Madom da Sgióf

Etwas für Abenteuerlustige, die Konditionsprobleme bloß vom Hörensagen kennen. Bergerfahrung und ein sicherer Tritt sind unerlässlich; nur bei ganz sicherem Wetter gehen (Gewittergefahr!). Die Querung unter der Cima del Masnee zum Passo Deva und einige Passagen des extrem steilen Abstiegs sind bei Nässe objektiv gefährlich. Große Kulisse, vom Gipfel des Madom da Sgióf faszinierendes Panorama der Tessiner Berge. (Autor: Eugen E. Hüsler)
Von Brione (756 m) geht es zunächst kurz auf dem asphaltierten Fahrweg in die Val d'Osura, dann links (Wegzeiger) über den Bach zum Weiler Sgerbi (769 m) und anschließend im Wald bergan. Nach einer Dreiviertelstunde tauchen dann die Rustici von Sparvé (1016 m) auf. Dahinter steigt der Pfad weiter im steilen Graben der Vallegg di Tremossa an, dessen Wasser höher im Tal über eine Felsstufe herabstiebt. Der teilweise erneuerte (Heidelbeer-)Weg quert den Bach (1671 m), umgeht einen Felsriegel und steuert die Hütten von Scimarmota (1837 m; 2:30 Std.) an. Instruktiver Blick über das innere Verzascatal; gut zu erkennen sind die Almen von Tenc und ihre Zugangswege auf halber Höhe zwischen Brione und dem Poncione della Marcia (2381 m): oben Fels, unten Fels.
Zunehmend steinig präsentiert sich auch der Weiterweg: Erst führt er hinauf zu den teilweise an mächtige Trümmerfelsen gebauten Steinhütten (2064 m) am Nordgrat des Pizzo Costisc (2244 m), dann mit einigem Höhenverlust durch das Blockgelände, auf dessen Ostflanke und über ein recht luftiges Band zum Grat (ca. 2130 m; 4 Std.).
Weiter dann auf dünner, spärlich markierter Spur, zunächst die Höhe haltend, mit prächtiger Fernsicht zum Basòdino (3272 m) durch die abschüssige, felsdurchsetzte Südflanke der Cima del Masnee (2203 m) und hinaus zu ihrem Südostgrat. Über ihn gelant man problemlos hinab in den Passo Deva (2036 m; 4:45 Std.).
An der Scharte beginnt der markierte Gipfelanstieg: Mehr oder weniger am Schuttgrat, zuerst ein paar Felszacken rechts umgehend, führt er bergan, zuletzt von der Südwestseite zum Madon da Sgióf (2265 m; 5:30 Std.).
Auf dem gleichen Weg zurück in den Passo Deva, dann auf gut erkennbarer Spur über den teilweise verstrauchten Hang hinunter zum idyllisch in einer Karmulde gelegenen Lago del Starlaresc da Sgióf (1875 m; 6:30 Std.), der zu einer ausgiebigen Rast einlädt. Blickfang jenseits des Verzascatals ist der markante Felszacken des Poncione d'Alnasca (2301 m), eines der schönsten Kletterziele in den Tessiner Alpen.
Gelegentlich die Grenze zur Kletterei streift auch der anstehende Abstieg (Wegzeiger »Brione«). Er läuft zunächst über harmlose Felsstufen, leitet in lichtem Wald schließlich zu einem Abbruch. Der einst kunstvoll angelegte Steig schlängelt sich durch das extreme Steilgelände, weicht senkrechten Felsen aus und findet immer wieder einen Durchschlupf. Über eine riesige, vom Wasser glatt polierte Granitplatte quert man den Abfluss des Lago del Starlaresc, der über ein gutes Dutzend Kaskaden zu Tal stiebt, nach links. Weiter geht es über »Stock und Stein« steil bergab; eine heikle Querung ist dabei seilgesichert. Schließlich stößt man auf den von der Alpe di Sgióf kommenden Weg (kein Hinweis!); er leitet oberhalb von gewaltigen Granitwänden ansteigend (Seilgeländer) hinauf zu den Hütten von Màtar (1304 m). Dahinter geht es im Wald über viele Kehren abwärts zu den umgebauten Rustici von Pianèsc (820 m) und auf gutem Weg durch ein malerisch-verwunschenes Bergsturzgelände zurück nach Brione (756 m; 9 Std.).

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour13 km
Höhenunterschied1700 m
Dauer9.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktBrione (756 m) im Verzascatal. Parkmöglichkeit vor dem Ort.
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterGipfelhöhe: 2265 Meter. Das macht nicht gerade viel her, und so mancher fleißige Alpenwanderer denkt da an grüne Hügel und lockere Halbtagsausflüge. Weit gefehlt! Wer im Verzascatal zu dem Zweitausender mit dem eigenartigen Namen Madom da Sgióf startet, kann gleich Maß nehmen, denn die schöne, felsige Pyramide südlich über Brione ist doch nicht zu übersehen. Da wird einem dann sofort klar, dass kein Spaziergang wartet, sondern eine große, anstrengende Unternehmung, die Bergerfahrung ebenso voraussetzt wie eine solide Psyche. Denn die Pfade sind überwiegend rau, manchmal nicht leicht zu finden, und wer schon etwas müde ist, wird die »Direttissima« durch den wilden Graben unterhalb des idyllischen Lago del Starlesc da Sgióf garantiert noch eine Weile in Erinnerung behalten. Im Gedächtnis haften bleibt aber vor allem: das große Bergerlebnis, Lichtjahre weg vom Trubel rund um Locarno und Ascona, der weite Horizont, die faszinierenden Einblicke in die Topografie des Sopra Ceneri – steil, schroff, wild und grandios.
Beste Jahreszeit
KartentippLandeskarte der Schweiz 1:50 000. Blatt 276T »Val Verzasca« mit Wanderwegeaufdruck.
MarkierungenWeiß-rot-weiß; Abstieg teilweise schlecht bezeichnet, für erfahrene Pfadfinder aber keine Orientierungsprobleme.
VerkehrsanbindungBrione (756 m) liegt im hinteren Verzascatal, 18 km von Gordola. Gute Busverbindungen mit Locarno.
GastronomieNur in Brione.
Tourismusbüro
Ente Turistico Tenero e Valle Verzasca, Via ai Giardini, CH-6598 Tenero; Tel. 091/7 45 16 61, Fax 7 45 42 30, info@tenero-tourism.ch, www.tenero-tourism.ch.

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