Maulbronner Kloster und Kraichquelle

Weltkulturerbe am Stromberg Wald- und Aussichtswanderung ohne wesentliche Steigungen im Wechsel von bequemen Forstwegen und schmaleren Waldwegen. Wer abkürzen will, fährt von Sternenfels mit dem Bus zurück nach Maulbronn. (Autor: Bernhard Pollmann)
18 km
300 m
4.00 h
Kloster Maulbronn Die ehemalige Zisterzienserabtei Maulbronn ist die am besten erhaltene mittelalterliche Klosteranlage Deutschlands. 1993 nahm die UNESCO das von der Romanik bis zur Spätgotik über Jahrhunderte hinweg gewachsene Gebäudeensemble im Salzachtal am Westrand des Strombergs in die Liste des Weltkulturerbes auf. Die Anlage stellt sich freilichtmuseumsartig dar wie eine »Klosterstadt« mit Ringmauer, Türmen, Mühle, Klosterspital, Gesindehaus, Schmiede, Scheune und weiteren Nebengebäuden. Gegründet wurde die Abtei 1147 als Tochterkloster des elsässischen Zisterzienserklosters Neuenburg. In der Folgezeit entstanden als bedeutendste Werke die 1178 der Ordenspatronin Maria geweihte Klosterkirche mit romanischer Westfassade, Paradies (1210/20) und bemaltem Netzgewölbe (1420); der gotische Kreuzgang mit der Brunnenkapelle (um 1350); das rippengewölbte zweischiffige Herrenrefektorium (um 1220), der sternengewölbte Kapitelsaal (um 1340) und das Parlatorium (Gesprächsraum). Name und Wappen von Maulbronn sowie die Darstellung eines trinkenden Maultiers im Gewölbe der Brunnenkapelle erinnern an die Gründungslegende. Ihr zufolge beluden die Mönche auf der Suche nach einem geeigneten Siedlungsplatz ein Maultier mit einem Geldsack, gaben ihm einen Segensspruch und einen Rutenhieb mit auf den Weg und ließen es lostrotten. Am Platz des Eselsbrunnens blieb das Tier stehen und stillte seinen Durst. Die Mönche sahen darin ein Zeichen des Himmels und beschlossen, hier ihr Kloster zu errichten. Für eine Klostergründung erfüllte der Ort die Grundsätze des Zisterzienserordens, dessen Bestreben es war, in der Abgeschiedenheit von der Welt nach der ursprünglichen Form benediktinischen Mönchtums in Armut zu leben. Im Gegensatz zu den Benediktinern, die ihre Klöster auf der Höhe anlegten, bauten die Zisterzienser stets im Tal. Herzog Cristoph von Württemberg richtete 1556 in Maulbronn eine Schule ein, die den Pfarrernachwuchs für die noch junge lutherische Kirche seines Landes ausbilden sollte. Die Schule, seit 1806 Evangelisches Seminar, ist bis heute in den Klostergebäuden untergebracht. Zu ihren berühmtesten Schülern zählen Johannes Kepler (1586–89), Friedrich Hölderlin (1786–88) und Hermann Hesse (1891/92). Eilfingerberg Aus dem Klostertor tretend geht es rechts auf den Klosterweinberg zu und zwischen Klosterbereich und Altem Friedhof auf dem autofreien Asphaltweg aufwärts, gleich rechts haltend. Nach der Rechtskurve kommt eine etwas unscheinbare, dennoch wichtige Verzweigung - Während der Asphaltweg geradeaus aufwärts führt (unser Rückweg), zweigt der mit dem Wachturm markierte Eppinger-Linien-Weg links auf einen grasigen Weg ab, der bald eine prachtvolle Aussicht auf die Weinberge und den altehrwürdigen Klosterkomplex bietet, weiter rechts reckt sich das Minarett der zu Beginn des 3. Jahrtausends eröffneten Mimar-Sinan-Moschee. Der Maulbronner Klosterberg ist bekannt unter dem Namen »Eilfingerberg« und eine der berühmtesten Rebanlagen Württembergs. Bereits 1157 wurde er von den Zisterziensern mit Reben bepflanzt, seit 1872 ist das Haus Württemberg im Besitz dieser exzellenten Weinberglage, deren exponierte steile Südhänge die damit verbundene optimale Sonneneinstrahlung und der Schilfsandstein im Untergrund feinste Rieslinge und kräftige, markante Lemberger hervorbringen. Der Überlieferung nach ist »Eilfingerberg« eine Verkürzung der alten Schreibweise »eilf Fingerberg«; mit diesen elf Fingern hat es folgende Bewandtnis: Da die Mönche in der Fastenzeit keinen Wein trinken durften, tauchten sie ihre Finger in das köstliche Nass und schleckten sie dann ab. Manch einer wünschte sich, statt zehn elf Finger zu haben; die »elf Finger« wurden bald zum geflügelten Wort für die Genüsse aus dem Klosterweinberg, für den sich nach und nach die Bezeichnung »Elf-Finger-Berg« einbürgerte. Eppinger Linien Nach kurzem, aussichtsreichem Aufstieg taucht der Eppinger-Linien-Weg in den Wald ein. Die Eppinger Linien sind eine historische Verteidigungslinie, die Markgraf Ludwig Wilhelm I. von Baden-Baden, der Türkenlouis, 1695–97 während des Pfälzischen