Minenkrieg in den Dolomiten

Passo Falzárego – »Kaiserjägerweg« – Kleiner Lagazuoi – Galleria del Lagazuoi – Cengia Martini – Passo Falzárego (Autor: Eugen E. Hüsler)
9 km
820 m
3.00 h
Der Kaiserjägersteig.
Erst vor ein paar Jahren rekonstruiert, bildete er den weitgehend vor Beschuss sicheren Zugang zu den k. u. k. Stellungen am Kleinen Lagazuoi. Vom großen Parkplatz am Falzáregopass folgt man zunächst dem Weg zur Forcella Travenanzes, verlässt ihn aber bald nach links und steigt über einen steinigen Hang an zu der ehema-ligen Von-Bank-Stellung (Schützengräben). Rechts in den Felsen entdeckt man einen Stolleneingang. Er diente der Besatzung als sichere und vergleichsweise komfortable Unterkunft. In seiner Verlängerung hätte nach Plänen der Heeresführung ein Minenstollen gegen das Martiniband vorangetrieben werden sollen.
Etwas höher stößt man auf den »Kaiserjägersteig«, der vom ehemaligen Sperrfort am Valparolajoch heraufkommt. Er leitet rechts über ein Band in die Felsen. Sicherungen erleichtern den Aufstieg durch eine kurze Felsrinne; eine düstere Schlucht wird auf solider Hängebrücke gequert. Über leichte Felsen und Schrofen gewinnt man die mächtige Geröllterrasse auf etwa halber Wandhöhe. Hier hatten die Österreicher ihre Stellungen; zwei Stollen führten zu den vordersten Positionen (begehbar). Eine Geröllrinne leitet auf das so genannte »Österreicher-Band«, das, sanft ansteigend und teilweise mit Drahtseilen gesichert, auf den Westgrat des Kleinen Lagazuoi (2778 m) führt. Über den breiten Felsrücken spaziert man hinüber zum Rifugio Lagazuoi (2752 m), mit herrlichen Ausblicken, vor allem auch in das während des Krieges hart umkämpfte Val Travenanzes (2.15 Std.).
Die Galleria Lagazuoi.
Ein wiederhergestellter Kriegsweg führt von der Hütte hinab und hinaus (rekonstruierte Schützengräben) zum Eingang des großen italienischen Stollens. Genietruppen bohrten das gut einen Kilometer lange Loch mit immerhin einem Querschnitt von fast zwei mal zwei Metern in sechs Monaten vom Felsfuß der Lagazuoi-Südwand bis knapp 40 Meter unter die österreichische Stellung an der Vorkuppe (2668 m), wo sie am 20. Juni 1917 ihre Sprengladung zündeten. Der Weg verzweigt sich in etwa halber Wandhöhe - Der linke Ast steigt spiralförmig an, der rechte hert sich dem Grat. Felslöcher ermöglichen packende Aus- und Tiefblicke, spenden spärliches Licht. Die gesamte Stollenanlage wurde vor gut zehn Jahren im Rahmen eines EU-Projektes wieder begehbar gemacht, die ursprüngliche Infrastruktur teilweise (Unterkünfte, Beobachtungsposten usw.) wiederhergestellt.
Das Cengia Martini.
Die Galleria Lagazuoi mündet auf das markante Martiniband(3 Std.), das – nach links ansteigend – die Südwand des Bergstocks quert. Ihr beschusssicherer Zugangsstollen ist allerdings längst nicht mehr begehbar, da eingestürzt; man geht sozusagen »außenherum« auf dem mit Drahtseilen gesicherten Band. Es führt unter gewaltigen Überhängen in eine wilde Schlucht. An der gegenüberliegenden Flanke setzt sich der Weg über das Cengia Martini fort; der Weg wird hier flankiert von teilweise rekonstruierten Baracken und Stellungsresten. Wenig später erreicht man den Eingang zu einem weiteren Stollen, der im Berg steil ansteigt, aber blind endet. Geplant war eine Minensprengung oberhalb der vordersten österreichischen Stellungen.
Zurück zum Falzáregopass.
Vom Ausgang der Galleria Lagazuoi (4.15 Std.) führt der weitere Abstieg schräg hinunter in eine Schlucht, dann mit kleiner Gegensteigung durch einen Stollen und kurz zum Felsfuß. Ein guter Serpentinenweg leitet hinab zu den steini-gen Wiesen über dem Falzáregopass (2105 m; 5 Std.).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour9 km
Höhenunterschied820 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
