Straße nach Truden folgen nun einsame Abschnitte in dem enger und tiefer werdenden Tal des Schwarzbachs. Höhepunkte dieses Abschnitts sind die beiden gut erhaltenen Tunnelpassagen. Diese sind wegen der Kürze unbeleuchtet, aber problemlos zu durchschreiten. Immer wieder begleiten uns Steinmauern, Geländer, alte Kilometersteine oder Reste von Masten und Signalanlagen. Nach einer langen Waldpassage an der Westseite des Cisloner Berges mit Ausblicken auf die Umgebung kommen wir ins Gelände beim Wieser- und Elsnerhof. Hier verlassen wir kurzzeitig die Bahnroute, denn ein Kehrtunnel ist nicht begehbar. Wir folgen dem mit Nr. 3 markierten Weg zuerst nach rechts, dann nach links, beim Biferhof wieder nach rechts und bei einem Wegweiser »Alte Bahnroute Montan« wieder nach links. Bald haben wir erneut den Bahndamm erreicht und folgen diesem, bis durch das Laub des Kastanienwalds das Schloss Enn durchschimmert. Wir befinden uns nun auf der Montaner Bahnpromenade, die vier Kilometer bis zum alten Bahnhof hinabführt. Dementsprechend sind die beiden folgenden Tunnelpassagen beleuchtet, was vor allem im längeren und gebogenen Tunnel sehr angenehm ist und notwendig erscheint. Eine lange Rampe, die später wieder Weinterrassen durchquert, führt zum letzten Höhepunkt der Bahnroute, dem gebogenen Viadukt oberhalb von Pinzon. Die Bahntrasse beschreibt eine für eine Eisenbahn extrem enge U-Kehre. Damit hat man die Strecke verlängert, um die Höhendifferenz besser überwinden zu können. Mitten in der Kurve befindet sich der eindrucksvollste Teil dieses Abschnitts, der 22 Meter hohe und 73 Meter lange gebogene Steinviadukt, der einen tiefen Graben überspannt und die Schlaufe schließt. Wir wandern genüsslich mit herrlicher Aussicht und Tiefblicken durch diese Schleife, um anschließend den nicht weniger aussichtsreichen und promenadenähnlichen letzten Abschnitt der Wanderung zu absolvieren. Parallel zur etwa 50 Höhenmeter oberhalb verlaufenden Bahntrasse wandern wir durch Wein- und Obstgärten auf dem unteren stets abfallenden Bahnweg gemütlich nach Montan hinab. Die Wanderung endet unmittelbar beim alten Bahnhofsgebäude in Montan, wo sich der Parkplatz und ein schöner Kinderspielplatz befinden (496 m).Insgesamt haben wir 14,6 Kilometer seit San Lugano zurückgelegt und knapp 600 Höhenmeter überwunden. Von Montan bis Auer ist die Strecke nur mehr bruchstückhaft vorhanden, so im Naturschutzgebiet Castelfeder, das mit seinen Burgruinen aus prähistorischer Zeit, den Trockenrasen und den eiszeitlich bedingten Mooren früher von der Eisenbahn durchquert wurde. Um dieses Naturschutzgebiet besichtigen zu können, wurden an der Fleimstaler Straße zwischen Auer und Montan Parkplätze eingerichtet. Markierte Spazierwege führen durch das hügelige Gelände. Im zentralen Bereich ist noch ein Stück des Bahndamms vorhanden, der mit einer Kehrschleife um ein Moor herumführt.

Streckenwanderung gesamt 3 Std.; San

Lugano – Kaltenbrunn 45 Min., Kalten-

brunn – Montan 2.15 Std.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour15 km
Höhenunterschied600 m
Dauer3.00 h
AusgangspunktSan Lugano (1091 m); Montan, alter Bahnhof (490 m).
EndpunktSan Lugano (1091 m); Montan, alter Bahnhof (490 m).
TourencharakterEine begeisternde Routenführung Welche Wanderroute kann schon Viadukte, Bogenbrücken, mit Moos überzogene Steinmauern und vier

beleuchtete Tunnelstrecken anbieten? Diese Streckenwanderung entlang der alten, noch erhaltenen Trasse der Fleimstaler Bahn scheint daher nicht nur für Eisenbahnfreunde ein besonderer Leckerbissen zu sein, sondern auch Familien mit Kindern eine spannende und unterhaltsame Route anzubieten.
KartentippNaturparkkarte Trudner Horn 1:25 000.
MarkierungenWanderweg Nr. 3, mit Wegweisern durch- gehend markiert, alte Trasse weitgehend mit eindeutiger Route.
VerkehrsanbindungVon der A22 Ausfahrt Neumarkt-Auer Richtung Auer auf die Fleimstalstraße, dort bis Montan; Parkplatz am Ende der Wanderroute direkt am alten Bahnhof Montan. Anfahrt mit Bus Busverbindung 133 von Auer über Montan nach Predazzo im Fleimstal mit Haltestellen in Kaltenbrunn und San Lugano.
GastronomieGasthof und Restaurant am Sportplatz in Montan, Gasthof in San Lugano, unterwegs keine Einkehrmöglichkeit.
Informationen
Das Auto lässt man am besten in Montan am Parkplatz stehen und fährt mit dem Bus nach San Lugano, Abkürzungsmöglichkeit mit Einstieg in Kaltenbrunn.

Lust bekommen? Noch mehr Touren finden Sie in unserem Buchtipp:

Peter Mertz

Wandern am Wasser in Südtirol

Wasser ist nicht nur für Kinder faszinierend. Die familienfreundlichen Wanderungen führen zu den schönsten und reizvollsten Wasser-Schauplätzen Südtirols.

Jetzt bestellen
Mehr zum Thema