Erbfolgekriegs zum Schutz vor der Soldateska des französischen »Sonnenkönigs« Louis XIV. im Kraichgau zwischen Neckar und Enz errichten ließ. Am besten erhalten ist diese aus einem Wall-Graben-System mit Wachtürmen bestehende Schutzlinie im Naturpark Stromberg-Heuchelberg: Von der Eppinger Gegend verläuft sie südwärts über Sternenfels und Maulbronn bis Mühlacker, überquert dort die Enz und endet in Pforzheim-Weißenstein. Der Eppinger-Linien-Weg folgt als kulturhistorischer Wanderweg dieser alten Verteidigungslinie von Eppingen bis Mühlacker. Markiert ist er mit einer Chartaque, dem für die Verteidigungslinien charakteristischen Wachturm. Zahlreiche Informationstafeln entlang der Strecke geben Auskunft über Entstehung und Geschichte der Eppinger Linien. Sternenfels Über den aussichtsreichen Scheuelberg (382 m) führt der Eppinger-Linien-Weg in die Nähe des Fachwerkdorfs Diefenbach und vereinigt sich wenig später mit dem Franken-Weg (Rotstrich-Markierung): In gemeinsamer Routenführung geht es nach Sternenfels. Sternenfels (314 m) ist ein Weindorf an der Quelle der Kraich, die vor der Schule mitten im Ort am Westrand des Strombergs entspringt und einer ganzen Region den Namen gegeben hat. Wer dem Bachverlauf eine Viertelstunde talwärts folgt, gelangt zum Trinkwaldsee, zum Rotwildgehege und zum Kraichsee. Der Schlossbergturm ist das Wahrzeichen von Sternenfels. Der Aussichtsturm bietet einen schönen Blick ins Rheintal, in die Pfalz und in den Odenwald. Der Name »Schlossberg« erinnert daran, dass Sternenfels im 12./13. Jh. als Burgsiedlung gegründet wurde. 1778 wurde die Burg abgetragen, im 19. Jh. wurde an ihrer Stelle der Schlossbergturm errichtet. Franken-Weg Von Sternenfels geht es auf der gemeinsamen Route von Eppinger-Linien- und Franken-Weg zurück, bis sich die beiden Wanderwege bei Diefenbach trennen: Teils in aussichtsreichen Wiesen, meist im Wald führt der Franken-Weg zurück nach Maulbronn.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour18 km
Höhenunterschied300 m
Dauer4.00 h
Schwierigkeit
StartortMaulbronn (253 m), Kloster- und Weinbaustadt im Naturpark Stromberg- Heuchelberg. Das ehemalige Kloster, bei dem die Stadt im 19. Jh. entstand, steht als Weltkulturerbe unter dem Schutz der UNESCO.
AusgangspunktParkplatz vor dem Eingang zum Kloster Maulbronn.
TourencharakterVom UNESCO-Weltkulturerbe Maulbronn führt der Eppinger-Linien-Weg durch Weinberge, Wälder und aussichtsreiche Wiesenfluren des Naturparks Stromberg-Heuchelberg in das Weindorf Sternenfels an der Quelle der Kraich, die einer ganzen Region den Namen gegeben hat - Kraichgau. Der Sternenfelser Aussichtsturm gewährt ein prachtvolles Panorama des Kraichgaus bis hin zum Schwarzwald und zum Odenwald.
Beste Jahreszeit
KartentippFreizeitkarte 1 - 50000, Blatt 517 Heilbronn (Landesvermessungsamt Baden-Württemberg).
VerkehrsanbindungWährend der Maulbronner Westbahnhof von der S-Bahn Bruchsal – Maulbronn (Westbahnhof) – Mühlacker bedient wird, wird der Maulbronner Stadtbahnhof derzeit im Sommerhalbjahr an Wochenenden und Feiertagen vom VCD-Klosterstadt-Express angefahren (zurzeit auf der Linie Tübingen – Mühlacker – Maulbronn). Mit dem Auto A 8 Karlsruhe – Pforzheim – Stuttgart Ausfahrt Pforzheim Nord und über die B 294 bis Bauschlott, dort abzweigen nach Maulbronn.
GastronomieMaulbronn, Sternenfels.
Tipps
Naturfreibad Tiefer See Der von der Salzach gespeiste Tiefe See östlich des Klosters wird seit 1898 als öffentlicher Badesee genutzt. Hier kann man in einer herrlichen Waldumgebung baden und gleichzeitig den Komfort eines Freibads mit Umkleidekabinen, Duschen und Toiletten genießen; auch einen Ruder- und Tretbootverleih gibt es. Angelegt wurde der Tiefe See von den Zisterziensermönchen im 12. Jh. als Wasserreservoir, zur Fischzucht und zu Verteidigungszwecken - Das Wasser konnte in die rund um das Kloster verlaufenden Gräben abgelassen werden. Auf Hermann Hesse, der 1891/92 Seminarist in Maulbronn war, machte der waldumgebene See einen tiefen Eindruck; im Herbst 1891 schrieb er an seine Eltern: »Ein andrer Platz ist am ›tiefen See‹. Dieser, nur von kleinen Hügeln umgeben, ist wie ein Spiegel ... Bei schwachem Wind zuckt es blitz- artig über den See und kleine Wellen schlagen flammenartig herauf.«
Tourismusbüro
Stadtverwaltung Maulbronn, Klosterhof 31, 75433 Maulbronn, Tel. 07043/ 1030, Internet www.maulbronn.de.

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