Möslalm

Intakte Almwelt mit Sennerei (Autor: Wolfgang Taschner, Michael Reimer)
21 km
350 m
5.00 h
Warum diese Alm?
Obwohl die AV-Hütten bedingt durch die höhere Lage näher an die Gipfelziele heranreichen, haben wir bei unserer Tourenplanung in der Vergangenheit immer wieder der Möslalm für die Übernachtung den Vorzug gegeben. Denn die Alm strahlt etwas aus, was wir an vielen anderen Orten im Gebirge in unserer hektischen Zeit vermissen: Naturverbundenheit. Weder Gipfelziel noch Schrittfrequenz stehen hier im Vordergrund, sondern die Liebe zum Detail. Spätestens wenn ein paar rastlose Biker das Weite gesucht haben, kehrt in der Abenddämmerung eine angenehme Ruhe ein. Schneller als anderswo legt sich mit den Schatten die frische Waldluft über den Talkessel. Dann harren nur die Unverfrorenen auf der kühlen Terrasse aus.
Leckeres aus der Sennerei.
Die sympathische Hüttenfamilie Kircher sorgt für das Wohl der Gäste, und das bereits seit 1939. Die Alm selbst wurde in der heutigen Form zwischen 1850 und 1860 erbaut, doch ihre Gründung geht auf das 13. Jahrhundert zurück. Auf den weitläufigen Wiesen grasen 25 Milchkühe und 200 Jungrinder friedlich vor sich hin. Ein Großteil der frischen Milch wird täglich in der angrenzenden Sennerei zu Butter und Graukäse verarbeitet, der mit Zwiebeln, Essig und Öl besonders gut schmeckt und folgerichtig auf der Speisekarte steht. Ein weiterer kulinarischer Höhepunkt ist das Szegediner, ein herzhaftes Gulasch vom Schwein mit Sauerkraut. Früher wurde dafür das eine oder andere Hausschwein geopfert, doch als die EU das Verfüttern von Küchenabfällen verbot und ersatzweise Korn hätte eingekauft werden müssen, wurden die Tiere aus Kostengründen abgeschafft. Den Schreibtischtätern der EU ist es also zu verdanken, dass auf der Alm keine Grunztöne mehr zu vernehmen sind.
Donnergrollen über Frau Hitt.
Wer von der Möslalm auf Bergtour gehen will, sollte sich angesichts relativ großer Höhenunterschiede und Entfernungen früh auf die Socken machen. Die meisten Gipfelziele liegen in der so genannten Karwendel-Nordkette oder Inntalkette zwischen Pfeishütte und Solsteinhaus. Geradezu einladend ist der direkt an der Alm beginnende Weg in das Klein-Kristental zum Frau-Hitt-Sattel; dieser wird zuletzt steil durch ein felsdurchsetztes Schuttkar erklommen – an kniffligen Stellen sind Drahtseile angebracht. Vom Sattel führt ein überaus schöner und im oberen Bereich luftiger Steig zum Gipfel des Vorderen Brandjochs hoch über dem Inntal.
Diesen famosen Aussichtsberg schaffte der Autor erst im fünften Anlauf: In der jugendlichen Sturm- und Drangzeit zwangen Eisfelder zur Aufgabe, beim zweiten Versuch sorgte ein furchterregendes Gewitter für die prompte Umkehr, wenige Jahre später hätte uns der Föhnsturm vom Grat geweht und der vierte Anlauf endete im Schlaflager der Möslalm, weil sich die nächtlichen Gewitter auch am Vormittag nicht verziehen wollten. Irgendwie schien sich die sagenumwobene Frau Hitt, ein kühner Felsturm am Frau-Hitt-Sattel, gegen die Besteigung zu verschwören. Albtraummäßig die Blitze, die an ihr niedergingen. Doch an einem schönen Frühsommertag war das kleine Trauma mit einem ungefährdeten Gipfelsieg endlich beseitigt.
Lokale Unwetter.
Gewitter setzen sich an der Nordkette häufiger fest als anderswo, weil das über 2000 Meter tiefer gelegene Inntal die Aufwinde und somit Wolkenbildung fördert. Bei instabiler Wetterlage treffen über den Gipfelkämmen warme und kühlere Luftmassen geballt aufeinander. Manchmal ertönt bereits Donnergrollen, wenn Innsbruck noch sichtbar in der Sonne leuchtet. Das sind dann jene Tage, an denen der Wetterbericht von lokalen Gewittern spricht.
Wandern im Solsteingebiet.
Nicht minder reizvoll ist das Tourengebiet rund um das Solsteinhaus, das man von der Möslalm entweder über das benachbarte Große Kristental oder – landschaftlich schöner, jedoch auch länger – vom Klein-Kristental über den Gipfelstürmerweg erreicht. Hausberg ist der Große Solstein, den man in weit ausholenden Serpentinen über die breite Schuttflanke besteigt.
Wer vom Gipfel nach Süden zur Magdeburger Hütte absteigt, kann über den Zirler Schützensteig – einen einfachen Klettersteig mit einem reizvollen Kamin – zum Solsteinhaus zurückkehren. Nördlich der Hütte wartet mit der Erlspitze ein weiteres lohnendes Bergziel. Grandios ist der Freiungen-Höhenweg zur Nördlinger Hütte, ein Karwendel-Klassiker, der seinesgleichen sucht. Diese Touren stellen ohne Zwischenübernachtung die Kondition auf die Probe, sind jedoch bei frühem Aufbruch von der Möslalm durchaus an einem Tag zu schaffen.
Einsamer Gipfelanstieg.
Wer es eher einsam mag, der möge sich am wenig begangenen, aber etwas mühsam zu besteigenden Hohen Gleirsch versuchen. Der Weg ist zwar nicht ganz einfach zu finden, doch bekommt man auf dieser Route mit etwas Glück Rehe oder Gämsen zu Gesicht. Von der Möslalm wandert man zunächst talaus in Richtung Amtssäge, zweigt dann rechts in den Wald und erreicht auf dem in Serpentinen angelegten Steig oberhalb der Waldgrenze eine Latschenmulde im Riegelkar. Hier darf man keinesfalls das Kar weiter emporsteigen, sondern wendet sich nach Westen dem Südgrat des Berges zu. Dieser wird in einer kleinen Einsattelung überschritten, bevor man über die Südwesthänge zum aussichtsreichen Gipfel gelangt. Der Berg stürzt mit mächtiger Wand in das Hinterautal ab.

