Latroptal und Rothaarkamm

Schluchten, Hängebrücke und Wälder am Rothaarsteig Wald- und aussichtsreiche Wiesenwanderung auf fast durchgehend bequemen Wegen und Pfaden; abkürzbar auf dem ausgeschilderten Wanderweg »x23« (in der Karte gepunktet eingezeichnet). (Autor: Bernhard Pollmann)
Fachwerkdorf Latrop Der Ferienort Latrop zählt zu den schönsten Fachwerkdörfern im Naturpark Rothaargebirge. 2004 erhielt das einstige Waldarbeiterdorf beim Wettbewerb »Unser Dorf soll schöner werden« die Auszeichnung als »Bundesgolddorf«. Die Lage im naturschönen Latroptal am Ende einer Stichstraße in einem der größten zusammenhängenden Waldgebiete Westdeutschlands prädestiniert das ruhige Dorf, durch das die Hochsauerland-Talvariante des Rothaarsteigs führt, für die naturnahe Erholung. Latrop besteht aus den drei Siedlungskernen Buttersiepen, Dorfmitte und Oberdorf, die alle durch den »Wasserweg«, einen Wanderweg längs der Latrop, miteinander verbunden sind. Die Latroper Mühle in der Dorfmitte wurde zum Waldarbeitermuseum umgebaut. Das am Rothaarsteig gelegene touristische Zentrum ist das von der SanktJosefs-Kapelle (1906) überragte Oberdorf mit drei Hotel-Gasthöfen und dem parkartigen Dorfgarten, in dem eine Tafel neben der Latrop über das ausgedehnte Wanderwegenetz informiert. Vom Dorfgarten führt der Rothaarsteig an der Bushaltestelle Latrop Wendeplatz und dem Gasthof vorbei aufwärts, begleitet vom Rauschen der Latrop. Grubental Vor dem Wanderparkplatz am Ortsende geht es links weiter auf einem für den öffentlichen Verkehr gesperrten Asphaltweg, der am letzten Haus den Asphaltbelag verliert und unter alten Eschen, Eichen, Kastanien, Ahornen, Linden und Buchen dem Bach aufwärts ins Grubental hinauffolgt. Schon bald lädt bei einem Fischteich eine Schutzhütte zur Rast in diesem zauberhaften Tal. Hinter einer Waldwiese taucht der Weg wieder in artenreichen Wald ein, stets begleitet vom Rauschen des Bachs, und führt an einer nachgebauten Köhlerhütte mit Meiler vorbei. Unter dem Blätterdach der Dicken Eiche (482 m, Schutzhütte) lädt eine Sitzbank zu stiller Rast ein. Das Grubental oberhalb von Latrop zählt zu den naturschönsten Tälern des Naturparks Rothaargebirge. Das Fachwerkdorf Latrop liegt am unteren Eingang dieses siedlungsfreien Laubwald- und Wiesentals, das von der Latrop und im oberen Teil vom Schladebach durchflossen wird. Latrop ist die älteste Siedlung der Umgebung. Nach Ansicht von Heimatforschern entstand sie an der Stelle eines vorchristlichen Kultplatzes. Möglicherweise gab es oberhalb von Latrop eine weitere Siedlung, die im ausgehenden Mittelalter dem Verwüstungsprozess zum Opfer fiel, nämlich die Siedlung Gruven im heutigen Grubental. Sie wird einmal im Jahr 1297 erwähnt, außerdem stammt ein Schmallenberger Bürger »Hermann von Gruvelsiepe«, der in einer Grafschafter Urkunde im Jahr 1284 erwähnt wird, von dort. Der Name Grubental könnte von diesem alten Ortsnamen herrühren. Altarstein Mit Blick auf die Talwiesen führt der Rothaarsteig von der Dicken Eiche im Laubwald aufwärts, oberhalb eines Fischteichs löst Schluchtwald die Wiesen ab, dann schwingt der Bach rechts hinauf zum Altarstein, der auf einer Stegbrücke über den Schladebach erreichbar ist und neben einem Weiher steht – ein traumhaft schöner Rastplatz am Rauschen Bach inmitten der Wälder. Der Überlieferung nach zog sich die sächsisch-germanische Bevölkerung in dieses abgelegene Tal zurück, um sich vor den aus Wormbach kommenden Boten des christlichen Glaubens zu verstecken und ihren angestammten Gottheiten zu opfern. Der »originale« Altarstein ist nicht erhalten; die von einem christlichen Kreuz bekrönte barocke Gedenksäule erinnert an die Neugründung von Latrop 1737 - Während der Soester Fehde wurden die Siedlungen Latrop, Gellentrop, Wiesentrop und Uentrop um 1444 verwüstet, Überlebende zogen sich in den Schutz der Stadt Schmallenberg zurück. 1737–39 ließ der Abt des Klosters Grafschaft, zu dessen Besitz die Waldungen gehörten, in Latrop auf den Ruinen neue Gebäude errichten. Die Jahreszahl 1862 im Sockel der Säule erinnert an die Erneuerung des hölzernen Hochkreuzes. 1862 war ein Jubiläumsjahr 125 Jahre nach der Neugründung von Latrop und 100 Jahre nach dem Wiedereinzug der Mönche ins neu erbaute Kloster Grafschaft. Höhendorf Schanze An einer Verzweigung mit Sitzbank verlässt der Rothaarsteig das Schladebachtal, schwingt links hinauf zur Unterstellhütte Schlümperbrüche (652 m) und leitet in Buchenhochwäldern dem aussichtsreichen Höhendorf Schanze zu, dort durch ein Gässchen rechts hinauf zum Gasthof »Landhaus zum Rothaarkamm«. Vor dem oberhalb gelegenen Gasthof »Bräutigam Hanses« befinden sich die Wanderwegweiser: Der Rothaarsteig führt geradeaus über den Parkplatz und dahinter auf einem Waldpfad zu den Schanzen, der mittelalterlichen Landwehr des Klosters Grafschaft an der Heidenstraße. Das aussichtsreiche Höhendorf Schanze (720 m) liegt im Hochsauerland am Ende einer Stichstraße und ist Namensgeber des größten geschlossenen Naturwaldgebiets im Naturpark Rothaargebirge. Abseits jeglichen Durchgangsverkehrs leben in der Bergidylle von Schanze 60 Einwohner in zwei