Wandern im Vinschgau

Leichte Wanderung entlang des Partschinser Waal

Der liebliche Ort Partschins eröffnet gleichsam den sonnigen Reigen der Vinschgauer Dörfer und liegt ebenso wie viele andere auf einem ausgedehnten Schuttfächer, der heute mit einem Mosaik aus Obstbaumkulturen und Höfen modelliert ist. Hier hat der Zielbach seine schuttreiche Ladung aus der Texelgruppe auf den Talboden geworfen und zu einem bis zu 200 Meter hohen Schuttkörper aufgetürmt. Dieser Gebirgsbach spielt bei unserer gemütlichen und abwechslungsreichen Wanderrunde auch die Hauptrolle, denn er speist sowohl den Partschinser Wasserfall als auch den Partschinser Waal, der am Beginn der Tour steht.
11 km
355 m
3.00 h
Seine nahe Lage zu Meran hat Partschins den Beinamen »oberes Stockwerk der Kurstadt« eingebracht. Neben all der Berühmtheit dieses Orts sind wir rasch von der lieblichen Schönheit und ländlichen Idylle begeistert. Deshalb haben sich in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Villen und Landhäuser angesiedelt, die allesamt einen gediegenen Eindruck hinterlassen. Daneben gibt es alte schlossartige Bauten, die jedoch eher im Zentrum zu finden sind. Denn im Mittelalter war Partschins die Dorfburg der Herren von Partschins, später gingen deren Besitzungen an die Herren von Forst, die nur wenige Kilometer entfernt in der Stachelburg residierten. 

Später kamen allerlei Berühmtheiten zur Sommerfrische, allen voran Arthur Schnitzler, der seine Bewunderung mit folgenden Worten ausdrückte: »Partschins lag da, als hätte es ein müder Gott an den Berghang hingekleckst, als wäre das Atemholen hier die einzige Beschäftigung, während der Frühling schwer und träumerisch über Bergen und Thälern hing.« Dass vorrangig das Wasser in Partschins zum Lebenselexier gehört, beweisen nicht nur Wasserfall und Waal, sondern auch die Birkenquelle, die einst das weitum bekannte Heilbad »Egart« speiste. Sie brachte jüngst dem Ort von offizieller Seite den Titel »Mineralwassergemeinde« ein.

Hinauf zum Waalweg

Vom Zentrum wandern wir entlang einer Fahrstraße mit Markierung »Waalweg und Vellau« in östlicher Richtung aus dem Dorf hinaus. Nachdem wir uns beim Schwimmbad links aufwärts und bei der nächsten Kreuzung nach rechts gewendet haben, befinden wir uns auf dem ansteigenden Fahrweg zum Gasthaus Niedermeier. Wir müssen nun etwa 150 Höhenmeter überwinden und wandern durch Obstbaumhaine, ehe nach 30 Minuten ein Waldweg nach links etwas steil aufwärts zum Beginn des Waalwegs führt.

Wir betreten den Saumpfad durch ein Holztor und haben sofort den munter sprudelnden Kanal vor uns, der noch zur Gänze unverbaut mit ursprünglichem Gerinne durch den Partschinser Sonnenhang zieht. Nun geht es in westlicher Richtung durch die bewaldeten Hänge, die bald zuerst sanft, bald aber abschüssiger werden. Weil er von einem Saum aus Kastanien, Birken, Hainbuchen und Gebüschen begleitet ist, zieht der Waal wie eine grüne Ader durch die Trockenhänge. Wo der Waal kleinere Wasserfälle ausbildet, müssen wir Kaskadenstufen auf Steintreppen überwinden. Bereits im Jahr 1427 wird in einer Urkunde von diesem Bewässerungskanal berichtet, und gesichert ist auch, dass die Stachelburger Grafen im 15. Jahrhundert Waaler beschäftigt haben.

Doch es könnte sogar sein, dass bereits die Römer das Wasser des Zielbachs nutzten und in künstlichen Gerinnen ableiteten. Anzeichen dafür hat man rund um Partschins gefunden, konnte sie allerdings nicht eindeutig zuordnen. Heute erfüllt der Waal nicht nur die Aufgabe des Wassertransports, sondern er wurde zum touristischen Kleinod, vor allem auch wegen des reizvollen und schattigen Begleitwegs. Nach 45 Minuten biegen wir nach rechts in die Hänge des Zieltals ein. Links führt ein Seitenpfad zum Ortsteil Salten hinab, in dem sich auch ein Gasthaus befindet. Der Name Salten stammt vom lateinischen »saltus« und bedeutet Waldgebiet, wovon wir uns eindrücklich überzeugen können.

