Lauteraarhütte, 2393 m

Recht lange Hüttenwanderung in einer großen Kulisse. Bis zum oberen Ende des Stausees geht ein guter Weg, auf dem Gletscher und in seinem Vorfeld viel Geröll, zuletzt schmaler Pfad zur Hütte. Am Nordufer des Grimselsees ein stetiges Auf und Ab. Faszinierend der (künstliche) Alpenfjord des Grimselsees. Bei Nebel kann die Orientierung auf dem Unteraargletscher problematisch werden. (Autor: Eugen E. Hüsler)
10 km
750 m
7.00 h
Die große Hüttentour beginnt mit Treppensteigen: vom Grimsel-Hospiz (1962 m) geht es zunächst hinunter zu der fast 100 Meter hohen Bogenstaumauer, dann gut gesichert über viele Stufen am kompakten Granit der Spittellamm wieder schräg aufwärts. Es folgt eine recht luftige (aber mit Geländer versehene) Querung, dann verschwindet der Weg für hundert Meter im Bergesinnern. Nach diesem finsteren Intermezzo verläuft er mit viel Auf und Ab über dem sonnseitigen Seeufer, teilweise mit Granitplatten und -stufen versehen, dann wieder als deutliche Sandspur zwischen den Steinen. Auf solider Brücke überquert man den Juchlibach, der, durch das Schmelzwasser des Bächli- und Gruebengletschers angereichert (Zuleitungen), über ein paar Felsstufen herabstiebt. Eine halbe Gehstunde weiter überrascht der schöne Arvenbestand von Meder, und schließlich kommt auch das langgestreckte Gletschertal von Unteraar ins Blickfeld, wirkungsvoll abgeschlossen von den beieinander stehenden Zacken des Lauteraarhorns (4042 m) und des Schreckhorns (4078 m). Rechts hoch in den Felsen kann man bei schönem Wetter Kletterern zuschauen, wie sie sich in dem Granit nach oben »reiben«. Die kleinen Kinder spielen lieber am schönen Sandstrand des oberen Seeendes (2:15 Std.).
Eine bezeichnete Spur führt über den flachen Boden hinter dem Grimselsee zur Zunge des Unteraargletschers. Der trägt eine dicke »Haut« aus Geröll und Bergsturztrümmern, die er im Zeitlupentempo zum See transportiert. Man betritt das (verborgene) Eis rechts oberhalb des Gletschermauls und wandert dann auf dem Gletscher taleinwärts, bis die Markierungen nach rechts weisen. Nun auf deutlichem Weg an dem felsdurchsetzten Hang bergan, über den Triftbach und zuletzt flach über eine teilweise grasbewachsene Terrasse zur Lauteraarhütte (2393 m; 4 Std.). Hier erwartet uns ein herrlicher Blick über die Eisströme von Finster- und Lauteraargletscher auf einige der höchsten (und schönsten) Gipfel der Berner Alpen: Finsteraarhorn (4274 m), Agassizhorn (3953 m), Lauteraar- und Schreckhorn. – Rückweg nur über den Anstiegsweg!

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour10 km
Höhenunterschied750 m
Dauer7.00 h
Schwierigkeit
AusgangspunktGrimsel-Hospiz am Spittelnollen (1980 m); Zufahrt von der Grimselpassstraße. Großer Parkplatz.
EndpunktWie Ausgangspunkt
TourencharakterWer an einem schönen Sommertag zur Lauteraarhütte wandert, kann leicht ins Schwärmen geraten. Superlative drängen sich auf angesichts dieser grandiosen Fels- und Eislandschaft. »Nordisch« hat man sie schon genannt, die Grimselregion, und der langgestreckte Alpenfjord des Stausees lädt auch zu einem Vergleich ein, ebenso der kompakte, raue Granit. Die Gipfel über den Talgletschern sind allerdings entschieden höher, die Tage im Sommer dafür nicht so lang wie in Norwegens Bergen. Da kann es leicht passieren, dass die Zeit knapp wird, wenn man erst im letzten Abendlicht wieder beim Grimsel-Hospiz ankommt: zu viel gibt es zu sehen, zu bestaunen. Da ist einmal der See, der sich so gut in diese Landschaft einfügt, dass man an eine Versöhnung von Natur und Technik glauben möchte, dann die gigantischen, wie aus einem Stück gegossenen Granitmauern und die scheinbar himmelhoch ragenden Gipfel. Im Sommer blüht es bunt zwischen dem braunen Stein, dunkelgrün stehen die wetterfesten Arven an der steilen Wiesenflanke. Ihre Tage schienen gezählt, als die Energiebarone in Bern das gigantische Projekt »Grimsel-West« vorstellten. Der Spiegel des hinteren Grimselsees sollte mittels einer 220 Meter hohen Mauer (die in den alten Speicher zu stehen käme) um gut hundert Meter angehoben werden – Staukapazität rund 410 Millionen Kubikmeter Wasser. Mittlerweile sind diese Ausbaupläne vom Tisch, eine Folge des anhaltenden Widerstands in der Bevölkerung, aber auch der Liberalisierung im europäischen Strommarkt. Das Naturschutzgebiet Grimsel mit seinen knorrigen Arven und Mooren wird erhalten bleiben, »Schonet Pflanzen und Tiere«, kann man auf einer Tafel am Weg zur Lauteraarhütte, gleich oberhalb der Spittellamm-Staumauer, lesen. Unterzeichner: der Bund Naturschutz und die Kraftwerke Oberhasli (1934).
Beste Jahreszeit
KartentippLandeskarte der Schweiz 1:25 000, Blätter 1230 »Guttannen« und 1250 »Ulrichen«; Kompass 1:50 000, Blatt 108 »Gotthard – Grimsel«.
MarkierungenWeiß-rot-weiß bis zum Seeende, dann weiß-blau-weiß; auf dem Unteraargletscher auch Stangen.
VerkehrsanbindungDer Grimselpass (2165 m) verbindet das Haslital mit dem Goms (Oberwallis), 30 km von Meiringen bis zum Grimsel-Stausee. Postbuslinie.
GastronomieGrimsel-Hospiz (1962 m). Lauteraarhütte (2393 m), bewirtschaftet Anfang Juni bis Mitte September; Tel. 033/973 11 10.
Informationen
Kleine Variante: Wanderung bis zum oberen Seeende und zurück; Gesamtgehzeit 5 Std.
Tourismusbüro
Touristinformation, Bahnhofstraße 22, CH-3860 Meiringen, Tel +41/033/972 5050, info@haslital.ch, www.alpenregion.ch

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