Dutzend Häusern am Rothaarsteig, dem Europäischen Fernwanderweg 1 und dem Waldskulpturenpfad von Schmallenberg nach Bad Berleburg. Schanze ist ein hervorragender Ausgangspunkt für Wanderungen und Mountainbiketouren sowie dank der schneesicheren Lage ein Zentrum für Snowboarder, alpine Abfahrtsfreuden und Skilanglauf. Seinen Namen verdankt der Erholungsort den um 1500 angelegten Landwehren (»Schanzen«) des Klosters Grafschaft an der Heidenstraße. Zum Rothaarkamm Am ersten Weg hinter den Schanzen geht es links weiter (E1), an der nächsten Kreuzung rechts hinab und sofort wieder rechts am Rand der Wiese in den Wald hinein. An der ersten Verzweigung wechselt der Rothaarsteig rechts in den bewaldeten Hang und folgt einem Forstweg zu einer Sitzbank in Topaussichtslage über dem Hartmecketal mit Blick zum Astenturm geradeaus und links zur Hunau. Mit erstklassiger Aussicht führt der Weg an einer zweiten Bank vorbei, taucht wieder in den Wald ein und führt zum Rothaarkamm, wo er in der Nähe des Heidenstocks (weiter links) die Verzweigung des Rothaarsteigs in die Kamm- und die Talvariante erreicht. Kammvariante Von der Verzweigung 500 m südwestlich des Heidenstocks führt die Kammvariante des Rothaarsteigs hinab im Fichtenwald zur Wegekreuzung (720 m, Sitzbank) in der Einsattelung oberhalb der Schladebachquelle (das Schladebachtal mit dem Altarstein zählt zu den Höhepunkten der Rothaarsteig-Talvariante). An der Wegekreuzung münden der vom Höhendorf Schanze heraufführende Europäische Fernwanderweg 1 und der Waldskulpturenweg auf den Rothaarsteig; der Waldskulpturenweg verbindet überwiegend auf der Route des E1 Schmallenberg und Bad Berleburg (Internet www.waldskulpturenweg.de). In gemeinsamer Routenführung leiten Rothaarsteig, E1 und Waldskulpturenweg aufwärts zur monumentalen Stahlskulptur »Kein leichtes Spiel« (Sitzbänke) von Ansgar Nierhoff an der Naturwaldzelle Schiefe Wand. Von der Tore-Skulptur führt der Rothaarsteig in naturnaher Umgebung zwischen Buchen und bis zum Boden beasteten Fichten hinab zur Rodung Kühhude (Panoramasitzbänke) mit dem Hütejungengrab, dem Kühhude-Café und dem Wanderparkplatz am Ende der von Bad Berleburg heraufführenden Stichstraße. Der Wanderbus fährt am Parkplatz von Freitag bis Sonntag um 16 Uhr nach Bad Berleburg. Der Rothaarsteig erreicht nach Überqueren zweier Kuppen die monumentale Skulptur »Stein Zeit Mensch« von Nils Udo (hier verabschiedet sich der Skulpturenweg Richtung Bad Berleburg) und vollzieht gleich darauf rechts einen Schlenker zur Hängebrücke über einer Schlucht im Nordhang. Hängebrücke Im Schlussbereich eines kleinen Seitentals des Schladebachs im Westhang des Saukopfs befindet sich am Rothaarsteig die Erlebnisstation »Ökosystem Wald«. Hauptattraktion ist eine 40 m lange, frei über dem schluchtartig eingeschnittenen Tal schwingende Hängebrücke. Von der Brücke aus ist ein künstliches Spinnennetz sichtbar, an dem verschiedene Tiere und Pflanzen auf Holztafeln dargestellt sind. Von der Hängebrücke geht es weiter auf einem Nordhangweg, der zwischen den Bäumen die Berge über dem Grubental durchschimmern lässt – ein sehr schönes Wegstück überwiegend in Buchenwäldern. Schließlich gewinnt der Rothaarsteig wieder den Kamm (732 m) und folgt dem Grenzweg in stellenweise urtümlichem Wald rechts zur Wegekreuzung Zinseseck (709 m, Rastgruppe), wo die Möglichkeit des Abstiegs nach Latrop ausgeschildert ist. Nach Überschreiten des Großen Kopfs (740 m, Sitzbank) bietet sich an einer Fichtenschonung Blick auf die Berge im Südwesten, wenig später lädt erneut eine Sitzbank zum Rasten ein, dann zweigt Auf der Redder (707 m) der nach Bad Berleburg hinabführende Zustieg ab (9,1 km). Der Rothaarsteig folgt weiter dem Grenzweg in hohen Buchen- und Fichtenwäldern; an der nächsten Wegekreuzung (Sitzbank) besteht erneut die Möglichkeit, nach Latrop abzukürzen (2,6 km). Hinter der Informationshütte »Der Wald und sein Eigentümer« erreicht der Rothaarsteig die Schutzhütte »Millionenbank« (2,1 km vor Jagdhaus, auf dem Rothaarsteig sind es noch 4 km bis Jagdhaus). Lüttmeckesiepen An der Schutzhütte »Millionenbank« (631 m) zweigt die Rothaarsteig-Talvariante Richtung Latrop (3,7 km) ab: Rechts und hinter der Sitzbank sofort wieder rechts auf einem Forstweg in Buchenwäldern. Nach sachtem Anstieg in Kammnähe erreicht der Weg eine Sitzbank mit exzellentem Blick auf die Berge jenseits des tief eingeschnittenen Latroptals. In mehrstufigen Buchenwäldern mit Ahornen, Eichen, Ebereschen und Fichten führt der Forstweg bequem abwärts, an der roten Sitzbank (583 m) scharf links und vor dem Bach Lüttmeckesiepen (581 m) rechts hinab auf einem naturnahen Waldpfad im schluchtartig eingeschnittenen Bachtal. Unterhalb einer Holzbrücke weitet sich die Schlucht zu einem Wiesental, oberhalb dessen Mündungsbereich eine Bank zu aussichtsreichem Verweilen einlädt. Nach mehreren weiteren Panoramasitzbänken überquert der Rothaarsteig die Latrop auf einer Holzbrücke und erreicht dahinter den unterhalb der Sankt-Josefs-Kapelle gelegenen parkartig gestalteten Dorfgarten mit Wanderwege-Übersichtskarte, Wanderwegweisern und Bushaltestelle in Latrop.