Nur ab und zu fallen die Blicke durch das grüne Blätterdach auf das Zieltal, wo wir bereits die weißen Kaskaden des Wasserfalls erspähen. Nach etwas mehr als einer Stunde gelangen wir ans Ende des Waalwegs und können die Schleusenanlagen besichtigen, mit denen das Wasser vom Zielbach abgeleitet wird. »Einkehren« nennen es die Waaler, und selten wird es so eindrucksvoll vor Augen geführt wie hier.

Zum Partschinser Wasserfall

Das landschaftliche Wahrzeichen von Partschins steht am Schluss dieser Wanderung. Wir steigen vom Ende des Waals etwa 25 Minuten auf einem markierten Waldpfad zum Wasserfall hinauf, der mit seinen 97 Metern Fallhöhe zu den schönsten der Alpen gehört. Der Zielbach fällt aus dem Naturpark Texelgruppe kommend in freiem Fall über eine Felskante. Rund um den Wasserfall erlaubt eine gut zugängliche Steiganlage, das Naturschauspiel aus jeder Perspektive zu beobachten. Teile der Steiganlage gehören zum Meraner Höhenweg, der durch das Pfossental in die Texelgruppe führt.
Retour nach Partschins.

Um zurück zum Ausgangspunkt zu gelangen, benützen wir die schmale, asphaltierte Fahrstraße, die teilweise etwas steil zuerst durch Salten, dann nach Partschins zurückführt. Knapp vor dem Ort zieht eine alte Mühle am Wegesrand unsere Aufmerksamkeit auf sich, der das Wasser über Holzkandeln zugeleitet wird. Danach folgt noch eine modernere Kanalanlage, die Wasser auf die angrenzenden Obstbaumhaine befördert und uns Wasser an einem Brunnen schenkt. Kurz vor dem Parkplatz an der Raiffeisenkasse kommen wir am Peter-Mitterhofer-Museum vorbei, das durch seine moderne Architektur auffällt.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour11 km
Höhenunterschied355 m
Dauer3.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktPartschins (641 m) am Ostende des Vinschgaus, Parkplatz nahe der Raiffeisenkasse
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterEinfache Wanderung auf Wirtschaftswegen und Waldpfaden, insgesamt sind 300 Hm zu überwinden; durchgehend markiert. Partschins – Gasthaus Niedermair – Waalwegbeginn – Salten – Waalwegende – Partschinser Wasserfall – Partschins (Autor: Peter Mertz)
Beste Jahreszeit
KartentippFreytag & Berndt Wanderkarte 1:50000, Blatt WKS 1 (Bozen–Meran) ; Kompass Wanderkarte 1:50000, Blatt 53 (Meran)
VerkehrsanbindungÜber die Vinschgau-Staatsstraße (SS 38) von Meran oder vom Reschenpass bis Töll, hier befindet sich die Abzweigung zur Auffahrt nach Partschins; Parkplatz an der Bushaltestelle und nahe der Raiffeisenkasse im Zentrum Mit der Vinschgaubahn nach Töll, dann zu Fuß nach Partschins oder mit dem Gästebus nach Partschins; zum Wasserfall fährt ein kleiner Shuttlebus
GastronomieGasthöfe in Partschins, Gasthaus Niedermair, Gasthaus Salten, Gasthaus am Partschinser Wasserfall
Tipps
Museum Peter Mitterhofer. Schreibmaschinen danken rechtig Ihren Uhrsprung in Meran, Achzehnhundert vierundsechszig Sann sie da ein Zimmermann Gedicht von Peter Mitterhofer Wer hätte gewusst, dass Peter Mitterhofer, der Erfinder der Schreibmaschine, aus Partschins stammt. Deshalb wird ein Ehrenalbum des Orts immer mit dem berühmten Zimmermann und weitgereisten Wandergesellen beginnen, zu dessen Ehren die Gemeinde 1998 ein Museum eingerichtet hat. Es enthält eine wertvolle Schreibmaschinensammlung zur Würdigung dieses Kulturguts mit mehr als 400 historischen Schaustücken. Darüber hinaus erfährt man viel über die Entwicklungsgeschichte der Schreibmaschine seit 1864 (April–Oktober Mo und Fr 15–18 Uhr, Di–Do 10–12 Uhr, 15–18 Uhr, Sa 10–12 Uhr, November–März Di 10–12 Uhr; www.typewritermuseum.com).
Informationen
Dauer: Partschins – Gasthaus Niedermair 30 Min. – Waalwegbeginn 15 Min. – Waalweg- ende 1 Std. – Partschinser Wasserfall 30 Min. – Partschins 45 Min.; Gesamtgehzeit 3 Std.
Tourismusbüro
Tourismusverein Partschins, Spaureggstraße 10, I–39020 Partschins, Tel.: 0473/967157, www.partschins.com, info@partschins.com

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