StartortCortina d’Ampezzo (1211 m), berühmter Ferienort im Tal des Boite
AusgangspunktPasso Falzárego (2105 m); Talstation der Seilbahn auf den Kleinen Lagazuoi. Große Parkplätze, Bus von Cortina d’Ampezzo und aus dem Hochabtei
EndpunktWie Ausgangspunkt.
TourencharakterDer Kleine Lagazuoi (2778 m) ist nicht nur eine bemerkenswerte Aussichtswarte mitten in den Dolomiten, er ist auch ein militärhistorisches Denkmal. Hier wurde mehr im als am Berg gekämpft, nachdem sich beide Parteien festgesetzt hatten und als alle Ver-suche, Geländegewinne zu erzielen, sich als aussichtslos erwiesen.
Die österreichische Frontlinie verlief vom Hexenstein über das Bergsturzgelände Ntra i Sas zum lang gestreckten Gipfelrücken, auf dem mehrere Feldwachen postiert waren, und weiter in die Forcella Lagazuoi. Die Alpini hielten das Martiniband am Südabsturz des Bergstocks besetzt und bauten es zu einer eigentlichen Festung aus. Alle Versuche der Österreicher, sie zu vertreiben, scheiterten; auch die Sprengung der Lagazuoiwand über dem Band brachte trotz einer ungeheuer starken Ladung nicht den gewünschten Erfolg. Rund 24 000 Kilogramm Sprengstoff explodierten und rissen 100 000 Kubikmeter Fels in die Tiefe!
Noch stärker war die Mine, die von den Italienern unter der südöstlichen Vorkuppe (Anticima, 2668 m) des Lagazuoi gezündet wurde – über 32 Tonnen Sprengstoff. Die Alpini besetzten zwar anschließend den Gratrücken, ein weiteres Vorrücken war ihnen aber nicht möglich.
Letztlich zeigen auch die Ereignisse am Kleinen Lagazuoi beispielhaft, dass Angreifer in extremem Felsgelände gegen gut geschützte und entschlossene Verteidiger keine Chance haben. Wie etwa drüben am Castelletto führten spektakuläre Einzelerfolge letztlich kaum zu einer Verschiebung der Kraftverhältnisse, lösten sie doch lediglich minimale Frontbewegungen aus.
Hinweise
Zitat. Bei Sappeurkompagnien, welche längere Zeit im Minendienst standen, wurde ein abnormgroßer Abgang an Kranken wahrgenommen. Die ärztliche Beobachtung stellte hauptsächlich Erkrankungen der Nieren, des Herzens und der Nerven fest. Die Erkrankungen sind auf Mangel an Sauerstoff, großen Durst und schwere physische Arbeit in konstant gebückter Stellung zurückzuführen. Als Folge der Herzschwäche, dann aus Angst, von einer feindlichen Mine eingequetscht zu werden, tritt große Nervosität ein. Sie wurde selbst bei kaltblütigen, kriegsgewohnten Leuten beobachtet. Aus dem Rapport eines österreichischen Militärarztes
KartentippTabacco 1 - 25 000, Blatt 03 »Cortina d’Ampezzo«
VerkehrsanbindungVon Cortina d’Ampezzo über die »Große Dolomitenstraße«, 17 km, von Stern über das Valparolajoch, 16 km
GastronomieRifugio Lagazuoi (2752 m), 20. Juni bis Ende September; Tel. 0436/86 73 03
Tipps
Das Festungsmuseum Tre Sassi. Im ehemaligen Sperrfort Tra i Sassi (»Zwischen den Steinen«, heute fälschlicherweise Tre Sassi genannt), das 1897 erbaut und gleich zu Kriegsbeginn von der italienischen Artillerie zusammengeschossen wurde, ist heute ein besuchenswertes Museum mit vielen Exponaten des Gebirgskrieges untergebracht. Die Aus- stellung ist von Juni bis Mitte Oktober 10–12.30, 13.30–17 Uhr geöffnet.
Informationen
Gehzeit - Gesamt 2 bis 5 Std., je nach Routenwahl. Für Auf- bzw. Abstieg steht alternativ die Lagazuoi-Seilbahn zur Verfügung. Sie verkehrt Anfang Juni bis Mitte Oktober.
Tourismusbüro
Ufficio Informazioni, Piazza Roma, I-32043 Cortina d´Ampezzo; Tel. +39/0436/869086, infodolomiti@dolomiti.org, www.dolomiti.org

Lust bekommen? Noch mehr Touren finden Sie in unserem Buchtipp:

Eugen E. Hüsler

Leichte Klettersteige Dolomiten

70 leichte Klettersteige in den Dolomiten Südtirols, des Trentino und des Bellunese, vom »Klettersteigpapst« Eugen E. Hüsler.

Jetzt bestellen