GPS-Track

Tourendetails

Länge der Tour21 km
Höhenunterschied400 m
Dauer5.00 h
Schwierigkeit
StartortSchmallenberg (380 m), Luftkurort und Wintersportplatz im Lennetal im Naturpark Rothaargebirge.
AusgangspunktWanderinformationstafel am Dorfgarten im Oberdorf von Schmallenberg-Latrop (420 m), Bushaltestelle Latrop Wendeplatz (ca. fünf Fahrten werktäglich), der Wanderparkplatz befindet sich 1 Gehminute oberhalb am Ende der Stichstraße.
TourencharakterZwischen Heidenstock und Jagdhaus erstreckt sich das größte zusammenhängende Naturwaldgebiet des Rothaargebirges, Kammvariante (10 km) und Talvariante (14 km) des Rothaarsteigs lassen sich hier zu einer Rundwanderung kombinieren, die vom Waldbild und vom Naturerleben zu den ruhigsten und schönsten der Mittelgebirge zählt. Auch wer sich für zeitgenössische Kunst interessiert, kommt auf seine Kosten - An der Kammvariante stehen zwei der neun Monumentalskulpturen des von Bad Berleburg nach Schmallenberg führenden Waldskulpturenwegs. Längs der 24 km langen Runde besteht Übernachtungsmöglichkeiten nur an der Talvariante: Das malerische Fachwerkdorf Latrop und der aussichtsreiche Höhenort Schanze liegen beide fern der Hauptverkehrsadern am Ende von Stichstraßen und zählen zu den schönsten und ruhigsten Übernachtungsorten am Rothaarsteig.
Beste Jahreszeit
KartentippFreizeitkarte 1 - 50000, Blatt 21 Naturpark Rothaargebirge (Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen).
VerkehrsanbindungA 46 Arnsberg – Meschede Ausfahrt Meschede, auf der B 55 Richtung Lennestadt und in Bremke auf die B 511 nach Schmallenberg.
GastronomieLatrop, Schanze, Kühhude.
Tourismusbüro
Kur- und Freizeit-GmbH Schmallenberger Sauerland, Poststraße 7, 57392 Schmallenberg, Tel. 02972/97400, Internet www.schmallenberg.de.

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