Länge.
Mit Rad oder Kinderwagen kann man den 12 Kilometer langen Fahrweg von Scharnitz zur Möslalm nehmen (zu Fuß 3 Std.). Kürzer ist der Nederweg auf der anderen Isarseite bis zur Gleirscher Klamm: Hier kann man entweder direkt zum Fahrweg aufsteigen oder die Klamm auf dem neu angelegten Steig durchwandern und taleinwärts auf die Hauptroute stoßen (2 3/4 Std.). Eine halbe Stunde länger dauert es vom Scharnitzer Bahnhof.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour21 km
Höhenunterschied350 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktScharnitz
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterDie Möslalm verzichtet auf etwas, was in unserer zivilisierten Welt als selbstverständlich gilt: das Telefon. Wer also eines der 30 Schlaflager im angenehm luftigen Dachstuhl ergattern will, muss sich zuvor in Innsbruck über die freien Kapazitäten erkundigen. Während Einzelwanderer in der Regel auch spontan Quartier beziehen können, ist für Gruppen die Voranmeldung in der Tiroler Hauptstadt obligatorisch. Alternativ sind die Alpenvereinshütten Solsteinhaus und Pfeishütte rund zwei Gehstunden von der Möslalm entfernt.
Beste Jahreszeit
KartentippKompass Wanderkarte Nr. 26, Karwendelgebirge, 1:50.000
VerkehrsanbindungGute Zugverbindungen von München nach Scharnitz. Mit dem Auto von München über Garmisch-Partenkirchen und Mittenwald nach Scharnitz. Im Ort nach der Isarbrücke links die Teerstraße Richtung Karwendeltäler bis zum Wanderparkplatz entlangfahren.
Tipps
Radeln in den Karwendeltälern. Kaum eine andere Berggegend eignet sich für das Bike & Hike – die kombinierte Rad- und Wandertour – besser als das Karwendelgebirge. Wegen der kilometerlangen Talwege zieht sich der Anmarsch zu beliebten Hütten- und Bergzielen oft ziemlich in die Länge. Karwendelhaus, Hallerangeralm und die Möslalm etwa können von Scharnitz sternförmig mit dem Fahrrad angefahren werden. Auch der Transport ist kein Problem, weil die Züge nach Scharnitz über ein Fahrradabteil verfügen.
Informationen
Hüttenporträt. Höhe: 1262 m. ERBAUT: 1850 – 1860 (privat). Bewirtschaftet: Von Pfingsten bis Anfang Oktober. Kulinarischer Tipp: Szegediner Gulasch vom Schwein mit Sauerkraut, Graukäse aus der Almsennerei, angemacht mit Zwiebeln, Essig und Öl. Hüttenwirte: Josef und Birgit Kircher. Telefon: Kein Hüttentelefon. Übernachtungsgäste melden sich über die Taladresse an: Familie Kircher, Eggenwaldweg 51, A-6020 Innsbruck, Tel.: 0043/512/20 46 04. Lager: 30. Materialbeschaffung: Versorgungsweg von Scharnitz.
Tourismusbüro
Verkehrsamt Scharnitz, Innsbrucker Str. 282, A-6108 Scharnitz, Tel.: 0043/521/3 52 70, Internet: www.discover.com/scharnitz

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